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Erntedank

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Stichwort Erntedankfest

Frankfurt a.M. (epd). In den Festgottesdiensten am Erntedankfest danken Christen Gott für die Vielfalt des Lebens und die täglichen Nahrung. Termin für Erntedank ist in der Regel der erste Sonntag im Oktober. Einige Gemeinden feiern das Fest bereits Ende September.

Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen der Menschen. Schon in der Antike, im alten Israel oder bei den Römern waren solche Feste bekannt. Die christliche Tradition hat die Bitte um Nahrung in ihr wichtigstes Gebet aufgenommen, das «Vaterunser». Dort heißt es: «Unser tägliches Brot gib uns heute.» Die Kirche feiert das Erntedankfest bereits seit dem dritten Jahrhundert.

Nach christlichem Verständnis gehören Danken und Teilen zusammen. Deshalb wird an Erntedank an Hungerkatastrophen erinnert und für Not leidende Menschen gesammelt. Viele Gemeinden spenden ihre Kollekte an die Aktion «Brot für die Welt». Zudem verweisen die Christen auf die Bedrohung von Gottes Schöpfung.

 

2016-09-29
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Wer «danke» sagt, weiß wie kostbar das Leben ist

von Propst Helmut Wöllenstein, Marburg

«Ich glaube, die beste Definition des Menschen lautet: undankbarer Zweibeiner», schreibt der russische Dichter Dostojewski. Ich behaupte glatt das Gegenteil: Wir Zweibeiner werden erst zu Menschen, wenn wir danken. - Da ist dieser Moment, in dem uns etwas geschenkt wird. Bevor wir es brauchen oder aufessen, wiegen wir es vorsichtig in der Hand. Wir merken, das ist für mich, ich bin es wert. Wir sehen dem in die Augen, der uns beschenkt und sagen: «danke». Danke für das Geschenk und mehr noch für unsere Beziehung. Diese wenigen Sekunden, diese Gefühle und Blicke, das Wörtchen «danke» machen Menschen aus uns.

Ein Beispiel: Wenn meine Großmutter im Herbst über den Kartoffelacker ging, bekam sie plötzlich leuchtende Augen. Sie fing an, vor sich hin zu murmeln «So gute Kartoffeln ... so gute Kartoffeln wie dies Jahr hatten wir noch nie.» Ihr zu widersprechen war sinnlos, auch wenn es schon bessere Ernten gegeben hatte. Abends saß sie dann noch eine Weile im Keller und schaute sich in aller Ruhe den großen Berg Kartoffeln an. Ein Fest für sie, ein Rausch. Sie vergaß in diesem
Augenblick, dass es in ihrem langen Leben schon viele gute oder schlechte Jahre gegeben hatte. Sie sah einfach, was vor Augen war, staunte und freute sich. Vor lauter Übermut ließ sie dann «einen springen»: Wir bekamen einen schönen Schein als Taschengeld. Und der liebe Gott bekam einen noch schöneren Schein in die Kollekte für die Hungernden.

Leider, muss ich sagen, geht es bei uns in der Familie anders zu. Wir kaufen unsere Lebensmittel. Die Regale sind immer voll, alles in guter Qualität. Wie sollte man sich jedes Mal beim Einkaufen freuen oder sogar dankbar sein? Schnell muss es gehen. Bezahlt wird mit Karte. Zu Hause kommt vielleicht das Gefühl «gut, dass wir uns das leisten können». Doch unter dieses Gefühl mischen sich auch gleich andere: «Schon wieder 126 Mark weg vom Konto.» Und «mal sehen, ob die Kinder den Teller abessen». Vielleicht hatte Dostojewski doch Recht: «Undankbarer Zweibeiner».

Manchmal wird man herausgerissen aus der alltäglichen Gleichgültigkeit: Wir sind bei einem Stadtbummel, wollen über die Straße mit den Kindern. Links gucken, rechts gucken, nichts zu sehen. Unsere Kleine reißt sich los. Bremsen quietschen. Eine Frau schreit. Das Auto kommt zwei Zentimeter vor dem Kind zum Stehen. «Danke» kann ich nur stammeln. Das Blut sackt mir aus dem Gesicht. Die Knie zittern. Erst abends, als die Kleine vor uns im Bett liegt, wissen wir wirklich wieder, was das für ein Wort ist, «danke». Wer «danke» sagt, weiß wie kostbar das Leben ist. Er weiß, dass wir selbst viel tun können und dass uns noch mehr geschenkt werden muss. Danken verdoppelt das gute Erlebnis. Ich erlebe nicht nur den Moment, in dem mir etwas geschenkt wird, ich erlebe ihn noch einmal, wenn ich danke. Ich lasse ihn groß werden in mir, gebe ihm Raum. Ich spreche davon, erzähle es weiter - ohne zu prahlen.

2013-09-26
Dankbarkeit ist mehr als ein schönes Gefühl. Gefühle fliegen schnell vorbei. Der Dank macht aus dem guten Erlebnis eine Erinnerung. Die Erinnerung bleibt und gibt mir auch später noch Kraft. Mit meinem Gefühl bleibe ich allein. Wenn ich aber danke, komme ich heraus aus meinem kleinen Lebenskreis, gehe auf andere zu, gewinne einen weiten Horizont. Ich sehe die Dinge vor mir und die Menschen, für die ich danke. Ich sehe das Brot, unser Haus, meinen Arbeitsplatz ... den Bäcker, den Arzt, den Auto-Mechaniker, der nach den Bremsen sieht. Wie viele Menschen tragen dazu bei, dass ich so leben kann, wie ich lebe?

Merkwürdig, dass es im Hebräischen, in der alten Sprache der Bibel, kein Wort gibt für «danken». Vom Bitten ist häufig die Rede. Aber der Gegenpol dazu ist nicht «danken», sondern «loben». Wer jemanden lobt, erzählt etwas Gutes von ihm. Das Danken ist im Loben ganz enthalten. Wer Gott lobt, lenkt alle Aufmerksamkeit auf Gott. Er stellt sich in dem Moment nicht selbst in den Mittelpunkt, er stellt auch nicht irgendwelche Geschenke in den Mittelpunkt «... ich brauche, ich habe, ich will ...» Sondern er lässt los, er wird frei, er kann atmen und schenken, kann feiern und singen. Es ist eine der größten Erfahrungen, die Menschen machen können. «Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster.»

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Zum Thema: «Undank ist der Welt Lohn»

von Pfarrer Rüdiger Haar, Kassel

Es begann mit einem Streit, in dem Andrea und Steffen ihren Einsatz für die Versorgung von Haus und Garten verglichen. Jeder meinte, mehr für die Gemeinschaft geleistet zu haben. Die unterschiedlichen Vorstellungen führten dazu, dass sie in eine grundsätzliche Auseinandersetzung über ihre Ehe gerieten und schließlich die Ehe- und Partnerschaftsberatung aufsuchten.

«Früher warst du immer so geduldig, aber seit ein paar Jahren meckerst du nur noch», sagt Andrea, und Steffen antwortet schnell: «Du hast dich auch geändert: Erst war ich der Beste von allen, und dann hast du mich nur noch müde angeguckt.»

Im Gespräch mit dem Berater erinnern sich die beiden an die wachsenden Enttäuschungen und zunehmenden Verletzungen, die ihre Beziehung belasteten. Dabei hatte alles so verheißungsvoll angefangen. In der Anfangszeit ihrer Beziehung hatten sie nur gute Gedanken füreinander und gegen Bedenken ihrer Eltern empört protestiert. Der Partner hatte sozusagen ein unbeschränktes Guthabenkonto - wie ein Paarforscher das einmal nannte.

2013-09-26
Irgendwann aber kamen heimliche Gedanken, in denen der andere einer kritischen Betrachtung unterworfen wurde. Darüber redete man aber nicht, denn bald gab es ja wieder gute Zeiten und man wollte die Stimmung nicht vermiesen. Aber nach jeder kleinen Auseinandersetzung wurden die Kritikpunkte innerlich notiert und jetzt, in der Krise - hervorgerufen durch den läppischen Streit um die Hausarbeit - wieder aufgetischt. Das war nun plötzlich ein nicht zu bewältigender Berg von Anklagepunkten, die den Partner, die Partnerin überrollten. Sie führten zu Sprachlosigkeit und Kränkung, dann zu Rachegefühlen und Verteidigungsreden. Alles wurde aufgeführt, was einem schon lange zuwider war. Nach einiger Zeit war das Paar erschöpft. War jetzt alles zu Ende? Ihre Beziehung ein Irrtum?

Vielleicht haben Sie auch schon einmal eine solche Krise erlebt und gedacht: «Ich hab doch alles getan, was ich konnte. Und nun das. Da sieht man: Undank ist der Welt Lohn.» Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Versuchen Sie einmal, nicht nur die Schattenseiten in der Krise und die Lichtseiten im Glück zu sehen! Sehen Sie Ihren Partner und die Beziehung als Ganzes. Weder die Verliebtheit noch die Verbitterung geben für sich den richtigen Blick. Schauen Sie auf das, was Sie sich gegenseitig schenken konnten. Bei der großen Abrechnung ist die Dankbarkeit für das, was Sie sich geschenkt haben, wichtig. Sie verhindert einseitige Kontenführung. Sie lässt selbst ungeschickte Bemühungen um Beziehung in einem besseren Licht erscheinen. Sie ermöglicht wieder eine liebevolle Sicht des anderen. Solche Dankbarkeit ist ein Zeichen für eine reife Partnerschaft.

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Lebensnotwendig und lecker
Brot ist Grundnahrungsmittel und christliches Symbol

Von Susanne Müller (epd)

2013-09-25
Frankfurt a.M. (epd). Groß wie ein Wagenrad, die Kruste glänzend braun und verziert mit einem Kreuz oder mit Trauben und Ähren aus hellerem Teig: So ziert häufig ein Brot den Erntedankaltar. Eine Umfrage der «Vereinigung Getreide-, Markt- und Ernährungsforschung» hat ergeben, dass für 85 Prozent der Deutschen Getreide und Brot Erntedanksymbole Nummer eins sind.

Brot ist Grundnahrungsmittel - und gleichzeitig viel mehr als nur ein Gebäck aus gemahlenem Getreide, Wasser, Würze und Treibmittel. Für Christen ist Brot ein zentrales Symbol, das an Jesus Christus erinnert. Beim Abendmahl steht es für den Leib Christi. In biblischen Geschichten ist es oft ein Zeichen für Gemeinsamkeit. Bei der Speisung der Fünftausend etwa wurden mit wenigen Fischen und etwas Brot durch Teilen viele Menschen satt. Die Emmaus-Jünger erkannten ihren Begleiter in dem Moment als Christus, in dem er das Brot brach.

Auch das zentrale christliche Gebet, das Vaterunser, enthält die Bitte um Brot: Unser täglich Brot gib uns heute. «Brot steht dabei stellvertretend für den Erhalt der menschlichen Existenz», sagt der Agrarbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Clemens Dirscherl. Es sei "Bindeglied christlicher Werte- und Lebensgemeinschaft". Dazu gehöre auch das Brot, «das dem Hungrigen in christlicher Zuwendung gebrochen und mit ihm geteilt wird». Als 1959 die evangelische Aktion für Notleidende in armen Ländern begann, erhielt sie den Namen: «Brot für die Welt».

Wie der Alltag aussieht, wenn das Brot knapp ist - das wissen auch in Deutschland noch viele, die sich an Kriegs- und Nachkriegsjahre erinnern können. Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche (VELKD) hat auf ihrer Internetseite «Brotgeschichten» gesammelt, die oft erschütternd sind. So die Geschichte vom Brot, das eine Bäuerin 1945 in den letzten Kriegstagen einer Mutter mit ihren zwei überlebenden Kindern auf die weitere Flucht mitgab. Sie teilten den Laib bei der Beerdigung des dritten Kindes mit dem Pfarrer und einem hungrigen kleinen Mädchen. Das war Anlass für das Mädchen und das ganze Dorf, das Grab des Kindes bis in unsere Tage in Ehren zu halten.

Auch das Museum der Brotkultur in Ulm greift das Thema Not in einer aktuellen Ausstellung auf: «50 Millionen Mark für ein Brot» heißt die Schau, die noch bis 3. November zu sehen ist. Vom Ausstellungsplakat blicken die hungrigen Augen von Kindern, wie sie die Malerin Käthe Kollwitz in schnörkellosen Kohlestrichen im Inflationsjahr 1923 festgehalten hat.

Das Museum stelle die Geschichte des Brotes «als unentbehrliche Grundlage menschlicher Existenz, Kultur und Zivilisation» vor, sagt Direktor Andrea Fadani. Weitere Brotmuseen gibt es etwa im niedersächsischen Ebergötzen und im westfälischen Nieheim. Das Bäckerhandwerk möchte das Kulturgut Brot gar als immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO schützen lassen. Rund 3.150 Brotsorten sind im 2011 gegründeten «Brotregister» für Deutschland aufgelistet.

Schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte kam man über Getreidebrei zum gebackenen Brot: Am Anfang standen Fladenbrote, auf heißen Steinen hergestellt. Eine erste «Hochkultur des Brotes» habe dann im 3. Jahrtausend vor Christus in Ägypten bestanden, berichtet Peter Becker, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks. Die Ägypter säuerten bereits den Teig zum Lockern und buken dann in Backöfen in heißer Asche oder in Tontöpfen. Sie kannten wohl schon 30 verschiedene Brotsorten. Die Römer haben dann den Backofen in Kuppelform auf einem Unterbau erfunden, der viele Jahrhunderte das Backhandwerk prägte.

Verschiedene Backtechniken, unterschiedliche Mehlsorten von Weizen und Roggen über Dinkel bis Mais und eine große Vielfalt an Zutaten wie Gewürze, Kräuter, Mohn, Nüsse und Zwiebeln führten zur modernen Vielfalt der Brotsorten. Dagegen sind viele Rituale um das Brot in Vergessenheit geraten: Nur wenige Menschen noch bekreuzen das Brot vor dem Anschneiden. Eine Tradition aber hat sich in vielen Regionen gehalten: Brot und Salz werden als Segensgaben zum Einzug in ein neues Haus geschenkt. (24.09.2013)

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Rezept-Tipp: Das ekkw.de-Ernte-Dank-Menü

Unser exquisites Ernte-Dank-Menü, dessen Zubereitung wir Ihnen hier vorstellen:

1. Gang: Kürbis-Gnocchi mit Basilikumsauce,

2. Gang: Zanderfilet im Kartoffelmantel auf Champagnerlinsen,

3. Gang: Rehrücken mit Walnusskruste und Holundersauce,

4. Gang: Pflaumentarte mit zweierlei Sauce

Sie können sich das Rezept mit allen Zutaten und Koch-Tipps als PDF-Dokument herunterladen. (Quelle: blick-Magazin)

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Kochen und Genießen!

2016-05-11

Laden Sie hier unseren Rezept-Tipp zum Nachlesen und -kochen herunter:

PDF-Dokument

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Agrar-Experte: An Erntedank die Tiere nicht vergessen

Waldenburg (epd). Nicht nur Kürbis an Erntedank: Das christliche Jahresfest solle auch landwirtschaftliche Nutztiere als Lieferanten von Milch, Eier und Fleisch in den Mittelpunkt rücken, erklärte der Agrarbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Clemens Dirscherl, im baden-württembergischen Waldenburg. Tiere hätten unabhängig von ihrem Nutzwert zudem «einen eigenen Sinn». Auch dafür gelte es zu danken.

Gerade angesichts aktueller Tierschutzdebatten sollten Kirchengemeinden ihren Erntedank auf Tiere und die verantwortungsvolle Arbeit von Bäuerinnen und Bauern erweitern, fügte Dirscherl hinzu. Die Erntedank-Symbolik sei bisher sehr auf Ackerfrüchte ausgerichtet und lasse bisher die Tiere aus dem Blick. Dirscherl rief daher dazu auf, symbolisch auch ein Päckchen Butter, Eier, Milch, Quark, Joghurt und vielleicht ein Stück geräuchertes Fleisch oder Dosenwurst auf den Erntedankaltar zu legen. Damit werde die Nahrungsvielfalt deutlich. (24.09.2013)

2013-09-26