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Rücksicht auf türkische Mitarbeiter:
Im muslimischen Fastenmonat Ramadan ticken die Werksuhren anders

Von Marion Menne (epd)

Köln (epd). Wenn die Bänder still stehen in der Werkshalle von Ford in Köln-Niehl und die Männer sich an die Pausentische setzen, ist in diesen Tagen nicht für jeden Brotzeit angesagt. Gläubige Muslime halten sich im Fastenmonat Ramadan an das Gebot, nicht zu essen, zu trinken, zu rauchen, solange die Sonne am Himmel steht. Damit sie noch vor Sonnenaufgang und direkt nach Sonnenuntergang etwas zu sich nehmen können, tickt die Pausenuhr bei Ford im Ramadan anders - auch für die deutschen Kollegen.

Das sei schon jahrelang so und kein großes Thema, sagt Saban Senuysal (34), der mit seinem Gabelstapler dafür sorgt, dass die Kollegen an den Bändern immer genug Material haben. 1981 kam er aus der Türkei nach Deutschland, 1986 zu Ford. Seit fünf Uhr morgens habe er heute gefastet, erzählt er. Die neunminütige Pause gleich am Abend sei von 18.20 Uhr auf 17.30 Uhr vorverlegt worden. Denn nach dem Ramadan-Kalender enden die Fastentage in diesem Jahr ab 17.24 Uhr.

Wie immer hat die «Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion» (DITIB) als größter islamischer Verband im Bundesgebiet die Ramadan-Zeiten herausgegeben. Die Uhrzeiten ändern sich von Tag zu Tag, von Ort zu Ort. Bei Ford bekommt das Betriebsratsmitglied Mustafa Cözmez den Kalender auf den Tisch und regelt die neuen Pausen mit den Werksleitern. «Das hat sich schon eingespielt», versichert Cözmez. Der Betriebsfrieden sei dadurch nicht in Gefahr.

«Jeder weiß, der Job ist nur gemeinsam zu bewältigen», sagt Schichtleiter Frank Genaehr. Und ein anderer Kollege, Celal Ulus, meint, er habe Respekt vor Muslimen, die fasten wollten. Ulus ist Deutscher türkischer Abstammung und hält schon lange nicht mehr den Ramadan ein. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland geht davon aus, dass die Hälfte der etwa drei Millionen Muslime in Deutschland fastet. Ford-Betriebsrat Cözmez berichtet, die Zahl der strenggläubigen Mitarbeiter nehme immer mehr ab. «Im Werk fasten vielleicht noch 30 bis 40 Prozent der Türken», schätzt er. Nach Angaben von Ford sind 4.200 von den 20.600 Mitarbeitern türkischer Nationalität. Im Ramadan fahren viele deutsche Firmen, die in muslimischen Ländern produzieren, ihre Arbeitsleistung zurück, heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). «Es ist die Zeit der Familienfeste, ähnlich wie bei uns die Weihnachtszeit», so Jochen Münker, der für arabische Länder zuständig ist.

Auch wer in Deutschland für einen türkischen Betrieb arbeitet, bekommt frei, um abends mit der Familie gemeinsam essen zu können. Das sagt jedenfalls der Geschäftsführer des Bundes der Türkisch-europäischen Unternehmer (Hannover), Ahmet Güler. Die Unternehmer selbst geben traditionell festliche Essen für Geschäftsleute und Kunden.

Der Ramadan endet am 25. November. Für Saban Senuysal und alle anderen bei Ford wird es dann wieder eine kleine Feier geben - mit Süßigkeiten auf den Fließbändern auch für die nichtmuslimischen Kollegen. (30.10.2003)

2005-10-27

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