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Nachgefragt...

Foto: Vizepräsident Dr. Volker Knöppel (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna) Vizepräsident Dr. Volker Knöppel (Archiv-Foto: medio.tv/Schauderna)
Vizepräsident Dr. Volker Knöppel stellte sich den Fragen von Christian Prüfer, Redakteur des Evangelischen Pressedienstes (epd). Das Interview wurde am 8. Juni 2017 veröffentlicht.

Prüfer: Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat sich in den vergangenen 50 Jahren stark verändert. Braucht es eine neue Grundordnung?

Vizepräsident Dr. Knöppel: Die tragenden Prinzipien der Grundordnung unserer Landeskirche, insbesondere das «Miteinander und Gegenüber» von Landessynode und Bischof sowie das Zusammenwirken der fünf Leitungsgremien in geistlich und rechtlich unaufgebbarer Einheit, haben sich bewährt (Art. 89). Ganz grundsätzliche Anfragen an die Grundordnung sehe ich derzeit nicht. Natürlich haben sich einzelne Regelungen aber in den vergangenen fünf Jahrzehnten verändert, beispielsweise durch den Ausschuss zur Überprüfung der Grundordnung.
Unsere kirchliche Verfassung ist also immer mit der Zeit gegangen und wird auch in Zukunft notwendige Weiterentwicklungen behutsam nachvollziehen. Das zeigen die bislang 39 Änderungen, in den letzten Jahren mit durchaus strukturellen Veränderungen wie der Einrichtung von Findungsausschüssen für Dekane und Pröpste, der Einführung verschiedener Erprobungsregelungen und zuletzt der Einführung der Kooperationsräume und der Pfarrstellenbudgets für die Kirchenkreise.

Prüfer: Ein Prinzip der Reformation war «sola scriptura» - allein die Schrift. Nur die Bibel sollte Maßstab christlichen Denkens und Handelns sein. Gibt es für eine kirchliche Grundordnung biblische Vorbilder?

Vizepräsident Dr. Knöppel: In der Grundordnung muss einmal all das geregelt werden, was eine Landeskirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts ausmacht. Der spezifisch kirchliche Auftrag macht dann den Unterschied zu sonstigen Verfassungen aus. So zeigt schon die Präambel der Grundordnung sehr schön, was unsere kirchliche Verfassung etwa von der Verfassung eines Bundeslandes unterscheidet. Es ist der Dienst am Evangelium von Jesus Christus (Präambel, Abs. 1) und die Verantwortung für die ökumenische Gemeinschaft der Kirchen in der Welt (Präambel, Abs. 2). Die Liste lässt sich fortsetzen.

Prüfer: Gibt es in der Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck Besonderheiten, die andere Kirchenordnungen so nicht haben?

Vizepräsident Dr. Knöppel: Von vielen anderen kirchlichen Verfassungen unterscheidet sich die Grundordnung insbesondere durch ihr Grundprinzip des Miteinanders und Gegenübers. Dieses Strukturprinzip gilt auf der Ebene der Landeskirche (Art. 89), des Kirchenkreises (Kreissynode - Dekan) und sogar in jeder Kirchengemeinde (Kirchenvorstand - Pfarrer). Was unsere Grundordnung weiter auszeichnet, ist das Bemühen um die Einheit der Kirche. Die verschiedenen konfessionellen Prägungen der Regionen in unserer Landeskirche, reformiert, lutherisch und uniert, sind nur noch auf der Ebene der Kirchengemeinde von Bedeutung (Art. 11 Abs. 2). Auf gesamtkirchlicher Ebene bezeichnet sich die Landeskirche als evangelisch. Damit zeigt sie, dass sie in der Vielfalt der überlieferten Bekenntnisse der Reformation zu einer Kirche zusammengewachsen ist (Präambel, Abs. 3).

(09.06.2017)

2017-06-09

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Linktipp:

Den Wortlaut der Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck finden Sie hier:

kirchenrecht-ekkw.de/(...)