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Interview mit den Schul-Seelsorgerinnen an der Melanchthon-Schule in Steinatal
„Einen geistlichen Raum für die persönlichen Anliegen der Jugendlichen schaffen“

Die Schulseelsorgerinnen Veronika Zippert (links) und Britta Holk-Gerstung im neu gestalteten Andachtsraum der Melanchthonschule Steinatal in der Schwalm.
Foto: Rolf K. Wegst

Das religiöse Leben spielt im Alltag der evangelischen Melanchthon-Schule in Steinatal eine große Rolle. Die Schulwoche beginnt montags mit einer von den Lehrern und Lehrerinnen gestalteten Andacht. Zwei Schulpfarrerinnen teilen sich eine Pfarrstelle, um für die rund 700 Schülerinnen und Schüler da zu sein. Die Aufgaben der Schulseelsorge haben sie nach ihren Neigungen und Fähigkeiten aufgeteilt. Veronika Zippert ist schwerpunktmäßig als Pastoralpsychologin tätig. Britta Holk-Gerstung übernimmt den geistlich-spirituellen Teil der Aufgaben. Sie ist auch für den Andachtsraum zuständig, der eben erst neu gestalt wurde, mit einer stilisierten Klagemauer aus Holz, einer abstrakten Abendmahlsdarstellung und einer kleinen Orgel. Beide Pfarrerinnen unterrichten außerdem Religion und haben eigene Kinder an der Schule.

blick-Magazin: Frau Zippert, Frau Holk-Gerstung, was tun Sie als Pfarrerinnen für ein vertrauensvolles Schulklima an der Melanchthon-Schule in Steinatal?

Veronika Zippert: Ich biete mich den Schülern und Schülerinnen unverbindlich als Gesprächspartnerin an. In meinen Freistunden etwa setze ich mich, sooft mir Zeit dazu bleibt und ich ganz bei mir bin, in die Cafeteria und bin einfach ansprechbar. Daraus kann sich dann etwas ergeben, es muss aber nicht. Aufgrund meines seelsorgerischen und pastoralpsychologischen Schwerpunktes bin ich die Ansprechpartnerin für Fragen, die sich mit Trauer, Tod und Verlust beschäftigen. Außerdem gehöre ich dem Beratungsnetzwerk an, das aktiv wird, wenn ein Schüler oder eine Schülerin Schwierigkeiten hat.

Britta Holk-Gerstung: Ich bemühe mich darum, einen geistlichen Raum für die persönlichen Anliegen und innersten Bedürfnisse der Jugendlichen zu schaffen. So soll vom kommenden Schuljahr an der Andachtsraum an Schultagen durchgehend geöffnet bleiben, um als Rückzugsraum und zum Gebet zur Verfügung zu stehen. Mit jeder Klasse werden wir Pfarrerinnen zuvor außerdem eine Andacht feiern, um die Schüler und Schülerinnen in die Besonderheiten und die Benutzung des Raums einzuführen.

blick-Magazin: Was sind das für Besonderheiten?
Britta Holk-Gerstung: Im Andachtsraum wird vom kommenden Schuljahr an ein Gebetsbuch ausliegen. Die Jugendlichen sollen darin festhalten können, was sie auf dem Herzen haben, was sie zu Gehör bringen wollen. Ich verbürge mich dafür, dass ich ihre Anliegen noch in der gleichen Woche im Gebet vor Gott bringe. Wir planen darüber hinaus Zusatzangebote für die Kinder und Jugendliche in diese spirituelle Richtung: Einführungen in liturgischen Tanz etwa oder Anleitungen in der reichen, aber oft verschütteten Tradition des Betens. Gerade beim Beten versichern wir uns auch immer wieder unseres Glaubens, auf dessen Grundlage wir miteinander umgehen.

Das Interview führte Yasmin Bohrmann