blick in die kirche

Ein Dreivierteljahrhundert im Überblick
Daten und Fakten 1934 - 2009

Dr. Bettina Wischhöfer, Leiterin des Landeskirchliches Archiv Kassel, hat in einer Übersicht Daten und Fakten über die Landeskirche aus den 75 Jahren von 1934 bis 2009 zusammengestellt.

Januar 1933

Beginn der „Machtergreifung“ Hitlers

Juni 1934 

Tagung des Landeskirchentags und Zusammenschluss der evangelischen Landeskirchen Waldeck (ohne Pyrmont) und Hessen-Kassel; Ende Juni tagt der Landeskirchentag erneut: trotz Beschlussunfähigkeit wird Pfarrer Karl Theys (Kassel) zum Landesbischof gewählt und die Eingliederung der neuen Landeskirche in die Reichskirche beschlossen.

Juli 1934 

Räumung des Gebäudes des Landeskirchenamtes (Renthof 5, Kassel) unter Androhung von Polizeigewalt durch Staatskommissar Dr. Jäger.
 Einsetzung einer „Kommissarischen Kirchenregierung“ durch den von Dr. Richter einberufenen Landeskirchentag und Absetzung der Einstweiligen Kirchenleitung, die sich weiter amtierend versteht. Die Einstweilige Kirchenleitung hat ihren Sitz im Büro der Inneren Mission in der Humboldtstraße 28 ½ in Kassel.         

 Ein Kirchengesetz regelt den Zusammenschluss des Gebietteils Waldeck der Evangelischen Landeskirche von Waldeck und Pyrmont mit der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel.
 Die einstweilige Kirchenleitung in Hessen-Kassel und der Bevollmächtigte der Deutschen Evangelischen Kirche für die Evangelische Kirche von Waldeck und Pyrmont, Amtsgerichtsrat Dr. Happel, schließen folgenden Vertrag:
 „§ 1. Die Evangelische Landeskirche von Waldeck und Pyrmont in ihrem nach Abtretung des Gebietsteils Pyrmont an die Evangel.-luth. Landeskirche Hannovers bestehenden Umfange wird mit der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel vereinigt, die von der Vereinigung an den Namen „Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck“ führt. Die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck setzt die Rechtspersönlichkeit der Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel fort und ist Rechtsnachfolgerin der Evangelischen Landeskirche von Waldeck und Pyrmont.“

Oktober 1934 

Fürbitte für den „Führer und Reichskanzler des deutschen Volkes“ Adolf Hitler, Anordnung einer regelmäßigen Fürbitte im sonntäglichen Gottesdienst im Kirchlichen Amtsblatt der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck

Januar 1935 

Gebührenfreiheit für Ariernachweise von politischen Leitern der NSDAP (Erlass der Reichskirchenkanzlei, Kirchliches Amtsblatt) 

Februar 1935 

Räumungsurteil des Landgerichts Kassel gegen die Kommissarische Kirchenregierung zugunsten der Einstweiligen Kirchenleitung

November 1935 Berufung von sechs Mitgliedern des Landeskirchenausschusses für die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck unter der Leitung von Pfarrer D. Friedrich Happich (Hephata) durch Reichsminister Kerrl – Auflösung von Einstweiliger Kirchenleitung und Kommissarischer Kirchenregierung.

Dezember 1935 

Verbot der Rundbriefe für die Bekennende Kirche Kurhessen-Waldeck durch den Präsidenten der Reichspressekammer Berlin. Von 1933 bis 1935 gab es Rundbriefe des Bruderbundes Kurhessischer Pfarrer und der Bekennenden Kirche Kurhessen-Waldeck.

März 1940 

Pfarrer extr. Walter Kreh, Gefreiter und Offiziersanwärter, stirbt am 15. März 1940 „in einem Lazarett im Westen“. Es ist die erste Todesanzeige eines gefallenen Geistlichen, die im Kirchlichen Amtsblatt erscheint. Insgesamt fallen 58 Geistliche aus Kurhessen-Waldeck, 19 werden vermisst und 32 geraten in Kriegsgefangenschaft. (Von 567 Geistlichen wurden 252 eingezogen.)

Oktober 1943 

Nach einem verheerenden Bombenangriff auf Kassel zieht das Landeskirchenamt um nach Bad Sooden-Allendorf (Ev. Pfarramt St. Martin, Kirchweg 1).

September 1945 

Tagung der Notsynode in Hephata, gewählt wird Bischof D. Adolf Wüstemann

Juli 1947 

Die Evangelische Akademie nimmt ihre Arbeit in Guntershausen auf.

Mai 1948 

Einweihung der Melanchthon-Schule in Steinaltal

Februar 1951 

Vertrag mit der Ev-luth. Kirche in Thüringen zur Verwaltungshilfe für das Dekanat Schmalkalden.

1952 

Vereinbarung zwischen der Landeskirche und Gemeinden der Renitenz zur Wiedervereinigung. (Die Renitenz um den Marburger Theologieprofessor August Christian Vilmar lehnte 1873 das vom preußischen König eingesetzte Gesamtkonsistorium Kassel ab. Damals wurden 43 Pfarrer ihrer Ämter enthoben. Sie betreuten die “renitenten Gemeinden“.)  


1954 – 1958 

Heinrich Otto Vogel aus Trier plant den Wiederaufbau der zerstörten Martinskirche in Kassel. (Im Bereich der Landeskirche wurden 28 von insgesamt 876 Kirchen völlig zerstört, 10 teilweise und 71 leicht.)
 
Februar 1960 

Vertrag der Evangelischen Landeskirchen in Hessen mit dem Lande Hessen 

Dezember 1961 

Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin erlaubt Frauen erstmals, ein Gemeindepfarramt zu übernehmen.

November 1962 

D. Erich Vellmer wird von der Landessynode zum Bischof gewählt.

1966 

Blick in die Kirche – Informationsdienst für die EKKW erscheint erstmals (Format DIN-A 5, 36 Seiten, Auflage 12.000). 

Mai 1967 

Die Landessynode verabschiedet die Grundordnung als neue Kirchenverfassung („Miteinander und Gegenüber“).

1968 

Der erste Band der Agende für die Landeskirche erscheint: „Die sonntäglichen Gottesdienste“ (Verabschiedung der Agende I – IV bis 1974).

1969 

Gründung des Pädagogisch-Theologischen Instituts (PTI) in Kassel  

Dezember 1969 

Vertreter der Landeskirche gründen die „Evangelische Kreditgenossenschaft Kurhessen“, die 1972 in die „Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel“ umbenannt wird.

1970 

Die Innere Mission wird in „Diakonisches Werk in Kurhessen-Waldeck e.V.“ umbenannt.

1970 

Die Landeskirchen von Baden, Hessen und Nassau, Kurhessen-Waldeck und der Pfalz entscheiden sich 1970, eine Ruhegehaltskasse mit eigener Rechtsfähigkeit zu gründen. Der Vertrag über die Einrichtung tritt am 1. September 1971 in Kraft. 1974 tritt die Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg (Region West) der Kasse bei. Die Ev. Kirche in Deutschland folgt 1984, die Ev. Landeskirche in Württemberg zum 1. Januar 1992. Im Laufe des Jahres 1995 treten die östlichen Gliedkirchen Ev. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, die Ev.-Lutherische Kirche in Thüringen, die Ev.-Lutherische Kirche in Mecklenburg, die Ev. Landeskirche Anhalts, die Ev. Kirche der Schlesischen Oberlausitz, die Pommersche Ev. Kirche, die Ev.-Lutherische Landeskirche Sachsens und die Ev. Kirche in Berlin-Brandenburg (Region Ost) bei.

1971 

In Marburg wird der erste Prädikant der Landeskirche berufen. Er hat das Recht zur freien Wortverkündigung und der Verwaltung der Sakramente.

1975 

Die Landessynode beschließt in Kurhessen-Waldeck, dass künftig nur noch vier Sprengel statt bisher sechs Sprengel bestehen sollen.

1978 

Der „Evangelische Sonntagsbote“ und das „Kasseler Sonntagsblatt“ erscheinen als gemeinsames Wochenblatt der Landeskirche.   

April 1978 

Wahl von Dr. Hans-Gernot Jung zum Bischof

1981 

Die Landeskirche ernennt erstmals eine Beauftragten für Umweltfragen.

1986 

1. Landeskirchentag in Kassel – an 165 Einzelveranstaltungen nehmen 10.000 Menschen teil.

1986 

Roswitha Alterhoff wird erste Dekanin der Landeskirche (Kirchenkreis Hersfeld), später wird sie als erste Frau zur Pröpstin berufen.

1989 

Die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer in Hessen kooperieren mit dem ersten privaten hessischen Radiosender „Hit Radio FFH“.

Juni 1989 

Das Disziplinarverfahren gegen Elga Sorge (Verfasserin des Mutterunsere) vor der Disziplinarkammer der EKKW endet mit einem Vergleich. Die Kirchenbeamtin beantragt ihre Entlassung aus dem kirchlichen Dienst, erhält aber auf zehn Jahre Versorgungsbezüge. (Bischof Jung stellte 1988 in einer öffentlichen Erklärung fest, Frau Sorge stehe mit ihren feministisch-theologischen Ansichten im Widerspruch zu zentralen Glaubensaussagen der Kirche.) 

1990 

2. Landeskirchentag in Marburg

März 1991 

Schmalkalden wird durch Vertrag wieder in die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck eingegliedert.  

1991 

100 Jahre Predigerseminar in Hofgeismar 

März 1992 

Professor Dr. Christian Zippert wird von der Landesynode zum Bischof gewählt.

1992 

Erstmals wird eine Frau zur Präses der Landessynode gewählt: Ute Heinemann.

1994 

Das Landeskirchliches Archiv Kassel nimmt seine Arbeit auf. Drei Jahre später wird das Archivgesetz der EKKW von der Landessynode verabschiedet und das Archiv bezieht neue Räume in der Lessingstraße in Kassel.

1994 

Einführung des neuen Gesangbuchs: Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

1995 

3. Landeskirchentag in Schmalkalden

Oktober 1996 

1. Internetauftritt der Landeskirche

Mai 2000 

Dr. Martin Hein wird von der Landessynode zum Bischof gewählt. 

2000 

4. Landeskirchentag in Melsungen

November 2003 

Errichtung des Hans-von-Soden-Instituts für theologische Forschung an der Philipps-Universität Marburg

Dezember 2003 

Rahmenvertrag der evangelischen Kirchen und der katholischen Bistümer in Hessen über die Ablösung von Baulasten mit dem Land Hessen und den Kommunalen Spitzenverbänden.

Oktober 2005 

Zum Reformationstag hat die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck ein neues Logo eingeführt. Das Corporate Design der Landeskirche erhält ein wieder erkennbares Erscheinungsbild.

2006 

5. Landeskirchentag in Gelnhausen

Dezember 2008 

Die EKKW hat 927.863 Gemeindeglieder und 894 Kirchengemeinden.
    

Service | Info