Kanzelabkündigung von Bischof Dr. Martin Hein
Liebe Schwestern und Brüder,
"Beten" - so lautet das Motto der diesjährigen Öffentlichkeitskampagne
unserer Landeskirche zum Buß- und Bettag. Wir werden damit direkt
zum Kern des heutigen Tages geführt: Wir dürfen zu Gott und seinen
Geboten umkehren. Zugleich werden wir eingeladen, unsere Sorgen,
Ängste und Hoffnungen vor ihn bringen.
Viele sind in diesem Jahr eher bereit, über das Beten zu reden
und auch selbst zu beten. Dazu haben die Ereignisse des 11. Septembers
und deren Folgen beigetragen: Die Gottesdienste und Andachten
unmittelbar nach den Terroranschlägen waren teilweise überfüllt.
Seither gibt es in manchen Gemeinden regelmäßige Friedensgebete,
bisweilen auch gemeinsam mit muslimischen Nachbarn.
Wir erleben gegenwärtig, wie der Weltfrieden äußerst gefährdet
ist,
der militärische Konflikt offensichtlich eskaliert und auch unser Land
darin einbezogen wird, ohne daß die Konsequenzen absehbar wären.
Die Zweifel am Sinn der eingeschlagenen Militärstrategie überwiegen
bei mir.
Wir sollten in unseren Gebeten für den Frieden nicht nachlassen
und das Wort des Apostels Paulus beherzigen:
"Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im
Gebet"
(Römer 12,12).
Zu beten ist jedoch nicht den Krisensituationen vorbehalten:
"Bete im Alltag, bete den Alltag", rät der Theologe Karl Rahner.
Wer betet, nimmt die Welt wirklich ernst und vertraut sie Gott an.
Im Gebet finden wir zugleich die Kraft, die uns Umkehr ermöglicht.
Sie befähigt uns, beharrlich für Versöhnung, Gerechtigkeit und
Frieden
in der Welt einzutreten.
Es grüßt Sie am Buß- und Bettag
Ihr
Dr. Martin Hein
Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
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