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2010-11-29
Vizepräsident Dr. Volker Knöppel vor Journalisten in Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Simmen)
Vizepräsident Dr. Volker Knöppel vor Journalisten in Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Simmen)

Nachgefragt...

Vizepräsident Dr. Volker Knöppel stellte sich den Fragen von medio-Redaktionsleiter Pfarrer Christian Fischer.

Fischer: Herr Vizepräsident, die Synode hat sich mit Ihrem Finanzbericht beschäftigt. Wie steht es um die Finanzen in der Landeskirche?

Dr. Knöppel: Die Landeskirche ist solide aufgestellt. Wir haben eine verlässliche Haushaltsplanung, wir leben nicht über unsere Verhältnisse. Es könnten natürlich mehr Einnahmen sein. Das würde ich mir wünschen, ist aber leider nicht der Fall.

Fischer: Alle Menschen reden zurzeit vom Aufschwung. Wann wird der Aufschwung sich in den kirchlichen Finanzen widerspiegeln?

Dr. Knöppel: Ich freue mich natürlich über die wirtschaftliche Erholung des Landes. Insbesondere auch darüber, dass die Arbeitslosenzahlen deutlich zurückgehen. Die Steuereinnahmen beim Staat sprudeln. Eine sehr erfreuliche Feststellung. Allerdings setzen sich diese Steuereinnahmen aus direkten und indirekten Steuern zusammen. Und der Anteil der indirekten Steuern wird von Jahr zu Jahr deutlich größer, so dass wir davon nicht so sehr profitieren. Wir haben in diesem Jahr in unserer Landeskirche sogar einen anderen Effekt. Wir werden am Ende des Jahres voraussichtlich fünf oder sechs Prozent weniger an Einnahmen haben als noch im Vorjahr. Und wir werden am Ende dieses Jahres einen Einnahmestand bei unseren Kirchensteuern haben, der unter dem des Jahres 2009,  auch unter dem des Jahres 2008 liegt. Wir werden in etwa beim Einnahmestand des Jahres 2007 ankommen.  An dieser Stelle macht sich wieder  der strukturschwache Norden des Bundeslandes Hessen ganz deutlich bemerkbar. Wir liegen also im Schnitt schlechter als viele andere Landeskirchen, hinken dem wirtschaftlichen Aufschwung hinterher. Das ist ein Phänomen, das wir aus den vergangenen Jahren auch schon kennen.

Fischer: Und die gute wirtschaftliche Situation in der Region Kassel hat keine Auswirkungen?
 
Dr. Knöppel: Wenn wir die Sondereffekte insbesondere aus der Region Kassel - da denkt man an zwei große hiesige Industrieunternehmen -  nicht hätten, dann wäre die Situation noch deutlich schlechter in unserem Kirchengebiet. Machen Sie sich das beispielsweise daran deutlich, dass wir im Bereich der EKD davon ausgehen, dass zum Ende des Jahres die Gliedkirchen der EKD im Schnitt etwa 1,6 Prozent unter den Einnahmen des Vorjahres liegen. Meine Zahl hatte ich genannt:  minus fünf, minus sechs Prozent. Wir liegen also im unteren Bereich der Streuung.

Fischer: Nun spart die Landeskirche schon seit Jahren. Ist das jetzt noch stärker erforderlich?
 
Dr. Knöppel: Wir haben damals eine gute Entscheidung getroffen auf einen sechsjährigen Konsolidierungsplan zuzugehen, weil wir damit keine schnellen harten Schnitte vornehmen mussten, sondern eine verträgliche Anpassung vornehmen konnten. Der Konsolidierungsplan läuft 2011 aus. Im darauf folgenden Doppelhaushalt werden wir keine weitere Konsolidierungsstufe vornehmen müssen, also nicht noch weitere Einschnitte. Es wird allerdings auch nichts zu verteilen geben, es wird eine Fortschreibung auf dem Niveau des jetzigen Doppelhaushaltes sein. Aber das ist schon mal eine gute Nachricht, weil es bedeutet, das ist auch eine Größenordnung, auf die man sich in den Einrichtungen verlassen kann.

Fischer: Also ein Durchatmen? Wie sieht die mittel- und langfristige finanzielle Zukunft unserer Landeskirche aus?

Dr. Knöppel: Die Steuerschätzung, die jetzt im Herbst aktualisiert worden ist, geht davon aus, dass wir bei den Kirchensteuereinnahmen im Jahr 2011 noch mal ein schwieriges Jahr haben werden. Eine schwarze Null im EKD-Schnitt, wie gesagt, in der Streuung sind wir im unteren Bereich. Was das bei uns bedeutet, ist noch nicht ganz abzusehen. Es ist damit zu rechnen, dass ab 2012 die Kirchensteuereinnahmen auch wieder moderat ansteigen werden. Allerdings müssen wir zwei Dinge dabei betrachten: Wir haben einen langfristigen Trend natürlich in der Demografie –zurückgehende Bevölkerungszahlen, zurückgehende Zahlen von Gemeindegliedern. Und ich habe es auch heute dargestellt: Wir haben finanzielle und steuerliche Auswirkungen von Gesetzgebungsvorhaben des Bundes bis zum Teil in das Jahr 2040 hinein. Das wird uns alles noch ereilen.

Fischer: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Vizepräsident.

(29.11.2010)

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