Start: Wie es sich zwischen den Stühlen anfühlt

Kassel. (Olaf Dellit) Trotz Stress und Loyalitätskonflikten den aufrechten Gang bewahren, das ist der Ratschlag des Pastoralpsychologen Rüdiger Haar an kirchliche Öffentlichkeitsarbeiter und Journalisten. Haar sprach beim Medientreff der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, zu dem 40 Medienschaffende aus Kirche, Rundfunk und Presse gekommen waren. «Zwischen allen Stühlen – über das Innenleben von Mitarbeitenden in Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus», war Haars Vortrag betitelt, mit dem er die Veranstaltung im Medienhaus der Landeskirche eröffnete.

Zuvor hatte Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer die Gäste begrüßt und gesagt, dass die Anregung für das Thema beim Medientreff im Vorjahr entstanden sei und nun aufgegriffen werde. Zum Titel des Vortrags sagte Fischer: «Zwischen allen Stühlen zu sitzen ist kein besonders angenehmer Platz.

2018-06-13 25310

Psychologe Rüdiger Haar sprach beim EKKW-Medientreff
Wie es sich zwischen den Stühlen anfühlt

(Foto: medio.tv/Schauderna)

Kassel. (Olaf Dellit) Trotz Stress und Loyalitätskonflikten den aufrechten Gang bewahren, das ist der Ratschlag des Pastoralpsychologen Rüdiger Haar an kirchliche Öffentlichkeitsarbeiter und Journalisten. Haar sprach beim Medientreff der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, zu dem 40 Medienschaffende aus Kirche, Rundfunk und Presse gekommen waren. «Zwischen allen Stühlen – über das Innenleben von Mitarbeitenden in Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus», war Haars Vortrag betitelt, mit dem er die Veranstaltung im Medienhaus der Landeskirche eröffnete.

Zuvor hatte Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer die Gäste begrüßt und gesagt, dass die Anregung für das Thema beim Medientreff im Vorjahr entstanden sei und nun aufgegriffen werde. Zum Titel des Vortrags sagte Fischer: «Zwischen allen Stühlen zu sitzen ist kein besonders angenehmer Platz.

Psychoanalytiker Haar analysierte die Situation von Öffentlichkeitsarbeitern mit ihrem Balanceakt zwischen journalistischer Arbeit und den Anforderungen des Arbeitgebers, diesen in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Journalisten, so Haar, gehe es nur scheinbar besser, denn auch sie befänden sich in Konflikten zwischen Pressefreiheit und der Gefahr, durch die Nähe zur Macht korrumpiert zu werden.

«Medienleute», so Haar, «müssen sich selbst gut kennen, um nicht mit dem Dilemma ihrer Arbeit in Schwierigkeiten zu kommen.» Er skizzierte unterschiedliche Faktoren, die Medienmenschen antrieben, darunter die Lust an der Sprache und am Schreiben, der Einsatz für Gerechtigkeit sowie – gerade im Raum der Kirche – der Geist Gottes, aber auch der Glanz der Öffentlichkeit und das Gefühl der moralischen Überlegenheit (Besserwisserei).

Pastoralpsychologe Haar befasste sich dann mit – positivem und negativem – Stress im Alltag von Medienschaffenden, von Zeitmangel bis zu Mobbing und Leistungsdruck, aber auch guten Erfahrungen und Erfolgserlebnissen. Das Dilemma selbst konnte der Experte nicht auflösen, wohl aber Tipps zum Stressmanagement geben und die Empfehlung, auch zwischen den Stühlen nicht gebeugt zu werden, sondern den aufrechten Gang zu üben.

In der kurzen Diskussion mit dem Referenten ging es unter anderem um die Bedeutung von kontinuierlicher Supervision im Berufsleben, um Ängste und um Humor. Dieser, sagte Haar, sei eine wichtige Fähigkeit, die einem Distanz ermögliche.

Im Anschluss an Vortrag und Diskussion nutzten die Besucher die Chance, sich im Garten bei Speisen vom Grill und kühlen Getränken auszutauschen und Bekanntschaften zu vertiefen. Dabei saßen sie auf Bänken und so wenigstens an diesem Tag einmal nicht zwischen den Stühlen. (08.06.2018)