Stichwort Erntedankfest
Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen der Menschen. Schon in der Antike, im alten Israel oder bei den Römern waren solche Feste bekannt. Die christliche Tradition hat die Bitte um Nahrung in ihr wichtigstes Gebet aufgenommen, das «Vaterunser». Dort heißt es: «Unser tägliches Brot gib uns heute.» Die Kirche feiert das Erntedankfest bereits seit dem dritten Jahrhundert.
Weil nach christlichem Verständnis Danken und Teilen zusammen gehören, wird an Erntedank an Hungerkatastrophen erinnert und für Not leidende Menschen gesammelt. Viele Gemeinden spenden ihre Kollekte an die Aktion «Brot für die Welt». Zudem verweisen die Christen auf die Bedrohung von Gottes Schöpfung. (28.09.2006)
Zum Thema: «Undank ist der Welt Lohn»
Es begann mit einem Streit, in dem Andrea und Steffen ihren Einsatz für die Versorgung von Haus und Garten verglichen. Jeder meinte, mehr für die Gemeinschaft geleistet zu haben. Die unterschiedlichen Vorstellungen führten dazu, dass sie in eine grundsätzliche Auseinandersetzung über ihre Ehe gerieten und schließlich die Ehe- und Partnerschaftsberatung aufsuchten.
«Früher warst du immer so geduldig, aber seit ein paar Jahren meckerst du nur noch», sagt Andrea, und Steffen antwortet schnell: «Du hast dich auch geändert: Erst war ich der Beste von allen, und dann hast du mich nur noch müde angeguckt.»
Im Gespräch mit dem Berater erinnern sich die beiden an die wachsenden Enttäuschungen und zunehmenden Verletzungen, die ihre Beziehung belasteten. Dabei hatte alles so verheißungsvoll angefangen. In der Anfangszeit ihrer Beziehung hatten sie nur gute Gedanken füreinander und gegen Bedenken ihrer Eltern empört protestiert. Der Partner hatte sozusagen ein unbeschränktes Guthabenkonto - wie ein Paarforscher das einmal nannte.
Irgendwann aber kamen heimliche Gedanken, in denen der andere einer kritischen Betrachtung unterworfen wurde. Darüber redete man aber nicht, denn bald gab es ja wieder gute Zeiten und man wollte die Stimmung nicht vermiesen. Aber nach jeder kleinen Auseinandersetzung wurden die Kritikpunkte innerlich notiert und jetzt, in der Krise - hervorgerufen durch den läppischen Streit um die Hausarbeit - wieder aufgetischt. Das war nun plötzlich ein nicht zu bewältigender Berg von Anklagepunkten, die den Partner, die Partnerin überrollten. Sie führten zu Sprachlosigkeit und Kränkung, dann zu Rachegefühlen und Verteidigungsreden. Alles wurde aufgeführt, was einem schon lange zuwider war. Nach einiger Zeit war das Paar erschöpft. War jetzt alles zu Ende? Ihre Beziehung ein Irrtum?
Vielleicht haben Sie auch schon einmal eine solche Krise erlebt und gedacht: «Ich hab doch alles getan, was ich konnte. Und nun das. Da sieht man: Undank ist der Welt Lohn.» Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Versuchen Sie einmal, nicht nur die Schattenseiten in der Krise und die Lichtseiten im Glück zu sehen! Sehen Sie Ihren Partner und die Beziehung als Ganzes. Weder die Verliebtheit noch die Verbitterung geben für sich den richtigen Blick. Schauen Sie auf das, was Sie sich gegenseitig schenken konnten. Bei der großen Abrechnung ist die Dankbarkeit für das, was Sie sich geschenkt haben, wichtig. Sie verhindert einseitige Kontenführung. Sie lässt selbst ungeschickte Bemühungen um Beziehung in einem besseren Licht erscheinen. Sie ermöglicht wieder eine liebevolle Sicht des anderen. Solche Dankbarkeit ist ein Zeichen für eine reife Partnerschaft.
Zum Thema: Wer «danke» sagt, weiß wie kostbar das Leben ist
«Ich glaube, die beste Definition des Menschen lautet: undankbarer Zweibeiner», schreibt der russische Dichter Dostojewski. Ich behaupte glatt das Gegenteil: Wir Zweibeiner werden erst zu Menschen, wenn wir danken. - Da ist dieser Moment, in dem uns etwas geschenkt wird. Bevor wir es brauchen oder aufessen, wiegen wir es vorsichtig in der Hand. Wir merken, das ist für mich, ich bin es wert. Wir sehen dem in die Augen, der uns beschenkt und sagen: «danke». Danke für das Geschenk und mehr noch für unsere Beziehung. Diese wenigen Sekunden, diese Gefühle und Blicke, das Wörtchen «danke» machen Menschen aus uns.
Ein Beispiel: Wenn meine Großmutter im Herbst über den Kartoffelacker ging, bekam sie plötzlich leuchtende Augen. Sie fing an, vor sich hin zu murmeln «So gute Kartoffeln ... so gute Kartoffeln wie dies Jahr hatten wir noch nie.» Ihr zu widersprechen war sinnlos, auch wenn es schon bessere Ernten gegeben hatte. Abends saß sie dann noch eine Weile im Keller und schaute sich in aller Ruhe den großen Berg Kartoffeln an. Ein Fest für sie, ein Rausch. Sie vergaß in diesem
Augenblick, dass es in ihrem langen Leben schon viele gute oder schlechte Jahre gegeben hatte. Sie sah einfach, was vor Augen war, staunte und freute sich. Vor lauter Übermut ließ sie dann «einen springen»: Wir bekamen einen schönen Schein als Taschengeld. Und der liebe Gott bekam einen noch schöneren Schein in die Kollekte für die Hungernden.
Leider, muss ich sagen, geht es bei uns in der Familie anders zu. Wir kaufen unsere Lebensmittel. Die Regale sind immer voll, alles in guter Qualität. Wie sollte man sich jedes Mal beim Einkaufen freuen oder sogar dankbar sein? Schnell muss es gehen. Bezahlt wird mit Karte. Zu Hause kommt vielleicht das Gefühl «gut, dass wir uns das leisten können». Doch unter dieses Gefühl mischen sich auch gleich andere: «Schon wieder 126 Mark weg vom Konto.» Und «mal sehen, ob die Kinder den Teller abessen». Vielleicht hatte Dostojewski doch Recht: «Undankbarer Zweibeiner».
Manchmal wird man herausgerissen aus der alltäglichen Gleichgültigkeit: Wir sind bei einem Stadtbummel, wollen über die Straße mit den Kindern. Links gucken, rechts gucken, nichts zu sehen. Unsere Kleine reißt sich los. Bremsen quietschen. Eine Frau schreit. Das Auto kommt zwei Zentimeter vor dem Kind zum Stehen. «Danke» kann ich nur stammeln. Das Blut sackt mir aus dem Gesicht. Die Knie zittern. Erst abends, als die Kleine vor uns im Bett liegt, wissen wir wirklich wieder, was das für ein Wort ist, «danke». Wer «danke» sagt, weiß wie kostbar das Leben ist. Er weiß, dass wir selbst viel tun können und dass uns noch mehr geschenkt werden muss. Danken verdoppelt das gute Erlebnis. Ich erlebe nicht nur den Moment, in dem mir etwas geschenkt wird, ich erlebe ihn noch einmal, wenn ich danke. Ich lasse ihn groß werden in mir, gebe ihm Raum. Ich spreche davon, erzähle es weiter - ohne zu prahlen.
Dankbarkeit ist mehr als ein schönes Gefühl. Gefühle fliegen schnell vorbei. Der Dank macht aus dem guten Erlebnis eine Erinnerung. Die Erinnerung bleibt und gibt mir auch später noch Kraft. Mit meinem Gefühl bleibe ich allein. Wenn ich aber danke, komme ich heraus aus meinem kleinen Lebenskreis, gehe auf andere zu, gewinne einen weiten Horizont. Ich sehe die Dinge vor mir und die Menschen, für die ich danke. Ich sehe das Brot, unser Haus, meinen Arbeitsplatz ... den Bäcker, den Arzt, den Auto-Mechaniker, der nach den Bremsen sieht. Wie viele Menschen tragen dazu bei, dass ich so leben kann, wie ich lebe?
Merkwürdig, dass es im Hebräischen, in der alten Sprache der Bibel, kein Wort gibt für «danken». Vom Bitten ist häufig die Rede. Aber der Gegenpol dazu ist nicht «danken», sondern «loben». Wer jemanden lobt, erzählt etwas Gutes von ihm. Das Danken ist im Loben ganz enthalten. Wer Gott lobt, lenkt alle Aufmerksamkeit auf Gott. Er stellt sich in dem Moment nicht selbst in den Mittelpunkt, er stellt auch nicht irgendwelche Geschenke in den Mittelpunkt «... ich brauche, ich habe, ich will ...» Sondern er lässt los, er wird frei, er kann atmen und schenken, kann feiern und singen. Es ist eine der größten Erfahrungen, die Menschen machen können. «Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster.»
Rezept-Tipp: Das ekkw.de-Ernte-Dank-Menü
1. Gang: Kürbis-Gnocchi mit Basilikumsauce,
2. Gang: Zanderfilet im Kartoffelmantel auf Champagnerlinsen,
3. Gang: Rehrücken mit Walnusskruste und Holundersauce,
4. Gang: Pflaumentarte mit zweierlei Sauce
Sie können sich das Rezept mit allen Zutaten und Koch-Tipps als PDF-Dokument herunterladen. (Quelle: blick-Magazin)
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Kochen und Genießen!
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