blick in die kirche

Wechsel im Prälatenamt: Böttner folgt auf Natt
Das komplette Interview mit Prälatin Marita Natt

Verabschiedung und Einführung durch Bischof Martin Hein (M.)
Foto: medio.tv/Schauderna

2010 kam Marita Natt (62) als Prälatin ins kirchenleitende Amt. Als Personalchefin der 956 kurhessischen Pfarrer/innen wurde sie auch Stellvertreterin des Bischofs. Ende 2017 geht sie in den Ruhestand – und zieht im blick-Interview Bilanz.

Medienhausleiter Pfarrer Christian Fischer und blick-Redakteur Lothar Simmank sprachen am 21.11.2017 in Kassel mit ihr.

Fischer:
Als Prälatin hatten Sie in den vergangenen sieben Jahren mit Gemeinden schwierige Gespräche über den Wegfall von Pfarrstellen zu führen. Was ist Ihnen dabei am deutlichsten in Erinnerung?

Natt:
Die Leidenschaft und das Engagement, mit denen Kirchenvorsteher für ihre Gemeinden kämpfen, haben mich beeindruckt. Dass manche Gespräche zum Einverständnis führten, auch wenn vorher die Fronten verhärtet schienen, hat mich gefreut. Die Mühe hat sich gelohnt, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, auch mit den Dekanen. Das deutlichste Bild? Der Bus mit den 50 Menschen, die mit Transparenten und zwei Türen mit 95 Thesen, warum Pfarrstellen nicht eingespart werden sollen, vor dem Landeskirchenamt vorfuhren. Jedes Alter vertreten und alle mit Herzblut für den Verbleib ihres Pfarrers kämpfend. Wir haben geredet – am Schluss hat man akzeptiert, dass Pfarrstellenanpassung in Zeiten weniger werdender Mitglieder nötig ist.

Simmank:
Auf der Frühjahrssynode haben Sie „ein Umdenken in der Personalplanung“ gefordert. Was bedeutet das?

Natt:
Dahinter steht der Gedanke, alle kirchlichen Berufe stärker in den Blick zu nehmen, nicht nur Pfarrer/innen, wie es lange Jahre im Personalbüro der Fall gewesen ist. Die Zukunft erfordert Aufmerksamkeit für alle kirchlichen Berufe und Mitarbeitenden. Ein Synodenbeschluss lautet: „Ziel soll sein, die Anforderungsprofile der kirchlichen Berufe auf der Grundlage der Aufgabenkritik weiterzuentwickeln“. Daran wird beispielsweise in der Arbeitsgruppe Profilierung des Diakonenamts gearbeitet.

Simmank:
Zielt das auf ein gemeinsames Personaldezernat für Pfarrer und Nicht-Pfarrer?

Natt:
Das ist denkbar. Der erste Schritt in diese Richtung ist der von der Synode gewünschte gemeinsame Personalausschuss gewesen. 2019 soll es einen gemeinsamen Personalbericht geben, nicht mehr nur den Prälaten-Bericht über das theologische Personal. Dieser Weg führt zwangsläufig dahin, dass wir uns als „Dienstgemeinschaft“ sehen. Ich benutze einmal ganz bewusst diesen – leider umstrittenen – Ausdruck. Alle miteinander, gleichberechtigt, mit ihren jeweiligen Talenten und Berufen sind engagiert für die Sache Jesu, das wahrzunehmen und umzusetzen stärkt Kirche und Gemeinden.

Simmank:
Im Bereich Kirchenmusik, den Sie auch verantworten, geht es zurzeit darum, ein landeskirchliches Gesamtkonzept zu erarbeiten. Was erhoffen Sie sich davon?

Natt:
Dass unsere Kirchenmusik gestärkt wird – und gesichert! Was wäre unsere Kirche ohne sie? Unsere Gottesdienste und Veranstaltungen? Aber dass auch hier wirtschaftlich gedacht werden muss, haben die Synodenbeschlüsse gezeigt. Ein Gesamtkonzept, an dem alle beteiligt sind, ist gewinnbringend. Nicht ein Gegen-, sondern ein gutes Miteinander aller Stimmen der Sache dient. Ich bin zuversichtlich, dass ein „stimmgewaltiges“ und klangvolles Ergebnis herauskommen wird. Ich bin gespannt auf 2020.

Fischer:
Frau Natt, Ihr Dienst endet mit dem Jahreswechsel. Wenn Sie heute Bilanz ziehen: Wie zufrieden sind Sie rückblickend mit Ihrer Arbeit?

Natt:
„I did it my way“, hat Frank Sinatra gesungen. Meine Art, das Prälatenamt zu füllen, ist vielleicht nicht überall auf Zustimmung gestoßen. Aber ich stehe dazu. Ich bin eine Teamworkerin. Ich habe bei vielen Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, andere mit ins Boot geholt. Dekane, Dekaninnen, Pfarrer und Pfarrerinnen, Diakoninnen, Kirchenmusiker, Vertreterinnen der Verwaltung waren mir wichtige Berater. Ich wollte ungern von oben herab verordnen, sondern die Menschen, um deren Geschicke es ging, mitnehmen. Das ist mal mehr, mal weniger gelungen. Zumindest kann ich sagen, dass wir in den letzten sieben Jahren unsere Hausaufgaben im Personalbüro gemacht haben: Kooperationsräume, Dienstbeschreibungen, Leitfäden für bestimmte Arbeitsbereiche, alles das liegt vor.

Simmank:
Was ist gelungen, was bleibt unvollendet?

Natt:
Das Ziel, was uns synodal bis 2017 vorgegeben war, haben wir erreicht. Was jetzt noch aussteht, sind Einsparungen bei den Funktionspfarrstellen in höherem Maß. Da müssen jetzt politische Entscheidungen gefällt werden, sonst schaffen wir es nicht.

Fischer:
Was wird mit Frau Natt geschehen, wenn das neue Jahr beginnt?

Natt:
Dann wird sie erst einmal sortieren und den Umzug vorbereiten. Aus dem schönen Haus im Heideweg geht es in die Konfirmationsstadt Ziegenhain, in das Elternhaus meines Mannes, das über einen großen Garten verfügt. Da gibt es viel zu gestalten und neu zu entdecken. Ansonsten geht der Blick in Richtung Kirchenmusik. Ich habe früher ein wenig Orgel gespielt und überlege, ob ich einen Seniorenkurs in Schlüchtern besuche.

Fischer und Simmank:
Vielen Dank für das Gespräch.