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Neue Bibeln für 1551 Predigtorte
Bischof Martin Hein zur Einführung der revidierten Lutherübersetzung als Altarbibeln

Foto: Bischof Martin Hein (Foto: medio.tv/ Schauderna) Bischof Martin Hein (Foto: medio.tv/ Schauderna)
Bischof Prof. Dr. Martin Hein stellte sich den Fragen von Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer am 24.10.2016 in Kassel

Fischer: Herr Bischof, Sie haben heute die neuen Altarbibeln für die Gemeinden und Gottesdienststätten in Kurhessen-Waldeck vorgestellt. Welche Bedeutung hat in unserer Zeit eine solche Altarbibel?

Bischof Hein: Eine Bibel, die auf dem Altar liegt, zeigt uns woher wir kommen und worauf wir uns gründen. Ganz sichtbar:  Auf dem Wort Gottes, das in der Bibel enthalten ist. Ohne Bibel gibt es keine Kirche, ohne Bibel gibt es auch kein Christentum. Das soll sichtbar werden, indem auf dem Altar die neue Altarbibel liegt.

Fischer: Warum lohnt es sich den revidierten Luthertext zu lesen? Was ist daran neu und spannend?

Bischof Hein: Luther kommt in dieser Ausgabe wieder stärker zum Ausdruck, sie ist also etwas konservativer als die letzten Revisionen. Es lohnt sich Luther zu lesen, weil Luther selbst in einer ganz starken Weise unsere Sprache geprägt hat. Insofern lohnt es sich Luther zu lesen, auch wenn man nicht evangelisch ist. Aber die Lutherbibel ist auch das Identitätsmerkmal für uns als evangelische Christen im deutschsprachigen Raum, vor allem in Deutschland. Die gemeinsame Lutherbibel ist nach außen hin unser Erkennungsmerkmal.

Fischer: Viele Texte in der Bibel haben für Menschen eine ganz besondere Bedeutung. Ich denke zum Beispiel an den Psalm 23. Wie ist die Revision mit diesen Texten umgegangen?

Bischof Hein: Ich sagte bereits, die Revision ist sehr konservativ. Man ist in vielem bis auf Luther 1545 zurückgegangen. Und die Kerntexte der Bibel, wie der Psalm 23 oder das Vaterunser, die sind natürlich so geblieben wie sie sind, weil sie sich über Generationen hin eingeprägt haben ins kollektive Gedächtnis. Da wäre eine Veränderung geradezu fatal. Bei der Weihnachtsgeschichte sind kleine Veränderungen durchgeführt worden. Aufmerksamen Zuhörenden wird das auffallen, aber insgesamt bleibt auch die Weihnachtsgeschichte so, wie wir sie seit der Kindheit kennen.

Fischer: Herr Bischof, noch eine persönliche Frage:. Wann sind Sie zum ersten Mal bewusst mit Luthers Sprache in Verbindung gekommen und was hat das in Ihnen ausgelöst?

Bischof Hein: Als Kind hatte ich die Begegnung mit Kinderbibeln, das ist auch angemessen. Wenn ich mich recht erinnere habe ich die erste Lutherbibel mit zwölf Jahren bekommen. Die war noch in Frakturbuchstaben gesetzt, als gar nicht so einfach zu lesen. Und dann habe ich mir vorgenommen, ich lese einmal die Bibel von Anfang bis Ende. Ob mir das viel gegeben hat, weiß ich nicht. Ich habe es im Leben zwei Mal gemacht, von der ersten Seite bis zur letzten. Aber ich habe gemerkt, dass etwas da drin steckt, was mich unmittelbar angeht. Und wahrscheinlich ist die Bibellektüre auch mitverantwortlich dafür, dass ich später Pfarrer geworden bin.

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank für das Interview.

2016-11-01

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