Aufruf zu Spenden für Diakonie-Katastrophenhilfe
Soforthilfe für Opfer der Erdbebenkatastrophe: Evangelische Kirchen in Hessen stellen 50.000 Euro bereit

Darmstadt/Kassel (medio). Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) stellen gemeinsam 50.000 Euro Soforthilfe für die Opfer des Erdbebens in Nepal und den in Indien betroffen Regionen zur Verfügung. Am vergangenen Wochenende waren bei der verheerenden Naturkatastrophe vermutlich mehr als 3.000 Menschen ums Leben gekommen. Das Geld geht direkt an die Diakonie Katastrophenhilfe, die bereits seit Samstag mit den langjährigen Projektpartnern im weltweiten kirchlichen Netzwerk ACT Alliance (Action by Churches together) und den Büros vor Ort in Nepal zusammenarbeiten. Beide evangelische Kirchen rufen dringend auch zu weiteren Spenden auf.

Stündlich stiegen die Zahlen der Todesopfer, erklärt Oberkirchenrat Detlev Knoche, Leiter des Zentrums Oekumene in Frankfurt. «Noch ist gar nicht abzusehen, welch katastrophalen Ausmaße das Erdbeben hat. Große Teile der betroffenen Regionen sind noch gar nicht oder nur schwer zugänglich», so Knoche. «Jetzt brauchen die Opfer vor allem Medikamente, Decken, Nahrungsmittel und sauberes Wasser», mahnt Dr. Ruth Gütter, Oberlandeskirchenrätin für Ökumene in der EKKW.

Das Notfallteam der Diakonie Katastrophenhilfe, das sich in Kathmandu aufhält, ist einsatzbereit und koordiniert die Hilfe vor Ort. Straßen sind zerstört, Kathmandu und 30 der 75 Distrikte im Westen und Zentrum Nepals sind von den Folgen des Erdbebens betroffen. Viele Menschen können aus Angst vor Nachbeben nicht in ihre Häuser zurückkehren. Es wird noch Tage dauern, bis alle Verletzten geborgen und alle betroffenen Regionen erreicht sind. Dann erst wird auch das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen sein. Neben der schnellen Versorgung mit medizinischer Hilfe für die Verwundeten wird es in einem nächsten Schritt darum gehen Notunterkünfte aufzubauen und sauberes Trinkwasser bereitzustellen. (27.04.2015)

Spendenkonto

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,
Spendenkonto 502 502
Evangelische Bank BLZ 520 604 10
IBAN: DE6852 0604 1000 0050 2502
BIC: GENODEF1EK1.
Stichwort: Nepal Erdbebenhilfe

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diakonie-katastrophenhilfe.de(...)

Bischof Hein: «Kirche ist da, wo das Leben ist»
«Himmelszelt» auf der Landesgartenschau Schmalkalden feierlich eröffnet

Kassel/Schmalkalden (medio). Mit der Einweihung des «Himmelszeltes» und einem Festgottesdienst mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein wurde gestern auf der 3. Thüringer Landesgartenschau in Schmalkalden das kirchliche Veranstaltungsprogramm feierlich eröffnet, teilte die Pressestelle der Landeskirche in einer Mitteilung mit.

«Kirche ist da, wo das Leben ist», sagte Bischof Hein zur Eröffnung des Himmelszeltes: «Wir freuen uns über das 'Himmelszelt'. Es soll ein Ort sein, an dem Menschen Kirche kennenlernen und erleben. Das ist Kirche: einander begegnen, Gemeinschaft erfahren, Glauben leben.», heißt es in der Mitteilung. Der Dekan des Kirchenkreises, Ralph Gebauer, ergänzte: «Als Kirche sind wir an den Wegen der Menschen. Wir begleiten sie durch die unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens. Dies wird deutlich im kirchlichen Programm auf der Landesgartenschau, das unter dem Motto 'Lebenszeitreise' steht.» Der Architekt des «Himmelszeltes», Frank Dorbritz, beschrieb die bewusst offen gestaltete Zeltkonstruktion und deren mobilen Charakter. Darin zeige sich greifbar und auch sinnbildlich, wie Kirche den Menschen begegne, ihnen Räume der Kommunikation eröffne und sie auf ihrer Lebensreise begleite.

Gemeinsam und geschwisterlich gestalten, was wichtig ist und eint

Der Bischof dankte den vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Bereitschaft, sich in den besonderen kirchlichen Dienst auf der Landesgartenschau zu stellen. Besonders zu betonen und zu würdigen sei dabei, dass auch aus den benachbarten Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, aus der Diakonie, aus den katholischen Gemeinden und den Christlichen Gemeinschaften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt seien: «Gemeinsam und geschwisterlich wollen wir gestalten, was uns wichtig ist und eint.»

«Wir alle befinden uns auf dieser einzigartigen Reise unseres Lebens.»

In seiner Festpredigt vor 550 Besucherinnen und Besuchern sagte Bischof Hein: «Inmitten der 'GartenZeitReise' der Landesgartenschau möchten wir dazu anregen, die 'LebensZeitReise' zu bedenken: von ihrem Beginn bis hin zu ihrem Ende. Denn wir alle befinden uns auf dieser einzigartigen Reise unseres Lebens.» Der biblische Schöpfungsbericht zeige deutlich, dass der Mensch als ein Teil der Schöpfung zu verstehen sei. Hier gehe es «in allererster Linie um uns: um unsere Stellung in der Welt, um unsere Beziehung zur Natur – und um unsere Beziehung zu Gott.», so der Bischof. Das Motto «Lebenszeitreise» nehme diese Beziehung des Menschen zu Gott auf: Als Gottes Geschöpf sei die Zeit des Menschen auf dieser Welt begrenzt. Sie habe einen Anfang und ein Ende. Aber die Auferstehung Jesu zeige, dass es auch jenseits der Grenze des Todes Leben gebe: «ein Leben, dass nicht mehr begrenzt, sondern ewig ist. Erst dann ist unsere 'Lebenszeitreise' beendet. Denn dann sind wir bei ihm: bei Gott, dem Ursprung und Ziel unseres Lebens.»

Umdenken ist angesichts des Klimawandels dringend erforderlich

Deutliche Worte fand der Bischof zum Auftrag des Menschen, die Erde zu bewahren: «Es kann doch im Blick auf den Klimawandel nicht so weitergehen! Wir ruinieren schon jetzt die Lebensgrundlagen der Menschen auf der südlichen Halbkugel unserer Erde. Und wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet, werden auch wir hier in Deutschland die Folgen bald zu spüren bekommen.» Doch Hein zeigte sich auch optimistisch: «Noch ist es nicht zu spät zu einem Umdenken, das Rücksicht auf Gottes Schöpfung nimmt.»

Kirche auf der 3. Thüringer Landesgartenschau

Unter dem Motto «Lebenszeitreise» präsentiert die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) auf der 3. Thüringer Landesgartenschau in Schmalkalden vom 24. April bis 4. Oktober 2015 ein umfangreiches Programm. Im Mittelpunkt steht dabei das Himmelszelt, eine mobile Kirche im Westendpark. Jede Woche wird in Anlehnung an das Motto «Lebenszeitreise» einen besonderen Schwerpunkt haben: Zeit für Aufbruch, Zeit für Familie, Zeit für Früchte, Zeit für Stille, Zeit für Wunder und vieles mehr können die Besucherinnen und Besucher hier erfahren. Das Programm reicht von geistlichen Impulsen an jedem Tag – Morgenlob, Mittagsgedanken, Reisesegen – über sonntägliche Gottesdienste und Präsentation der kirchlichen und diakonischen Arbeit. Zusätzlich gibt es über 50 kulturelle Veranstaltungen und Mitmachangebote.

Lebenszeitreise im Internet

Für das Programm der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck auf der Landesgartenschau in Schmalkalden gibt es eine eigens dafür entwickelte Internetseite unter www.lebenszeitreise.de. Neben den Gottesdienstterminen und Beschreibungen der Veranstaltungen im Himmelszelt gibt es auf der Seite auch einen Lageplan, eine Bildergalerie und Grußworte von Bischof Martin Hein und Dekan Ralf Gebauer. Produziert wurde die Seite von dem Medienhaus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Schmalkalden – Exklave der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Schmalkalden, die Thüringer Exklave der hessischen Landgrafen, wurde bereits 1525 evangelisch. 1531 schlossen sich dort die evangelischen Fürsten zum Schmalkaldischen Bund zusammen und bildeten damit eine Allianz gegen den katholischen Kaiser. Bis 1944/45 gehörte Schmalkalden zum Regierungsbezirk Kassel. Obwohl der Kirchenkreis Schmalkalden immer in enger Verbindung mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck stand, wurde von 1972 an eine Angliederung an die Evangelisch-Lutherische Kirche von Thüringen vorgenommen. Die Verfassung und die Agende aber blieben kurhessisch. Die Gemeinden waren weiterhin selbstständig, einschließlich Einzug und Verwaltung der Kirchensteuern. Große Freude bereitete die Grenzöffnung 1989, die es möglich machte, viele Kontakte nach Thüringen zu intensivieren und wieder auf zu nehmen. Der Kirchenkreis Schmalkalden konnte dann 1991 in die Landeskirche von Kurhessen-Waldeck zurückkehren. Der Kirchenkreis Schmalkalden zählt heute nahezu 20.000 Gemeindeglieder. (27.04.2015)

Impressionen von der Eröffnung:

Linktipp:

Das kirchliche Programm auf der Landesgartenschau in Schmalkalden finden Sie auf

lebenszeitreise.de

Download:

Hier können Sie die Predigt von Bischof Martin Hein zur Eröffnung der Landesgartenschau herunterladen

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Kirche und Schule
Bischof Hein: Der Arbeit der Kirche an den Schulen wird eine hohe Wertschätzung entgegengebracht

Marburg (medio). Wie steht es um den Religionsunterricht und wie ist es überhaupt um das Verhältnis von Kirche und Schule bestellt? Diesen Fragestellungen widmete sich der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, auf seiner Visitation vom 20. bis zum 22. April 2015. Mit weiteren Vertretern der Landeskirche besuchte er Schulen, Einrichtungen und Konferenzen in Oberissigheim, Hanau, Steinatal, Kirchhain und Marburg und traf dort auf Verantwortliche aus Schule, Schulbehörde, Wirtschaft und Politik, teilte die Pressestelle der Landeskirche in einer Mitteilung mit. Im abschließenden Pressegespräch zog der Bischof eine durchweg positive Bilanz der Visitation. Die Gespräche hätten gezeigt, dass der Arbeit der Kirche an den Schulen eine hohe Wertschätzung entgegengebracht werde, heißt es in der Mitteilung.

Religionsunterricht und Schulseelsorge gewinnen an Bedeutung

Der schulische Religionsunterricht gewinne in Zeiten einer zunehmenden Säkularisierung an Bedeutung. Er ermögliche allen Kindern religiöse Grunderfahrungen, fördere das gegenseitige Kennenlernen der Religionen und trage so zu einem verständnisvollen Miteinander und gutem Schulklima bei. Immer wichtiger werde für die Schulen auch das Angebot der Schulseelsorge, in der 33 Schulpfarrerinnen und Schulpfarrer neben ihrem Religionsunterricht tätig seien. Sowohl in persönlichen Krisen als auch bei öffentlichen Katastrophen sei ihr Dienst gefragt.

Evangelische Schulen bieten ganzheitlichen Ansatz

Einen ganzheitlicheren Ansatz religiöser Erziehung böten die drei Schulen in landeskirchlicher Trägerschaft. Hein hob hervor, dass diese über den Religionsunterricht und das Angebot der Schulseelsorge hinaus ein deutliches evangelisches Profil entwickelten, das sich in der Gestaltung des schulischen Alltags ebenso zeige wie im Umgang mit Fragen der Bildungsgerechtigkeit und Inklusion, teilte die Pressestelle mit. Beim Besuch der Katharina-von-Bora-Schule in Oberissigheim fand ein Treffen mit dem hessischen Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz statt, der sich bei dieser Gelegenheit einen Eindruck von der Grundschule in evangelischer Trägerschaft verschaffte. Der Kultusminister bekräftigte, dass private Träger zum Schulsystem hinzugehörten und für dieses eine Bereicherung seien.

Religionspädagogisches Institut bietet praktische Unterstützung

Der Bildungsdezernent der Landeskirche, Dr. Eberhard Stock, wies darauf hin, dass die Kirche durch das gemeinsame Religionspädagogische Institut (RPI) beider evangelischer Landeskirchen in Hessen Religionslehrern fachliche Begleitung und praktische Unterstützung anbiete. Das RPI mit Hauptsitz in Marburg und weiteren regionalen Standorten bestehe rechtlich seit dem 1. Januar und werde offiziell unter Beteiligung der beiden Leitenden Geistlichen am 12. September eröffnet.

Eindrücke von der Visitation:

(alle Fotos medio.tv/ Balzer)

Religionsunterricht leistet «religiöse Alphabetisierung»

Bei Gesprächen mit Vertretern aus Kirche, Handwerk, Wirtschaft, Handel und Politik sei man sich einig gewesen, das im schulischen Alltag nicht mehr die Frage der Nationalität, sondern die Religiosität im Vordergrund stehe. Auf diese Funktion des Religionsunterrichtes als Ort einer «religiösen Alphabetisierung» wies der Referent für Schule und Unterricht, Dr. Michael Dorhs, hin. Die kirchlichen Vertreter hätten deutlich gemacht, dass die Fähigkeit, sich reflexiv über die eigene Religion zu äußern, eine Kulturleistung sei und deshalb eingeübt werden müsse. So könne der Religionsunterricht gerade die Pluralitätsfähigkeit steigern und damit einen wesentlichen gesellschaftlichen Beitrag leisten. (24.04.2015)

«Chronik der angekündigten Tode im Mittelmeer endlich beenden»
Evangelische Kirchen in Hessen und Diakonie fordern europäische Seenotrettung und Gesamtkonzept für Flüchtlingsaufnahme

Darmstadt/Kassel/Frankfurt (medio). Angesichts des bisher schlimmsten Massensterbens im Mittelmeer haben die Evangelischen Kirchen in Hessen und die Diakonie Hessen am Montag (20. April) die sofortige Einrichtung eines europäischen Seenotrettungsdienstes gefordert, teilten die Pressestellen der beiden Kirchen und der Diakonie in einer gemeinsamen Erklärung mit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag waren vermutlich mehr als 700 Bootsflüchtlinge auf dem Weg von Libyen nach Italien ertrunken. Zuletzt häuften sich die Katastrophen: Allein in den vergangenen zehn Tagen seien damit mehr als 1.000 Flüchtlinge im Mittelmeer zu Tode gekommen, heißt es weiter. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte den Aufbau einer neuen Seenotrettung in der vergangenen Woche noch einmal explizit abgelehnt.


Europa hat sich schuldig gemacht

«Jetzt erleben wir die schrecklichen Konsequenzen des Beschlusses der EU, die Seenotrettung im Mittelmeer herunterzufahren», sagte der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung. «Damit hat Europa, hat Deutschland, ja haben wir alle Mitschuld an dem, was im Mittelmeer passiert. Es ist höchste Zeit umzukehren und Menschen zu retten statt ihnen beim Sterben zuzusehen», so der Kirchenpräsident weiter. In den vergangenen Monaten hatte Jung, der auch Vorsitzender der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, wiederholt eine umfassende europäische Seenotrettung, legale und gefahrenfreie Zugangswege für Flüchtlinge und ein Gesamtkonzept für die Flüchtlingsaufnahme in Europa und in den Mitgliedsstaaten gefordert. Die «Chronik der angekündigten Tode im Mittelmeer muss endlich beendet werden», so Jung.

Konzertierte Flüchtlingsaufnahme

«Angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingskrisen im Nahen und Mittleren Osten und am Horn von Afrika muss Europa mehr Verantwortung übernehmen und konzertiert Flüchtlinge aufnehmen», betonte Martin Hein, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Dafür könnten bestehende Instrumente wie humanitäre Aufnahmeprogramme und das Resettlementprogramm deutlich großzügiger genutzt werden. Angesichts der katastrophalen Zustände in Libyen, aus dem zurzeit die meisten Bootsflüchtlinge kommen, forderten Jung und Hein, «die dort verzweifelt ausharrenden Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea oder Somalia» schnell außer Landes zu bringen, bevor sie marode Boote bestiegen, heißt es in der Pressemitteilung. «Eine Evakuierung der dort um ihr Überleben kämpfenden Flüchtlinge wäre ein Akt der Menschlichkeit», sagten die beiden Leitenden Geistlichen.

Von der Willkommenskultur zur Willkommensstruktur

Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen, Wolfgang Gern, machte deutlich, dass die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen eine größer werdende Dauerherausforderung ist. Wer sich die Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge anschaue, wisse, dass die Flüchtlingszahlen weiter steigen werden und nur die wenigsten zurückkehren können. «Sie werden bleiben, und es ist unser aller Aufgabe, sie möglichst schnell und gut zu integrieren.» Angesichts des erstaunlich angewachsenen ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingsarbeit warnte der Diakonie-Chef: «Die viel beschworene Willkommenskultur braucht dringend eine Willkommensstruktur. Wenn wir wollen, dass die vielerorts positive Grundhaltung und Solidarität mit Flüchtlingen bleibt, brauchen wir vernünftige Rahmenbedingungen und nachhaltige Konzepte, die sozialräumlich ausgerichtet sind und sowohl Flüchtlinge als auch Einheimische in den Blick nehmen.»

Weiteres Engagement notwendig

Die Leitenden Geistlichen dankten den Landesregierungen für verstärkte Anstrengungen vor allem bei der Erstunterbringung und –versorgung von Flüchtlingen in Hessen und Rheinland-Pfalz, teilten die Pressestellen mit. Darüber hinaus müssten aber auch die unabhängige Flüchtlingsberatung, die professionelle Koordination und Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements und die psychosoziale Versorgung von Schutzsuchenden stärker unterstützt werden. Diese Arbeit haben Kirche und Diakonie bisher fast ausschließlich aus kirchlichen Eigenmitteln finanziert, heißt es weiter. «Wir hoffen sehr, dass uns die Länder hier zukünftig stärker unterstützen. Als wichtigen Schritt dahin erkennen wir ausdrücklich an, dass das Land Rheinland-Pfalz mittlerweile zehn Stellen in der Flüchtlingsberatung der Wohlfahrtsverbände zum großen Teil finanziert und weitere 500.000 Euro für die Verbesserung der psychosozialen Versorgung zur Verfügung gestellt hat. Was wir zukünftig brauchen, ist eine flächendeckende Struktur und kein Flickenteppich. Dazu wollen wir aber auch als Evangelische Kirchen und Diakonie nach Kräften weiter beitragen», versprachen Jung, Hein und Gern.

Stichwort: Flüchtlingsberatung

Zurzeit finanzieren die EKHN, die EKKW und die Diakonie Hessen insgesamt 10,5 unbefristete Stellen in der unabhängigen Flüchtlingsberatung in Hessen und Rheinland-Pfalz (in Erstaufnahmeeinrichtungen und den Regionen). Darüber hinaus gibt es in der EKHN drei Flüchtlingsseelsorgestellen. Mithilfe zusätzlicher Mittel, die die beiden Landessynoden in 2013 und 2014 bereitgestellt haben (mehr als 1,6 Millionen Euro) konnten weitere sechs befristete Flüchtlingsberatungsstellen finanziert werden sowie 35 Projekte in Gemeinden und Dekanaten zur Unterstützung einer Willkommens- und Aufnahmekultur für Flüchtlinge. (20.04.2015)

Ökumenische Aktionswoche noch bis 25. April
Woche für das Leben thematisiert «Sterben in Würde»

Hamburg (medio). Die Woche für das Leben befasst sich bis zum 25. April mit dem Themenschwerpunkt «Sterben in Würde». Unter dem Jahresthema der ökumenischen Aktion kann sich bundesweit in vielen Veranstaltungen mit der gesellschaftlichen und politischen Debatte um assistierten Suizid sowie dem Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen auseinander gesetzt werden, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit. Eröffnet wurde die Woche am 18. April in einem ökumenischen Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen durch den Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und den EKD-Ratsvorsitzenden Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm.

«In Würde sterben zu dürfen, heißt eben nicht, alle Optionen zu haben, um sich jederzeit selbst töten zu können», betonte Bedford-Strohm in seiner Predigt. «In Würde zu sterben heißt, nie aus der Beziehung zu Gott und den Menschen herauszufallen». Das Hauptaugenmerk in der Woche für das Leben sei darauf gerichtet, «dass wir eine Kultur des Sterbens entwickeln, die nicht länger von der Angst geleitet ist, sondern in der die Liebe Raum gewinnt.» Notwendig sei eine Kultur, «in der über dem Schmerz und der Trauer, über den Abschied nie die Ahnung von offener Zukunft und neuem Leben verloren geht», so der Ratsvorsitzende.

«Tod und Sterben gehören für die meisten von uns nicht mehr zur Erfahrungswelt. Sie sind die Angelegenheit von Spezialisten geworden», betonte Kardinal Marx  in seiner thematischen Einführung. Die Angst, am Lebensende nicht mehr über sich selbst bestimmen zu können, ein Leben in Schmerzen zu führen und den Angehörigen zur Last zu fallen, nehme zu und führe dazu, dass die Attraktivität von Sterbehilfevereinen steige. «Doch was ist das für ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft, in der die Möglichkeit zur Selbsttötung bloß zu einer weiteren Option unter vielen wird: Pflegeheim, Krankenhaus, Suizid», so der Kardinal weiter. «Die Humanität einer Gesellschaft misst sich doch gerade daran, wie man mit alten, kranken, schwachen und schwerkranken Menschen umgeht. … Sie verdienen in besonderer Weise unsere Zuwendung – und nicht den Giftbecher.»

Stichwort: Woche für das Leben

Die Woche für das Leben ist seit mehr als 20 Jahren die ökumenische Aktion der evangelischen und katholischen Kirche für den Schutz und die Würde des Menschen vom Lebensanfang bis zum Lebensende. Bundesweit findet die Woche für das Leben vom 18. bis zum 25. April 2015 und lädt ein, das Thema «Sterben in Würde» in den Kirchengemeinden aufzugreifen und zu bearbeiten. (21.04.2015)

Linktipp:

Informationen und Material-Tipps zur Aktionswoche gibt es unter:

woche-fuer-das-leben.de

Linktipp:

Informationen zur «Woche für das Leben» in der Landeskirche finden Sie unter:

ekkw.de/service(...)

Bischof Hein chattete mit über 30 Teilnehmern
Bischofschat zum Thema «Wann ist das Leben zu Ende?»

Kassel (medio). «Wann ist das Leben zu Ende?», «Wie kann ich mich darauf vorbereiten?» und «Was passiert mit meiner Seele nach dem Tod?» - diesen und anderen Fragen stellte sich Bischof Prof. Dr. Martin Hein im einstündigen «Bischofschat» mit über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Mittwochabend (15.04.) auf ekkw.de. In dem Chat konnten die Chatter ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Tod und Sterben ansprechen und mit dem Bischof ihre Vorstellung vom Lebensende diskutieren. «Ich habe es gerade bei meiner Oma gesehen und frage mich unweigerlich - wann fängt das Sterben an?», fragte Herbert. Und Moni schrieb: «Da ich nicht weiß, was nach dem Tod kommt, denk' ich nicht oft darüber nach. Aber vielleicht hilft ja der Chat.»

Bischof Hein zeigte sich einfühlsam und machte den Chattern Mut, sich mit dem Tod und mit dem Leben auseinanderzusetzen: «Sich mit dem Tod zu befassen, heißt: sich mit dem Leben zu befassen. Wenn ich weiß, dass meine Lebenszeit begrenzt ist, dann lebe ich anders», sagte der Bischof. «Ich nehme jeden Tag, der vergangen ist, in den Schatz meines Lebens auf.»

Kontroverse: Was passiert mit uns nach dem Tod?

Kontrovers wurde es bei dem Thema, wie das Leben nach dem Tod aussieht. Für viele Teilnehmer stellte sich die Frage, was mit dem menschlichen Körper und der Seele dann geschehe. Moni wollte z.B. wissen, ob die Seele einen neuen Körper bekommt. Klaus und Max beschäftigte das Thema Wiedergeburt. Bischof Hein antwortete darauf: «Ich beschäftige mich oft mit der Frage, wie es in der Ewigkeit Gottes sein wird.» Für ihn stehe fest: «Wir werden unsere Identität behalten. Du bist du und ich bin ich. Wir werden allerdings nicht in einem irdischen Körper wiederkehren», so der Bischof.

«Werden wir nach dem Tod die Menschen wiedersehen, mit denen wir auf der Erde zu tun hatten?», fragte Mike in einer weiteren Runde des Chats. Und Heidi22 ergänzte: «Ich hoffe, dass ich meine Oma wiedersehe. Die vermisse ich am meisten. Meine Eltern sind auch tot. Ich bin eigentlich ganz alleine.» - Hein zeigte sich hoffnungsvoll, dass es zu einem Widersehen kommen könne: «Ich glaube ja, aber nicht in gleicher Weise, wie wir die Menschen hier erlebt haben ...»

Bestürzt zeigten sich die Chatter immer noch angesichts des Flugzeugabsturzes der Germanwings-Maschine am 24. März 2015. Sie fragten, wie Gott so ein Unglück zulassen könne. «Ist alles vorherbestimmt, was mir und anderen passiert und wann wir sterben? – so fragte Max und schrieb weiter: «Ich frage mich das schon lange.» Lieschen provozierte mit der Frage: «Auf welchem Sitz hat Gott gesessen?» - Bischof Hein entgegnete, dass Gott sicher auch in der Minute des Absturzes bei den Menschen gewesen sei, «denn selbst der Tod ist nicht das Ende! Und wenn wir sterben, versinken wir nicht im Nichts, sondern kehren zu ihm zurück!», so Bischof Hein.

Gute Resonanz und Einladung zum nächsten Chat im November

Der Moderator des Chats und Leiter des Medienhauses der Landeskirche, Pfarrer Christian Fischer, zeigte sich erfreut von der guten Resonanz auf das Gesprächsangebot und die konzentrierte Atmosphäre: «Wir waren uns bewusst, dass das Thema Sterben in einem Internetchat ein Wagnis ist. Aber das große Interesse zeigt, dass viele Menschen auch über ein solch schwieriges Thema das Gespräch suchen. Der Chat bietet die Chance, ganz ehrlich mit dem Bischof zu reden, ohne große Hürden», sagte Fischer, der die Internetnutzer zum nächsten Bischofschat am 19. November 2015 von 20 bis 21 Uhr einlud. Das Thema im Herbst: Der Buß- und Bettag. (15.04.2015)

Rückblick:

Einen Rückblick auf die früheren Chats mit Bischof Hein finden Sie in der Rubrik Bischof/Chat:

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Kirche und Tourismus
Bischof Hein würdigt Lutherweg als bedeutenden Beitrag zur Reformationsdekade

Bad Hersfeld (epd). Die Idee eines Lutherweges ist nach Auffassung des kurhessischen Bischofs Martin Hein einer der schönsten Beiträge der Reformationsdekade, mit der die evangelische Kirche auf das 500.
Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 hinführt. Erholung, Erbauung und Bildung bildeten dabei ein ganzheitliches Konzept, sagte Hein am Samstag auf dem fünften Lutherwegetag im nordhessischen Bad Hersfeld.

Luther selbst hätte an dieser Idee wahrscheinlich die Gefahr des Personenkultes oder die Versuchung, sich durch gute Werke zu rechtfertigen gestört, räumte Hein ein. Dagegen hätte sein Freund Philipp Melanchthon, der die Luther-Erinnerungskultur in Deutschland etabliert habe, einen solchen Weg sicher gut gefunden. Da Melanchthon auch für Luther zum Reichstag nach Augsburg gereist sei, wäre es überlegenswert, auch diesen Weg als Lutherweg auszubauen, regte Hein an.

Auf dem Zusammentreffen, das erstmals in Hessen stattfand, hatten die Teilnehmer über eine intensivere Zusammenarbeit der einzelnen Stationen des Lutherweges beraten. Auf der Tagesordnung standen Sachstandsberichte und Arbeitsgruppen zum Thema Kirche und Tourismus. Organisiert wurde das Treffen von der Lutherweggesellschaft, die als Dachorganisation Aktionen und Pläne am gesamten Lutherweg vernetzt, in Zusammenarbeit mit dem Kurbetrieb Bad Hersfeld und dem Verein «Lutherweg in Hessen».

Der erste Lutherweg wurde bereits 2008 in Sachsen-Anhalt eröffnet. Mittlerweile verbinden Lutherwege auf einer Strecke von rund 1.500 Kilometern auch Orte in Thüringen, Sachsen, Bayern und Hessen. In Vorbereitung ist eine Verlängerung des Weges in Sachsen-Anhalt nach Magdeburg sowie die Eröffnung von Wegabschnitten in Brandenburg. Der Lutherweg führt zu den Wirkungsstätten Martin Luthers und zu Orten, die mit der Reformation in Verbindung stehen.

Bad Hersfeld liegt auf der Handelsroute, auf der Martin Luther 1521 zum Reichstag nach Worms reiste, um sich dort vor dem Kaiser zu rechtfertigen. Auf dem Rückweg predigte er in Bad Hersfeld, bevor er sich als Junker Jörg auf die Wartburg in Eisenach zurückzog, um das Neue Testament ins Deutsche zu übersetzen. (20.04.2015)

Linktipp:

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

lutherweg.de

Ehemaliger EKHN-Kirchenpräsident gestorben
Bischof Hein würdigt Peter Steinacker als «Wegbegründer kirchlicher Zusammenarbeit und theologischen Impulsgeber»

Kassel (medio). Die Nachricht vom Tod des ehemaligen Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Peter Steinacker, hat auch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck tiefe Betroffenheit ausgelöst.

In einer ersten Reaktion gab Bischof Prof. Dr. Martin Hein am Mittwochvormittag seiner Trauer Ausdruck: «In Peter Steinacker habe ich nicht nur einen engagierten und geistlich tief verbundenen ehemaligen Kollegen im Leitungsamt verloren, sondern auch einen guten Freund», teilte die Pressestelle der Landeskirche mit. Von allem, was von diesem bemerkenswerten Christen und Kirchenmann zu sagen wäre, rage für die kurhessische Landeskirche seine Initiative heraus, Wege der Zusammenarbeit zu suchen, ergänzte Hein. Dass die mit Steinacker auf dem Kirchentag 2001 spontan vereinbarten Verhandlungen zur Kooperation jetzt zum Ziel geführt hätten, sei eine Art Vermächtnis, das es zu wahren gelte, so der Bischof.

Von Steinacker seien viele theologische Impulse ausgegangen, vor allem durch seine Tätigkeit als Honorarprofessor an der Universität Marburg. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sei Peter Steinacker in tiefem Dank und ehrendem Andenken verbunden, so Hein.

Zur Person:

Peter Steinacker war 16 Jahre lang Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Von 1993 bis 2008 war er Vorsitzender der hessen-nassauischen Kirchenleitung, des Leitenden Geistlichen Amtes und des Theologischen Prüfungsamtes. Von 1986 an hatte Steinacker an der Philipps-Universität in Marburg eine Honorarprofessur für Systematische Theologie inne. (15.04.2015)

Linktipp:

Weitere Informationen zum Tode Peter Steinackers finden Sie auf den Seiten der EKHN unter:

ekhn.de/aktuell/(...)

Zum bevorstehenden 100. Jahrestag
Kirchenpräsident Jung und Bischof Hein: «Völkermord an Armeniern endlich aufarbeiten»

Darmstadt / Kassel (medio). Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, haben die evangelischen Gemeinden in einem Schreiben dazu aufgerufen, an den bevorstehenden 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern mit Gottesdiensten und Glockengeläut zu erinnern. Am 24. April 1915 begann die Verfolgung christlicher Bevölkerungsgruppen in der Türkei. Zwischen 1915 und 1919 wurden nach Schätzungen über eine Million christliche Armenier und fast eine halbe Million assyrischer, chaldäischer und griechisch-orthodoxer Christen bei Massakern, Vertreibungen und Zwangsumsiedlungen getötet, teilte die Pressestelle der Landeskirche mit.


Kritik an Umgang mit Genozid

Jung und Hein kritisierten in dem Rundbrief an die rund 2.000 evangelischen Kirchengemeinden auch den Umgang der heutigen türkischen Regierung mit dem Genozid. Bislang sei eine «offene Diskussion dieses Völkermordes in der Türkei gemäß der türkischen Verfassung verboten». Das Land habe zwar erste Schritte hin zu einer Aussöhnung mit dem Staat Armenien unternommen. Es fehle bisher aber eine wissenschaftliche Erforschung. Als positives Beispiel nannten sie die Aufarbeitung der eigenen Geschichte Deutschlands, die gezeigt habe, «dass der kritische Umgang mit der eigenen Vergangenheit eine aus der Schuld vergangener Generationen erwachsene Verantwortung zur Erinnerung an geschehenes Unrecht» sein könne. Hein und Jung seien überzeugt, dass es «nicht nur für die Opfer wichtig ist, den Völkermord an den Armeniern endlich anzuerkennen, sondern auch für den innertürkischen Demokratisierungsprozess und die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit in der Türkei».

Erinnerung an Verantwortung Deutschlands für den Völkermord

Die beiden leitenden Geistlichen erinnerten in ihrem Schreiben auch an die Verantwortung Deutschlands für den Völkermord an den Armeniern «weil es als Bündnispartner des Osmanischen Reiches während des Ersten Weltkrieges wissentlich die Ermordung und Vertreibung armenischer Christen in Kauf genommen hat». Sie begrüßten deshalb das Bekenntnis des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 2005 zu Deutschlands Mitschuld und «erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich bei ihren Verhandlungen mit der Türkei für eine Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern einsetzt und diese zu einer Bedingung für einen EU-Beitritt macht». Außerdem baten sie die hessische und die rheinland-pfälzische Landesregierung um die Umsetzung der 2005 vom Bundestag angeregten Maßnahmen zur Aufnahme des Armenier-Genozids in Schulcurricula und Schulbücher. Gerade Jugendliche mit türkischem Hintergrund könnten auf diese Weise einen Einblick in die türkische Geschichte erhalten, der ihren Eltern in der Türkei verwehrt werde.

Schließlich empfahlen Jung und Hein den Gemeinden in beiden Kirchen, sich dem Aufruf der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland anzuschließen und den Dialog mit armenischen Gemeinden in ihrer Nachbarschaft zu suchen und durch besondere Veranstaltungen an den Völkermord zu erinnern. Außerdem regten sie an, der Idee der ACK-Kirchen zu folgen und beispielsweise in den Sonntagsgottesdiensten am 19. April für die Opfer des Völkermordes zu beten und am 24. April 2015 um 17 Uhr anlässlich des Beginns der Verfolgung die Glocken zu läuten. (15.04.2015)

Linktipp:

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

zentrum-oekumene-ekhn.de
oekumene-ack.de

Internetradio:

Im Hörbeitrag erklärt medio-Reporter Siegfried Krückeberg im Gespräch mit Moderator Dave Jörg, was vor 100 Jahren passiert ist:

Anhören...

Gemeindefestival «SPRING»
Bischof Hein: «Haben Sie keine Angst, sich als Christen zu outen!»

Willingen (idea/epd). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, hat Christen dazu aufgerufen, die persönliche Begegnung mit Muslimen zu suchen. Nur so könnten Ängste gegenüber Muslimen abgebaut werden, sagte Hein am 10. April bei einer Diskussionsveranstaltung des christlichen Gemeindefestivals «Spring» (6. bis 11. April) im nordhessischen Willingen.

Bischof Hein, der erstmalig bei dem Festival zu Gast war, ermutigte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstbewusst zu ihrem Glauben zu stehen: «Haben Sie keine Angst, sich als Christen zu outen. Und trauen Sie Gott viel zu!», sagte Hein. Neben dem Bischof nahmen an der Gesprächsrunde mit dem Titel «Mission possible» der Präsident der Vereinigung Evangelischer Freikirchen, Ansgar Hörsting, und der Theologe und Religionswissenschaftler Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher teil.

Das Festival «Spring» wird veranstaltet von der Deutschen Evangelischen Allianz, einem breiten Kreis von Christen aus evangelischen Landes- und Freikirchen, der innerkirchlichen Gemeinschaftsbewegung sowie mehreren Jugend-, Gemeinde- und Missionswerken. Es wurde in Deutschland erstmals 1998 im Gran Dorado Ferienpark in Medebach (Hochsauerland) ausgerichtet. In Willingen gastierte es zum sechsten Mal. (13.04.2015)

Linktipp:

Informationen zum Gemeindefestival unter:

meinspring.de/(...)

Bikergottesdienst in Niedergründau
Saisoneröffnung: 10.000 Motorradfahrer lassen Maschinen an

Gelnhausen (epd). Rund 10.000 Motorradfahrer aus ganz Deutschland haben nach Polizeiangaben am Sonntag in Niedergründau bei Gelnhausen die Saison eröffnet. Das «Anlassen» begann um 12 Uhr mit einem Gottesdienst in der Bergkirche, den der hessische evangelische Bikerpfarrer Thorsten Heinrich leitete und dabei ein Bikerpaar traute. Als Schirmherrin nahm die Bundestagsabgeordnete Bettina Müller (SPD) des örtlichen Wahlkreises teil. Um 14 Uhr brachen die Teilnehmer mit einem Motorradkorso zum Festplatz nach Gelnhausen auf. Dort gab es Livemusik mit der «Status-Quo»-Coverband «Pure Quo» aus Dinslaken sowie Vorführungen und Informationen rund um das zwei- und dreirädrige Hobby.

Im vergangenen Jahr kamen bei regnerischem Wetter nur rund 1.500 Motorradfahrer zum «Anlassen». 2013 waren es 5.000 gewesen. Pfarrer Heinrich ist seit 2012 mit einer halben Stelle für die Motorradfahrerseelsorge der hessen-nassauischen und der kurhessischen Kirche zuständig. Er ist seit 34 Jahren Biker. Das 34. «Anlassen» der Motoren wurde vom Verband Christlicher Motorradfahrer (VCM) und dem evangelischen Beauftragen für Motorradseelsorge ausgerichtet. Kooperationspartner waren der ADAC Hessen-Thüringen und der Deutsche Kraftfahrzeug-Überwachungsverein (Dekra). (13.04.2015)

Linktipp:

Weitere Informationen auf den Seiten des Verbandes Christlicher Motorradfahrer unter:

vcm-ffm.de

Zum 70. Todestag - Gedenkveranstaltungen auch in Kurhessen-Waldeck
EKD-Ratsvorsitzender: Bonhoeffer bleibt Inspiration

Hannover/Hanau/Frielendorf (epd/medio). Zum 70. Todestag von Dietrich Bonhoeffer hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) den am 9. April 1945 ermordeten Pfarrer als «frommen Rebell» gewürdigt. «Bonhoeffer bleibt eine Inspiration für die, die sich in Situationen von Unterdrückung und Gewalt für die Menschenwürde einsetzen», sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Mittwoch (8.4.) in Hannover. Viele Sätze des Theologen prägten die evangelische Kirche bis heute. Wenige Wochen vor Kriegsende war Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet worden.

«Bonhoeffer kann uns erinnern, dass wir uns nicht bequem einrichten dürfen, sondern auch die kritische Kraft des Evangeliums in der Gesellschaft zur Sprache bringen müssen», hob Bedford-Strohm hervor. Doch der Theologe und Widerstandskämpfer sei nicht nur ein Rebell gegen den Nazi-Terror gewesen. Seine Worte spendeten bis heute Trost, wie etwa das im Gefängnis geschriebene Gedicht «Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag». Wer bereit sei, sich seiner existenziellen Not zu stellen und davon zu erzählen, könne auch andere Menschen in ihrer Not trösten, zeigten diese Zeilen, so der EKD-Ratsvorsitzende.

Gedenkveranstaltungen zum 70. Todestag in der Landeskirche

Aus Anlass des 70. Todestages des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer lädt die Evangelische Kirche in Hanau zu zwei Gedenkveranstaltungen ein. Die erste Veranstaltung beginnt am Donnerstag, dem Jahrestag, um 19 Uhr in der ehemaligen Synagoge Großkrotzenburg, wie Pfarrer Heinz Daume von der evangelischen Kirche Großkrotzenburg mitteilte. Eine zweite Veranstaltung folgt am Samstag, 11. April, ebenfalls um 19 Uhr in der Kirche in Niederdorfelden.

Neben Stationen aus dem Leben Dietrich Bonhoeffers werden sich die Redebeiträge in den beiden Veranstaltungen auf Bonhoeffers Verständnis von Kirche und sein unbedingtes Eintreten für die Juden beziehen. Ebenso werden sein Wirken in der Ökumene, seine Bedeutung als Märtyrer der Christenheit und seine Wirkung auf den christlichen Glauben bis heute zur Sprache kommen, sagte Daume.

Ebenfalls am Donnerstag lädt das Evangelische Forum Schwalm-Eder um 19 Uhr ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus nach Frielendorf ein. Dort wird der Theologe Wilfried Härle sich mit der Frage, wie das Böse in Gottes gute Schöpfung kommt, beschäftigen. Bonhoeffer, so Dierk Glitzenhirn, Geschäftsführer des Forums, habe seinen Widerstand gegen Adolf Hitler als Kampf gegen das Böse begriffen.

Zur Person

Dietrich Bonhoeffer wurde am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Am 9. April 1945 wurde er – wenige Wochen vor Kriegsende – im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Dietrich Bonhoeffer hatte während des Dritten Reichs der nationalsozialistischen Ideologie widersprochen und gehörte zum Kreis derer, die das Attentat am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler vorbereitet haben. Dabei hat er sein politisches Handeln immer theologisch begründet. Er hat ein umfangreiches theologisches Werk hinterlassen. Seine Briefe und Texte aus der Zeit der Haft (1943-1945) sind nach dem Krieg unter dem Titel «Widerstand und Ergebung» und «Brautbriefe – Zelle 92» veröffentlicht worden. (08.04.2015)

Osterbotschaft
Bischof Martin Hein: «Wir gehen auf dünnem Eis und suchen nach Halt»

Osterbotschaft von Bischof Martin Hein
«Wir gehen auf dünnem Eis und suchen nach Halt»

Kassel (medio). Angesichts der Tragödie in den französischen Alpen erinnert der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, in seiner Osterbotschaft an die Brüchigkeit des menschlichen Lebens: «Wir gehen auf dünnem Eis und suchen nach Halt.» Der Bischof ruft dazu auf, für alle zu beten, die unter der Last des Kummers zu zerbrechen drohen, und auch die nicht zu vergessen, die ihre Stärke und ihren Mut dafür einsezen, Leiden zu mindern.

Wir dokumentieren seine Botschaft im Wortlaut:

«Der Herr ist auferstanden! Dieser Ruf holt die Menschen, die das schreckliche Leiden und Sterben Jesu miterlebt haben, aus der Trauer und aus der Verzweiflung. Und er tut es immer noch. Gott macht uns stark, dem Bösen und seinen Mächten in jeder Gestalt zu widerstehen und ihnen nicht die Herrschaft über unser Leben zu überlassen. Wie brüchig unser Leben ist, haben wir in diesen Tagen durch die schreckliche menschliche Tragödie in den französischen Alpen bis an die Grenze unseres Begreifens erfahren. Wir gehen auf dünnem Eis und suchen nach Halt.

Wir sind hineingestellt in eine Welt voller Gefahren und Risiken. Wir können daran wachsen, aber auch daran scheitern. Darum beten wir für alle, die unter der Last des Kummers zu zerbrechen drohen. Wir beten auch für diejenigen, die ihre Stärke und ihren Mut dafür einsetzen, Leiden zu mindern. Im österlichen Licht der Auferstehung erfahren wir, wie kostbar das Leben ist – und zugleich geborgen in Gott.»

Prof. Dr. Martin Hein
Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Jesu Auferstehung nach dem Evangelisten Markus

Markus 16, 1 bis 8:

«Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.  Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.»

(Quelle: Lutherbibel, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart)

Predigt:

Lesen Sie hier die Predigt von Bischof Martin Hein im Ostersonntagsgottesdienst in Kassel im Wortlaut:

PDF-Dokument

Themenschwerpunkt:

Im Leben und Sterben Jesu ist «Gott selbst zur Welt gekommen». Informationen rund um die Karwoche und das Osterfest finden Sie im Thema auf ekkw.de:

Zum Thema...

Internetradio:

Hessische Kinder erklären, warum wir Ostern feiern. Eine Umfrage von Pfarrer Dr. Siegfried Krückeberg:

Anhören...

«Für uns gestorben»
Evangelische Kirche legt Grundlagentext zur Kreuzestheologie vor

Hannover (medio). «Das Kreuz ist das christliche Zeichen der Menschenfreundlichkeit Gottes und der Versöhnung der Welt», schreibt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort des neuen EKD-Grundlagentextes zur Kreuzestheologie, der von der «Kammer für Theologie» der EKD verantwortet wurde. Er formuliert den Auftrag, der sich nach Ansicht der Autoren ergibt: «Christliche Theologie steht vor der Aufgabe, das Verständnis der Liebe Gottes im Kreuz immer wieder neu zu erklären und zu entfalten.» Der EKD-Text spannt einen Bogen von der Bibel bis zur Gegenwart, greift Kirchenlieder, aber auch Passionskonzerte und Jesusfilme auf und referiert die darin transportierte Kreuzestheologie. Der Text steht im Internet zum Lesen und als Download bereit. (02.04.2015)

Linktipp:

Lesen Sie hier den Grundlagentext «Für uns gestorben» der EKD:

ekd.de/EKD-Texte/(...)

Prädikanten
16 Frauen und Männer wurden in einem festlichen Gottesdienst in ihren Dienst als Prädikanten eingesegnet

Niedervellmar (Kassel). Am Sonntag, dem 29. März 2015 wurden in einem feierlichen Gottesdienst in der Adventskirche in Niedervellmar zehn Frauen und sechs Männer in das Prädikantenamt eingesegnet. Als Prädikanten sind die Ehrenamtlichen zum Dienst der freien Wortverkündung und der Sakramentsverwaltung beauftragt, d. h. sie können Predigten halten, Taufen vornehmen und das Abendmahl leiten.

Prälatin Marita Natt sagte in ihrer Predigt: «Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die sich entscheiden 'Flagge zu zeigen'. Die bereit sind zu predigen, zu hören, zu begleiten und fürbittend für andere zu beten.» An dem Gottesdienst wirkten zudem Studienleiterin Pfarrerin Irmhild Heinicke (Evangelisches Predigerseminar Hofgeismar), Pfarrer Thomas Vogt (Niedervellmar), sowie Horst Schönewolf (Kirchenvorstandsvorsitzender der Kirchengemeinde Niedervellmar), mit.

Folgende 16 Prädikanten werden eingesegnet:

Astrid Bauleke-Voth in Hofgeismar, Kirchenkreis Hofgeismar
Katja Bernhardt in Malsfeld, Kirchenkreis Melsungen
Rena Brede in Vellmar, Kirchenkreis Kaufungen
Sabine Bücker in Malsfeld, Ortsteil Mosheim, Kirchenkreis Fritzlar-Homberg
Mee Yung Greiner in Kassel, Stadtkirchenkreis Kassel
Hubert Hering in Großalmerode, Stadtteil Weißenbach, Kirchenkreis Witzenhausen
Sabine Hertrampf in Volkmarsen, Kirchenkreis Twiste-Eisenberg
Ursula Naumann in Frankenberg, Stadtteil Röddenau, Kirchenkreis Eder
Henrik Neeße in Bad Orb, Kirchenkreis Gelnhausen
Corinna Paulekuhn in Bad Arolsen, Stadtteil Mengeringhausen
Werner Poddey in Twistetal, Kirchenkreis Twiste-Eisenberg
Hannah Schmidt in Bebra, Kirchenkreis Rotenburg
Ingo Vater in Bebra, Kirchenkreis Rotenburg
Thomas Wagner in Wächtersbach, Kirchenkreis Gelnhausen
Gabriele Weidig in Hünfeld, Kirchenkreis Fulda
Tom Zeller in Hanau, Kirchenkreis Hanau

Stichwort Prädikanten:

Prädikanten sind ehrenamtlich in der Kirche tätig. Sie werden vom Bischof berufen und haben das Recht zur freien Wortverkündigung (Predigt) und Sakramentsverwaltung (Taufe und Abendmahl). Ihrer Berufung geht eine einjährige Vorbereitungszeit voraus, in denen notwendige biblische und theologische Kenntnisse sowie grundlegende Kompetenzen in den Bereichen Homiletik (Predigtlehre), Liturgik (Lehre vom Gottesdienst) und Seelsorge in Theorie und Praxis erworben werden sollen. Am Ende der Vorbereitungszeit findet ein Abschlusskolloquium statt. Danach entscheidet der Bischof, ob die Rechte zur freien Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung verliehen werden können. Prädikanten werden in einem Gottesdienst vom Bischof oder einer von ihm beauftragten Person eingesegnet. In der ihm zugewiesenen Kirchengemeinde wird der Prädikant in einem Gottesdienst eingeführt.
Derzeit sind im Bereich der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck 140 Prädikantinnen und Prädikanten tätig, 69 Männer und 71 Frauen. (31.03.2015)

Download:

Lesen Sie hier die Predigt der Prälatin im Wortlaut:

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HNA-Interview vom 28.03.2015
Bischof Hein nach Airbus-Absturz: «Glaube an Gott kann Halt geben»

Kassel (medio). Nach dem Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine am 24.03.2015 fragen sich viele Menschen «Wie konnte Gott so ein schlimmes Unglück überhaupt zulassen?», andere suchen wiederum Trost. In einem Interview mit der Hessisch-Niedersächsischen-Allgemeinen (HNA) hat sich Bischof Hein den Fragen von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa gestellt. Wir dokumentieren das Interview im Wortlaut.

Pézsa: Herr Bischof, wie kann Gott so ein schlimmes Unglück zulassen?

Bischof Hein:  Bei einem solchen Unglück kommt die Frage nach Gott sehr schnell. Das ist so und setzt unserem Glauben an Gottes Liebe sehr zu. Wir müssen aber auch nach unseren eigenen Anteilen fragen. Allmählich stellt sich heraus, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Attentat des Co-Piloten handelt, der billigend den Tod von 149 Menschen in Kauf nahm. Und da muss man sich doch fragen, warum ein Mensch so etwas Böses tun kann.

Pézsa: Entbindet das von der Frage, warum es so viel Leid gibt?

Bischof Hein: Da gibt es keine Antwort, die alles erklären könnte. Ich weiß auch nicht, warum 3368 Menschen allein im Jahr 2014 in Deutschland bei Verkehrsunfällen gestorben sind, worüber wir uns eher wenig entsetzen. Die Erfahrung des Leids gehört seit je her zu uns Menschen in dieser nicht erlösten Welt. Davon weiß die Bibel viel zu erzählen. Und nur selten fragen wir, wenn es uns gut geht: Wie konnte Gott das zulassen?

Pézsa: Heute können wir fast alles erklären. Ist denn die Frage nach Gott im 21. Jahrhundert überhaupt noch relevant?

Bischof Hein: Ihre Bedeutung wird ja schon dadurch sichtbar, dass viele Menschen, zum Beispiel in Haltern, gleich nach Bekanntwerden des Absturzes in die Kirchen gegangen sind. Es ist ja nicht so, dass die Erfahrung solcher Katastrophen unbedingt von Gott wegführt. Sie kann auch zu ihm hinführen, weil wir merken: Unser Leben ist ausgeliefert, von Anfang bis Ende, wir haben es nicht in der Hand. Angesichts dieser Tatsache kann der Glaube an Gott sehr wohl Halt geben.

Interview hier weiterlesen...

HNA-Interview:

Lesen Sie hier das Interview mit Bischof Martin Hein im Wortlaut:

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Kammer für Mission und Ökumene auf Lern- und Begegnungsreise in Äthiopien
«Lernen von den Armen»

Kassel (medio). «Wir sind sehr beeindruckt von den Projekten, die die  Partner von Brot für die Welt in Äthiopien zur Bekämpfung von Armut und Hunger durchführen» so lautete das einmütige Fazit, das die Teilnehmer und Teilnehmerinnen  aus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck  zogen, die an einer von Brot für die Welt durchgeführten entwicklungspolitischen Lern-und Begegnungsreise durch Äthiopien teilgenommen haben.

Vom 16.3.- 27.3.2015 reisten zwölf Mitglieder der Kammer für Mission und Ökumene durch das Land, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, und besuchten zahlreiche – überwiegend von kirchlichen Partnern getragene - Projekte mit den Schwerpunkten Ernährungssicherung, Zugang zu Wasser und Bekämpfung von HIV/Aids. Die Gruppe reiste zunächst durch den sehr armen und trockenen Süden des Landes, der zum Teil bis heute auf humanitäre Überlebenshilfe angewiesen ist, bevor sie nach einer etwa 600 km langen Autofahrt nach Addis Abeba auch Projekte in der schnell wachsenden Hauptstadt besuchte. Auch ein Empfang beim Patriarchen der äthiopisch-orthodoxen Kirche sowie bei dem Präsidenten der Evangelisch Lutherischen Mekane Yesus Kirche standen auf dem Programm.

Nicht nur die Besuche der Partner, sondern auch die Konfrontationen mit schlimmster Armut machte die Reise zu einer eindrücklichen manchmal auch verstörenden Erfahrung:  Menschen, die ganz offensichtlich nicht genug zu essen haben, Frauen, die über viele Kilometer große Holzlasten oder Wasserkanister schleppen müssen, Kinder, die hart arbeiten statt zur Schule zu gehen, Familien, die auf der Straße schlafen müssen.

Bei den Projektbesuchen und Begegnungen mit Kirchen-und NGO-Vertretern kam es immer wieder zu einem gegenseitigen intensivem Austausch über verschiedene Fragen, u.a. wie eine nachhaltige Entwicklung aussieht, welche Rolle und Verantwortung dabei der Staat spielt, was die Verantwortung der Kirchen ist und wie vor allem die Armen selbst von Abhängigen zu Akteuren werden. «Wie haben Sie heute die Menschen in diesem Projekt erlebt - als Akteur oder als Objekt von Hilfe? Was hat Sie beeindruckt? Was hat sie befremdet?» gehörte deshalb zu den Standardfragen, über sich die sich die Teilnehmer bei den regelmäßigen abendlichen Reflexionsrunden austauschten.

Ein Projekt, welches die Gruppe besonders beeindruckte, ist ein Projekt in der von Hunger, Dürre und Abholzung betroffenen Konso-Region, bei dem etwa 1000 Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nahmen und mit eigenen Händen und mit Beratung von Experten einen Damm bauten, in dem nun der Regen in der kurzen Regenzeiten aufgefangen und durch Gräben auf die umliegenden Äcker geleitet werden kann, die nun wieder Früchte hervorbringen. In einem kleinen pantomimischen Spiel  führten die Menschen vor, wie sie früher nur holziges Gestrüpp zum Essen hatten, heute aber sich und ihre Kinder von den Früchten ihrer Felder sehr viel besser ernähren können.

Der Stolz und das Selbstbewusstsein, mit dem die Menschen ihre veränderte Lebenssituation schilderten, werden den Mitgliedern der Kammer in eindrücklicher Erinnerung bleiben wie auch der immer wieder geäußerte Dank an diejenigen, die in Deutschland für die Projekte von Brot für die Welt spenden.

Hintergrund:

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat am Horn von Afrika mit einer schnell wachsenden Bevölkerung mit ca. 90 Millionen Einwohnern. Obgleich es zu den am wenigsten entwickelten Ländern gehört, ist der zentralistisch und autoritär geführte Staat sehr ehrgeizig und im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern durchaus  erfolgreich in der Armutsbekämpfung. Die Wirtschaft verzeichnet hohe Wachstumsraten. Besonders der trockene Süden ist z.T. auf Nahrungsmittelhilfe von außen angewiesen. Der Staat versucht mithilfe eines Gesetzes, Nichtregierungsorganisationen, die  überwiegend von außen finanziert werden, zu kontrollieren und einzuschränken. Danach ist zwar Entwicklungshilfe erlaubt, aber Menschenrechtsarbeit und politische Lobbyarbeit verboten.

Äthiopien gilt abgesehen davon als das politisch stabilste Land am Horn von Afrika. Christen und Muslime leben seit vielen Jahrhunderten friedlich nebeneinander. Etwa 50 Prozent der Einwohner sind Christen, davon gehört die Mehrheit zur orthodoxen Kirche. Die lutherische Mekane Yesus Kirche - der Hauptpartner von Brot für die Welt - ist mit ca. 7 Millionen Mitgliedern die größte protestantische Kirche in Afrika. (31.03.2015)

Linktipp:

Die Angebote des Referats für Mission und Ökumene finden Sie auf ekkw.de im Bereich «Service»:

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Mitmachaktion «Alte Thesen neu gelesen»
Landeskirche startet Wettbewerb für Kirchengemeinden zum Reformationsjubiläum

Kassel (medio). «Alte Thesen neu gelesen» – unter diesem Motto startet die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck am 31. März 2015 einen besonderen  Wettbewerb im Rahmen der Reformationsdekade. Die rund 800 Kirchengemeinden der Landeskirche sind dazu aufgerufen, sich in einem Projekt mit der Frage auseinanderzusetzen, was «evangelisch sein» heute und für die Zukunft bedeutet. Darin soll ein Bogen von den «alten Thesen» über die Gegenwart bis in die Zukunft hinein geschlagen werden, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle.

«Bei der Umsetzung der jeweiligen Projekte sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt», sagte Pfarrerin Petra Schwermann, Reformationsdekadebeauftragte der  Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kassel. «Was bedeutet es für uns heute, evangelisch zu sein? Wo liegen die Wurzeln für unser heutiges Gemeindeleben und Glaubensverständnis? Wie gehen wir in diesem Bewusstsein mit aktuellen und künftigen Herausforderungen um? Diesen Fragen stellen wir uns mit diesem Wettbewerb», erläuterte die Beauftragte. Für die Ideenfindung und Projektumsetzung regte Schwermann an, sich mit unterschiedlichen Partnern vor Ort zusammen zu tun. Dies könnten Geschichtsvereine, Schulen, Sportvereine und viele andere Akteure sein. Mit den Worten «Weckt den Luther in Euch!» seien die Gemeinden der Landeskirche zum Mitmachen eingeladen, so Schwermann.

Start am 31. März - 1.000 Euro Startgeld für die schnellsten 95 Gemeinden

Im Zeitraum vom 31. März bis 30. Juni 2015 können Kirchengemeinden und Kirchspiele eine Projektidee entwickeln und die visualisierte Idee im Landeskirchenamt einreichen. Die schnellsten 95 Gemeinden erhalten je ein Startgeld in Höhe von 1.000 Euro. Für die Umsetzung der Idee haben die angemeldeten Gemeinden vom 1. September 2015 bis zum 31. Oktober 2016 Zeit. Die Projektideen werden auf ekkw.de veröffentlicht und nach Umsetzung dokumentiert. Eine Jury wird die Projekte bewerten. Am 6. Mai 2017 werden die drei besten, nachhaltigsten Projekte durch Bischof Prof. Dr. Martin Hein während einer Festveranstaltung in Homberg/Efze ausgezeichnet. Für die drei nachhaltigsten Beiträge sind Preisgelder in Höhe von 5.000, 3.000 und 2.000 Euro ausgelobt.



Stichwort Reformationsjubiläum 2017

1508 kommt der Augustinermönch Martin Luther nach Wittenberg. Zehn Jahre später veröffentlicht er am Vorabend des Allerheiligentages, dem 31. Oktober 1517, seine gegen den Ablasshandel der Kirche gerichteten 95 Thesen, mit denen die Reformation begann. Im Jahr 2008 hat sich die evangelische Kirche mit der «Lutherdekade» auf den zehnjährigen Weg hin zum 500. Reformationsjubiläum 2017 gemacht und will das weite Spektrum der Reformation in Themenjahren aufnehmen und entfalten.

Dazu werden auch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck vielfältige Veranstaltungen, Tagungen und Aktionen angeboten, die die Schwerpunkte der Themenjahre regional aufgreifen und ausgestalten. Daneben bieten die Lutherstätten im Bereich der Landeskirche, Marburg und Schmalkalden, aber auch die Kirchengemeinden vor Ort die Möglichkeit, das Wirken der Reformation bis in unsere heutige Zeit zu entdecken. (10.03.2015)

Aktionsseite:

Detaillierte Informationen zum Wettbewerb und das Anmeldeformular unter:

alte-thesen-neu-gelesen.de

Reformationsdekade:

Weitere Informationen zur Reformationsdekade in Kurhessen-Waldeck unter:

ekkw.de/reformation2017

«Reformation 1517-2017. Ökumenische Perspektiven»
Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen stellte Studie vor

Würzburg/Mainz (medio). Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) hat eine Studie mit dem Titel «Reformation 1517-2017. Ökumenische Perspektiven» herausgegeben. Die Publikation, die 2014 bei den Verlagen Herder/Freiburg und Vanden-hoeck&Ruprecht/Göttingen erschien, wurde am Mittwoch, 25. März, im Rahmen einer Pressekonferenz im Exerzitienhaus Himmelspforten in Würzburg vorgestellt, teilte das Bistums Mainz mit. An der Pressekonferenz nahmen der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Professor Dr. Martin Hein, der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann,  Professor Dr. Volker Leppin (Tübingen) und Professorin Dr. Dorothea Sattler (Münster) teil. Lehmann und Hein sind die Vorsitzenden des Arbeitskreises, Leppin und Sattler die wissenschaftlichen Leiter.

Hein: Den ökumenischen Dialog weiterführen

In seinem Statement wies Bischof Hein darauf hin, dass es dem ÖAK wichtig gewesen sei, «sich der Frage nach dem Stellenwert der Reformation und ihrer Bedeutung für die evangelische wie für die katholische Kirche aus einer Perspektive heraus zu stellen, die die eigene Position ernstnimmt, gleichwohl aber auf ökumenische Verständigung hin ausgelegt ist», heißt es in der Pressemiteilung weiter. Die Studie sage, «was gegenwärtig gemeinsam zu sagen möglich ist». Ihr Ziel sei «der Versuch einer gegenseitigen Verständigung, die das Anliegen der Reformation würdigt und fruchtbar macht». Die beteiligten Theologen seien sich einig, dass aufgrund der intensiven ökumenischen Arbeit und der vielfältigen Kooperationen der Kirchen «inzwischen die Gemeinsamkeiten der Kirchen im Vergleich mit den verbleibenden Differenzen bei weitem überwiegen». Dieses theologische Fazit dürfe nicht unterschätzt werden, betonte Hein. «Es bietet – wie der gesamte Text – eine verlässliche Voraussetzung dafür, sich gemeinsamer Wurzeln zu vergewissern und den ökumenischen Dialog unbedingt und beherzt weiterzuführen. Die Steine auf dem Weg sind ja noch längst nicht alle ausgeräumt», sagte er.

Sattler unterstrich in ihrem Statement, dass der ÖAK mit dem Dokument «im Konzert der vielen Meinungen zum Gedenkjahr 2017» etwas beitragen möchte, «was an anderen Orten in dieser Form nicht geschieht: eine Zusammenschau der historischen Rekonstruktionen der Ereignisse im 16. Jahrhundert mit grundlegenden, auch gegenwärtig wichtigen Fragen des Kirchenverständnisses unter dem leitenden Gesichtspunkt der Reformbedürftigkeit sowie der Reformfähigkeit aller Kirchen», so die PRessestelle des Bistums Mainz. «Im Blick auf diese Grundaussage – die Kirche ist stets der Reform, der Reinigung und der Erneuerung bedürftig – gibt es keinen Streit im ÖAK. Sie bildet die Grundlage für weitere wissenschaftliche Studien im Horizont der gegenwärtigen Herausforderungen der Ökumene», sagte Sattler. Leppin betonte, dass in der Studie «das Reformationsereignis konsequent als historisches und theologisches Geschehen» beschrieben werde. Es gehe nicht nur um die theologischen Lehren, sondern auch um das gesamtgesellschaftliche Geschehen «Reformation». Das Jahr 2017 könne als ein «Impuls für Ökumene» verstanden werden.

Studie: «Die Kirchen sind füreinander und nicht gegeneinander da.»

In der Studie des ÖAK wird die Erinnerung an die Reformation zudem als ein «ökumenisches Ereignis» bezeichnet, «durch das die Gemeinschaft zwischen den evangelischen Kirchen und der römisch-katholischen Kirche vertieft werden kann». Es sei gut, dass sich viele ökumenische Kreise gemeinsam um das Gedächtnis der Reformation bemühten. «Die Reformation hat ursprünglich keine Spaltung der westlichen Christenheit intendiert, sondern wollte die Erneuerung der gesamten Kirche aus dem Geist des Evangeliums. Die Besinnung auf die Reformation stärkt die Ökumene und die ökumenische Theologie. Sie macht deutlich: Die Kirchen sind füreinander und nicht gegeneinander da. Jede Kirche gewinnt an Profil nicht gegen die anderen Kirchen, sondern im Miteinander mit ihnen», heißt es in dem Text.

Es sei in «ökumenischer Perspektive selbstverständlich», dass evangelische Kirchen und römisch-katholische Kirche ihre Grundhaltung zum Gedächtnis an die Reformation unterschiedlich bestimmten: «Das entbindet aber nicht davon, an einer gemeinsamen, ökumenischen Deutung und Bewertung des Geschehens auch im Sinne einer gemeinsamen Wertschätzung der Reformation zu arbeiten. Die aus den gemeinsamen Herausforderungen und den Einsichten aus den Dialogen entstehenden gemeinsamen Aufgaben sollten zudem beim Reformationsgedenken im Jahr 2017 im Mittelpunkt stehen.» Beides erscheine als «die entscheidende Voraussetzung, um das Jahr 2017 auch gemeinsam zu begehen». «Die Einstellungen zur Reformation und die Erfahrungen mit den Folgen der Reformation aber sind unterschiedlich und dürfen es auch sein», wird in dem Text betont. Das Reformationsgedenken sei «sowohl freudiges Feiern der Reformation als auch selbstkritische Besinnung». Es sei ein «Zeichen der ökumenischen Verbundenheit», wenn am Gedenktag der Reformation am 31. Oktober 2017 christliche Gemeinden aller Konfessionen an ihren Orten ökumenische Gottesdienste feierten.

Stichwort: ÖAK

Der Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen wurde 1946 gegründet und zähle «zu den ältesten ökumenischen gemeinsamen Arbeitskreisen» in Deutschland, erklärte Kardinal Lehmann. Initiatoren des Kreises waren der damalige evangelische Bischof von Oldenburg, Professor Wilhelm Stählin, und der damalige Erzbischof von Paderborn, der spätere Kardinal Lorenz Jaeger. «In voller Loyalität der beiderseitigen Teilnehmer gegenüber ihrer eigenen Kirche und zugleich in großer Aufgeschlossenheit für die Partner wurden fast alle kontrovers-theologischen Grundfragen besprochen», sagte Lehmann. Nachdem sich die Arbeit zunächst «in aller Stille» vollzogen habe, wurden später Referate und Ergebnisse der Sitzungen veröffentlicht; seit 1982 hat der Kreis eine eigene Buchreihe mit dem Titel «Dialog der Kirchen». (26.03.2015)

Linktipp:

Die Studie «Reformation 1517-2017. Ökumenische Perspektiven» erhalten Sie hier:

herdershop24.de/(...)

Reformationsjubiläum
Der Kirchenkreis Marburg bereitet sich auf das große Ereignis im Jahr 2017 vor

Marburg-Wehrda (medio). Auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Marburg, die am Mittwochabend (25.03.) in der Trinitatiskirche in Wehrda zusammentrat, berichtete Dekan Burkhard zur Nieden von zahlreichen Aktivitäten und Planungen für die Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2017, teilte der Medienbeauftragter für den Sprengel Waldeck und Marburg, Karl-Günter Balzer, mit. Touristische Attraktionen würden deutschlandweit entwickelt. Konzerte und Vorträge, Symposien und Tagungen, Feste und Gottesdienste seien geplant. Alle Bundesländer hätten sich inzwischen darauf verständigt, den 31. Oktober 2017 einmalig zum gesetzlichen Feiertag einzurichten. Zur Nieden rechne fest damit, dass viele Menschen nach Deutschland und Marburg kommen werden, so Balzer. Marburg als Ort des Religionsgespräches von 1529 sei ein Ort der Reformation und damit zugleich einer der 80 Orte des europäischen Stationenweges der Reformation, die besonders im Blickpunkt stehen werden.

Erste Ideen, die es für das Reformationsjubiläum im Kirchenkreis gibt, wurden der Synode vorgestellt und in Arbeitsgruppen diskutiert, berichtet der Medienbeauftragte weiter. Unter dem Projektnamen „Tri-Polis“ stellte Pfarrer Ulrich Biskamp ein gemeinsames Projekt der evangelischen Kirchen in Prag, Zürich und Marburg vor. Prag erinnere bereits im laufenden Jahr an den tschechischen Reformator Jan Hus, der 1415 mit seinen Schriften auf dem Scheiterhaufen landete, und Zürich an Huldrych Zwingli, durch den die Reformation 1523 in die Stadt kam.  Damit würden die Reformationsfeierlichkeiten ausgeweitet und von der Konzentration auf Luther und die deutschen Reformatoren weggeführt, so Balzer. Zwischen diesen drei Städten gäbe es bereits einen regen Austausch. In den nächsten Jahren seien z.B. Kirchenvorsteherbegegnungen, Konfirmanden- und Jugendcamps, Wander- und Fahrradpilgern angedacht.

Außerdem seien, erklärte der Synodale Dr. Erich Weidner, Begegnungen mit der Partnerkirchenkreis Moretele in Südafrika geplant, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche von Südafrika (ELCSA) gehört. Weitere Impulse könnte das Lutherfest in Lohra geben, das die Kirchengemeinde bereits zweimal gefeiert hat. Es sei eine gelungene Mischung zwischen Mittelalterfest und theologischer Bildung und könnte ein Vorbild für weitere ähnliche Aktionen über den Kirchenkreis hinaus sein, berichtete Balzer weiter. Die Synode nahm die vorgestellten Projekte zustimmend zur Kenntnis und zeigte sich offen für weitere Initiativen bis 2017 zu entwickeln.

Stichwort Reformation:

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther laut Überlieferung 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Darin stellte er sich gegen die damalige Praxis des Ablasshandels, die behauptete, dass die Menschen durch die Zahlung von Geld Erlösung erlangen könnten. Dagegen stellte er die Gnade und Liebe Gottes, die alleine im vertrauenden Glauben dem Menschen geschenkt werde. Luthers Thesenanschlag gilt als Auslöser der Reformation in Deutschland, an deren Ende auch die ursprünglich nicht beabsichtigte Spaltung der Kirche in verschiedene Konfessionen stand. (26.03.2015)

Flugzeugunglück in den französischen Alpen
EKD-Ratsvorsitzender: «In Gebeten und Gedanken sind wir bei den Opfern und ihren Angehörigen»

Hannover (medio). Mit Trauer und Bestürzung hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, auf den Absturz einer Maschine der Fluggesellschaft «Germanwings» in Südfrankreich reagiert, teilte die Pressestelle der EKD mit. «Die Nachricht von dem Unglück und der Tod von so vielen Menschen machen uns fassungslos», sagte Bedford-Strohm. «In Gebeten und Gedanken sind wir bei den Opfern und ihren Angehörigen.»

Das Team Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) Düsseldorf sei am Flughafen Düsseldorf im Einsatz und kümmere sich um Abholer und Angehörige. Zum Team gehören auch die Airportseelsorge und die evangelische und katholische Notfallseelsorge aus der Region.

Hintergrund:

Der Airbus mit der Flugnummer 4U9525 des Typs A320 ist heute (24.03.) auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf über den französischen Alpen verunglückt, wie die Fluggesellschaft «Germanwings» auf ihrer Internetseite bestätigt. An Bord waren 144 Passagiere und 6 Crew-Mitglieder. (24.03.2015)

Ahnenforschung durch Online-Recherche
Das Kirchenbuchportal «Archion» geht online

Kassel (medio). Seit heute (20. März) können die Kirchenbücher der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und 10 weiterer evangelischer Landeskirchen online eingesehen werden. Die Freischaltung des Kirchenbuchportals «Archion» unter www.archion.de wurde mit einem feierlichen Empfang im Haus der Kirche in Kassel eröffnet, teilte die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs in Kassel, Dr. Bettina Wischhöfer, mit.

«Kirchenbücher sind weit mehr als Tabellen von Daten und Namen. Sie sind Spuren gelebter Vergangenheit», erinnerte der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dessen Grußwort von Dr. Henning Pahl vom Evangelischen Zentralarchiv Berlin vorgetragen wurde. Zeugnisse der Vergangenheit zu erhalten und zur Auswertung bereitzustellen sei eine der vornehmsten Pflichten der evangelischen Archive, hieß es in dem Grußwort weiter.  Zugleich bedeute jedes Blättern aber auch eine Gefahr für den Erhalt eines Kirchenbuchs. «Das nun entwickelte Kirchenbuchportal löst diesen Widerspruch zwischen Bestandserhaltung und Nutzerorientierung auf bestmögliche Art und Weise auf: Die Originale können geschützt im Magazin bleiben, und doch erhält jeder, der sich dafür interessiert, die Möglichkeit, die Kirchenbücher anzuschauen und auszuwerten, und zwar ganz bequem vom heimischen PC aus», so der Ratsvorsitzende in seinem Grußwort.

Das Großprojekt ist eine Gemeinschaftsleistung von zunächst elf evangelischen Landeskirchen und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die die eigens dazu die  Kirchenbuchportal GmbH gegründet haben. Insgesamt wurden bislang 2,5 Millionen Kirchenbuchseiten digitalisiert. Langfristig sollen etwa 200.000 evangelische Kirchenbücher gegen Entgelt online verfügbar gemacht werden. Zunächst könne nur ein Teil der Kirchenbücher eingesehen werden, aber es kämen regelmäßig neue Kirchenbücher dazu, so Bettina Wischhöfer.

Herausragend sei auch, dass sich das Portal selbst finanziell tragen werde, so die Leiterin des Archivs, weil es die Beteiligung von Nutzern mit einem betriebswirtschaftlichen Ansatz vereine. Nutzer können bei Archion nicht nur nach ihren Ahnen forschen, sondern sich auch in einem Forum miteinander austauschen, eigene Auswertungen in das Portal hochladen und Anderen zugänglich machen. Außerdem gäbe es die Möglichkeit, einzelne Einträge oder ganze Kirchenbücher abzuschreiben. Das Ergebnis könne dann über die Recherchefunktion durchsucht und mit dem Original verglichen werden.

Das Portal wurde bereits von 4.000 Nutzern in einer Erprobungsphase ausgiebig getestet. Archion sei jedoch auch weiterhin bestrebt, mit den Usern in regem Austausch zu stehen. Das Portal werde stetig ausgebaut. Es stehe auch für die Quellen von anderen Konfessionen zur Verfügung. Außerdem seien staatliche, kommunale oder auch Universitätsarchive eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen. (20.03.2015)

Impressionen von der Freischaltung von www.archion.de:

Linktipp:

Das Kirchenbuchportal «Archion» finden Sie im Internet unter:

archion.de