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Die heiligen Schriften der Weltreligionen

Frankfurt a.M. (epd). In den heiligen Schriften der Weltreligionen verdichtet sich die religiöse Erfahrung der Menschheit. Im Glauben der Religionen haben die Texte oft göttlichen Ursprung: Gott selbst hat den Text geschrieben, Auserwählten diktiert oder per Inspiration einzelnen Menschen eingegeben. Viele Werke enthalten Anweisungen zur ethischen Lebensführung und Gebote zur sozialen Ordnung.

Die Texte sind jedoch nicht vom Himmel gefallen. Wie die historische Forschung zeigt, ging der Niederschrift der religiösen Literatur oft eine zum Teil jahrhundertelange mündliche Überlieferung voraus. An den heiligen Texten darf auf Grund ihrer Autorität nichts mehr verändert oder hinzugefügt werden.

Thora und Talmud: Die Grundschriften des Judentums dokumentieren die Geschichte Gottes mit dem Volk Israel. Sie sind das kulturelle und religiöse Gedächtnis der Juden. Die Thora (Lehre) enthält die fünf Bücher Mose. Der um 500 nach Christus abgeschlossene Talmud (Belehrung) erläutert die Thora. Die Thora entwickelte sich aus Liedern, Geboten und Gebeten seit der Frühzeit des Judentums vor mehr als 3.000 Jahren. Eine hebräische Textsammlung mit den Propheten, Psalmen und anderen Texten wurde 100 nach Christus abgeschlossen.

Bibel: Die Bibel mit ihrer Aufteilung in das Alte und Neue Testament ist die Heilige Schrift aller Christen. Bis zum vierten Jahrhundert wurden die Haupttexte des Judentums und die Berichte über das Leben Jesu (Evangelien) und seine Heilsbotschaft von der Nähe Gottes zu den Menschen im «Buch der Bücher» vereint. Die Geschichte des Christentums beginnt nicht mit der Bibel. Im Neuen Testament, das im ersten Jahrhundert nach Christi entstand, legen vielmehr die ersten Christen Zeugnis ab von ihrem Glauben an die durch Jesus Christus vermittelte Gnade Gottes.

Koran: Die grundlegende spirituelle Schrift des Islam entstand in der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts nach Christus im Westen der arabischen Halbinsel. Darin findet sich nach dem Glauben der Muslime die abschließende Botschaft Gottes an die Menschheit. Diese soll dem Propheten Mohammed (um 570 bis 632 nach Christus) offenbart worden sein. In den 114 Kapiteln (Suren) des Koran (Rezitationsbuch) sind auch jüdische und christliche Einflüsse erkennbar.

Pali-Kanon und Sutras: Im Buddhismus sind vor allem Texte heilig, die die Lehre Buddhas (um 560 bis um 480 vor Christus) von der Überwindung des Leidens enthalten. Der ältere Theravada-Buddhismus basiert auf dem Pali-Kanon. Die in einem alten indischen Dialekt verfasste Sammlung entstand ab dem dritten Jahrhundert vor Christus und enthält unter anderem Ordensregeln und Reden. Der jüngere Mahayana-Buddhismus bezieht sich zudem noch auf zwischen 100 vor und 500 nach Christus entstandene Sutras (Leitsätze) mit Lehren Buddhas.

Veden: Hinduismus ist ein Sammelbegriff für die reiche Vielfalt religiöser Ideen des indischen Subkontinents. Eine hinduistische Grundschrift sind die um 1.000 vor Christus verfassten Veden (Heiliges Wissen) in Sanskrit. Sie gelten als die ältesten Bücher in der Bibliothek der Menschheit. Ab etwa 800 vor Christus entstanden die Upanishaden. Als umfangreichste Dichtung der Weltliteratur gilt das zwischen 400 vor und 400 nach Christus entstandene Mahabharata- Epos mit über 100.000 Doppelversen. Darin ist auch die Bhagavadgita enthalten, Indiens bekannteste und einflussreichste heilige Schrift.

Tao Te King: Das chinesische Tao Te King vom Leben im Einklang mit den Gesetzen der Natur wird in der Tradition des Taoismus dem legendären Heiligen Laotse zugeschrieben. Der Philosoph soll im vierten oder dritten Jahrhundert vor Christus gelebt haben. Teil der taoistischen Weisheitsliteratur Chinas ist auch das im Westen stark beachtete I Ging oder «Buch der Wandlungen». Die ältesten Teile des Orakelbuchs sollen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus stammen.

Neue Religionen: Auch in den vergangenen zwei Jahrhunderten sind neue religiöse Bewegungen entstanden. Am Anfang steht oft die Veröffentlichung einer für die jeweilige Gemeinschaft heiligen Schrift. So zum Beispiel das «Buch Mormon» der Mormonen - der «Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage». Es beruht nach dem Glauben der Mormonen auf Visionen und der Übersetzung alter Schriftzeichen durch den Religionsstifter Josef Smith (1805-1844).

2005-10-27

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