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Foto: (Foto: medio.tv/Schauderna) (Foto: medio.tv/Schauderna)
Während der Landeskirchenmusiktage vom 8. bis 10. September 2017 in Marburg wird das neue Beiheft «EGplus» zum evangelischen Gesangbuch eingeführt. Der Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Uwe Maibaum, und Pfarrer Dr. Oliver Schmalz vom Referat Gottesdienst, Kirchenmusik und theologische Generalia des Landeskirchenamtes, erklären im Interview, was es damit auf sich hat. Die Fragen stellte Olaf Dellit, Redakteur der landeskirchlichen Mitarbeiterzeitschrift «blick in die kirche».

Dellit: Im Gesangbuch stehen 650 Lieder, jetzt kommt noch mal ein Beiheft mit 164 Liedern. Wird das nicht zu viel?

Maibaum: Überhaupt nicht. Ein großer Teil der Lieder der neuen Sammlung wird schon in den Gemeinden gesungen, allerdings häufig von kopierten Zetteln. Das soll zukünftig aus einem gemeinsamen Liederbuch geschehen können. Und dann gibt es einen Teil, wo wir kräftigen Bedarf haben – neue Themen haben sich aufgetan. Bei Trauungen, bei Passionsliedern, mit einer Popliturgie und einer Kinderliturgie beispielsweise wurde nachgearbeitet, neue Lieder sind entwickelt und gefunden worden. Die sollen gesungen werden.

Dr. Schmalz: In den Gemeinden sind viele Lied-Kopien und andere Liederbücher unterwegs, weil sich das Liedgut in den 22 Jahren seit Erscheinen des Gesangbuchs weiterentwickelt hat. Darauf reagieren wir mit dem EGplus.

2017-09-06
Dellit: Ich muss eine Wissenslücke offenbaren: Ich dachte, «Maria durch ein Dornwald ging» stünde schon im Gesangbuch, das stimmt nicht. Werden durch das Beiheft Lücken gefüllt?

Maibaum: Bei einigen Liedern staunt man, dass sie noch fehlten, zum Beispiel auch «Von guten Mächten» in der Siegfried-Fietz-Fassung. Das kam in das EG damals beispielsweise nicht hinein. Wir haben inzwischen eine strategische Umorientierung in der Liedauswahl. Es geht nicht um eine «kirchenmusikalische Missionierung», bei der wir als kirchliche Mitarbeiter einen bestimmten musikalischen Stil durchsetzen wollen, sondern wir möchten klangbar machen, wie farbig evangelische Kirchenmusik ist und verkündigt.

Dellit: Es kommen viele Stile vor, etwa Popmusik und Gospel. Was noch?

Maibaum: Das geht von Neu-Textierungen choralähnlicher Melodien über verschiedene Formen der Popularmusik wie Balladen, Sakro-Pop, Gospel bis hin zu in evangelikalen Gemeinden gesungenen Formen wie Christliche Popularmusik und Lobpreisliedern. Nicht jeder findet da alles gut, aber jeder wird etwas für sich finden – das ist die schöne Geschichte dieses Buches.

Dr. Schmalz: Die Buntheit zeigt sich auch in den Zielgruppen: Wir haben ganz bewusst viele Lieder aufgenommen, die man mit Kindern oder mit Jugendlichen singen kann. Und die Vielfalt ist auch in der Theologie erkennbar.

Dellit: Könnten Sie ein Beispiel nennen?

Dr. Schmalz: Ein Beispiel sind die erwähnten Lobpreis-Lieder. Und es gibt Trauungslieder, die auch mit einem eher impliziten religiösen Bezug auskommen. Mit ihnen kann man Menschen ganz anders erreichen, weil es theologisch vielleicht nicht ganz so dick aufgetragen wirkt.

Dellit: Bei Beerdigungen wird oft «Tears in heaven» von Eric Clapton gespielt. Solche Songs stehen jetzt im EGplus.

Dr. Schmalz: Es gibt viele Lieder wie «Tears in heaven», die man im religiösen Sinn interpretieren kann, aber nicht muss. «I am sailing» etwa drückt aus: Ich segele in eine Weite hinein – all das können auch Versuche sein, von Gott zu sprechen.

Dellit: Eingeführt wird das Buch bei den Landeskirchenmusiktagen in Marburg (8.–10. September). Warum sollte man dorthin reisen?

Maibaum: Weil man dort das gesamte Spektrum dieses Buches erleben wird; in Gottesdiensten, in Konzerten, in Workshops und auf offenen Bühnen – mit unterschiedlichen Stilelementen: mit Gospelchören, Bands, Blechbläsern. Und weil das Wir sind – die klangreiche und farbenreiche Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck.     

(Das Interview erschien erstmalig im «blick in die kirche», Ausgabe 4/2017)

Das Beiheft EGplus gibt es in einer Gemeinde- und einer Buchhandels-Ausgabe. Die Gemeinde-Ausgabe kostet 6,50 Euro. Das Beiheft hat 300 Seiten. Bestellungen über: Evangelischer Medienverband Kassel, Heinrich-Wimmer-Straße 4, 34131 Kassel, Tel.: (0561) 34224, E-Mail: emv@ekkw.de, www.ekkw.de/emv

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Linktipp:

Die Mitarbeiterzeitschrift «blick in die kirche» finden Sie im Internet unter:

blick-in-die-kirche.de