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Nachgefragt...

Frankfurt am Main / Johannesburg (medio). Die Fifa-Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ist eines der sportlichen Höhepunkte in diesem Jahr. medio hat mit Pfarrerin Cornelia Schauf von der lutherischen Gemeinde Midrand in Johannesburg gesprochen, um herauszubekommen, wie sich die Südafrikaner auf das Ereignis vorbereiten, welche Stimmung die vielen Gäste erwartet und welche Aktivitäten die christlichen Gemeinden planen. Das Telefoninterview führte Pfarrer Dr. Siegfried Krückeberg.

medio: Frau Schauf, wie groß ist die Begeisterung und Vorfreude auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land?
 
Schauf: Die Begeisterung ist sehr groß. Südafrikaner sind begeisterungsfähige Menschen und erleben immer alles mit Leib und Seele. Also sie freuen sich sehr. Das ist überall sichtbar im ganzen Land. Man sieht viele Fußbälle an den Mauern und an irgendwelchen Türmen. Ja, die Leute freuen sich!

medio: Und was erwarten die Menschen von der WM in Südafrika?

Schauf: In Südafrika ist alles immer widersprüchlich. So widersprüchlich wie die Gesellschaft sind auch die Erwartungen. Manche haben sehr, sehr hohe Erwartungen als würde sich für sie das das Leben ändern. Viele, die Gasthäuser, Pensionen oder Hotels besitzen, denken, dass sie durch die Touristen, die kommen, jetzt reich werden. Das gibt es ganz bestimmt. Andere haben sehr niedrige Erwartungen. Und es gibt natürlich durchaus auch kritische Stimmen zu hören, die sagen, die Verlierer sind in der Überzahl, nämlich die Armen in der Gesellschaft.

medio: Warum sollen das die Verlierer sein?

Schauf: Für die Armen wird sich überhaupt nichts ändern und viel Geld ist investiert worden in Stadien, das hätte man in Häuser investieren können. Einer der größten Kritikpunkte ist: viel Geld ist in die Bauten geflossen, das eigentlich für die Menschen hätte da sein sollen.

medio: Wie werden die Südafrikaner auf die Fans aus aller Welt reagieren?

Schauf: Die Südafrikaner sind sehr stolz. Ich glaube das Selbstbewusstsein wird größer werden und alle freuen sich, dass sie die Gastgeber der Weltmeisterschaft sind. Südafrikaner sind sowieso sehr gastfreundlich und die Leute, die ins Land kommen, werden große Gastfreundschaft erleben.

medio: Können Sie ein Beispiel geben?

Schauf: Die Begeisterung wird in den Straßen zu spüren sein.

medio: Wie bereitet sich Ihre Gemeinde auf die Touristen vor?

Schauf: Unsere Gemeinde selber ist eine sehr kleine Gemeinde und wir erwarten keine Touristenströme, auch weil wir keine deutsch-sprachige Gemeinde sind. Die deutschsprachige Gemeinde wird zusammen mit der deutschen Botschaft Ansprechpartner sein für deutsche Touristen. Wir selber werden Jugendprogramme machen über Fairplay, eine Kinderbibelwoche zu dem Thema, die zur Zeit der Weltmeisterschaft stattfinden wird. Also es gibt Programme für Jugendliche und Kinder bei uns.

medio: Werden Sie auch Möglichkeiten anbieten gemeinsam die Spiele zu sehen, also «public viewing»?

Schauf: Ja, das wird sehr wahrscheinlich in der Gemeinde in Halbrough stattfinden. Das ist einer der ärmsten Stadtteile. Und dort hat eine unserer Gemeinden ein Theater, dort wird es public viewings geben. Die Leute, die wirklich überhaupt keinen Zugang haben zu ihren Stadien, können dann die Spiele dort sehen und gleichzeitig ein Straßenfest erleben.

medio: Zum Thema Sicherheit: Wir hören ja immer wieder etwas von Überfällen. Wie steht es denn um die Sicherheit in Johannesburg?

Schauf: Insgesamt steht es nicht so gut um die Sicherheit. Aber ich denke, dass die Gäste, die kommen, es relativ sicher erleben werden. Es wird um die Weltmeisterschaft herum viel mehr Sicherheit geben, als es sie sonst gibt. Es werden 71.000 Polizisten extra eingestellt für diese Zeit. Es gibt internationale Berater und viele Projekte und Programme, um die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten. Sonst ist es schon sehr gefährlich hier zu leben. Ich denke, für die, die kommen, wird es ok sein.

medio: Und wenn dann doch etwas passiert, wo bekommt man Hilfe?

Schauf: Wenn man als Deutscher kommt, sollte man sich an die Deutsche Botschaft wenden. Und die Evangelische Kirche  in Deutschland gibt zusammen mit der Deutschen Botschaft eine Informationsbroschüre heraus, in der auch Adressen und Informationen zu finden sind. Es wird auch eine Hotline der Polizei eingerichtet werden. Ich kann aber nicht sagen, wie effektiv das sein wird.

medio: Gibt es im Umfeld der Gemeinden auch Übernachtungsmöglichkeiten?

Schauf: Das gibt es als Programm von der Deutschen Gemeinde nicht. Aber es gibt viele Gasthäuser und wenn man sich an die deutsche Gemeinde wenden würde, würde sie auch versuchen zu helfen, dass man unterkommen kann. Das glaube ich bestimmt.

medio: Vielen Dank für das Gespräch!

(28.1.2010)

2010-06-08

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