Elisabeths WirkungFast drei Tage ist Elisabeths Leichnam in der Kapelle des Franziskus-Hospitals in Marburg öffentlich aufgebahrt. Binnen weniger Stunden ist er von einer Menschentraube umringt. Elisabeths Dienerin Irmgard berichtet später, dass die Besucher Stücke aus den Leichengewändern fetzten, Haarbüschel ausrissen, Fingerglieder und Brustwarzen abschnitten und als Reliquien mitnahmen.

Innerhalb von gut drei Jahren werden 129 Wunderheilungen kirchlich dokumentiert. Die Genesenen kommen hauptsächlich aus Marburg und dem Raum zwischen Eder, Lahn, Schwalm und Nidda - also bis etwa 60 Kilometer von der Stadt entfernt. Andere stammen direkt aus Marburg und dem Gebiet zwischen Rhein, Werra, Lippe und Main. Einzelne jedoch finden von weit her ihren Weg nach Oberhessen, wie Pilgerzeichen aus Schweden, Holland und Lübeck zeigen.

Auch die Legendenbildung setzte unmittelbar nach Tod und Bestattung von Elisabeth ein: Ihr Beichtvater Konrad berichtet, dass in den zwei Tagen bis zur Bestattung weder Leichenstarre noch Leichengeruch festzustellen gewesen seien. Ihre vier Dienerinnen bestätigen dies.

Der Mönch Cäsarius von Heisterbach erzählt über die Erhebung der Gebeine Elisabeths gut zwei Jahre nach der Bestattung, der unverweste Leichnam habe einen betörenden Duft verströmt. Einige Tage darauf sei ein wundertätiges Öl aus dem Sarg geflossen.

In den frühen Quellen ist nie davon die Rede, dass Elisabeth zu Lebzeiten Wunder bewirkt habe. Rosen-, Mantel- und Kreuzwunder sind im Spätmittelalter hinzugedichtet worden. Es sind Motive, die sich auch in anderen Heiligenbiografien finden.

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Das Rosenwunder. Skulptur des Eliabeth-Altars in der Elisabeth-Kirche in Marburg. (Foto: Bildarchiv Foto Marburg)

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Das Rosenwunder

Erstmals erscheint das Rosenwunder in der 2. Hälfte des 13. Jh. in einer italienischen Elisabeth-Vita. Es stammt jedoch ursprünglich aus der Legende einer anderen Heiligen.

Nach den frühesten Versionen der mittelalterlichen Legende soll es Elisabeths Schwiegervater Landgraf Hermann I. von Thüringen gewesen sein, der an der karitativen Tätigkeit der zukünftigen Heiligen Anstoß nahm und durch die wundersame Verwandlung von Brot in Rosen von Gott zurechtgewiesen wurde. Später übertrug man dies auf Elisabeths Ehemann Landgraf Ludwig IV. von Hessen.

Im 19. Jh. entwickelte sich das Rosenwunder zu dem mit Abstand beliebtesten Motiv aus Elisabeths Vita. Friedrich Wilhelm Müller schuf 1826 ein hochromantisches Aquarell.

Die massenhafte Verehrung Elisabeths nahm nach ihrem Tod rasch zu. Bereits wenige Jahre nach ihrer Bestattung gelangten Reliquien in die Zisterzienser-Klöster Eberbach und Tiefenthal im Rheingau sowie in das Prämonstratenserinnen-Kloster Altenberg bei Wetzlar und das Franziskaner-Kloster in Fritzlar. Die vier Klöster und der Deutsche Orden sorgten gezielt für eine weite Verbreitung des Elisabeth-Kultes in Hessen und darüber hinaus im mittleren Deutschland.

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Das ehemalige Prämonstratenserinnen-Kloster Altenberg bei Wetzlar. (Foto: Römer)

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Das ehemalige Franziskaner-Kloster in Fritzlar. (Foto: Römer)

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Auch die Familie der Landgrafen von Hessen war nicht untätig. Sie stiftete Kirchen, Altäre und geistliche Institutionen und stellte sie unter die Schutzherrschaft ihrer Ahnfrau, zum Beispiel die Säkularkanonikerstifte "Auf der Freiheit" in Kassel und in Rotenburg/Fulda. Wegen ihrer Verwandtschaft zum böhmischen Königshaus wird Elisabeth in den ersten Jahrzehnten nach ihrem Tod auch dort verehrt.

In Thüringen hatten die neuen Landesherren aus dem Hause Wettin allerdings kein Interesse an der Verbreitung des Elisabeth-Kultes. Die dortigen Elisabeth-Schirmherrschaften stammen erst aus dem 19. und 20. Jh.