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Karwoche und Ostern

Foto: «Jesus Christus hat unsern Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst», Heidelberger Katechismus, 1563. (Foto: medio.tv/schauderna) «Jesus Christus hat unsern Leib und unsere Seele von der ewigen Verdammnis erlöst», Heidelberger Katechismus, 1563. (Foto: medio.tv/schauderna)
Mit dem Palmsonntag beginnt eine der wichtigsten Wochen im Kirchenjahr. Viele Christen in Kurhessen-Waldeck und der ganzen Welt gedenken in dieser Zeit des Leidenswegs Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz. Und alle christlichen Konfessionen sind sich einig: Im Leben und Sterben Jesu ist «Gott selbst zur Welt gekommen».

Doch neben aller Klage und Trauer steht die Hoffnung auf die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Das Osterfest ist daher Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. Mit «Karwoche und Ostern» haben wir Ihnen ein weiteres Thema auf ekkw.de zusammengestellt und wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen.

Ihr medio-Team aus Kassel

 

2016-05-11

Übersicht:

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Jesu Kreuzigung, Tod und Grablegung nach dem Evangelisten Markus

Markus 15, 20-47:

«Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an. Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten. Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte. Und sie gaben ihm Myrrhe im Wein zu trinken; aber er nahm's nicht. Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden.

Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. Der Christus, der König von Israel, er steige nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.

Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! Aber Jesus schrie laut und verschied. Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobus des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon länger gestorben wäre. Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, überließ er Josef den Leichnam. Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür.

Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt war.»

(Quelle: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart,
https://www.die-bibel.de/bibelstelle/Mk15,20-47/LUT17/)

2017-04-07

Internetradio:

Bischof Martin Hein über die Bedeutung des Karfreitags. Ein Beitrag von Pfarrer Christian Fischer.

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Hintergrund:
Jesu Auferstehung nach dem Evangelisten Markus

Markus 16, 1 bis 8:

«Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.»

(Quelle: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
https://www.die-bibel.de/bibelstelle/Mk16,1-8/LUT17/)

2017-04-07

Internetradio:

Hessische Kinder erklären, warum wir Ostern feiern. Eine Umfrage von Pfarrer Dr. Siegfried Krückeberg:

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Ostern - Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod

Frankfurt a.M. (epd). Ostern ist das älteste und höchste Fest der Christenheit. Der Gottesdienst in der Osternacht oder am frühen Ostermorgen ist zugleich Herzstück des Kirchenjahres. Christen erinnern darin weltweit an die Mitte des christlichen Glaubens: Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. In der frühen Kirche waren Taufen in der Osternacht besonders beliebt.

Im Jahr 325 bestimmte das Konzil von Nicäa den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling als Ostertermin. Seither wird das Auferstehungsfest in den westlichen Kirchen frühestens am 22. März und spätestens am 25. April begangen. Die orthodoxen Kirchen verwenden für die Berechnung des Osterdatums noch den alten julianischen Kalender. Daher feiern orthodoxe und westliche Christen meist an unterschiedlichen Tagen im Jahr.

Die Herkunft des Namens Ostern ist nicht völlig geklärt. Volkstümlich wurde er von der Frühlingsgöttin «Ostara» abgeleitet. Möglicherweise ist er auch Resultat eines Übersetzungsfehlers. Die lateinische Bezeichnung für die Osterwoche («Weiße Woche» / »hebdomada in albis») wurde Religionshistorikern zufolge mit dem Wort für die Morgenröte «alba» - auf althochdeutsch «eostarun» - in Verbindung gebracht.

Das Osterfest geht aus einer urchristlichen Passah-Feier hervor, die sich aus dem jüdischen Passah-Fest entwickelte. Trotz der Loslösung vom Judentum blieben wichtige Parallelen bestehen: Passah, die Erinnerung an den Auszug der Juden aus Ägypten, liegt in zeitlicher Nähe zu Ostern. Viele Inhalte des Passah-Festes haben ein Gegenstück in der christlichen Symbolik. So erinnert das Osterlamm, das aus dem an Passah geschlachteten Lamm hervorgeht, an das Sühneopfer Jesu. (04.04.2006)

2014-04-14

Internetradio:

Hessische Kinder erklären, wie sie das Osterfest feiern. Eine Umfrage von Pfarrer Siegfried Krückeberg:

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Das Osterlamm - Bild der Duldsamkeit

Kassel (blick in die kirche/Cezanne). Das Lamm ist wegen seiner angeblichen Einfalt und Duldsamkeit zum Inbegriff christlicher Frömmigkeit geworden. Sein weißes Fell steht auch für Reinheit und friedliches Miteinander. Bis heute gehört das Lamm neben Kreuz und Fisch zu den stärksten und wichtigsten Christussymbolen. Im Ostergottesdienst steht das «Lamm Gottes» im Mittelpunkt. Dargestellt wird es meist mit einer Fahne als Zeichen des Sieges über den Tod. Im Volksbrauch hat das Osterlamm als Süßigkeit seinen festen Platz. Früher kannte man den Brauch, kleine, aus Wachs gegossene Lämmer zu weihen und an die Gläubigen zu verteilen.

Doch das naive Bild des Osterlämmchens hat einen tiefernsten Hintergrund: Jesus starb der Überlieferung zufolge in derselben Stunde, in der im Tempel die Lämmer für das jüdische Passahfest - aus dem sich das christliche Osterfest entwickelte - geschlachtet wurden. Der Täufer Johannes hatte ihn als leidenden Gottesknecht und wahres Passahlamm bezeichnet: «Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt!» Im Neuen Testament wird der Tod Jesu als endgültiges Sühnopfer bezeichnet, bei dem Christus Priester und - im Sinne des Lamms - zugleich Opfer ist. Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Korinther: «Es wurde ja unser Osterlamm geschlachtet: Christus.» Unmittelbar vor seinem Tod am Kreuz feierte Jesus wahrscheinlich ein Passahmahl mit seinen Jüngern. Darauf führen die christlichen Kirchen auch die Tradition des Abendmahls zurück.

Jesus wird seit den Anfängen der kirchlichen Kunst allerdings auch als der Gute Hirte dargestellt. In vielen Wohnzimmern besonders des 19. Jahrhunderts waren Kunstdrucke weit verbreitet, auf denen ein blonder Jesus mit Hirtenstab und mildem Blick sich um seine Schafe sorgte - ein Sinnbild für Christus und die Gemeinde. In der evangelischen Kirche werden noch heute die Seelsorger mit dem lateinischen Wort «Pastor» als Hirten bezeichnet. (07.04.2006, Quelle: blick in die kirche-Magazin, «Osterzeit», April 2006)

2014-04-14
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Christlicher Jahreskreis:
Symbole machen das Göttliche zur lebendigen Erfahrung

Kassel (blick in die kirche/Cezanne). Die Geheimnisse des Christentums erschließen sich durch Bilder und Riten intensiver als durch Worte. In den Symbolen des christlichen Jahreskreises wird das Göttliche zur lebendigen Erfahrung - vor allem Ostern, das wichtigste Hochfest der Christenheit, hält Heilkräfte für die Seele bereit. Goethe warnte davor, Symbole als nebulösen Traum oder Schatten abzutun. Für den Dichter waren sie vielmehr konkrete Phänomene, sogar eine «Offenbarung des Unerforschlichen».

2014-04-14

Taufen in der Osternacht

Im Osterbrauchtum haben sich vorgeschichtliche Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsriten mit der christlichen Liturgie der alten, noch weitgehend ungetrennten Kirche vermischt. Viele dieser Traditionen erfahren heute eine Renaissance. So werden in Kirchengemeinden immer häufiger feierliche Taufen in der Osternacht angeboten. Das Holen des Taufwassers aus einem Bach, Brunnen oder einer Quelle in der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag findet auch zunehmend bei Protestanten Anhänger. Der Brauch verweist auf vorchristliche Zeiten, in denen das in der Frühjahrsnacht geschöpfte Wasser Augenleiden, Ausschlag und andere Krankheiten heilen sollte. Das heilige Nass bewahrt der Überlieferung zufolge ein ganzes Jahr lang Mensch und Vieh vor Krankheiten oder Unglücken.

Wasser als «Gnadenmittel Christi»

In einigen Regionen Deutschlands wird aus Dankbarkeit für die heilenden Kräfte des Wassers der Brunnen im Dorf mit Osterschmuck verziert. Der in Trier geborene Bischof und Kirchenvater Ambrosius von Mailand (339-397) bezeichnete Wasser als «Gnadenmittel Christi», das alles abwäscht und selbst nicht gewaschen werden muss. Moderne Seelsorger ziehen hier eine tiefenpsychologische Verbindung zwischen der Leidenszeit von Karfreitag und Ostern als dem Ende der Trauer. Nach den vielen Wochen des Gedenkens von Leiden und Passion ist mit Ostern ein «Übergewicht der Freude und des Lebensjubels nötig», betont der evangelische Theologe, Psychologe und Lebensberater Hans Gerhard Behringer (Nürnberg): «Vielleicht müssen wir erst wieder lernen, das Leben zu feiern.» Denn davon spricht Ostern, dass eine Art von Lebensfreude aufbricht, die nach dem Tod Jesu keiner für möglich gehalten hatte. Mit seiner in der Bibel bezeugten Auferstehung wurde deutlich, dass es auch mitten aus dem Tod einen neuen Aufbruch geben kann:  Davon künden ganz plastisch auch Osterhase, Osterei und Osterfeuer.

Der Hase

Der Hase gilt seit alter Zeit als Symbol für Lebendigkeit, Freude und Fruchtbarkeit. Er war das heilige Tier der germanischen Frühlingsgöttin Ostara. Im chinesischen Mondkalender beginnt mit dem Monatstier Hase der Frühling. Im alten Ägypten begleitete ein Hase die Göttin Unut. Dem antiken Schriftsteller Plutarch zufolge waren Hasen wegen ihrer Schnelligkeit und ihrer vorzüglichen Sinnesorgane eine Allegorie des Göttlichen. Der Osterhasenbrauch wurde in Deutschland erstmals Ende des 17. Jahrhunderts erwähnt, fand die Religionskundlerin Gertrud Wagemann heraus. Vor noch rund hundert Jahren waren Legenden lebendig, nach denen in der Region Hannover der Fuchs die Eier gebracht hat. In anderen Gegenden war es der Storch oder der Kuckuck.

Das Ei

Das Ei hatte in der Geschichte der Menschheit viele verschiedene Bedeutungen. In alten Kulturen war es nicht nur Nahrung, sondern Zeichen für neues Leben und Reinheit. Über Umwege  wurde es zu einem der wichtigsten Sinnbilder für die Osterzeit. Christen sehen im Ei auch ein Gleichnis für das verschlossene Grab, in welchem neues Leben keimt - ein Hinweis auf die Auferstehung Christi. Im Mittelalter wurden unter anderem mit Eiern auch Pacht und Zinsen bezahlt. Einer der Zahltermine im Jahr war Religionswissenschaftlern zufolge das Osterfest.

Eier findet man als Beigabe in antiken Gräbern. Auf die lange Tradition des Bemalens von Eiern schließt ein entsprechender Grabfund aus dem vierten Jahrhundert nach Christus. Als Vorlage für das Ausschmücken könnten auch die natürlichen Farbmuster von Wildvogeleiern gedient haben. Ursprünglich färbten Christen die Ostereier wohl nur rot, denn die Farbe Rot steht für Leben, Geburt, Freude, Feier und Sieg.

Die Osterkerze

Zu Ostern spielt auch das Licht eine zentrale Rolle: In vielen Gemeinden wird am Ostermorgen mit dem Ruf «Christ ist erstanden» die brennende Osterkerze in das dunkle Kirchenschiff getragen. Oftmals entzünden im Anschluss Gottesdienstbesucher eine kleine Kerze an dieser Flamme und reichen das Feuer von Bank zu Bank, bis die Kirche vom Kerzenschein erstrahlt. Besonders in den südlichen deutschsprachigen Gebieten wird mit großen Osterfeuern aus Holz- und Reisigbündeln auch der Sieg der Sonne über den Winter und das Erwachen der Natur nach der langen, kalten Jahreszeit zum Ausdruck gebracht. Damit wird zugleich auch an das Kommen Christi als das Licht der Welt erinnert. In Günsterode bei Melsungen gibt es die Tradition der feurigen Osterräder, die von einem Hügel ins Tal hinabgerollt werden.

Das Osterlachen

Eine in unseren Regionen kaum bekannte Ostertradition ist das Osterlachen, dessen Herkunft im Dunkeln liegt. Christen versammelten sich dazu am Ostermorgen vor dem Gottesdienst in der Kirche und lachten gemeinsam den Tod aus. Mit diesem Ritus wurde zugleich der besiegte Satan verspottet. Den Sieg des Lebens über den Tod feiern auch Christen der aus der evangelischen Erweckungsbewegung stammenden weltweiten Herrnhuter Brüdergemeine, indem sie den Ostermorgen an den Gräbern ihrer Ahnen auf dem «Gottesacker» erwarten. (07.04.2006, Quelle: blick in die kirche-Magazin, «Osterzeit», April 2006)