Ökumenischer Rat der Kirchen
9. ÖRK-Vollversammlung in Porto Alegre

Veranstaltungsort der 9. Vollversammlung: Die südbrasilianische Hafenstadt Porto Alegre. (Foto: J.N. Bazin / WCC)
Aus diesem Anlass haben wir Ihnen ein Themenpaket zusammengestellt, in dem Sie sich umfassend über die Vollversammlung und den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) informieren können.
Ihr medio-Team aus Kassel
- Interview mit Bischof Hein zur ÖRK-Vollversammlung: «Ökumenische Bewegung muss wieder Fahrt bekommen»
- Deutsche Delegation zieht gemischte Bilanz - Bischof Hein in ÖRK-Zentralausschuss gewählt
- Vollversammlung war mehr Weltkirchentag statt Diskussionsforum
- Bischof Hein erwartet «mehr Schwung in der Ökumene»
- Weltkirchenrat kritisiert wachsende Kluft zwischen Arm und Reich
- Globalisierung im Mittelpunkt von ÖRK-Vollversammlung in Brasilien
- Bischof Hein: Veränderung der Welt fängt bei und in uns selber an
- ÖRK-Vollversammlung - Bischof Hein gespannt auf neue Impulse
- Fünf EKD-Delegierte kandidieren für ÖRK-Zentralausschuss
- Vollversammlung in Brasilien trifft auf breites Spektrum der Religionen
- Weltkirchenrat will erstmals im Konsens entscheiden
- Samuel Kobia führt seit zwei Jahren den Weltkirchenrat
- Hintergrund: Der Ökumenische Rat der Kirchen
- Von Amsterdam nach Porto Alegre - Die neun ÖRK-Vollversammlungen
- Porto Alegre - Stadt des Weltsozialforums
Übersicht
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Interview mit Bischof Hein zur ÖRK-Vollversammlung: «Ökumenische Bewegung muss wieder Fahrt bekommen»

Bischof Dr. Martin Hein: «Wir brauchen den Ökumenischen Rat der Kirchen als ein Forum, um in dieser Welt deutlich unsere Stimme als Christen erheben zu können.» (Foto: medio.tv/ schauderna)
Hein forderte in dem Interview: «Die ökumenische Bewegung muss wieder Fahrt bekommen». Er unterstrich, dass der Ökumenische Rat dabei eine führende Rolle gewinnen müsse. Es reiche nicht aus, sich nur mit Strukturfragen zu beschäftigen, sondern der Rat müsse neue Impulse geben, «dass Kirchen aufeinander zugehen und wir deutlicher als bisher als Christen in dieser Welt erkennbar sind», sagte Hein.
Der Kasseler Bischof zeigte sich beeindruckt von der «bunten Vielfalt unterschiedlicher Kirchen, die vereint sind im Ökumenischen Rat und damit auch im gemeinsamen Glauben» und betonte die Wichtigkeit des Weltkirchentreffens: «Ich möchte der Einschätzung, es habe sich weitgehend um eine belanglose Veranstaltung gehandelt, widersprechen. Wir brauchen den Ökumenischen Rat der Kirchen als ein Forum, um in dieser Welt gegenüber anderen großen Organisationen deutlich unsere Stimme als Christen erheben zu können», so Hein gegenüber medio. Für die Zukunft forderte Hein eine Konzentration der Aufgaben am Sitz des Ökumenischen Rates in Genf. «Wir müssen weniger tun und die Aufgaben begrenzen, aber wir müssen das, was wir tun, gut machen», betonte Hein.
Deutsche nicht nur Globalisierungsgewinner - Gegen Klassenkampfparolen
Hinsichtlich der Globalisierungsdebatte, die in Porto Alegre geführt wurde, unterstrich Hein, dass durch den freien Austausch von Waren und von Arbeitsplätzen manche Regionen sehr stark ins Hintertreffen gerieten. Daher sei es verständlich, dass die Kirchen hier für die Armen eintreten. Es genüge aber nicht, hier «Klassenkampfparolen» wieder zu beleben, so Hein. Er mahnte in diesem Zusammenhang mehr differenzierten Sachverstand an und bedauerte, dass dieser in Porto Alegre manchmal zugunsten einer «kämpferischen Rhetorik» verloren gegangen sei.
Die Deutschen seien, so Hein, «mitnichten nur Globalisierungsgewinner», was ihnen allerdings oft von Vertretern der südlichen Erdkugel unterstellt oder vorgeworfen werde. «Sondern wir sind inzwischen auch Verlierer dieser globalen Situation», sagte der Bischof. Es komme jetzt verstärkt darauf an, global zu denken und den Bedingungen vor Ort entsprechend zu handeln.
Konsensverfahren einüben - Fragen der Bio- und Gentechnik nach vorne bringen
Zum umstrittenen, in Porto Alegre erstmals auf einer Vollversammlung des ÖRK praktizierten «Konsensverfahren» äußerte sich der Bischof positiv: «Insgesamt ist es ein durchaus sinnvolles Verfahren, das allerdings in den nächsten Jahren noch eingeübt werden muss», sagte Hein, der auf der Vollversammlung wieder in den Zentralausschuss des ÖRK gewählt wurde. In diesem Gremium will Hein sich verstärkt für eine Diskussion der Fragen der Lebenswissenschaften einsetzen. Sein Anliegen sei es, die Fragen der Bio- und Gen-Technologie weiter nach vorne zu bringen. Der Bischof unterstrich, dass nach seiner Auffassung die Fragen der neuen Technologien das Menschenbild im 21. Jahrhundert entscheidend bestimmen werden.
Skepsis gegenüber «Weltkirchentag» - Plädoyer für Konzentration der Arbeit des ÖRK
Hein äußerte sich auch zur Zukunft der Vollversammlung des ÖRK: «Die einen bevorzugen eine Entwicklung hin zu einer Art Weltkirchentag - gewissermaßen das deutsche Modell auf Weltebene, wo unterschiedlichste Initiativen und Aktionen sich präsentieren um miteinander ins Gespräch zu kommen. Andere, zu denen ich selbst gehöre, befürworten eher die Konzentration der Arbeit in der Vollversammlung als dem maßgeblichen Entscheidungsgremium, dass die Leitlinien für die jeweilige siebenjährige Arbeit in Genf festlegt» sagte der Bischof. Darüber müsse jetzt diskutiert werden. (03.03.2006)
Interview:
Lesen Sie hier das medio-Interview mit Bischof Dr. Martin Hein im Wortlaut:
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Internetradio:
Hören Sie hier einen Beitrag zum Thema von Christian Fischer:
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9. ÖRK-Vollversammlung in Porto Alegre
Deutsche Delegation zieht gemischte Bilanz - Bischof Hein in ÖRK-Zentralausschuss gewählt
EKD-Auslandsbischof Rolf Koppe begrüßte dagegen das Konsensverfahren. Dieses sei insgesamt akzeptiert worden, dauere nicht länger als bisherige Abstimmungen und gebe den Minderheitskirchen mehr Raum sich einzubringen. Auch die Zusammenarbeit zwischen Orthodoxen und Protestanten habe sich entscheidend verbessert. Bischof Hein wertete die Vollversammlung in weiten Teilen als «Weltkirchentag». Denen, die nicht anwesend waren, sei dessen Bedeutung nur schwer zu vermitteln. Hein: «Insofern war die Vollversammlung insgesamt unauffällig.»
Bischof Hein in ÖRK-Zentralausschuss gewählt
Die ÖRK-Vollversammlung hat fünf Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in den ÖRK-Zentralausschuss gewählt. Die Delegierten des Weltkirchenrates votierten am Mittwochabend (22.2.) für Bischof Dr. Martin Hein (Kassel) und den EKD-Auslandsbischof Rolf Koppe.
Gewählt wurden zudem Pfarrerin Heike Bosien (Stuttgart), Superintendent Frank Schürer-Behrmann von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und die Studentin der evangelischen Theologie, Christina Biere, von der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Der Zentralausschuss bildet mit rund 150 Mitglieder zwischen den Vollversammlungen das höchste ÖRK-Leitungsgremium. Er führt die von der Vollversammlung angenommenen Richtlinien aus, prüft und überwacht die Programme und beschließt den ÖRK-Haushalt. (23.02.2006)
Ökumene der leisen Töne
Vollversammlung war mehr Weltkirchentag statt Diskussionsforum
Porto Alegre (epd). Geräuschlos hat der Ökumenische Rat der Kirchen am Donnerstag (23.02.) seine 9. Vollversammlung im brasilianischen Porto Alegre abgewickelt. Manch erwarteter Konflikt blieb aus: Protestanten und Orthodoxe, die sich sonst misstrauisch begegneten, verhielten sich friedlich. Differenzen zwischen Kirchen aus armen Ländern und denen aus Industriestaaten um die Globalisierung wurden unter den Teppich gekehrt. Die rund 4.000 Teilnehmer feierten fröhlich einen zehntägigen «Weltkirchentag». Weltweit für Aufsehen sorgte nur der Protest US-amerikanischer Kirchen gegen die Bush-Regierung wegen des Irak-Krieges.
Die Delegation der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zog eine sehr gemischte Bilanz. Der Kasseler Bischof Dr. Martin Hein, der wieder in den ÖRK- Zentralausschuss gewählt wurde, vermisste «zündende Ideen» und Visionen für Reform der ökumenischen Bewegung. Sie habe eine Debatte um die brennenden theologischen Fragen Kirchenverständnis, Abendmahl und Frauenordination vermisst, beklagt die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann. Insgesamt zeigte sich die EKD-Delegationsleiterin enttäuscht. In der Ökumene müsste bereits viel mehr möglich sein, mahnte Käßmann ungeduldig.
Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Thomas Wipf, bezeichnete die Arbeitsbedingungen bei den erstmals im Konsens getätigten Abstimmungen als «nicht optimal». Positiv gab sich Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck), die viel «Lebendigkeit und spirituelle Kraft» ausmachte.
Für Missfallen und Unmut sorgte bei allem Harmoniestreben die Tagungsregie. So beklagten viele Delegierte die fehlende Aussprache über einen Gebetsaufruf zur Reform der Weltwirtschaft. Einige empörten sich, das Dokument befördere einseitig Kapitalismuskritik und sei nicht von wirtschaftlichem Sachverstand getrübt. Auch der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, konnte in dieser Sache nicht vermitteln. Die Globalisierung, betonte er in Porto Alegre, habe viele Gesichter: Zum einen könnten hasserfüllte Gewaltdemos gegen die Mohammed-Karikaturen weltweit organisiert werden. In kurzer Zeit seien aber internationale Hilfsaktionen für Katastrophen-Opfer wie etwa nach dem Tsunami möglich.
Der Weltkirchenrat müsse zwar weiter die Stimme der Armen und Benachteiligten der Welt sein, meinte der Ökumene-Experte Reinhard Frieling ein. Zugleich dürfe der ÖRK aber nicht beim «Aufschrei des Einzelnen» stehen bleiben. Nötig sei der Dialog mit Experten über eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, der bisher unterblieben sei. Frieling: «Unsere Ethik muss auch politikfähig gemacht werden.» Ansonsten werde der Weltkirchenrat nicht mehr ernst genommen. Wie Frieling bemängelten auch andere Teilnehmer die einseitige Parteinahme des Weltkirchenrates beim Nahost-Konflikt zu Gunsten der Palästinenser. Damit könne der ÖRK nicht zur Versöhnung beitragen.
Stargast der Vollversammlung war der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen stellte klar, dass der Vatikan auch in Zukunft allein schon aus strukturellen Gründen nicht dem ÖRK beitreten wird. Die römisch-katholische Kirche zählt rund eine Milliarde, der Weltkirchenrat rund 560 Millionen Mitglieder. Kasper warb aber für konkrete Ziele in der Ökumene wie wechselseitige Anerkennung der Taufe und einen gemeinsamen Termin der Kirchen für das Osterfest.
Während der Austausch mit den Katholiken berechenbar bleibt, betrat der ÖRK mit der Ausweitung seines Dialogs auf die Pfingstkirchen Neuland. Diese Kontakte gelten seit langem als diffizil. Den Pfingstlern ist der Weltkirchenrat zu liberal, zu politisch und zu wenig fromm. Doch an einem Dialog sind beide Seiten interessiert. Immerhin gilt die Pfingstbewegung als der am stärksten wachsende Zweig der Christenheit mit zurzeit zwischen geschätzten 400 bis 600 Millionen Anhängern. Für diese Annäherung könnte von Porto Alegre ein Signal ausgehen. (28.02.2006)
ÖRK-Vollversammlung
Bischof Hein erwartet «mehr Schwung in der Ökumene»
Hein ist einer der rund 3000 Teilnehmer der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Porto Alegre/Brasilien, bei der sich Vertreter aus fast 350 Kirchen in 120 Ländern treffen.
Im Blick auf die heftige Diskussion über die Globalisierung sprach sich Hein dafür aus, sich bei aller Verschiedenheit auf die gemeinsame Grundlage des Evangeliums von Jesus Christus zu besinnen. Dies drücke sich auch darin aus, dass viele Kirchengemeinden in Kurhessen-Waldeck einen Gottesdienst mit Elementen aus der weltweiten Christenheit gefeiert haben, um dadurch eine innere Verbindung weit über Europa hinaus nach Brasilien herzustellen. (20.02.2006)
Deutsche Delegierte empört über Schärfe der ÖRK-Kapitalismuskritik
Weltkirchenrat kritisiert wachsende Kluft zwischen Arm und Reich
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber hatte als Moderator des ÖRK-Forums zur Weltwirtschaft erklärt, Menschenwürde, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit seien die elementaren Werte, an denen wirtschaftliches Handeln zu messen sei. Die Globalisierung habe viele Gesichter. Huber: «Zu ihnen gehört, dass Hass weltweit organisiert und verbreitet werden kann.» Zeichen dafür seien die gewalttätigen Demonstrationen gegen die Mohammed-Karikaturen. Zu den Chancen der Globalisierung gehöre aber auch, dass in kurzer Zeit eine weltweite Hilfsaktion für die Opfer des Tsunami aufgebaut werden konnte.
Gebetsaufruf für «alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde» in deutscher Delegation umstritten
Der Gebetsaufruf für «alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde» ist in der deutschen Delegation umstritten. Mehrere EKD-Vertreter verurteilten die zum Teil scharfe Kapitalismus-Kritik in dem ÖRK-Appell. Der Kasseler Bischof Dr. Martin Hein kritisierte, dass es dem Papier massiv an wirtschaftlicher Sachkenntnis mangele. Einige Inhalte seien »grotesk» und in Deutschland kaum zu vermitteln. Auch EKD-Delegationsleiterin Margot Käßmann (Hannover) zeigte sich überrascht. Sie hätte vorher gern über das Papier diskutiert, sagte sie in Porto Alegre dem epd. Der Gebetsaufruf durch die Vollversammlung gibt dem umstrittenen Text einen offiziellen Charakter.
Der so genannte Agape-Aufruf des Weltkirchenrats für alternative Globalisierung war bereits im Vorfeld der ÖRK-Vollversammlung umstritten. Besonders Kirchen aus dem Süden hatten zu einer Totalkritik der Globalisierung aufgerufen und indirekt vor allem die US-Wirtschaftspolitik an den Pranger gestellt. Kirchen aus Industrieländern sprachen sich für eine moderate Lenkung der Globalisierung in Richtung soziale Marktwirtschaft aus. Diese Diskussion sei jetzt völlig ignoriert worden, meinten Mitglieder der deutschen Delegation. (17.02.2006)
Linktipp:
Ausführliche Informationen zur Vollversammlung und zum Ökumenischen Rat der Kirchen finden Sie unter:
wcc-assembly.info
Im Wortlaut:
Den so genannten Agape-Aufruf der ÖRK-Vollversammlung mit dem Titel «Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde» finden Sie hier:
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