50 Jahre Ausbildungshilfe - Christian Education Fund
Diese Hilfe hält ein Leben lang

Foto: privat
Seit 50 Jahren fördert die Ausbildungshilfe – Christian Education Fund, ein Hilfswerk der Evangelischen Kirche von Kurhessen Waldeck, begabte junge Menschen aus armen Verhältnissen. Zurzeit sind es rund 2.500 Personen, die dank der Ausbildungshilfe einen Beruf erlernen, eine Schule besuchen oder ein Studium absolvieren.
Journalistin bei der renommierten „Sunday Times“ in Johannesburg, Redenschreiberin für den Staatspräsidenten und im vorigen Jahr die Veröffentlichung des ersten Romans – die Südafrikanerin Futhi Ntshingilia (36), die unter dem Apartheid-Regime in einer Arbeiterfamilie geboren wurde, hat ihre Talente großartig eingesetzt. Ein Wendepunkt war gewiss das Studium – Englisch und Theologie – an der Universität von KwaZulu-Natal, das nur mit Hilfe eines Stipendiums des Kasseler Vereins „Ausbildungshilfe – Christian Education Fund“ möglich war. Zum 50-jährigen Bestehen des Vereins schreibt sie: „Erfolg haben ist keine Zauberei, es ist harte Arbeit und Entschlossenheit. Aber man braucht tatsächlich Geld, um Ziele zu realisieren, und mein Weg dahin wurde durch die Ausbildungshilfe unterstützt.“
Geld sammeln, damit junge Leute mit Begabung ihre Ziele nicht verfehlen – das war von Anfang an das Konzept des Vereins, der auf eine Adventspredigt des Jahres 1959 zurückgeht. Damals hat Pfarrer Wilhelm Jung beim Abschied von seiner Gemeinde in Wellerode bei Kassel um Spenden für einen jungen „kastenlosen“ (heute: Dalit-) Christen in Indien gebeten, der die Gebühren für ein Studium nicht aufbringen konnte. Die Spenden wünschte sich Jung als Abschiedsgeschenk an Stelle des ihm zugedachten Sessels. Da die Zusagen aus Wellerode dann sogar für zwei Studenten reichten, trug Jung diese Idee in anderen Gemeinden vor. Nach einigen Jahren war die Ausbildungshilfe in ganz Kurhessen-Waldeck etabliert. Übrigens: In den 1970er Jahren entstanden Direktpartnerschaften der Landeskirche mit Kirchen in Indien, Südafrika und Namibia, die bereits vom Verein gefördert wurden.
Konsequent wie kaum eine zweite Organisation in Deutschland fördert der Verein ausschließlich Maßnahmen, die zu einer Qualifikation führen – ob Schulabschluss, Hochschuldiplom oder handwerkliche Ausbildung. Die Internetsuche nach dem Satz „Bildung ist der Schlüssel zur Entwicklung“ ergibt (in englischer Sprache) 25.000 Treffer bei Google. Kein Wunder: Experten sind sich darin einig, dass alle materielle Hilfe für die armen Länder der Welt wenig bringt, wenn die Bevölkerung vor Ort nicht über das Wissen und Können verfügt, um sie einzusetzen. In vielen Ländern zeugen Bauruinen oder brachliegende Felder von Fehlinvestitionen, die diesen Grundsatz ignoriert haben.
Dabei ist die Investition in Bildung recht preiswert. Ein Mensch, der sich in jungen Jahren drei oder fünf Jahre qualifiziert hat, profitiert davon ein Leben lang und gibt das Gelernte weiter. Zu seinem Jubiläum hat der Verein Ausbildungshilfe seine 40 Partnerorganisationen in zehn Ländern Afrikas und Asiens gebeten, Biografien von ehemaligen Stipendiaten zu schicken.
Nicht weit von Futhi Ntshingilia betreibt Rosina Liebenberg (32) in Rustenburg ein erfolgreiches Unternehmen und beschäftigt zehn Angestellte. Dr. Joshua Muyo ist in Kamerun Dozent am Theologischen Seminar der presbyterianischen Kirche, während die Schneiderin Theresa Amoako, die keinen formellen Schulabschluss hatte, acht junge Frauen im Beruf ausgebildet hat und das Schulgeld für Kinder ihrer Verwandtschaft bezahlt.
Die Ausbildungshilfe ist das einzige eigenständige Hilfswerk der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Eigentlich sollte sie in jeder Kirchengemeinde gut bekannt sein, denn alljährlich zwischen Ostern und Pfingsten wird der Verein mit den Kollekten der Konfirmationsgottesdienste unterstützt und verschickt zu diesem Zweck besonderes Informationsmaterial. Diese Kollekten machen zurzeit mehr als 40 Prozent der jährlichen Gesamteinnahmen von rund 500.000 Euro aus. Viele Einzelpersonen unterstützen den Verein mit einem regelmäßigen Beitrag, darunter erstaunlich viele, die bereits seit 20 oder 30 Jahren spenden. Trotz der Wirtschaftskrise waren die Einzelspenden im Jahr 2009 höher als im Vorjahr. Ganz anders sieht es bei den Gemeinden und kirchlichen Gruppen aus. Da sind die Zuwendungen – abgesehen von der bereits erwähnten Konfirmationskollekte – innerhalb eines Jahres um satte 27 Prozent zurückgegangen. Auch Gemeinden, die über Jahrzehnte hinweg den Gegenwert eines Stipendiums beigesteuert haben, berichten, dass der Bedarf für die eigene Arbeit keinen Spielraum für die „fernen Nächsten“ zulässt.
Zum 50-jährigen Bestehen will die Ausbildungshilfe mit zusätzlichen Angeboten die Spendenfreudigkeit erhöhen. So gibt sie unter dem Titel „Yellaam Yesuve“ ein Heft mit Liedern aus aller Welt heraus, das beispielsweise für Gospelchöre geeignet ist. Eine attraktive Grußkarte können die Gemeinden für ihre Konfirmationsjubiläen anfordern. Wie in den letzten Jahren bietet man für den Schulanfang Gottesdienstentwürfe und als kleine Aufmerksamkeit für Ehrenamtliche den beliebten Adventskalender an. Neben dem Erlös für die Arbeit hofft der Verein, mit den Materialien neue Interessenten zu gewinnen.
Potenziale nutzen und vermehren: Schon Jesu Gleichnis der Talente im Neuen Testament (Matthäus 25, 14-30) fordert dazu auf. Seit 50 Jahren schaut die Ausbildungshilfe nicht auf vermeintliche Defizite der Menschen in Entwicklungsländern, sondern auf ihre Fähigkeit zur Selbsthilfe. Diesen Gedanken fand Futhi Ntshingilia bei der bekannten US-amerikanischen Autorin Marianne Williamson: „Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, zu bezeugen. Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem. Indem wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir anderen Menschen unbewusst die Erlaubnis, das Gleiche zu tun.“
Neville Williamson
50 Jahre Ausbildungshilfe | Info
Seit 1960 hat der Verein „Ausbildungshilfe – Christian Education Fund“ umgerechnet rund 16 Millionen Euro an Spenden eingenommen und mehreren zehntausend jungen Menschen in Asien und Afrika zu einer Ausbildung verholfen. Das Missionswerk ist ausschließlich im Bereich Bildung tätig und sammelt Spenden nur in der EKKW. Die Einnahmen kommen aus Spenden und aus den Kollekten zusammen, die jedes Jahr bei den Konfirmationen in der Landeskirche gesammelt werden. Zurzeit werden rund 2.500 Menschen in zehn Ländern von mehr als 30 kirchlichen Partnerorganisationen vor Ort ausgewählt und betreut. Die Hilfe geht an Bedürftige, Behinderte und sozial Benachteiligte – und an Frauen und Mädchen, die mindestens die Hälfte der Förderung bekommen.
Ausbildungshilfe – Christian Education Fund
Wilhelmshöher Allee 330, 34131 Kassel
T (05 61) 93 78-3 84, Fax: 93 78-4 17
E-Mail: ausbildungshilfe@ekkw.de
Internet: www.ausbildungshilfe.de
Konto: Nr. 3077 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft (EKK), BLZ 520 604 10
