Elisabeths WirkungBesançon / La Roche-Guyon sur Seine: 1830 ließ Louis François Auguste Duc de Rohan-Chabot, Erzbischof von Besançon (1828-1833), eine Schädel-Reliquie, die angeblich von Elisabeth stammen und jahrhundertelang in der Kapelle des Schlosses La Roche-Guyon sur Seine verwahrt worden sein soll, in seine Kapelle nach Besançon bringen.

Breslau / Wrocław: Landgraf Friedrich von Hessen-Darmstadt (1616-1682) trat als erstes Mitglied des hessischen Fürstenhauses nach der Reformation zum römisch-katholischen Glauben über. 1637 wurde er Ritter des Malteserordens, 1652 Kardinal und 1671 Fürstbischof von Breslau. Als solcher ließ er an den Breslauer Dom ab 1680 eine Elisabeth-Kapelle im barocken Stil anbauen, wo er 1682 bestattet wurde; die Innenausstattung der Kapelle wurde im Jahre 1700 vollendet.

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Landgraf Friedrich von Hessen-Darmstadt ließ ab 1680 als Fürstbischof von Breslau dem dortigen Dom eine Elisabeth-Kapelle im barocken Stil anbauen. Zudem gibt es in der Stadt eine Elisabeth geweihte Kirche, die hier in einer Vorkriegs- aufnahme zu sehen ist. (Foto: Bildarchiv Foto Marburg)

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Brixen: 1230/35 wurde ein bis heute ununterbrochen bestehender Konvent der Klarissen gegründet. Deren Klosterkirche ist seit 1235 Elisabeth geweiht und damit die älteste Kirche mit dem Patrozinium der Heiligen.

Cambrai: In der Bibliothèque Municipale wird unter der Signatur Ms. B. 809 ein zweiteiliger Codex aus dem 12. bzw. 13. Jh. verwahrt. Auf den Blättern 90r bis 103v enthält er eine fragmentarische Abschrift des Protokolls der zweiten päpstlichen Kommission, die im Januar 1235 in Marburg die Wunderheilungen am Grabe Elisabeths begutachtete und dokumentierte. Die Abschrift entstand um die Mitte des 13. Jh. aller Wahrscheinlichkeit nach in der um 1060/70 gegründeten Benediktinerabtei Saint-Sépulcre, die 1696 bis 1702 vollständig barockisiert wurde. Nachdem die alte gotische Kathedrale in der Französischen Revolution abgebrochen worden war, wurde die Klosterkirche von Saint-Sépulcre 1804 zur neuen Kathedrale der Erzbischöfe von Cambrai erhoben. Die Abschrift des Protokolls um 1250 macht deutlich, dass der Elisabeth-Kult nur fünfzehn Jahre nach ihrem Tod bereits Nordfrankreich erreicht hatte.

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Convento de Santa Clara-a-Nova, Klosterkirche. (Foto: Bildarchiv Foto Marburg)

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Coimbra: Königin Isabella (= Elisabeth) von Portugal (1271-1336), mütterlicherseits eine Großnichte Elisabeths, stiftete 1314 ein Klarissenkloster (Convento de Santa Clara-a-Velha), in das sie sich nach dem Tode ihres Mannes, König Dionysius von Portugal (1279-1325), bis zu ihrem Lebensende zurückzog. Ihre Vita ist weitestgehend eine Dublette zu der Elisabeths: auch Isabella engagierte sich in der Krankenpflege, unterstützte Bedürftige und linderte eine Hungersnot. Ihr wird ebenso ein Rosenwunder zugeschrieben. 1625 sprach Papst Urban VIII. sie heilig. Wegen häufiger Überschwemmungen des Convento de Santa Clara-a-Velha durch den Fluss Mondego errichtete man 1649-1696 an flutsicherer Stelle ein neues Kloster im barocken Stil (Convento de Santa Clara-a-Nova), in dessen Kirche 1677 Isabellas Gebeine in einem silbernen Reliquienschrein sowie ihre spätgotische Tumba überführt und aufgestellt wurden; die Kirche weihte man ihr, der "Rainha Santa", der heiligen Königin.

Karlstein / Karlštejn: Die Burg, 30 km südwestlich von Prag gelegen, wurde von 1348 bis 1365 für Kaiser Karl IV., der zugleich König von Böhmen war, erbaut. Karl IV. war ein begeisterter Sammler von Reliquien. Am 18. / 19. Mai 1357 weilte er zusammen mit der ungarischen Königinmutter in Marburg und besuchte feierlich das Grab Elisabeths. Dabei ließ er sich etliche Elisabeth-Reliquien aushändigen, die er in die Heiligkreuz-Kapelle auf Burg Karlstein bringen ließ.

Kaschau / Košice / Kassa: Im Jahre 1357 beteiligte sich die ungarische Königinmutter Elisabeth mit großem Gefolge an der Wallfahrt Kaiser Karls IV. nach Marburg. Dies gab der Elisabeth-Verehrung in Ungarn neue kräftige Impulse. 1390 begann man in Kaschau, das bis 1920 zu Ungarn gehörte und seitdem Hauptort der östlichen Slowakei ist, anstelle eines romanischen Vorgängerbaus eine große gotische Elisabeth-Kirche zu errichten, die wegen einer Brandkatastrophe im frühen 15. Jh. erst Ende des 19. Jh. vollendet werden konnte. Der Hauptaltar im Hohen Chor, 1477 fertig gestellt, ist mit einer Höhe von 11 m und einer Breite von 8 m einer der größten Tafelaltäre Europas. Zwölf der 48 Tafelgemälde sind der Vita und der Legende Elisabeths gewidmet.

Neapel: Königin Maria von Neapel (1270-1323), eine aus Unganr stammenden Großnichte Elisabeths väterlicherseits, ließ das durch ein Erdbeben 1293 weitgehend zerstörte Benediktinerinnenkloster Santa Maria di Donnaregina wiederaufbauen. Die Klosterkirche schmückte um 1308 der Maler Pietro Cavallini mit mehreren Freskenzyklen aus, darunter auch mit Bildern aus dem Leben und der Legende Elisabeths.

Prag / Praha: Ein Jahr nach Elisabeths Tod 1232 erwarb die später selig gesprochene böhmische Prinzessin Agnes (1208-1283), eine Cousine Elisabeths väterlicherseits, Elisabeth-Reliquien für den Veitsdom. Agnes stiftete 1233 u.a. ein Spital für Arme und Kranke und ein Klarissenkloster (Klášter sv. Anežky České na Františku), in das sie 1234 selber eintrat und bis zu ihrem Tode lebte.

Reval / Tallinn: 1483 wurde in der Werkstatt des Bernt Notke ein Hochaltar für die Kirche des Heiliggeist-Spitals mit Szenen aus Elisabeths Leben und Legende geschaffen.

Udine: Kaiser Karl IV. schenkte eine Elisabeth-Reliquie, die er 1357 bei seinem Besuch in Marburg erworben hatte, seinem unehelichen Halbbruder Nikolaus, Patriarchen von Aquileia (1350-1358), der in Udine residierte. Daher befindet sich diese Reliquie heute noch im dortigen Domschatz.

Viterbo: 1583 verehrte man in der Basilica di San Francesco eine Schädel-Reliquie, die angeblich von Elisabeth stammte.

Winchester: Im Jahre 1301 gründete John of Pontoise, Bischof von Winchester (1282-1304), vor den Toren von Wolvesey’s Palace südöstlich der Kathedrale ein Säkularkanonikerstift nebst Kirche. Das Stift und der Hauptaltar der Kirche wurden Elisabeth geweiht; daher hieß dieser Konvent "College of St Elizabeth of Hungary". Im Zuge der englischen Reformation wurde das Stift 1536 aufgehoben. Seine Liegenschaften gelangten an das 1382/94 gegründete und heute noch bestehende Winchester College, eine der vornehmsten und traditionsreichsten Privatschulen Englands. Die Gebäude des Elisabeth-Stiftes brach man 1545/47 ab. An das Stift erinnert heute nur noch ein Studentenwohnheim der Universität von Winchester, das "St Elizabeth’s Hall" genannt wird.