blick in die kirche

Erfahrungen der Pfarrerin Anne Vilmar
Partnerschaft leben

Pfarrerin Anne Vilmar, Foto: privat

Wir haben von 2000-2003 in einer Bibelschule einer Partnerkirche der Basler Mission (jetzt mission21) in Nordostnigeria gelebt. Mein Mann und ich waren Dozenten für Ev. Theologie, ich habe außerdem in der Frauenschule unterrichtet.

Partnerschaft weltweit wurde hier ganz konkret und sehr persönlich: In den vielfältigen, täglichen Begegnungen, sei es im Klassenzimmer oder am Brunnen, auf den Feldern oder in den Gottesdiensten oder als Gast bei besonderen Familienfeiern in den entlegenen Dörfern im Busch haben wir geteilt, was uns ausmacht und trägt – unser christlicher Glaube. Partnerschaft leben wurde hier zu unseren gemeinsamen Glauben, unsere Hoffnung, unser Vertrauen miteinander leben: Lachend und weinend, fragend und suchend, singend und betend.

Unser Glaube, das war bei aller Fremdheit und Unterschiedlichkeit das uns Verbindende und zugleich der Ausgangspunkt für unendliche Gespräche und Diskussionen.
Für beide Seiten, sowohl für die nigerianischen Studenten und ihre nigerianischen Dozenten wie für uns, war es spannend und äußerst bereichernd, den jeweils anderen Kontext kennenzulernen, in dem unser christlicher Glaube erfahren, kommuniziert, gelebt und tradiert wird.

In einer Partnerschaft mit einer anderen christlichen Kirche oder Gemeinde kann ich ganz elementar erfahren, dass meine Art zu glauben, meine religiösen Vorstellungen und Überzeugungen, selbst meine religiöse Sprache verknüpft sind mit meinem Lebens- und Erfahrungszusammenhang, mit meiner Kultur, Geschichte, meiner Sprache.
Hier können wir, denke ich, wenn wir Partnerschaften zu fernen, fremden Kirchen oder Gemeinden pflegen, voneinander und miteinander Kostbares lernen. Voraussetzung ist, dass sich beide Partner (-gemeinden oder –kirchen) respektvoll und fair auf gleicher Augenhöhe begegnen und beide bereit sind, voneinander zu hören und zu lernen: In gegenseitiger Achtung und geschwisterlicher Liebe.
 
Ich habe von unseren nigerianischen Geschwistern unsagbar viel gelernt, ihre natürliche Frömmigkeit hat mich beeindruckt und begleitet mich bis heute, ihr tiefes Vertrauen in einen Gott, dem sie alles verdanken: Jeden neuen Morgen und ihr ganzes Leben, den ersehnten Regen und eine Autofahrt ohne Unfall, die magere Ernte und ein weiteres Kind, eine gute Klausur oder ein Tor im Fußball, Genesung nach schwerer Krankheit und Trost beim Abschied.
 
Umgekehrt hoffe ich, dass auch sie von uns haben lernen können: Etwas von unserer europäischen Freiheit im Denken, Neugierde im Forschen, einen erweiterten Horizont bei der Lektüre biblischer und theologischer Bücher. Und dass es durchaus zum Christsein dazu gehört, Gott in seiner Fürsorge zu unterstützen, indem ich mich aktiv um Bildung, Ausbildung, Hygiene, Broterwerb kümmere und mich umgekehrt vor ansteckenden Krankheiten schütze.
 
Zu manchen Studentinnen und Studenten und anderen Männern der Kirchenleitung haben wir Kontakt und vor zwei Jahren besuchte uns – zum Erstaunen unseres Sohnes – eine Delegation hier in Hofgeismar. Während der Zeit unserer Mitarbeit in der Kirche der Geschwister in Nigeria ist eine Verbundenheit entstanden, die mich mit Freude erfüllt: Wir Geschwister Jesu sind eine weltweite starke und unglaublich vielfältige Gemeinschaft.
 
Anne Vilmar (Jg.1963) lebte und arbeitete mit ihrem Mann Andreas Herrmann und ihren drei Töchtern von 2000-2003 in der Kirche der Geschwister in Nigeria, einer Partnerkirche von mission 21, Basel. Seit 2003 teilt sie sich eine Gemeindepfarrstelle mit ihrem Mann in Hofgeismar.