blick in die kirche

Freiwilliges Kirchgeld zur Aufbesserung des Budgets
1.720 Euro für tausendundeine Seele

Gemeinsamer Blick auf den Gemeindehaushalt: Volker Dippel, Leiter des Kirchenkreisamts Hofgeismar-Wolfhagen, mit Pfarrer Wolfgang Hanske (r.)
Foto: Lothar Simmank

Seit 27 Jahren ist er Pfarrer und hat in seinem Job manches gesehen und erlebt. Aber die Spendenbereitschaft seiner Gemeinde hat ihn dann doch überwältigt: Wolfgang Hanske (57) führte 2005 in Istha und Oelshausen (Kirchenkreis Wolfhagen) das Freiwillige Kirchgeld ein und kann seitdem einige Tausend Euro zusätzlich für die Gemeindearbeit ausgeben.

Seit 27 Jahren ist er Pfarrer und hat in seinem Job manches gesehen und erlebt. Aber die Spendenbereitschaft seiner Gemeinde hat ihn dann doch überwältigt: Wolfgang Hanske (57) führte 2005 in Istha und Oelshausen (Kirchenkreis Wolfhagen) das Freiwillige Kirchgeld ein und kann seitdem einige Tausend Euro zusätzlich für die Gemeindearbeit ausgeben.

Für das „eher arme Kirchspiel“ sind 7.000 Euro per annum viel Geld, wie Hanske betont. „Wir krebsen rum“, sagt er mit Blick auf den schmalen Haushalt, „ohne das Freiwillige Kirchgeld könnten wir nicht existieren.“ Hauptamtlich beschäftigt ist nur der Pfarrer, sein Gehalt zahlt das Landeskirchenamt. Aus dem Gemeindebudget müssen neben vielen anderen Dingen Küster, Reinigungskraft und nebenberufliche Kirchenmusiker bezahlt sowie zwei Kirchen, zwei Gemeindehäuser und das Pfarrhaus unterhalten werden.

Das Pfund, mit dem Hanske wuchern kann, sind die zahlreichen Ehrenamtlichen in der Gemeinde. „Stärkung des Ehrenamts?“, lacht er. „Bei uns ist das schon lange die tragende Säule.” Das Geld für kleine Geschenke an die Helfer ist freilich auch sehr knapp, bedauert Hanske. Für ein Gemeindehaus, das von vielen Ehrenamtlichen oft und gern benutzt wird, fallen auch höhere Kosten für Heizung und Reinigung an, die die Gemeinde zu tragen hat. Engagement werde so in gewisser Weise bestraft, findet der Pfarrer.

Volker Dippel, Leiter des Kirchenkreisamts Hofgeismar-Wolfhagen, kennt die finanziell bescheidene Situation der Gemeinde gut: „Die Grundzuweisung ist gekoppelt an die Zahl der Gemeindemitglieder.“ Istha hat 618, Oelshausen 383 Mitglieder – zusammen also 1.001 Seelen. Das reicht für eine Grundzuweisung von gerade einmal 1.720 Euro pro Jahr. Auf der Einnahmenseite stehen außerdem 9.600 Euro für die Predigtstätten, 8.000 Euro für die Pfarrstelle mit Zusatzauftrag Konfirmandenarbeit, Miete für Privatveranstaltungen im Gemeindehaus und Pacht für die 16 Hektar  Kirchenland. Die Pachterlöse für das sogenannte Pfarreiland, auf dem in früheren Jahrhunderten der Pfarrer seinen Lebensunterhalt selbst erwirtschaften musste, werden übrigens an das Landeskirchenamt abgeführt – rund 2.000 Euro jährlich dienen so auch heute noch direkt der Pfarrerbesoldung.

Sieben Tage im Jahr liegt der Gemeindehaushalt im Pfarrhaus öffentlich aus. So verlangt es das Kirchengesetz, Pfarrer Hanske weist in einer Abkündigung regelmäßig darauf hin. Einsicht nehmen wollte in Istha freilich noch niemand. Gleichwohl interessieren sich die Dorfbewohner fürs Geld, wie Hanske an gelegentlichen Bemerkungen seiner Fußball-Kumpel merkt. Daher ist Transparenz in finanziellen Dingen für ihn wesentlich.

Begonnen hatte die Einführung des Freiwilligen Kirchgelds, als dem Posaunenchor Geld für die Reparatur einer Tuba fehlte – 1.500 Euro Spenden lösten das Problem. Um richtig viel Geld ging es 2012/2013 bei der Kirchturmsanierung in Istha: Ein Schaden, dessen Reparatur ursprünglich auf 49.000 Euro beziffert war, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als teurer Sanierungsfall. 232.000 Euro kostete die Baumaßnahme – eine Summe, wie sie die kleine Gemeinde niemals hätte aufbringen können. Hier sprang das Landeskirchenamt ein. Aber auch Oelshausen sammelte für die eigene Sache. Der örtliche Förderkreis benannte ein Spendensziel von 20.000 Euro – zusammen kamen für das Projekt Innensanierung Kirche jedoch 42.500 Euro. Eine überwältigende Summe.

Lothar Simmank