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Nachgefragt...
Bischof Martin Hein zur ÖRK-Zentralausschuss-Tagung in Trondheim

Foto: Bischof Martin Hein (2.v.l.) im Gespräch mit Pfarrer Christian Fischer (Leiter des Medienhauses der EKKW, 3.v.l.), medio-Radioredakteur Torsten Scheuermann (r.) und epd-Redakteur Christian Prüfer. (Foto: medio.tv/Schauderna) Bischof Martin Hein (2.v.l.) im Gespräch mit Pfarrer Christian Fischer (Leiter des Medienhauses der EKKW, 3.v.l.), medio-Radioredakteur Torsten Scheuermann (r.) und epd-Redakteur Christian Prüfer. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, stellte sich den Fragen von Pfarrer Christian Fischer, Leiter des Medienhauses der EKKW, und medio-Radioredakteur Torsten Scheuermann am 21.06.2016 in Kassel.

Scheuermann: Bei der Tagung des Ökumenischen Rates in Trondheim wird über verschiedene Themen gesprochen. Was war und ist Ihr persönlicher Schwerpunkt?

Bischof Hein: Ich bin jetzt 13 Jahre lang Mitglied des Zentralausschusses des Weltkirchenrates, das wird meine letzte Tagung sein. Ich denke nach 13 Jahren ist es gut, den Platz zu räumen. In dieser Zeit habe ich mich vor allem mit der Frage des Verhältnisses zur orthodoxen Kirche beschäftigt und war von Anfang an im ständigen Ausschuss für die Zusammenarbeit mit den orthodoxen Kirchen. Insofern fahre ich mit einem etwas wehmütigen Gefühl nach Trondheim, weil mir der Weltkirchenrat persönlich viel gegeben hat. Vor allem Einblicke in Kirchen, von denen ich vorher nichts wusste, in Formen des Glaubens, die ich nicht kannte und die ich zu schätzen gelernt habe. Aber natürlich auch eine ganze Fülle von Begegnungen mit Menschen, die ich zum Teil bis heute pflege oder an die ich mich gern erinnere. Insofern ist das der Abschluss meiner Tätigkeit im weltweiten  Bereich. Inzwischen bin ich im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, also im nationalen Kirchenrat hier in Deutschland. Ich werde mein ökumenisches Engagement nun auf Deutschland begrenzen.

Scheuermann: Welche Themen sind für die Kirchen in Deutschland besonders wichtig?

Bischof Hein: Wichtig ist natürlich, sich darüber auszutauschen, wie der Pilgerweg des Friedens und der Gerechtigkeit, der zuletzt in Busan bei der Vollversammlung ausgerufen worden ist, sich nun darstellt. Es war damals eine Veränderung. Nicht mehr von Genf aus wolle der Weltkirchenrat Projekte initiieren, hieß es, sondern die Aufgabe des Weltkirchenrats sei jetzt stärker, die eigenen Initiativen in den Kirchen miteinander zu vernetzen. Also nicht mehr sternförmig etwas zentral durchzuführen, sondern eher in der Form eines Gitternetzes die einzelnen Aktivitäten zu bündeln und untereinander bekannt zu machen. Und da bin ich natürlich sehr gespannt, wie sich jetzt nach einigen Jahren die Entwicklung dieser sogenannten Pilgerschaft des Friedens und der Gerechtigkeit darstellt. Das ist eine ganz wichtige Frage, mit der wir uns im Weltkirchenrat befassen müssen. Es ist ganz klar, dass die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die bis zu Bürgerkriegen führen, auch die Mitgliedskirchen unmittelbar betreffen. Nun geht es um die Frage, wie stark wir unsere Solidarität mit den christlichen Kirchen im Vorderen Orient ausdrücken können. Wie stark können wir unsere Solidarität mit verfolgten Christen zum Ausdruck bringen? Das war bisher immer ein Thema, das der Weltkirchenrat nicht so gerne aufgegriffen hat. Die Situation von Christen in bestimmten Ländern ist jetzt so, dass man sagen muss, hier müssen wir auch als Weltkirchenrat, als eine internationale Organisation, stärker politisch wirksam werden. Natürlich geht es auch um die Frage, welchen Einfluss indigene Völker in den einzelnen Kirchen haben. Norwegen hat, wie man vielleicht weiß, auch eine samische Minderheit, die ihre eigenen Traditionen besitzt. Das ist eine Fragestellung, die in manchen Kirchen ganz brennend ist, auch wenn sie uns hier in Deutschland nicht in der Weise betrifft.

Scheuermann: Stichwort Kinderrechte: Warum ist das für die Kirchen ein besonderes Thema?

Bischof Hein: Die Situation von Kindern ist in manchen Ländern katastrophal, oft gibt es überhaupt keine Kinderrechte. Man könnte sagen, die allgemeinen Menschenrechte, die wir in unserer Verfassung haben und die auch die UNO Ende der 1940er Jahre veröffentlicht hat, müssten eigentlich für alle UNO Mitgliedsstaaten gelten. Das ist überhaupt nicht der Fall. Wir haben es mit schrecklicher Kinderarmut und Kinderarbeit in vielen Ländern zu tun. Und gerade die Schwächsten in der Gesellschaft einmal in den Blick zu nehmen, halte ich schon für ein Gebot, zu dem uns Jesus selbst verpflichtet. Jesus war derjenige, der Kinder in den Mittelpunkt gerückt hat: «Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.» Das sind doch unmittelbare Impulse, uns auch einmal mit der katastrophalen Situation von Kindern in manchen Ländern zu beschäftigen, und das sind nicht nur Länder der sogenannten Dritten Welt. Auch in unserem Land haben es Kinder schwer, und man tut gut daran, dass wir auch als Kirchen schauen, wie wir mit Kindern umgehen und wie wir Kindern eine lebenswerte Zukunft schaffen.

Fischer: Herr Bischof, Sie sagen, das ist ihre letzte Tagung. Was ist ihr Wunsch, den Sie dem Ökumenischen Rat mit auf den Weg geben wollen?

Bischof Hein: Ich wünsche dem Weltkirchenrat, dass es ihm gelingt, wieder mehr Sichtbarkeit nach außen zu erreichen. Vielleicht auch mehr politische Wirksamkeit. Er soll wahrgenommen werden als eine Plattform, auf der ganz wesentliche Fragen der künftigen globalen Gesellschaft in einer friedlichen Weise diskutiert werden und von der Impulse für das friedliche Zusammenleben ausgehen. Intern würde ich mir wünschen, dass diese dauernden Spannungen zwischen den Kirchen der Reformation und den Orthodoxen sich nicht in den Vordergrund schieben und dass wir nicht ständig an Verfahrensfragen hängen bleiben.

Fischer: Und wie kann das gelingen, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?

Bischof Hein: Ich hab das früher mal auf Englisch so gesagt, «Do less, but do it better.» Also: «Tut weniger, das dafür aber besser.»

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank für das Gespräch.

(21.06.2016)

2016-06-23

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