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Nachgefragt...

Foto: Im Pressegespräch: Oberlandeskirchenrat Dr. Eberhard Schwarz vor Journalisten in Kassel. (Foto: medio.tv/Schauderna) Im Pressegespräch: Oberlandeskirchenrat Dr. Eberhard Schwarz vor Journalisten in Kassel. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Oberlandeskirchenrat Dr. Eberhard Schwarz stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer am 26.04.2012 in Hofgeismar.

Fischer: Herr Schwarz, Sie geben in diesen Tagen ihr Amt ab und vieles ist in der Diakonie in Wandel. Mit welchen Gefühlen scheiden Sie jetzt aus Ihrem Amt?

Schwarz: Ich hätte die Fusion der diakonischen Werke natürlich gerne bis zum wirklichen Ende mit begleitet und mit gesteuert. Auf der anderen Seite ist der Zeitpunkt vielleicht gar nicht so schlecht. Wir sind eigentlich an der Weichenstellung, wo es kein Zurück mehr gibt und wo es nur noch um die Umsetzung geht. Sicher, das ist ein hartes Brot. Aber seit Februar ist Horst Rühl, mein Nachfolger, bei an allen Fusionsgesprächen dabei. Ich denke, der Prozess wird keinen Schaden nehmen und insofern kann ich dann auch wirklich getrost loslassen und sagen: «So, das ist jetzt eure Geschichte!»

Fischer: Und persönlich? Wie sehen Ihre Gefühle aus?

Schwarz: Persönlich habe ich sehr zwiespältige Gefühle. Ich freue mich auf die Möglichkeiten, die der Ruhestand bietet. Meine älteste Tochter hat gesagt, Papa jetzt kann ich meine Facharztausbildung buchen und du passt auf die Kinder auf. Im Moment sind es sechs dreiviertel Enkel. Also, da wird es eine Menge Schönes geben. Ich hab eine Leseliste, ich will ein bisschen was schreiben, also es gibt eine ganze Reihe von Dingen. Aber ich habe auch ein wenig Angst davor, weil ich doch weiß, dass die Arbeit mir die Tagesstruktur gibt und auch ein Stück Erfüllung, zumal ich ja zu Hause alleine bin nach dem Tod meiner Frau und die Kinder aus dem Haus sind. Die Sorge ist ein bisschen, wie kriege ich das gebacken? Also, werde ich dieser Herausforderung gewachsen sein, jeden Tag sinnvoll zu füllen?

Fischer: Ich komme zurück auf Ihre Amtszeit als Diakoniechef. Was waren Ihre wichtigsten Erfolge?

Schwarz: Erfolg ist immer eine schwierige Kategorie. Ich glaube zwei Dinge hat es gegeben, wo ich sage, die könnte ich unter so eine Kategorie buchen. Das eine ist, dass wir ja in dieser Zeit die Doppelfunktion hergestellt haben zwischen dem Vorsitzenden des Diakonischen Werks einerseits und dem Kollegiumsmitglied im Landeskirchenamt, dem Diakoniedezernenten der Landeskirche, andererseits.

Fischer: Eine seinerzeit umstrittene Weichenstellung.

Schwarz: Das war damals sehr umstritten. Ich hab sie gewollt und ich halte sie nach wie vor für ausgesprochen sinnvoll. Ich glaube, dass wir mittlerweile nach einigen Jahren der Erfahrung sagen können, dass es auch dieser Doppelfunktion zu verdanken ist, dass das Verhältnis zwischen Kirche und Diakonie in Kurhessen-Waldeck ein sehr gutes ist. Ich sitze im Kollegium dienstags und wir reden miteinander. Und die Kirche redet nicht über die Diakonie, die dann wo anders sitzt, sonder wir reden miteinander und umgekehrt natürlich auch. Dazu gehört, dass der Landespfarrer für Diakonie in unserer Synode regelmäßig seinen Bericht gibt. Das ist nicht überall so. Also, ich glaube, das Verhältnis zwischen Kirche und Diakonie ist in diesen Jahren gut geworden. Das hängt mit dieser Strukturveränderung zusammen. Das zweite, das ich als Erfolg werten würde, ist die Fusion der beiden diakonischen Werke. Das war einer der Schwerpunkte der Tätigkeit. Dass wir soweit gekommen sind, wie wir jetzt sind, und sagen können «Hier Synoden, jetzt guckt, was ihr daraus machen wollt», würde ich auch als solch einen Erfolg benennen.

Fischer: Werfen wir auch einen Blick auf die andere Seite der Medaille. Es gibt ja auch immer Entscheidungen die schwer fallen, die Bauchschmerzen bereiten. Bei welchen Entscheidungen sagen Sie: Die sind mir wirklich schwer gefallen!

Schwarz: So kann ich die Frage nicht beantworten, ich kann sie anders beantworten. Ich würde im Nachhinein sagen: Ich wäre gerne an manchen Stellen schlauer gewesen.

Fischer: Jetzt geben Sie das Amt ab, ein neuer Mann steht in den Startlöchern. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Schwarz: Ich wünsche Ihm, dass er im Zusammenspiel mit den anderen drei Vorstandskollegen die Fusion zur Umsetzung bringt, und dass das ein Erfolgsprojekt für die Diakonie beider Kirchen wird. Wir stellen uns dem Land Hessen gegenüber stark auf. Dass in diesem ordnungspolitischem Rahmen eine maßgebliche, auch durch Kurhessen festgelegte, Position zu hören sein wird, dafür wünsche ich ihm eine gute Hand, Geistesgegenwart und Gottes Segen.

Fischer: Herr Schwarz, ich mich für das Gespräch und wünsche Ihnen für Ihren nächsten Lebensabschnitt alles Gute und Gottes Segen.

Schwarz: Vielen Dank.

(26.04.2012)

2012-05-25

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