Stadtkirche
Bad
Hersfeld
Geschichte
und
Kunstwerke
Herzlich
willkommen in unserer schönen Stadtkirche!
Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, um einige Besonderheiten und
Kostbarkeiten dieses Ortes kennenzulernen.
Aus der Geschichte der Stadtkirche
| Bereits
in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts befand sich an dieser
Stelle ein romanischer Vorgängerbau, der nach mehrmaligen
Umbauten und Erweiterungen im Jahre 1584 mit der Fertigstellung des
Turmes die heutigen Ausmaße erreichte. Von der einstmals reichen
Ausstattung der Kirche blieb nach dem "Bildersturm" unter Landgraf
Moritz im Jahre 1608 praktisch nichts mehr übrig. Lediglich die
farbenfrohen Schlußsteine im Gewölbe konnten gerettet
werden, weil man vorgab, daß ihre Entfernung den Einsturz des
Gewölbes nach sich ziehen würde. Auch von den
mittelalterlichen Fenstern sind heute nur noch einige wenige in der
Sakristei und der Marienkapelle erhalten. Der Großteil von ihnen
wurde 1798 von Landgraf Wilhelm gekauft und schmückt seither die
Löwenburg in Kassel. Eien Grundlegende Renovierung erfuhr die Kirche, nachdem 1952 ein vermutlich durch einen Kurzschluß ausgelöstes Feuer großen Schaden anrichtete. Die heutige helle Ausmalung erhielt sie 1986/87. |
|
Die Schlusssteine im Gewölbe
|
Den
schönen Schlußsteinen, die den "Bildersturm"
überstanden haben und heute wieder in leuchtenden Farben das
Kirchengewölbe krönen, sollten Sie unbedingt einmal Ihre
Aufmerksamkeit schenken. Neben einigen Figuren- und
Ornamentdarstellungen, deren Symbolik sich heute nicht mehr
erschließen läßt, sind dabei vor allem die
Schlußsteine in den Gewölbeschlüssen des Mittelschiffes
und des Chorraums von besonderer Bedeutung. So findet sich über
dem Mittelschiff eine Christusdarstellung, die von vier kleineren
Steinen mit den Evangelistensymbolen umgeben ist. Im Chor fallen eine Engelgestalt, sowie der Christus mit Wundmalen als Weltenrichter besonders auf. Über dem Nordschiff entdeckt man den heiligen Martin, der gerade seinen Mantel teilt. Ungewöhnlich ist, dass der zur St. Martins-Figur gehörende Bettler relativ weit entfernt als Schlussstein des Bogens an der östlichen Wand zu finden ist. Diese getrennte Darstellung ist wohl eine echte Bad Hersfelder Besonderheit. Im Gewölbe des Südschiffs sollte insbesondere die Darstellung der Maria mit Jesuskind Beachtung finden. |
Der Chorraum
|
Auf der
linken Seite wird der Chorraum begrenzt von der mit mehreren
Intarsienarbeiten versehenen Kanzel von 1952, die eine
Gemeinschaftsarbeit des Intarsien-Schneiders W. Dupont und des
Tischlermeisters W. Lüdtke nach Entwürfen von Professor
Bleibaum darstellt.
|
Die Orgeln der Stadtkirche
| Die
große Orgel über dem Westportal wurde 1974 von Bruno
Döring als
"Schwalbennestorgel" gebaut und von Reinhart Tschöckel 1980
erweitert. Sie wurde zwischen August 2009 und Dezember 2010 von der
traditionsreichen Orgelbaufirma Hermann Eule aus Bautzen grundlegend
erneuert und völlig neu konzipiert. Sie verfügt über 3.026 Pfeifen und 49 Register. Für den Gottesdienst ist auch die kleine, 2-manualige Bach-Orgel im historischer Stimmung auf der Chorempore von Bedeutung. Sie wurde 1987 von der Orgelbauwerkstatt Tzschöckel errichtet. Die einmanualige Orgel im Chorraum neben dem Altar stammt von 1954 und wurde von der Werkstatt Hammer aus Hannover gefertigt. Sie ist ein Geschenk des Bischofs der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. |
|
Der Glockenturm
Der
untere Turmraum ist zugleich die Eingangshalle der Kirche.
Im Sternengewölbe dieses Raumes sind die Zunftzeichen der
Tuchmacher (mit Rauherkratze und Tuchschere), sowie der
Schuhmacher (mit Ledermesser und Schuhleisten) zu sehen. Beide Wappen
sind
eindrückliche Belege für den damaligen Bürgerstolz
gegenüber
der Macht des Stifts.
Nachdem die gotische Spitze des Glockenturms 1760 einem Feuer zum
Opfer fiel, erhielt er ein stumpfes, barockes Notdach, das bis
heute sein Aussehen prägt und ihn vielleicht gerade deshalb zum
Wahrzeichen der Stadt gemacht hat. Bis zum Anfang dieses
Jahrhunderts beherbergten die oberen Turmzimmer die Wohnräume
des Türmers, der von hier die vollen Stunden verkündete und
nach Bränden und anderen Gefahren Ausschau zu halten hatte. Die
Räumlichkeiten dienen heute dem Posaunenchor als Versammlungs-
und Andachtsraum für das sonntägliche Turmblasen, jeweils um
09.30
Uhr. Im Glockenstuhl befinden sich heute acht Glocken, deren
Zusammenklang ein sehr harmonisches Geläut ergibt.
| die Osterglocke (cis') | Gegossen 1371, Gewicht 2700 kg, eine der ältesten Glocken Hessens |
| die Sonntags- oder 6-Uhr-Glocke (dis') | Gegossen 1666, Gewicht 1700 kg |
| die Sturm- oder Feuerglocke (fis') | Gegossen 1606, Gewicht 900 kg, prächtige Verzierung mit Hersfelder Wappen |
| die Lambertusglocke (a') | Gegossen 1382, Gewicht 600 kg |
| die Bonifatiusglocke (a') | Gegossen 1429, Gewicht 570 kg, stammt aus dem Katharinenturm |
| Glocke (cis'') | Gegossen im 15. Jahrhundert, Gewicht 390 kg, ebenfalls aus dem Katharinenturm |
| die Anzeige- und Klimperglocke (cis'') | Gewicht 210 kg, kleinste Glocke im Glockenstuhl |
| die Klaus- oder Bedeglocke (fis'') | Gewicht 250 kg, angeblich stammt sie aus der um 1270 erbauten Klauskirche vor dem Klausturm |
Außerdem verfügt die Stadtkirche seit Juni 1997 über ein Glockenspiel mit 16 Glocken, dessen Anschaffung durch eine Spende ermöglicht wurde.
Rund um die Kirche
Auch
außerhalb
der Kirche befinden sich einige Besonderheiten, auf die hier kurz
hingewiesen werden soll. Zunächst fallen auf der dem Rathaus
zugewandten Seite zwei mittlerweile zugemauerte Renaissance-Portale
auf, die mit dem Wappen des letzten Hersfelder Abtes geschmückt
sind. Sie belegen, dass das damals schon evangelische Gotteshaus
zeitweise von den stiftszugehörigen Beamten, Schülern und
Professoren für gottesdienstähnliche Zwecke genutzt wurde.
Ebenfalls auf dieser Seite, und zwar am vorletzten Strebefeiler,
befindet sich in einigen Metern Höhe die wohl älteste
Hersfelder Uhr, eine Sonnenuhr mit arabischen Ziffern aus der
Zeit um 1520.
Nur einige Meter weiter ist die Chorpforte, die einst den
Haupteingang der Kirche darstellte und der in die Außenwand
eingelassenen Peststein von 1356, dessen lateinische Übersetzung
lautet:
"Im Jahr 1356 sind von der ausgebrochenen Pest nach göttlichen
Zwang 3000 gefallen und hier beerdigt. Sie ruhen in seeligem
Frieden."
Auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche steht die Kopie
einer steinernen Figur, von der vermutet werden kann, daß es
sich ihr um eine Mariendarstellung handelt. Einige Bilder finden
Sie unter der Rubrik "Kirchplatz."
|
Wir
hoffen, daß wir Ihnen einen interessanten Überblick
über die Besonderheiten unserer Stadtkirche geben konnten. Die
Kirche ist täglich bis 17 Uhr für Sie geöffnet. |