Aufruf zu Besonnenheit und Geduld

Statement von Stadtdekanin Barbara Heinrich anlässlich der Pressekonferenz am 18. März 2021 zur geplanten "Querdenker"-Demonstration in Kassel am 20. März 2021:

"Kirche als Gemeinschaft von Christinnen und Christen widerspricht jeder Form von Extremismus, Antisemitismus oder gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und tritt für Demokratie und ein gelungenes Miteinander ein. Wenn “alternative Wahrheiten”, “Fake Facts” und Sündenbockmentalitäten als Grundlage für Verschwörungsideologien dienen, entstehen Welterklärungsmodelle, die gefährlich für unser Zusammenleben sind und Gewalt säen. Sie zerstören Vertrauen und Mitmenschlichkeit, die Grundpfeiler unserer Gesellschaft sind.

Freiheit muss aus christlicher Sicht immer nicht nur die eigenen Rechte, sondern auch die der anderen im Blick haben. Nichtbeachtung der Corona-Regeln gefährdet Menschenleben und missachtet die Schutzrechte vieler Menschen, vor allem der Menschen, die ein besonderes gesundheitliches Risiko haben. Das fördert nicht Freiheit, sondern Krankheit.

Freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, für dessen Wahrung wir uns als evangelische Kirche einsetzen. Aber eine Demonstration, zu der bundesweit in Zeiten steigender lnzidenzzahlen eingeladen wird und bei der damit zu rechnen ist, dass die Corona-Regeln nicht beachtet werden, ist nicht zu verantworten.

Zusammenhalt heißt aus kirchlicher Sicht, die Corona-Regeln so lange aushalten, bis genug Impfstoff für alle da ist und die lnzidenzzahlen gering bleiben. Zusammenhalt heißt nicht, sich über Regeln hinwegzusetzen, die zwar einschränken, aber auch schützen.

Als evangelische Kirche rufen wir zusammen mit anderen zu Besonnenheit und Geduld auf und vertrauen darauf, dass wir diese Krise gemeinsam bewältigen werden, statt sie zu ignorieren."

(18.03.2021)