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Nachgefragt...

Foto: (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna) (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna)
Pfarrer Frank Bolz, Studienleiter des Religionspädagogischen Instituts (RPI) der EKKW und der EKHN, ist verantwortlich für die Organisation und inhaltliche Gestaltung des Schülerprojekttages zur «Woche für das Leben» und stellte sich den Fragen von Ramona Kopec, Leitende Redakteurin Online, am 21.04.2017. 

Kopec: Im Rahmen der Woche für das Leben organisieren Sie einen Schülerprojekttag zum Motto der Woche «Kinderwunsch - Wunschkind - Designerbaby. Wie weit gehen? Wenn das so einfach wäre…».
An wen richtet sich dieser Projekttag genau?

Bolz: Wir haben Schüler/innen der «Q 2» mit den Fächern Religion und Biologie eingeladen, also aus dem Halbjahr, was früher das zweite der Klasse 12 gewesen ist. Es sind Jugendliche ein Jahr vor dem Abitur. Der themenbezogene Grund ist, dass nach bisheriger Zuordnung (das ändert sich gerade) im Fach Religion «der Mensch» Thema ist und theologisch-ethische Fragen nach dem Anfang des Lebens explizit dazu gehören. Im Fach Biologie kenne ich mich nicht so gut aus, aber auch da geht es ja gerade in der Oberstufe, aber eben aus biologisch-wissenschaftlicher Sicht, ebenfalls um den Menschen. Und die Frage nach dem Anfang des Lebens gehört da auch dazu.
Weil es organisatorisch schwierig ist Schülerinnen und Schüler individuell einzuladen, haben wir das über die Schulleitungen und Fachleitungen getan. Der Termin war in dem kurzen Halbjahr für viele nicht einzurichten. Aber angemeldet sind nun immerhin 104 Jugendliche von drei Schulen - dem Wilhelmsgymnasium und der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel und der Ursulinenschule in Fritzlar mit begleitenden Lehrerinnen und Lehrern.

Kopec: Wo setzen Sie im Programm Schwerpunkte? Und wie läuft der Projekttag ab?

Bolz: Auf den Punkt gebracht hat der Tag zwei Schwerpunkte, um das Thema der Woche für das Leben aufzunehmen: Es gibt ein einführendes Referat von Frau Dr. Minou Friele von der Forschungsstelle Ethik der Universität Köln. Sie wird die Schülerinnen und Schüler in die grundlegenden Fragen des Themas einführen. Dazu gehört auch, dass es nach ihrem Referat einen Austausch gibt, bei dem sich die Jugendlichen einbringen. Und dann gibt es sieben parallel stattfindende Workshops, in denen teils überschneidend, teils ganz unterschiedlich auf Aspekte des Themas geschaut wird.
Vom Ablauf ist das eingebettet in ein Rahmenprogramm. Da singt und spielt eine Band. Es gibt eine thematische Annäherung, die auch auf den christlich-theologischen Kontext schaut, in dem wir das Thema angehen. Es gibt eine Filmeinspielung, die zeigt, wie das Thema unverhofft schon eins von Jugendlichen werden kann. Und natürlich gibt es eine längere Pause mit Imbiss und Getränken und Möglichkeit zum informellen Austausch, so dass das insgesamt eine, wie man so sagt, «runde Sache» wird.

Kopec: Ein Kind zu bekommen ist sicherlich für die meisten Schülerinnen und Schüler jetzt noch nicht wichtig. Warum sollten sich die Jugendlichen dennoch frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen?
 
Bolz: Ich glaube, dass das in zweierlei Hinsicht schon für die Schüler/innen eine Bedeutung hat. Klar sind Schwangerschaften in diesem Alter und im, salopp gesagt «Gymnasialmilieu», eher selten. Aber auf dem Weg zum Abi gibt es erste Lebensplanungen: Abi, Auslandsjahr, Studium, Stelle finden, vielleicht Karriere machen – und dann schon auch Familie und Kinder – das ist schon ein verbreitetes Beispiel. Das funktioniert ja schon ganz ähnlich, wie es bei heute Mitte- oder Enddreißigern gewesen ist, die sich Kinder wünschen, aber erfahren müssen, dass es dann, wo es eingeplant wird, nicht so ohne weiteres geht. Oder es geht um die Angst, Krankheiten zu vererben. Ich finde, dass es da hilfreich ist, wenn man sich schon mal viel früher als dann vielleicht nötig mit dem Thema und auch seinen medizinischen und ethischen Fragen auseinander gesetzt hat.
Die zweite Hinsicht ist, dass der Themenkontext ja inhaltlich in der Schule vorkommt. Jugendliche des diesjährigen Abijahrgangs der Ursulinenschule haben in der «Q 1», also vor etwa 1 ½ Jahren, in Biologie einen genetischen Fingerabdruck erstellt. Oberstufenschüler/innen sind also ein Stück weit schon drin auch in der biologischen bzw. medizinischen  Forschung. Und da finde ich es wichtig auch die dazugehörigen ethischen Fragestellungen in den Blick zu nehmen. So «frühwissenschaftlich», wie Unterricht in der Oberstufe heute angelegt ist, würde ich das mal als Teil der «allgemeinen Hochschulreife» ansehen, das so ein Thema wie das der Woche für das Leben im Blick ist. Und der Projekttag ist hier mit seinem quasi fächerübergreifenden Horizont ein guter Rahmen, finde ich.

(21.04.2017)

2017-04-28

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