blick blog

06.03.2009 - von Cornelia Barth
Reden von Gott – aber wie?

„Meine Großmutter“, erzählte mir eine Freundin, als ich ihr über die Arbeit an dieser blick-Ausgabe berichtete, „verabschiedete mich immer mit den Worten: Gott behüte Dich, mein Kind. Das war wunderbar.“ Freimütig gibt sie zu, dass es ihr nicht so leicht fällt, ihren Enkeln – sie sind sechs und acht – zum Abschied einen Segensspruch zu sagen, obwohl sie es eigentlich gern möchte. Gucken die Kleinen sie dann schräg an? Was denkt die Tochter? Verdreht der Schwiegersohn die Augen?

Von Gott zu Hause und im privaten Umfeld zu sprechen ist heute nicht mehr selbstverständlich. Umso mehr überraschte es, dass sich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Kirche im blick so bereitwillig und offen zu ihrem Glauben äußerten. Sie berichteten über ihre Erfahrungen und Einsichten, über ihre Hoffnungen, Gefühle und Grenzen.

Lieber als über meinen Glauben zu reden ist es mir, so sagt einer unserer Befragten, den Glauben in der Begegnung mit Menschen zu leben. Wenn man Wegbegleiter sein darf: als Therapeut in der Diakonie, als Hospizmitarbeiterin, in der Arbeit mit Kindern. Zum Beispiel –und in unserer Kirche gibt es viele dieser Beispiele. Ein behutsames, suchendes und vertrauensvolles Reden von und Handeln mit Gott.

Ganz anders gestaltete sich die „Bibeltournee“ des Schauspielers Ben Becker, die kürzlich – nach mehr als einem Jahr Laufzeit – zu Ende ging. Gottes Wort als „gesprochene Symphonie“ mit einem deutschen Star und mit Orchester, Chor, Band und Leinwand füllte dabei Stadthallen und große Spielstätten wie das Tempodrom in Berlin oder die Köln Arena. Ausverkauft! Tausende wollten die Worte der Bibel hören  – freilich als Performance mit Musik, Festival-Stimmung, Pommes und Eis in den Pausen und mit großen Emotionen.

Eine Sehnsucht? Gut, dass so viele da waren. Aber kann man diese Worte Gottes nicht auch jeden Sonntag im Gottesdienst hören? All diese erstaunlichen Texte, die uns Orientierung für unser Leben geben. Interpretiert von Orgelmusik und eingebettet in eine tröstliche Liturgie. So ganz einfach? Offensichtlich ist es nicht so einfach.

Dass das Reden von Gott auch ganz ohne Worte und ohne Musik geschehen kann, erzählt der Theologe Fulbert Steffensky: „Ich erinnere mich gern an eine Geste meiner Mutter aus unserer Kindheit. Wenn wir zur Schule gingen, hat sie uns jedes Mal ein Kreuzzeichen an die Stirn gemacht. Sie tat das ohne jede Ergriffenheit. Er gehörte zum Morgen wie das Butterbrot, das man bekam.“

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