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Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrümer wie beispielsweise Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen.

Hintergrund

Der Feiertag wurde vor einigen Jahren allerdings zum politischen Zankapfel: Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen.

Der Bußtag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren. Viele Gemeinden laden meist am frühen Abend zu Andachten ein, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Die hohe Resonanz auf dieses Angebot belegt, dass der Bußtag im Leben vieler Menschen nach wie vor tief verwurzelt ist. (epd/18.11.02)

Frühere Kampagnen auf www.busstag.de

Frühere Öffentlichkeitskampagnen zum Buß- und Bettag finden Sie hier:


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Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Kampagne gibt ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Aktion im Jahr 2008 auf ekkw.de:

Die Renaissance eines Feiertags -
Der Buß- und Bettag lebt wieder auf

(von Joachim Gerhardt, epd)

Bonn (epd). Am Buß- und Bettag läuten die Glocken ökumenisch. Der von vielen längst totgesagte urprotestantische Feiertag erlebt in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Renaissance. Wenn Pfarrer Fried Clemens Sareyko auf dem Brüser Berg, einem Stadtteil über den Dächern der Innenstadt von Bonn, am Mittwochabend zum Gottesdienst ruft, strömen nicht nur Protestanten in die meditative Abendandacht, sondern auch viele katholische Christen. Der katholische Pfarrer Benno Leiverkus entzündet am Altar in der evangelischen Kirche die Kerzen. Die Predigt halten die beiden Pfarrer im Wechsel.

Der Brüser Berg ist kein Einzelfall. Allein in Bonn wird mittlerweile jeder zweite Gottesdienst am Buß- und Bettag ökumenisch gefeiert. Und es werden jedes Jahr mehr und das nicht nur in Bonn. «Die Abschaffung des Buß- und Bettags als gesetzlich geschützten Feiertag habe ich nie verstanden», sagt Pfarrer Leiverkus. Die katholische Beteiligung sollte damals, 1995, ein einmaliges «Zeichen der Solidarität» sein. Inzwischen ist eine feste Tradition daraus geworden.

Buße und Beten ist für den katholischen Pfarrer ein Anliegen, das alle Kirchen verbindet. Mit Erfolg. Inzwischen kommen zum Bußtagabend mehr Gottesdienstbesucher als manchmal am Sonntag. «Zeit zur Besinnung und Umkehr - Suche nach Neuorientierung», wie es im Liedblatt der Gemeinde programmatisch heißt, scheinen attraktiv.

Ein «neues Bewusstsein für den Buß- und Bettag» ist für den Bonner Volkskundler Gunther Hirschfelder nicht überraschend. Das Nachdenken über eigene Versäumnisse und Fehler sei «Spiegel einer Gesellschaft, die so stark auf Erfolg, auf Optimierung und Machbarkeit setzt». Viele Menschen spürten ihre Aoberforderung beruflich wie privat. «Da ist der Buß- Bettag ein geradezu seelsorgerliches Angebot.»

Für Hirschfelder passt dieser Tag ohnehin zur «deutschen Mentalität mit dem typisch schlechten Gewissen». In Portugal zum Beispiel hätte der Tag sicher keine Chance. In Deutschland aber biete er die Möglichkeit, die eigene Befindlichkeit zu reflektieren und im besten Falle sogar zu überwinden. «Der Buß- und Bettag ist als Institution ein ganz wichtiger Tag für das Seelenleben unserer Gesellschaft», so der Volkskundler.

Erstmals war der protestantische Buß- und Bettag 1532 in Straßburg offiziell eingeführt worden - in Zusammenhang mit einer Anordnung des Kaisers zum Gebet gegen die Türken. Der Reformator Martin Luther hatte gegen Bußübungen protestiert, wie sie in der Beichte und dem Ablasshandel verhängt wurden. «Das ganze Leben des Gläubigen soll Buße sein», schrieb Luther in der ersten seiner «95 Thesen».

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es im Deutschen Reich 47 unterschiedliche Bußtage an 24 verschiedenen Terminen. 1883 beschlossen die Preußen deren Zusammenlegung auf einen gemeinsamen Tag. Doch erst 1934 wurde der Tag gesetzlich geschützter Feiertag in ganz Deutschland, festgelegt auf den Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr. 1995 wurde er dann zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen.

Die Sachsen sehen sich in ihrem damals kompromisslosen Einsatz für den Erhalt des Feiertags heute bestärkter denn je. Die Abschaffung habe volkswirtschaftlich nichts gebracht. Der Effekt, eine Beitragserhöhung für die Pflegeversicherung zu verhindern, sei schnell verpufft, sagt der sächsische Bischof Jochen Bohl. Der Buß- und Bettag ist für ihn ein «evangelisches Traditionsgut mit Zukunft». Im Osten hat der Tag allerdings die geringste öffentliche Tradition. Zuletzt gerade mal fünf Jahre, von der Wende bis 1994. Die DDR hatte ihn schon 1966 mit Einführung der 5-Tage-Woche gestrichen.

Die anderen Landeskirchen hatten sich in den ersten Jahren nach der Abschaffung um eine Vitalisierung des Feiertages bemüht. Die Kirchengemeinden erhielten Vorschläge für Gottesdienstgestaltungen. «Farbe bekennen», «Kirche bricht auf», «Reines Gewissen» lauteten Öffentlichkeitskampagnen bis Ende der 90er Jahre.

In Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz sollten Volksentscheide die Wiedereinführung bringen. Sie scheiterten. Auch bei den Landeskirchen ist es ruhiger geworden. Kurhessen-Waldeck ist heute fast die Ausnahme, die den Tag jedes Jahr neu mit einer internetgestützten Kampagne «www.busstag.de» inhaltlich besetzt. 2007 lautet das Motto «Warum».

An der Basis jedoch wirkt der Buß- und Bettag, unabhängig von gut gemeinten Vorgaben und befreit von gesetzlichen Ordnungen, weiter. «Er bietet viele Möglichkeit, Abendgottesdienste zu erproben und damit andere Menschen zu erreichen als die klassische Sonntagsgemeinde», weiß Oberkirchenrat Udo Hahn, Medien- und Publizistik-Referent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). «Wo das im ökumenischen Geiste geschehe, umso besser.»

Kammermusik-Gottesdienst, Kerzennacht, Gesprächsgottesdienst - die Phantasien in den Kirchengemeinden sind vielfältig. In Bonn lädt eine Gemeinde sogar ins städtische Kunstmuseum ein. Im Mittelpunkt steht ein zeitgenössisches Werk des modernen Künstlers Michael Buthe, ein in Lumpen hängendes Tuch. Das Thema des Gottesdienstes lautet «Zerrissenheit».

«Der Buß- und Bettag lebt», ist der Eindruck von Oberkirchenrat Hahn. Und die fast schon trotzigen Erfahrungen seines Fortbestehens «sollten uns Mut machen, das Bewusstsein für kirchliche Feiertage insgesamt zu schärfen». (12.11.2007)

Eine gemeinsame Aktion folgender Landeskirchen: