Stiftskirche Windecken

Kirchplatz 1
61130 Nidderau

Informationen zur Kirche

Sehenswertes

Beim Betreten der Kirche durch das Hauptportal fällt der Blick auf den Altar hinter dem Triumphbogen. Das Eisen­gitter, das hier früher das Schiff vom Chor trennte, ist längst verschwunden. Im Schlussstein des Bogens das Wappen der Stadt Windecken (rote Sparren auf goldenem Grund), auf sei­ner Rückseite die Jahreszahl 1497.

An der rechten Seite befindet sich die Kanzel mit schönem Sandstein-Fuß und hübschem Schalldeckel.

In unmittelbarer Nähe davon das moderne Taufbecken mit eingearbeiteter Taube, dem Symbol des Heiligen Geistes.

Rechts davon steht noch ein Sandsteinblock mit folgender Inschrift: \"Herr Carl Wilhelm Zimmermann, Prediger, starb nach acht Jahren seines verdienstvollen Wirkens dahier, den 31. Mai 1823. Darum weihte die evangelische Gemeinde ih­rem Lehrer, die israelitische dem Menschenfreund dieses Denkmal. \" Der Text lässt erkennen, dass zu dieser Zeit das Nebeneinander von Christen und Juden ungetrübt war.

Links vom Triumphbogen befindet sich ein Christustorso aus dem 13. Jahrhundert, der vielleicht vom benachbarten, 1542 geschlossenen Friedhof stammt.

Hinter dem Altar der neugotische Prospekt der ehemaligen Ratzmann-Orgel aus dem Jahr 1895. Sie wurde 1975 durch eine Walcker-Orgel ersetzt und 2001 um fünf auf den einst vorgesehenen Umfang von 23 Registern erweitert. Jetzt hat sie 1462 Pfeifen und einen fahrbaren Spieltisch, so dass zu besonderen Anlässen für Chöre und Orchester auf der Empore genügend Platz geschaffen werden kann.

In der Kirche ganz links ist eine rundbogige, ehemalige Altar­nische mit einem Wandtabernakel zu sehen. Die Verzierungen am unteren Teil wurden abgeschlagen, jedoch sind das ur­sprüngliche Gehäusegitter mit den sich rautenförmig überkreuzenden Bändern, die durch auf genietete Blütenrosetten fixiert sind, sowie das Schloss und die Verriegelung praktisch unversehrt erhalten geblieben.

Wer sich auf die Empore bemüht, entdeckt drei Ölgemälde, die aus der Reinhards-Kirche stammen. Sie sind nicht signiert, so dass die (oder der) Künstler unbekannt sind.

Als Vorlage für \"Die Kreuzigung\" diente ein Kupferstich von Schelte Uythema (1586-1659), der nach einem Gemälde des flämischen Barockmalers Jacob Jordaens (1593-1678) gefertigt wurde. Es zeigt links den Evangelisten Johannes, rechts Maria mit blauem Madonnenmantel, sitzend vorne Ma­ria Magdalena, dahinter Salome mit Kind sowie Maria, die Jesus aus Galiläa gefolgt waren. Der Titulus an der Spitze des Kreuzes lautet „Jesus von Nazareth, der Juden König\" in hebräisch, griechisch und lateinisch.

Vom benachbarten Gemälde, \"Die Auferstehung\", ist keine Vorlage bekannt, jedoch ist davon auszugehen, dass dem Künstler ein Kupferstich als Vorlage diente, der auch auf Jor­daens zurückgeht. Die Bilddiagonale bildet der offene Sarko­phag und der in vollendeter Auferstehung davon schwebende Christus. Im Vordergrund sind schlafende oder erschrockene römische Soldaten zu erkennen, die sich mit Entsetzen ab­wenden.

Das dritte Gemälde, ein Tafelbild, ebenfalls seitenverkehrt, geht auf Paul Peter Rubens zurück, der wiederum seine Anre­gung hierzu von Tizian hatte. Es trägt den Titel \"Der Zins­groschen\" und zeigt acht reiche, orientalische Gewänder tra­gende Männer, die sich in geduckter Haltung auf den Gro­schen in der Bildmitte konzentrieren, den einer Christus zeigt. Sie versuchen, ihn zu einer politisch belastenden Aussage zu bringen, er aber antwortet mit erhobener Hand - wie auf dem Schriftband zu lesen ist, \"So gebet dem Kaiser, was des Kai­sers ist, und Gott, was Gottes ist\".

Das Buntglasfenster über dem Haupteingang wurde 1923 zum 100. Todestag des ehemaligen Pfarrers Zimmermann in der Mayer\'schen Hof-Kunstanstalt in München gefertigt und trägt die Widmung: \"Zur Erinnerung an Stiftsprediger Karl Wil­helm Zimmermann, geb. 24.XII.1787. gest. 31.V.1823; gestif­tet von seinem Enkel Carl Zimmermann in London.\" Es zeigt die Apostel Johannes und Paulus nach einem Gemälde von Albrecht Dürer. Besondere Aufmerksamkeit verdient die wei­ße Taube rechts oben im Bild, die unmittelbar nach dem Ab­leben des Pfarrers aus dem Sterbezimmer geflogen sein soll.

Das andere Buntglasfenster stifteten 1895 die Nachkommen des im Jahr zuvor verstorbenen Metropolitans Ullrich. Es zeigt Christus als guten Hirten in einer gotischen Portalarchi­tektur stehend und trägt die Inschrift: \"Zur Erinnerung an Karl C. Ullrich, Metropolitan & Stiftsprediger dahier. Geh. 28. VI. 1809. Gest. 27. VIII. 1894.\"

Rechts davon wurde bei den Renovierungsarbeiten an der Wand der zum Nachdenken anregende Vers aus Psalm 23 \"Mir wird Nichts mangeln\" entdeckt und restauriert.

Geschichtliches

Die Ersterwähnung einer \"capella nova\" im Jahr 1282 verrät bedauerlicherweise nicht das genaue Jahr der Fertigstellung, lässt aber keinen Zweifel, dass es hier bereits zuvor ein Got­teshaus gegeben hat.

Obwohl dem Ort schon 1288 Stadt- und Marktrechte verlie­hen worden waren, gehörte Windecken noch über 200 Jahre zur Pfarrei Ostheim. 1489 wurde aus der Tochterkirche eine eigene Pfarrei und aus der Kapelle wurde die Stadtpfarrkir­che. Damals wurden zahlreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Die Kirche erhielt einen Turm, der 1484 vollendet wurde, um 1497 wurden die Seitenschiffe angebaut und der Chor erwei­tert. Vermutlich erst jetzt bekam die Kirchengemeinde auch ihr erstes Geläut und fortan musste nicht mehr mit den beiden Schlüsseln des Heiligen Petrus, dem ein zweites Gotteshaus in Windecken - die obere Kapelle auf dem Schlossberg - ge­weiht war, gerappelt werden, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen.

1546 wurde Windecken evangelisch. 50 Jahre später setzte Graf Philipp Ludwig 11 von Hanau-Münzenberg das refor­mierte Bekenntnis durch und ließ Bildwerke, Kirchen­schmuck und Altäre rigoros aus den Kirchen entfernen. Ne­ben dem Hauptaltar, der dem Heiligen Cyriacus geweiht war, gab es davor vier Seitenaltäre für St. Maria, für Hl. Kreuz, für St. Georg und St. Katharinen, sowie für die Hl. Dreieinigkeit (Trinitatis).

Im 30-jährigen Krieg, insbesondere in den Jahren 1634, 1635 und 1638 wurde die Kirche stark zerstört. Es währte über 80 Jahre, bis alle Schäden beseitigt waren. So erhielt erst 1706 der Turm einen neuen, jetzt 23 Meter hohen und dreifach ge­stuften Haubenhelm auf dem 35 Meter hohen gemauerten Teil und 1720 konnten dann schließlich auch die Decken und pro­visorischen Dächer der beiden Seitenschiffe wieder instandgesetzt werden, so dass nun alle Schäden aus dem Krieg von 1618-1648 beseitigt waren.

1690 hatte sich Reichsgraf Friedrich Kasimir von Hanau, der Lutheraner war, von Kaiser Leopold I die freie und vollstän­dige Religionsausübung in der Grafschaft Hanau-Münzenberg bestätigen lassen, so dass 1722 mit dem Bau einer lutheri­schen Kirche, der so genannten Reinhards-Kirche begonnen werden konnte. Sie hat für unsere Stadtpfarrkirche einige Be­deutung, weil bei den Lutheranern in gewissem Umfang wie­der Kirchenschmuck gestattet war, der nach der Vereinigung von Reformierten und Lutheranern im Jahre 1818 und nach der Niederlegung des Gotteshauses im Jahre 1834 in die Stiftskirche kam.

Die Bezeichnung Stiftskirche taucht in den alten Unterlagen erstmals 1819 auf, um sie nach der \"Hanauer Union\" von der ehemaligen lutherischen, einer Reinhards-Kirche, zu unter­scheiden.

Nach verschiedenen Renovierungen in der Folgezeit wurden in den Jahren 1995 bis 2001 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen getroffen. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wurden unter anderem das Kirchendach erneuert und der In­nenraum renoviert, so dass die Kirche in ihrem jetzigen Zu­stand in der ihr eigenen Art zu einer der schönsten Kirchen weit und breit gezählt werden darf.

Hinweise

Die Kirche ist zur Marktzeit, donnerstags von 15-17 Uhr, zur Besichtigung und Andacht geöffnet.
Nähere Informationen: www.stiftskirche-windecken.de

Weitere Informationen

  • Bei uns kann man in der Bibel lesen.
  • Wie bieten Führungen an.
  • Wir sind eine Station auf einem Pilgerweg.
  • Wir sind auf behinderte Menschen eingestellt.
  • Bei uns gibt es Angebote für Kinder.
  • Wir haben eine Toilette im Umkreis von 100m.

Öffnungszeiten

Donnerstag von 15:00 bis 17:00 Uhr

Gottesdienst:
regulär sonntags 10 Uhr, aktuelle Informationen auf der Homepage und in der Tagespresse

Infokontakt

Evang. Kirchengemeinde Windecken, Pfrin. Dr. F. Erichsen-Wendt
pfarrerin@stiftskirche-windecken.de
06187-3775

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:
www.stiftskirche-windecken.de

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