BUSS- UND BETTAG 2003 - 19. November 2003
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Über 70.000 Zugriffe:
busstag.de bricht alle Rekorde
 
   
Kassel (medio). Mit dem Internetangebot auf www.busstag.de hat die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck zum Buß- und Bettag mehr Menschen im Internet erreicht als jemals zuvor. «Über 70.000 Zugriffe innerhalb von 2 Wochen – das bricht alle unsere Rekorde», sagte der Internetbeauftragte der EKKW, Pfarrer Christian Fischer, am Rande der Herbsttagung der Landessynode in Hofgeismar. Fischer führte dieses Rekordergebnis auf die professionelle Vorbereitung der Aktion, die gute Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland und den gelungenen Slogan «Selbst Vertrauen – Den nächsten Schritt wagen» zurück. Der Slogan hätte Interesse auch bei Menschen geweckt, die sonst nicht unbedingt kirchliche Angebote anklicken, so Fischer.

Zudem zahle sich jetzt die große Kontinuität und Beharrlichkeit der EKKW aus. «Wir sind mittlerweile die einzige Landeskirche, die den Buß- und Bettag so offensiv ins Bewusstsein rückt. Das kommt gut an in Hessen, aber auch weit darüber hinaus», sagte Fischer. Sogar aus der Schweiz habe er begeisterte Zuschriften erhalten. Unter Pfarrerinnen und Pfarrern besonders beliebt: Der von einer landeskirchlichen Arbeitsgruppe erstellte Gottesdienstentwurf, der über 7.000 mal heruntergeladen wurde. Interaktives Highlight: Chatter hatten Gelegenheit, live mit dem Bischof der Landeskirche, Dr. Martin Hein, zu diskutieren. Fischer kündigte an, auch 2004 ein attraktives Angebot auf www.busstag.de zu entwickeln. Die Entscheidung für das Thema der Kampagne werde man aber erst im Sommer fällen, um aktuell zu sein. (24.11.02)

 
       
    Buß- und Bettag  
   
Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen.

Der Feiertag wurde vor einigen Jahren allerdings zum politischen Zankapfel: Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen.

Der Bußtag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren. Viele Gemeinden laden meist am frühen Abend zu Andachten ein, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Die hohe Resonanz auf dieses Angebot belegt, dass der Bußtag im Leben vieler Menschen nach wie vor tief verwurzelt ist. (epd/18.11.02)

 
       
    Heute ein Tag persönlicher Gewissensprüfung -
Der Buß- und Bettag im Wandel der Zeit
 
   


(von Brigitte Jonas, epd/20.11.2000)

Mit dem Buß- und Bettag fiel ungeachtet aller kirchlichen Proteste einer der hier zu Lande jüngsten gesetzlichen Feiertage. Erst im Jahr 1950 war der gemeinhin als «typisch evangelisch» apostrophierte Tag am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres kalendarisch festgeschrieben worden. Wie an anderen gesetzlichen Feiertagen auch, sollte an diesem Tag nicht gearbeitet werden, wobei insbesondere alle ruhestörenden Arbeiten untersagt waren. Zur Kompensation der Kosten der Pflegeversicherung für die Unternehmen wurde der Feiertag 1995 wieder abgeschafft.

Mit dem vor 50 Jahren eingeführten gesetzlichen Buß- und Bettag, der lediglich in Bayern nur für Gemeinden mit überwiegend protestantischer Bevölkerung galt, wurden erstmals seit der Reformation die in den einzelnen Landeskirchen unterschiedlichen «Bußtermine» vereinheitlicht. Zwar hatte bereits Friedrich Wilhelm III. anno 1816 einen so genannten Landes-Buß- und Bettag angeordnet. Doch gab es noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den damals 28 protestantischen Landeskirchen Deutschlands insgesamt 47 Bußtage. Sie wurden an 24 über das ganze Jahr verteilten Tagen begangen, waren jedoch nur von jeweils regionaler Bedeutung.

Obwohl diese «Bußtermine» als typisch protestantisch galten, sind für die Allgemeinheit angeordnete Bußtage bereits weitaus älteren Ursprungs. Als Vorbild dürfte dabei der alttestamentliche «Versöhnungstag» gedient haben. Bei Seuchen- und Kriegsgefahr, bevorstehenden Missernten und nach Unwetterkatastrophen wurden sie als behördliche Maßnahmen ebenso angeordnet wie bei Teuerung oder anderen «gefährlichen Zeiten». Dementsprechend wurden die meisten Bußtage angesichts der Schrecken des Dreißigjährigen Krieges registriert.

Diese althergebrachten Bußtage standen gänzlich im Gegensatz zu der von Martin Luther und seinen Mitstreitern angestrebten Erneuerung des kirchlichen Bußbegriffes: In der mittelalterlichen Kirche diente jedes Bußverfahren dem Erhalt der kirchlichen Sittenzucht, mit Werken der Buße wie Beten, Fasten und Almosengeben konnte der Einzelne Vergebung erlangen. Luther indes bekämpfte eine derartige institutionelle Verengung des Bußbegriffs und definierte «Buße» nicht mehr als eine gelegentliche Ausnahmesituation, sondern vielmehr als die Grundhaltung eines jeden christlichen Lebens.

Allerdings fassten weder die protestantische Neuinterpretation des Bußbegriffs noch die Vielzahl staatlich verordneter Buß- und Bettage in der Bevölkerung festen Fuß, so dass bereits die Vorgänger des späteren Buß- und Bettages zumeist nur die Rolle eines gewöhnlichen Feiertages und zusätzlichen arbeitsfreien Tages spielten. Noch 1886 wurden sie in Meyers-Konversations-Lexikon allerdings als «dem Gottesdienst gewidmete Tage» bezeichnet, «welche den besonderen Zweck haben, die Kirchengemeinden auf ihre sittlichen Notstände aufmerksam zu machen».

Heute nurmehr als kirchlicher Gedenktag begangen und damit seines einstmals öffentlichen Charakters enthoben, gilt der Buß- und Bettag inzwischen vielen Christen als Tag «persönlicher Gewissensprüfung». In vielen Gemeinden findet man an diesem Tag - zumeist in Form einer eigens ausgestalteten Andacht - aber auch Zeit für Gebete für die Welt, für den Frieden und die Ökumene.

 
   

 
eine Aktion der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
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