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Nachgefragt...

Foto: Der Heilige Geist wird oft mit Feuerzungen symbolisiert. Diese Flammen stehen bildlich für die Kraft Gottes, «der uns sozusagen Feuer und Flamme werden lässt», erläutert Pfarrer Eisenberg im Interview. (Archivfoto: medio.tv/Socher) Der Heilige Geist wird oft mit Feuerzungen symbolisiert. Diese Flammen stehen bildlich für die Kraft Gottes, «der uns sozusagen Feuer und Flamme werden lässt», erläutert Pfarrer Eisenberg im Interview. (Archivfoto: medio.tv/Socher)
Pfarrer Jan Friedrich Eisenberg von der Evangelischen Kirchengemeinde Vöhl stellte sich im Februar 2017 den Fragen von medio.tv-Redakteur Olaf Dellit zur Bedeutung des Heiligen Geistes.

Dellit: In der Bibel wird der Heilige Geist mit Feuerzungen symbolisiert. Wie stellen Sie ihn sich vor?

2017-06-01
Pfarrer Eisenberg: Ich finde die Bilder in der Pfingstgeschichte sehr eindrücklich. Dort wird der Heilige Geist als kleine Feuerflammen beschrieben, die auf die verängstigten Jünger herabkommen. Diese Flammen stehen ganz bildlich für die Kraft Gottes, der uns sozusagen Feuer und Flamme werden lässt. Eine Kraft, die uns begeistert, in uns Kräfte weckt und Lebensperspektiven eröffnet.

Der Heilige Geist ist für mich eine Kraft, ein durch und durch positives Gefühl, durch das Menschen merken, spüren, erleben, dass Gott Liebe ist und die Menschen in Liebe einander zugewandt sind. Er ist eine Kraft, die Gemeinschaft stiftet und die Menschen zu einer Kirchengemeinde verbindet. Deswegen feiern wir Pfingsten ja auch als «Geburtstag der Kirche»; als Tag, an dem der Heilige Geist zur Kirchengründung beigetragen hat.

Dellit: Wo kann man diesem Geist begegnen?

Pfarrer Eisenberg: Überall. Natürlich in einem Gottesdienst oder in einer Andacht, aber auch in einem Konzert oder in der freien Natur. Ich sage sogar, dass man ihn nicht nur bei kirchlichen Veranstaltungen findet. Gottes Geist begegne ich, wenn ich merke, dass etwas besonders schön oder gelungen ist; wenn es mir so gut gefällt, dass ich es mit Gott in Verbindung bringe. Nicht umsonst heißt es, dass der Heilige Geist weht, wo und wann er will. Gottes Geist ist nicht wirklich fassbar.

Dellit: Welche Rolle spielt er im alltäglichen Gemeindeleben?

Pfarrer Eisenberg: Keine vordergründige. Aber alleine in der Tatsache, dass ich über Gott nachdenke, dass ich mich im Gebet, in der Meditation oder beim Lesen eines Textes an Gott wende oder mich mit ihm auseinandersetze, wird ein Wirken Gottes an mir deutlich. Andererseits ist er in der Liturgie wichtig. Die Eröffnung eines jeden Gottesdienstes unserer Landeskirche geschieht mit der Bitte um den Heiligen Geist.

Dellit: Ist der Heilige Geist im Gespräch mit Gemeindegliedern oft ein Thema?

Pfarrer Eisenberg: Ich vermute, er ist etwas aus der Mode gekommen, weil er als Geist nicht so konkret fassbar ist wie zum Beispiel der Mensch Jesus von Nazareth, von dem wir glauben, dass er Gottes Sohn ist. Gottes Geist ist keine fassbare Substanz. In der Theologie wird er als ein «relationales Geschehen» bezeichnet; das heißt, er steht für die Beziehung sowohl zwischen Gott und Mensch als auch der Menschen untereinander. Für das christliche Gottesverständnis ist der Heilige Geist unbedingt wichtig, insofern er – wie wir sagen – eine der drei Personen der Trinität ist, der göttlichen Dreieinigkeit.

(01.06.2017)

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