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2010-11-25
Präses Kirchenrat Rudolf Schulze vor Journalisten in Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Simmen)
Präses Kirchenrat Rudolf Schulze vor Journalisten in Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Simmen)

Nachgefragt...

Präses Kirchenrat Rudolf Schulze stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer.

Fischer: Herr Präses, Sie hatten eine große Tagesordnung. Welcher der beratenen Punkte hatte für Sie persönlich die größte Brisanz?

Präses: Den größten Überraschungswert hatte der Bischofsbericht, weil er uns die Möglichkeit gegeben hat, erstmals über den Islam in der Synode zu diskutieren. Das hat es so bisher noch nicht gegeben. Dass dies unter positiven Vorzeichen geschehen ist, hat mich besonders beeindruckt. Positiv insofern, weil die Synode die Bemühung um einen interreligiösen Dialog unterstützt hat, und ebenso dafür eintritt, dass es einen islamischen Religionsunterricht geben soll und die Synode stellt sich hinter den Bischof mit seinem Votum für die verfolgten Christen in anderen Ländern. Da hat die Synode die Gelegenheit ergriffen, die unterschiedlichen Haltungen zum Islam in eine auf Verständigung angelegte Linie zu bringen.

Fischer: Welches Signal geht von dieser Synode an die christlichen Gemeinden und die muslimischen Mitbürger aus?

Präses: Wir setzen uns für Religionsfreiheit ein. Wir wollen den Dialog mit anderen Religionen. Wir wollen den Dialog mit dem Islam, weil wir achten, dass auch Muslime den einen Gott verehren. Dass das Bild und die Überlieferung von diesem Gott unterschiedlich ist, das ist eine Herausforderung an unsere Toleranzfähigkeit. Aber gerade, weil wir selbst Glaubende sind, können wir den Glauben anderer achten.

Fischer: Sie haben sich für diese Legislaturperiode ein besonderes Motto gewählt, das Bibelwort «Ihr seid das Salz der Erde – Ihr seid das Licht der Welt». Wie kann die Synode ein solches Motto einlösen?

Präses: Zunächst darin, dass wir nicht der Versuchung erliegen, uns nur mit binnenkirchlichen Themen zu beschäftigen, sondern der Anspruch, der in diesem Wort Jesu steckt, ist ja der, dass Christen ihr Leben als Glaubenszeugnis begreifen sollen. Und das heißt, wir sollen nach außen hin erkennbar sein als Christen. Wenn das eine Synode beherzigt, wird sich das in der Arbeit niederschlagen, sie wird die Türen und Fenster weit aufmachen, um in die Gesellschaft hinein zu wirken. In welchen einzelnen Maßnahmen sich das niederschlägt, das werden wir in den nächsten fünf Jahren sehen. Aber es geht hier um die Grundhaltung einer klaren Offenheit gegenüber der Gesellschaft und auch der Selbstvergewisserung, dass wir mit der Botschaft von der Liebe Jesu etwas Wesentliches beizutragen haben.

Fischer: Nun war das die gewissermaßen die erste Arbeitstagung dieser Landessynode. Was zeichnet diese Synode aus und wo gibt es vielleicht noch Entwicklungsbedarf?

Präses: Ich bin sehr beeindruckt, welch lebendige Diskussionen es gibt, es mangelt nicht an Wortmeldungen. Das war zunächst meine Befürchtung am Beginn der ersten vollständigen Arbeitstagung, dass es hier noch Zurückhaltung geben könnte. Aber wie der Verlauf der Synode gezeigt hat, wird es eine lebendige Debattenkultur auch in den nächsten fünf Jahren geben. Das macht für das Präsidium die Arbeit nicht leichter aber erfreulicher.

Fischer: Vielen Dank, Herr Präses.

(25.11.2010)

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