Elisabeths Wirkung"Sola gratia, sola fide, sola scriptura" - allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift rechtfertigen den Menschen. So lehrte es Luther. Weil Heilige in der Bibel nicht erwähnt werden, lehnte der Protestantismus ihre Verehrung ab – auch wenn sie für den gläubigen Protestanten durchaus beispielhaft sein konnten.

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Martin Luther (Foto: Bildarchiv Foto Marburg)

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Heiligenkult und die Verehrung ihrer Reliquien waren nach protestantischer Auffassung allerdings Abgötterei. Folglich wurden aus Kirchen, die von der katholischen zur protestantischen Konfession wechselten, die Reliquien und Darstellungen nichtbiblischer Personen entfernt.

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Über die Vorgänge am 18. Mai 1539 fertigt ein Beamter des Deutschen Ordens das vorliegende Protokoll an. (Hessisches Staatsarchiv Marburg)

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So führte Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen am 18. Mai 1539 in der dem katholischen Deutschen Orden gehörenden Elisabeth-Kirche den protestantischen Gottesdienst ein. Er ließ die sterblichen Überreste seiner Ahnfrau Elisabeth aus dem goldenen Schrein räumen. Entgegen seiner ausdrücklichen Anweisung wurden die Reliquien vermutlich nicht vernichtet, sondern von einem landgräflichen Beamten an einem geheimen Ort in Sicherheit gebracht. Als dies bekannt wurde, musste Philipp die Reliquien 1548 an den Orden zurückgeben.

Landgraf Philipp und die Heiligenverehrung

1527 lässt Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen sämtliche Klöster und geistliche Stifter in seinem Herrschaftsgebiet auflösen und deren Eigentum verstaatlichen (Säkularisation). Außerdem werden alle Darstellungen von nichtbiblischen Heiligen und Reliquien aus den Kirchen entfernt.

Am Sonntag Exaudi, 18. Mai 1539, dringt Landgraf Philipp in Begleitung von Adligen, Beamten, Professoren und Marburger Bürgern in die Elisabeth-Kirche ein. Sein Landesreformator und Hofprediger Adam Krafft hält einen evangelischen Gottesdienst.

Philipp erzwingt von den Deutschordensrittern die Herausgabe der Reliquien Elisabeths und lässt diese aufs Marburger Schloss bringen.