blick in die kirche

Prof. Dr. Harald Renz
Klinikchef: „Steile Lernkurve“ bei Behandlung von Covid-19

Prof. Dr. Harald Renz ist ärztlicher Geschäftsführer der Uniklinik Marburg
Foto: UK-GM

Marburg (epd). Die Ärzte verstehen nach Aussage des Ärztlichen Geschäftsführers der Uniklinik Marburg, Harald Renz, die durch das Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 immer besser. „Die Medizin hat im vergangenen halben Jahr eine steile Lernkurve hingelegt“, sagte Renz in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Wir haben jetzt ein besseres Bild davon, was das Virus im menschlichen Körper anrichtet. Und wir wissen, dass es eine Risikopopulation gibt, die gefährdet ist für schwere Verläufe.“

Das seien unter anderem Menschen mit chronischen Lungen- und Herzkreislauferkrankungen, Diabetes-Patienten und die ältere Bevölkerung. „Wir haben auch gelernt, die Patienten besser zu behandeln, insbesondere die schweren Verläufe“, berichtete der Mediziner. Zudem wüssten die Ärzte nun, dass es sich bei Covid-19 nicht nur um eine Lungenerkrankung handele, sondern dass auch Blutgefäße, der Magen-Darm-Trakt und das zentrale Nervensystem betroffen sein könnten oder dass es zu plötzlichen Schlaganfällen komme.

Im Marburger Universitätsklinikum seien bisher insgesamt rund 50 Covid-Patienten stationär behandelt worden. In der Hochphase der Pandemie habe man sie alle in klinische Studien eingebunden. Die Mitarbeiter seien ausgesprochen engagiert gewesen, betonte Renz.    

Es gebe in der Bevölkerung mittlerweile Verdruss, was die Restriktionen anbelange, sagte der Klinikchef. Aber aus ärztlicher Sicht seien die drei Grundregeln Schutzmasken tragen, Abstand halten und Hygienemaßnahmen unerlässlich. Die Menschen müssten weiter Geduld aufbringen und ihr Leben an das Virus anpassen, er schätze sogar bis zum Jahr 2022.  

Im Klinikum selbst gebe es derzeit „keine Engpässe“. „Wir haben Krisenpläne in der Schublade“, Intensivbetten und Beatmungsplätze stünden in Hessen ausreichend zur Verfügung. Das Personal habe im Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) die Möglichkeit einer „Vortestung“ mit App und Fragebogen, wodurch jeder schauen könne, ob er ein Risiko auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus hat. Außerdem biete das UKGM Mitarbeitern, die aus Risikogebieten zurückkommen, einen freiwilligen, kostenlosen Test an.

Im Hinblick auf Gottesdienste riet das Mitglied des Kirchenvorstands der Marburger Elisabethkirchengemeinde den Kirchen, weiter Vorsicht walten zu lassen. „Wir sollten die Maßnahmen nicht weiter lockern, sondern bei dem bleiben, was wir machen.“ Die kalte Jahreszeit mit möglicherweise steigenden Erkrankungszahlen stehe noch bevor. Er sehe für die Kirche in der derzeitigen Krise auch eine „Chance der Erneuerung“, es gebe an vielen Stellen eine „wunderbare Kreativität“.