Thema «Passionszeit»
Mit dem Aschermittwoch beginnt die rund 40-tägige Fasten- oder Passionszeit vor Ostern. In den sieben Wochen vor dem Osterfest nehmen sich viele Christen mehr Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet, um sich selbst und Gott näher zu kommen.
In unserem Themenschwerpunkt auf ekkw.de haben wir Ihnen Meldungen, Hintergrundinformationen und Berichte zur Passionszeit zusammengestellt.
Ihre medio-Internetredaktion
Übersicht
Hier gelangen Sie wieder zurück zur vorherigen Übersicht:
zurück
Aschermittwoch und Passionszeit
In der katholischen Kirche zeichnet der Priester ein Aschenkreuz als Symbol der geistigen Reinigung und der Vergänglichkeit auf die Stirn der Gottesdienstbesucher. In der evangelischen Kirche beteiligen sich jedes Jahr mehr als zwei Millionen Teilnehmer an der Fasteninitiative «Sieben Wochen Ohne», um aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen auszusteigen und neue Lebensziele zu finden. In diesem Sinne wird Buße auch als Rückkehr zu einem Leben verstanden, das sich an den Geboten Gottes orientiert.
Fastenzeiten sind in fast allen Religionen bekannt, so etwa der Fastenmonat Ramadan im Islam. Am Ende der Winterzeit fasten viele Menschen allerdings auch mit dem Ziel nach ganzheitlichem Wohlbefinden oder dem Wunsch, ein paar Pfunde zu verlieren. Viele Menschen schwärmen zugleich von einer geistigen Freiheit während des Nahrungsverzichts. (21.02.2007)
Evangelische Fastenbotschaft: Verzicht ist Freiheit
Zum Motto «Ich war’s! Sieben Wochen ohne Ausreden» der evangelischen Fastenaktion «7 Wochen Ohne» 2011 erklärte Schneider: «Es lohnt sich, einmal bewusst auf Ausreden zu verzichten. Das fällt uns nicht leicht – weder im politischen noch im persönlichen Bereich.» Es gebe eine Neigung zur «Unkultur der Ausrede», zum Beschwichtigen, Beschönigen oder auch zum Vertuschen. Das sei menschlich und verständlich. Aber es lohne sich, das System einmal für eine Zeit bewusst zu hinterfragen und zu durchbrechen.
Schneider erinnerte in diesem Zusammenhang an die Situation von Flüchtlingen in Nordafrika. «Es ist schwer zu begründen und schwer zu ertragen, wenn wir in unseren Wohlstandsländern immer neue Ausreden suchen, um Menschen, die an Leib und Leben bedroht sind, nötige Hilfe zu verweigern», beklagte der EKD-Ratsvorsitzende.
Alle Länder der Europäischen Union stehen nach Ansicht von Schneider gemeinsam in der Pflicht, die Aufnahme von Schutzsuchenden zu gewährleisten: «Es darf nicht sein, dass dieses Problem nur auf die Länder der Europäischen Union abgewälzt wird, die Außengrenzen haben.» Hilfesuchende dürften nicht als Bedrohung gesehen werden.
«Ausreden helfen auf Dauer nicht weiter», betonte Schneider. Irgendwann gehe die Fähigkeit verloren, ehrlich gegenüber sich selbst zu sein. «Sieben Wochen ohne Ausreden» könne daher auch dazu einladen, «sich einmal selbst zu prüfen und uns selbst, anderen Menschen und auch Gott gegenüber unsere Fehler und Schwächen einzugestehen.» Gott liebe die Menschen mit ihren Stärken und Schwächen. Schneider: «Er nimmt uns in seiner Barmherzigkeit an, auch mit unserem Versagen. Vor Gott, der uns geschaffen hat und uns liebt, brauchen wir keine Ausreden. Gott sei Dank!» (08.03.2011)
Linktipp:
Weitere Informationen zur Fastenaktion finden Sie im Internet unter:
7-wochen-ohne.de
Fencheltee, Suppe und Erschöpfung - Fasten nach Hildegard von Bingen
Stuttgart (epd). «Körperlich und geistig rein» zu werden, das verspricht die Fastenmethode der mittelalterlichen Mystikerin Hildegard von Bingen. Dies und die Aussicht, ein paar Kilo abzunehmen, verlockten Stephanie Eichler im vergangenen Jahr, einen solchen Fastenkurs zu besuchen und die Technik der Ordensschwester auszuprobieren. Ihre Erfahrungen mit der Behandlungsweise aus dem 12. Jahrhundert waren positiv. In dem von der Tübinger Ärztin Lydia Reutter geleiteten insgesamt zwei Wochen dauernden Kurs erfuhr Stephanie zunächst, dass Fasten nicht bedeutet, vollständig aufs Essen zu verzichten: «Gott sei Dank», sagt sie und lacht.
An den ersten und an den letzten drei Tagen stand zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen jeweils gekochter Dinkel auf dem Speiseplan. «Die Tage vier bis neun waren die eigentlichen harten Fastentage», erinnert sich die 34-Jährige. Zum Frühstück und Abendessen habe es lediglich Fencheltee gegeben, mittags eine Gemüsesuppe.
Zum Fastenkurs gehörten außerdem morgendliche Einläufe, mehrere Ruhephasen pro Tag und häufiges Meditieren. Beim Fasten ging es Hildegard von Bingen (um 1098 bis 1179) nicht ausschließlich um das Entgiften des Körpers und den Abbau überflüssiger Pfunde. Sie hielt das Fasten für besonders wertvoll, weil es dem Menschen den Kontakt zu seiner Seele erleichtere.
Durch das Fasten richte sich die Konzentration automatisch nach innen und erleichtere dem Menschen die innere Einkehr und Besinnung und biete ihm somit auch eine Chance zur Wandlung und Neuorientierung, heißt es in ihren Büchern. «Meine Wohnung verließ ich nur, um zum Kurs zu gehen», sagt Stephanie Eichler und erklärt, sie habe die Tage «im Dämmerzustand» sehr genossen. Vor allem das Meditieren habe ihr gefallen. Und auch das Ergebnis des 14-tägigen Kurses: Wie die meisten anderen Teilnehmer habe sie eine pickelfreie Haut bekommen, «samtweich und rosig». Die meisten hätten sich auch körperlich fit gefühlt. «Bei mir aber bedeutet die körperliche und geistige Reinigung in erster Linie Erschöpfung.»
Auch in diesem Jahr wird Stephanie Eichler in der Fastenzeit wieder jede Menge Fencheltee trinken. Dieses Jahr aber ist nicht der Fastenkurs nach Hildegard von Bingen der Grund, sondern Mikael, ihr Sohn: Fencheltee wirke nämlich milchbildend, erklärt die junge Mutter. (21.02.2007)
Fasten - Zwischen Askese und Wellness
Mit der Renaissance verschiedener Naturheilverfahren kam auch das Fasten als Therapieform wieder zur Geltung. Als Pionier gilt der amerikanische Arzt Edward Dewey, der Ende des 19. Jahrhunderts das Heilfasten wieder neu entdeckte. In Deutschland schrieb der ehemalige Marinearzt Otto Buchinger 1935 sein Grundlagenwerk «Das Heilfasten».
Fasten ist nicht hungern, und wer hungert fastet nicht. Mit einer automatischen Umstellung des Stoffwechsels kann sich der Mensch auf eine Zeit ohne Nahrung einstellen, beschreiben Ärzte und Heilpraktiker die Abläufe im Körper. Gar nichts essen fällt sogar leichter, als wenig zu essen. Wenn sich der Körper von seinen eigenen Energiequellen versorgt, spürt er auch keinen Hunger mehr.
Einige Fastenärzte sehen es als erwiesen an, dass der Körper während des Fastens krankhaftes Material im Körper abbaut und ausscheidet. Als Unterstützung muss während der Fastenkur daher reichlich Mineralwasser, Kräutertee sowie Gemüsebrühe zum «Ausschwemmen» getrunken werden. Die Vorstellung der «Entschlackung» beim Fasten ist bei Medizinern allerdings umstritten.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät grundsätzlich, Fastenkuren nur nach Rücksprache mit dem Arzt zu beginnen. Heilfasten kann eine medizinisch notwendige Therapie nicht ersetzen, warnen die Experten. Das Fasten könne jedoch ein Impuls für eine Änderung des Lebensstils sein, denn die positiven Erfahrungen einer Kur führen oftmals zu einer gesundheitsbewussteren Lebensführung.
Dafür existieren verschiedene Formen des Fastens, zum Beispiel die Nulldiät, das Saftfasten, die Molke-Trinkkur oder das Heilfasten nach F.X. Mayr (1875-1965). Entgegen der klassischen Fasten-Kur, bei der nur Obstsaft und Gemüsebrühe verabreicht wird, gibt es nach Mayr zusätzlich trockene Semmeln mit Milch. Als Belohnung für die Entsagung werben Ärzte mit der Verbesserung des körperlichen Gesamtbefindens und mehr Leistungsfähigkeit. Viele Menschen schwärmen auch von einer geistigen Freiheit während des Nahrungsverzichts. (25.02.2009)
Experte warnt vor gefährlichen Fastenkursen
Er nannte unter anderem die so genannte «Jashmuheen-Methode», bei der sich die Teilnehmer nur von «Lichtnahrung» ernähren. «Das ist hochgradig gefährlich», erklärte Hemminger. Dabei gebe es immer wieder Todesfälle, weil Menschen verhungert oder verdurstet seien. Ein Hinweis auf die Seriosität eines Angebots sei auch, dass die Anbieter vor Beginn eines Fastenkurses darauf hinweisen, dass nur gesunde Menschen fasten dürften.
Fasten liegt nach Ansicht Hemmingers immer mehr im Trend: Die Suche nach spirituellen Erfahrungen habe in den letzten Jahren zugenommen und damit auch die Nachfrage nach Fastenkursen, sagt der Verhaltenswissenschaftler. Für die meisten Menschen bedeute Fasten einen «zeitweiligen Ausstieg aus den Konsumzwängen» und einen Rückzug aus der Hektik des Alltags. «Fasten ist immer ein Ausdruck der Abwendung vom Alltag und der Hinwendung zum Göttlichen», erklärte Hemminger. Er wies darauf hin, dass es diesen Brauch in nahezu allen Religionen gebe. (21.02.2007)










