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Empfangen wie ein Popstar:
Barack Obama beim Kirchentag in Berlin

Der amerikanische Ex-Präsident Barack Obama im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Foto: DEKT/Kathrin Erbe

Der amerikanische Ex-Präsident Barack Obama hat längst den Status eines Popstars erreicht. Und so war auch sein Auftritt beim Berliner Kirchentag weit mehr als eine gewöhnliche Podiumsdiskussion. Schon Stunden vorher waren Tausende ans Brandenburger Tor gekommen, hatten Taschenkontrollen über sich ergehen lassen und warteten geduldig auf den Gast aus den USA.

Obama diskutierte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über das sehr weit gefasste Thema „Engagiert Demokratie gestalten", die Moderation hatten Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm übernommen.

Die beiden Politiker mussten sich durchaus unangenehme Fragen gefallen lassen, so etwa nach dem hohen Militärbudget der USA und nach Abschiebungen gut integrierter Menschen, zum Beispiel nach Afghanistan. Obama und Merkel betonten den Unterschied zwischen moralische Ansprüchen und dem Machbaren. So sagte Obama: „In Gottes Augen ist ein Kind auf der anderen Seite der Welt so viel wert wie mein eigenes Kind." Als Politiker stoße er aber auf rechtliche und andere Beschränkungen. Daher gelte es, für die Menschen in ihren Heimatländern Chancen zu schaffen um Flucht zu verhindern.

Merkel antwortete auf die Frage der Sozialarbeiterin Filiz-Marleen Kuyucu aus Mannheim nach den Toten auf dem Mittelmeer ähnlich, lobte das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei und sprach im Zusammenhang mit Abschiebungen davon, man müsse "sachgerechte Lösungen" finden.

Dieser Widerspruch zwischen Visionen und dem vermeintlich Pragmatischen wurde immer wieder deutlich. Obama etwa räumte ein, dass die von ihm angeordneten Drohneneinsätze auch zivile Opfer gefordert hätten, bei Raketeneinsätzen aber sei das noch viel dramatischer. Natürlich, da waren sich beide einig, träumten sie von einer Zeit ohne Atomwaffen, aber derzeit lebten wir eben noch in einer "gefährliche Welt" (Obama).

Der amtierende Präsident Donald Trump kam nicht namentlich vor, es gab aber einige Seitenhiebe. So sagte Obama etwa: "Wir können uns auf dieser Welt nicht hinter Mauern verstecken."

Eines machte der Ex-Präsident mehrfach deutlich: Große Hoffnung setzt er in die Jugend, die so viele Chancen habe wie keine Generation zuvor. So freue er sich besonders über die vielen jungen Leute beim Kirchentag. Bei den Adressaten kam das sichtlich gut an. Der Popstar-Politiker, aber auch die Kanzlerin, wurden mit donnerndem Applaus verabschiedet.

Olaf Dellit