70 Jahre Reichspogromnacht
Gedenken an dunkelste Zeit deutscher Geschichte

Foto: In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten Einrichtungen und Eigentum jüdischer Bürger. Unser Foto zeigt die zerstörte Synagoge in Eschwege. (Foto: Stadtarchiv Eschwege, Foto: Fotoateliers Tellgmann) In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten Einrichtungen und Eigentum jüdischer Bürger. Unser Foto zeigt die zerstörte Synagoge in Eschwege. (Foto: Stadtarchiv Eschwege, Foto: Fotoateliers Tellgmann)
Im November 1938 kam es im damaligen Deutschen Reich und im besetzten Österreich zu Überfällen auf Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen. Mehrere tausend Juden wurden während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November verhaftet, Hunderte kamen ums Leben. Viele jüdische Geschäfte in Deutschland wurden von den Nationalsozialisten zerstört, jüdische Friedhöfe geschändet. Viele Synagogen brannten aus oder wurden verwüstet.

Zum 70. Jahrestag dieser Ereignisse ruft die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck dazu auf, mit Gottesdiensten und Gebeten an die dunkelste Zeit deutscher Geschichte zu erinnern. Im Thema auf ekkw.de haben wir Ihnen verschiedene Artikel und Materialien zur Vorbereitung von Gottesdiensten und Veranstaltungen zusammengestellt.

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«Orgie der Barbarei» - In der Reichspogromnacht zerstörten die Nationalsozialisten vor 70 Jahren fast alle deutschen Synagogen

Von Karsten Packeiser (epd)

Mainz (epd). Um drei Uhr morgens stürmte der Mob die Mainzer Hauptsynagoge. Die Männer zertrümmerten das Mobiliar und warfen Brandbomben. Noch am nächsten Vormittag stand das jüdische Gotteshaus in hellen Flammen, zerrissene Thorarollen lagen über die Hindenburgstraße zerstreut. Die Feuerwehr beschränkte sich darauf, den Davidstern von der Kuppel des Gebäudes abzubauen, den Brand löschte sie nicht. Im ganzen Deutschen Reich und im besetzten Österreich kam es vor 70 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, zu Überfällen auf Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen.

Mehrere tausend Juden wurden während der Pogromnacht verhaftet, Hunderte kamen ums Leben. Rund 90 Prozent aller noch existierenden jüdischen Geschäfte in Deutschland wurden zerstört. Nur wenige Synagogen brannten nicht vollkommen aus, etwa in Lübeck, wo die Nationalsozialisten Angst hatten, das Feuer könnte auf das benachbarte kunsthistorische Museum übergreifen. Die NS-Führung bezeichnete die Novemberpogrome offiziell als «spontanen Ausbruch des Volkszorns» und als Reaktion auf die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris durch den jüdischen Emigranten Herschel Grynszpan.

In Wirklichkeit war die Zerstörung des öffentlichen jüdischen Lebens in Deutschland zentral geplant. Mit Eiltelegrammen hatte etwa die Staatspolizeistelle Darmstadt angeordnet: «Synagogenbrände nur, wenn keine Brandgefahr für die Umgebung vorhanden ist.» Jüdische Geschäfte dürften «nur zerstört, nicht geplündert» werden.

Außerdem sollten so viele jüdische Bürger festgenommen werden «als in den vorhandenen Hafträumen untergebracht werden können», so die Anweisungen an die Gestapo. Viele der Opfer kamen erst Monate später aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Dachau und Buchenwald zurück, etliche starben unter den unmenschlichen Haftbedingungen oder setzen ihrem Leben selbst ein Ende.

Am Tag nach der Pogromnacht ließen Schulen den Unterricht ausfallen, damit die Jungen sich den brandschatzenden Horden anschließen konnten. Zuvor hatten sie sich im Sportsaal mit Eisenstangen eingedeckt, um Schaufenster einzuschlagen. Die Schlägertruppen von SA, SS und aufgehetzte Jugendliche aus der Hitler-Jugend räumten in Berlin noble jüdische Pelzläden und Juweliergeschäfte leer, vielerorts wurden jüdische Frauen vergewaltigt.

Selbst in der NS-Führung war das Ausmaß der Pogrome nicht unumstritten - kritisiert wurde jedoch keineswegs die Gewaltwelle an sich, sondern der finanzielle Schaden für Versicherungsunternehmen und die Volkswirtschaft. «Mir wäre es lieber gewesen, ihr hättet 200 Juden erschlagen und hättet nicht solche Werte vernichtet», polterte Hermann Göring auf einer Sitzung unmittelbar nach dem 9. November 1938.

Die Gewalt war kaum abgeflaut, als die Nationalsozialisten den antisemitischen Staatsterror weiter verschärften. Angeordnet wurde nun die teilweise Zwangsenteignung jüdischer Vermögen als «Sühneleistung» für das Pariser Attentat. Die in der Pogromnacht entstandenen Schäden mussten die Betroffenen auf eigene Kosten beseitigen. Der Betrieb von Geschäften und Handwerksfirmen wurde den deutschen Juden verboten. Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels wollte den Juden sogar «das Betreten des deutschen Waldes» verbieten lassen.

«Deutschland lieferte sich einer Orgie der Barbarei aus, die die ganze Welt mit Entsetzen füllte», titelte der britische «Daily Telegraph» über die Zerstörungswut. Im Ausland verschwanden nach der Pogromnacht vielerorts die letzten Sympathien für Hitlers Deutschland. Den verfolgten Juden half das zunächst wenig: Die europäischen Nachbarn waren auch weiterhin nicht zur Aufnahme einer größeren Zahl von Flüchtlingen bereit.

Mit den Novemberpogromen erstarb in deutschen Städten das öffentliche jüdische Leben, das gerade am Rhein auf einer tausendjährigen Tradition aufbaute. Die systematische Ermordung der europäischen Juden, die wenige Jahre später begann, überlebten in Mainz nur 62 Menschen. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich wieder ein wachsendes jüdisches Leben in der Bundesrepublik entwickelte. 70 Jahre nach der Pogromnacht soll in der rheinland-pfälzischen Hauptstadt, dem alten jüdischen Magenza, ein Zeichen gesetzt werden: Am alten Standort in der Hindenburgstraße beginnen die Bauarbeiten für die neue Mainzer Synagoge. (06.11.2008)

Internetradio:

Ein Hörbeitrag über den Terror gegen die Juden im November 1938 von Siegfried Krückeberg:

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Material zur Vorbereitung von Gottesdiensten und Veranstaltungen

Kassel (medio). Zur Vorbeitung von Gedenkgottesdiensten und Veranstaltungen zum Gedenken an die Pogromnacht vor 70 Jahren hat das Ökumenische Netz in Nord- und Osthessen ein Materialheft zusammengestellt. Neben Artikeln unter dem Themenschwerpunkt «Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung: Zum Gedenken an die Reichspogromnacht 1938» ist darin auch ein Predigtentwurf mit Liturgievorschlag vom Beauftragten für christlich-jüdischen Dialog in der Landeskirche, Pfarrer Heinz Daume, enthalten.

Die Predigt weist auf die Hanauer Widerständlerin Elisabeth Schmitz hin (siehe Artikel unten) , die bereits 1935 in einer Denkschrift die Leitung der Bekennenden Kirche aufforderte, deutlich Stellung gegen die Judendiskriminierung und Verfolgung zu beziehen, und die 1938 maßgeblichen Anteil daran hatte, dass Helmut Gollwitzer als einer der wenigen Theologen in Deutschland in seiner Bußtagspredigt 1938 die Pogrome öffentlich verurteilte. (06.11.2008)

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«Ruferin in der Wüste» - Elisabeth Schmitz, eine vergessene Kämpferin gegen die Judenverfolgung, wird erst entdeckt

Von Christian Prüfer (epd)

Hanau (epd). Wichtige historische Dokumente werden oft zufällig entdeckt - so etwa 2004 im Keller einer Hanauer Kirchengemeinde. Gerhard Lüdecke, Mitglied des örtlichen Arbeitskreises Christen und Juden, fand hier eine Sammlung von Notizen, Entwürfen und Urkunden einer gewissen Elisabeth Schmitz (1893-1977). Sie war Mitglied der Bekennenden Kirche im Dritten Reich. Eine ihrer herausragenden Hinterlassenschaften ist der Entwurf einer Denkschrift gegen die Judenverfolgung aus dem Jahr 1935.

Zwar war diese Schrift mit dem Titel «Zur Lage der deutschen Nichtarier» schon lange in wissenschaftlichen Kreisen bekannt, wurde aber noch bis 1999 einer anderen Autorin zugeschrieben. Der Fund, der handschriftliche Entwürfe dieser Schrift enthält, untermauerte den schließlich von der Theologin Dietgard Meyer geführten Nachweis, dass Schmitz die Verfasserin war. Von der Denkschrift selber, so Lüdecke, sei seinerzeit nur eine anonyme Fassung in Umlauf gewesen. «Hätte sie das mit Namen gekennzeichnet, wäre sie vor dem Volksgerichtshof gelandet», beschreibt er die inhaltliche Brisanz des Schriftstückes.

Elisabeth Schmitz wurde in Hanau geboren. Nach dem Abitur an der Frankfurter Schillerschule studierte sie Religion, Geschichte und Deutsch in Bonn und Berlin, wo sie 1920 bei Friedrich Meinecke promovierte. 1929 wurde sie in Berlin als Studienrätin angestellt. Nach der Pogromnacht 1938 gab sie den Schuldienst auf, weil sie laut eigener Begründung «nicht länger Beamtin einer Regierung sein will, die Synagogen anstecken lässt». Ab 1943 lebte Schmitz wieder in Hanau, wo sie viele Jahre an der Karl-Rehbein-Schule unterrichtete.

Ihre Informationen bezog Schmitz im Dritten Reich durch gründliche Auswertung von Zeitungen und Zeitschriften. «Sie hatte auch Kontakte zu Leuten, die sehr gut informiert waren», berichtet Lüdecke. Neben einer erschütternden Beschreibung der Lage von  Christen jüdischer Abstammung und Juden erklärt Schmitz in der Schrift unter anderem deutlich, «dass es keine Übertreibung ist, wenn von dem Versuch einer Ausrottung des Judentums in Deutschland gesprochen wird».

Exemplare der Schrift wurden etwa an die Mitglieder der Bekennenden Kirche Dietrich Bonhoeffer, Helmut Gollwitzer und Karl Barth verschickt. An Gollwitzer schrieb sie beispielsweise am 24. November 1938: «Es gehen Gerüchte um (...) dass ein Zeichen an der Kleidung beabsichtigt sei. (...) Wir haben die Vernichtung des Eigentums erlebt, zu diesem Zweck hatte man im Sommer die Geschäfte bezeichnet. Geht man dazu über, die Menschen zu bezeichnen, so liegt ein Schluss nahe, den ich nicht weiter präzisieren möchte.» Der «Judenstern», von dem hier die Rede ist, wurde aber erst ein Jahr später in Polen und dann 1941 auch in Deutschland eingeführt.

Die fehlende Resonanz, die ihre Warnungen und Bitten hatten, trieben Elisabeth Schmitz in die Resignation. Lediglich Gollwitzer hatte 1938, kurz nach der Reichspogromnacht, in einer bemerkenswerten Bußtagspredigt auf das Versagen der Kirche angesichts des nationalsozialistischen Rassenwahns hingewiesen.

Und so stellt Schmitz in einem weiteren Brief vom 27. November 1938 an Gollwitzer fest, dass es immer die katholische Kirche sei, von der in jüdischen Kreisen «das eine oder andere Rühmliche berichtet werde. «Ich kann dann gar nichts anderes tun als voll bitterer Scham schweigen.»

In den Folgejahren versteckte Elisabeth Schmitz verfolgte Juden in ihrer Wohnung und in ihrem Wochenendhaus in Berlin-Wandlitz und bewahrte sie so vor der drohenden Deportation in die Konzentrationslager. Schmitz war überzeugt davon, dass mit dem Judentum in Deutschland auch das Christentum beseitigt worden wäre.

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Stadt Hanau haben Elisabeth Schmitz im Jahr 2005 mit einem Ehrengrab gewürdigt. Dass ihr Engagement dennoch weitgehend unbekannt geblieben ist, zeigt auch die Tatsache, dass sie noch nicht unter den «Gerechten der Völker» in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Israel geführt wird. Daran, so kündigte Lüdecke an, werde sich möglicherweise demnächst etwas ändern. Ein entsprechender Antrag sei gestellt. (06.11.2008)

Bundestag beschließt Erklärung gegen Antisemitismus - Evangelische Kirche erleichtert über Einigung

Berlin/Bremen (epd). Zum 70. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 hat der Bundestag am Dienstag (4.11.) die im Vorfeld heftig umstrittene Erklärung gegen Antisemitismus verabschiedet. Darin verpflichtet sich das Parlament, jeder Form des Judenhasses und des Antisemitismus schon im Entstehen entschlossen zu begegnen. «Wir sind glücklich darüber, wieder jüdisches Leben und jüdische Kultur in Deutschland zu haben», heißt es in der Erklärung. Weil sich die Union geweigert hatte, einen gemeinsamen Antrag mit der Linksfraktion zu beschließen, hatte die Linke einen eigenen, aber wortgleichen Antrag eingebracht. Beiden Anträgen, über die gemeinsam abgestimmt wurde, stimmten alle Fraktionen mit großer Mehrheit zu.

In der Debatte wiesen Redner aller Fraktionen auf den aktuellen Antisemitismus hin, der in allen gesellschaftlichen Schichten weiterhin zu finden sei. Antisemitismus sei leider kein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Geschichte, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl (CSU). Sich mit dem neuen Antisemitismus auseinanderzusetzen, sei eine der wichtigsten Aufgaben des Bundestags, so Christian Ahrendt (FDP). Petra Pau von der Linksfraktion wies darauf hin, dass ein Viertel der Bevölkerung latent antisemitisch eingestellt sei.

Der Parteienstreit über den Antrag nahm in der Debatte breiten Raum ein. Uhl verteidigte die ablehnende Haltung der Union gegenüber der Linken: «Die Linke spielt bisweilen auf der Schalmei der überzogenen Israel-Kritik.» Die anderen Fraktionen warfen CDU und CSU hingegen «kleinliches Parteiengezänk» vor, wie Ahrendt sagte. Die SPD-Rechtsextremismus-Expertin Gabriele Fograscher sprach von einer unwürdigen  Haltung der Union. Pau sagte, von einem starken Signal des Bundestags könne keine Rede mehr sein.

In dem Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, ein Expertengremium aus Wissenschaftlern und Praktikern zu beauftragen, einen regelmäßigen Bericht über Antisemitismus in Deutschland vorzulegen und Vorschläge für Gegenprogramme zu entwickeln. Ursprünglich war die Einsetzung eines Antisemitismus-Beauftragten geplant, was die Union aber ablehnte. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte dagegen Bedenken vorgebracht. Zudem soll im ersten Vierteljahr 2009 über eine dauerhafte Finanzierung erfolgreicher Programme gegen Antisemitismus entschieden werden. Im  Bildungssektor sollen die Lehrpläne in Schulen um Themen zum jüdischen Leben, zur jüdischen Geschichte und zum heutigen Israel erweitert werden.

Evangelische Kirche erleichtert über Einigung des Bundestages

Die evangelische Kirche zeigte sich erleichtert über die Einigung des Bundestages auf einen gemeinsamen Beschluss. «Dass das deutsche Parlament sich zu dieser Aufgabe bekennt, ist eine gute Botschaft», sagte der Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) beim Bundestag, Prälat Stephan Reimers, dem epd am Rande der EKD-Synode in Bremen. Es gebe nach wie vor Vorbehalte gegen die Linke bei den anderen Fraktionen des Bundestages. «Da muss man froh sein, dass in dieser wichtigen Sache Einigkeit hergestellt wurde», sagte Reimers. Der Bevollmächtigte zeigte sich für das geplante Expertengremium aufgeschlossen. Es biete die Chance, immer wieder neue Weg zu finden, damit das Thema in der Öffentlichkeit bleibe.

Der Verabschiedung des Antrags war ein wochenlanger Streit zwischen der Union und den übrigen Fraktionen vorausgegangen. Nachdem zunächst Vertreter aller Fraktionen einen Text abgesprochen hatten, verweigerten es CDU/CSUInnenpolitiker der Linksfraktion, sich an dem Antrag zu beteiligen. Zudem bestand die Union auf eine Textpassage zum Umgang der DDR mit Juden und mit Israel, die von den anderen Fraktionen als historisch falsch eingestuft wurde. Daraufhin wurde der Text des Antrags neu erarbeitet.

Von Januar bis September dieses Jahres kam es in Deutschland zu fast 800 antisemitischen Straftaten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion hervor, wie der Berliner «Tagesspiegel» (Mittwochausgabe) berichtet. 27 Personen wurden bei antijüdischen Angriffen verletzt. Die antisemitischen Delikte ordnet die Polizei der rechtsextremen Kriminalität zu. (07.11.2008)

Daten von 600.000 Holocaust-Opfern in Jad Vaschem übergeben

Berlin/Jerusalem (epd). Die Bundesregierung hat der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem eine Datensammlung zu 600.000 Juden übergeben, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland wohnten. Mit der Residentenliste wolle die Bundesregierung einen Beitrag dazu leisten, die Schicksale der ermordeten und verfolgten Juden «dem namenlosen Grauen zu entreißen», sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bei der Gedenkfeier in Jerusalem.

Die Dokumentation gibt nach Angaben des Bundes Auskunft über Namen und Wohnorte jüdischer Einwohner, ihre Emigration, Inhaftierung oder Deportation sowie über Todesdaten und -orte. Erstellt wurde das «Verzeichnis der jüdischen Einwohner Deutschlands in der Zeit von 1933 bis 1945» in vierjähriger Arbeit durch das Bundesarchiv. Aus mehr als 1.000 Quellen wurden rund 2,5 Millionen Datensätze zusammengetragen.

«Es ist unsere Hoffnung, so den Menschen einen Teil ihrer Würde zurückgeben zu können», führte Neumann aus. Er erinnerte daran, dass die Gedenkstätte Jad Vaschem für das Holocaust-Mahnmal in Berlin 3,2 Millionen Namen von Opfern zur Verfügung gestellt habe. 8.000 Opfern werde mittlerweile im «Raum der Namen» unter dem Stelenfeld gedacht. (06.11.2008)