«VISION | AUDITION»

Seit einem Vierteljahrhundert reagiert die Evangelische Kirche auf die aktuellen Tendenzen der zeitgenössischen Kunst durch die Veranstaltung von Begleitausstellungen zur documenta. Waren es zunächst thematische Ausstellungen zu religiösen Themen, so werden seit 1997 Künstlerinnen und Künstler mit autonomen Arbeiten in den Raum der Kirche eingeladen.

Die Begleitausstellung zur documenta 12 geht der Frage der Aktualität von Wort, Bild und Klang in einem künstlerisch religiösen Experiment nach, bei dem in der Martinskirche und der Karlskirche internationale Künstler arbeiten. Vision | Audition bezeichnen religionswissenschaftlich ein übernatürliches bzw. prophetisches Sehen und Hören in Form von Bildern, Tönen und Stimmen.

In der Moderne artikuliert sich diese besondere Wahrnehmung über die Wirklichkeit hinaus in der Bildenden Kunst und der Musik. In der Medienkunst kommt beides als Audiovision zusammen.

Wenn der Bereich der Bildenden Künste durch die Neuen Medien auf eine neue Grundlage gestellt wurde, dann muss die Medienkunst auch im Bereich der Kirche und im religiösen Raum erkundet werden. Der Herausforderung durch die Medienkunst hat sich die Kirche noch nicht gestellt, obwohl in der Medienkunst religiöse Fragen eine besondere Rolle spielen.

Insoweit die Medienkunst zugleich die mit der Moderne aufgekommene Frage nach der Bedeutung des Bildes stellt, sind Kirchen mit ihren ästhetisch ebenso ausgezeichneten wie reduzierten Räumen (White Cube) besondere Begegnungsorte.

Dr. h. c. Andreas Mertin, Kurator der Ausstellung

 

 

Meldungen und Fotos:

Auf der Website der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck finden Sie Meldungen zur Ausstellung und Fotos:

» www.ekkw.de

Ausstellungsorte:

» Karlskirche
» Martinskirche

 

Die Martinskirche. (Foto: medio.tv/Fischer)
Die Türme der Martinskirche.
(Foto: medio.tv/Fischer)
Die Karlskirche. (Foto: medio.tv/ Fischer)
Die Karlskirche. (Foto: medio.tv/Fischer)

Ausstellungsort KARLSKIRCHE

In der Karlskirche reflektiert Yves Netzhammer in einem explizit für diesen Raum geschaffenen Medienkunstwerk das Verhältnis von Bild und Klang. Dabei wird die gesamte Kirche zum Experimentierfeld des Künstlers.

Dr. h. c. Andreas Mertin, Kurator der Ausstellung, zur Idee:

Grundriss der Karlskirche"In den letzten Jahren gab es eine Fülle von religiösen und künstlerischen Experimenten mit dem Format des Triptychons bzw. des Altarbildes. Die Landeskirche Hannover hat damit gearbeitet, aber auch Pater Friedhelm Mennekes in Köln. In der Geschichte der Begegnung des Protestantismus mit den Medien und der Kunst hat der Protestantismus immer auch auf neue Formen der Medien- und Kunstentwicklung gesetzt bzw. sich zumindest offen für sie gezeigt.

Im Blick auf die documenta 2007 in Kassel wird nun vorgeschlagen, in einem bisher einzigartigen religionsästhetischen Experiment der Entwicklung der Künste in den letzten 30 Jahren Rechnung zu tragen und temporär eine Videoinstallation als Altarbild in der Karlskirche als einer weiterhin religiös genutzten Kirche reformierter Tradition zu präsentieren.

In mehrfacher Hinsicht wäre das eine Arbeit auf der Grenze: Es stellt theologisch und liturgisch eine gegenüber dem konventionellen Altarbild besondere Herausforderung dar, da eine Videoarbeit eine zugleich fokussierende wie irritierende Wirkung hat. Sie etabliert ein weiteres Aktivitätszentrum im religiösen Raum, das vermutlich mit der Wahrnehmung mittelalterlicher Bilder bedingt vergleichbar ist.

Es geht dabei aber nicht um eine technische Spielerei, sondern um die Fortschreibung religionsästhetischer Prozesse. Gerade die Tatsache, dass die Karlskirche in einer bildkritischen reformierten Tradition steht, macht das Projekt einzigartig. Voraussetzung für das Gelingen wäre, dass es sich um ruhige, kontemplative und narrative Bildabläufe handelt, die sich zum liturgischen Ablauf des Gottesdienstes relationieren lassen.

Nach ersten Vorgesprächen könnte Yves Netzhammer sich gut vorstellen, im mündlich bereits skizzierten Rahmen unseres Konzepts explizit eine neue Arbeit für die Karlskirche zu entwickeln und vor Ort zu inszenieren. Die Arbeit umfasst auch eine spezifische Klangkomposition eines jungen Komponisten."

 

Ausstellungsorte:

» Karlskirche
» Martinskirche

 

Blick aus der Karlsstraße auf die Karlskirche. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Blick aus der Karlsstraße auf die Karlskirche. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Carillon im Turm der Karlskirche. (Foto: medio.tv/Fischer)
Carillon im Turm der Karlskirche.
(Foto: medio.tv/Fischer)
Der Innenraum der Karlskirche . (Foto: medio.tv/Schauderna)
Der Innenraum der Karlskirche . (Foto: medio.tv/Schauderna)

Ausstellungsort MARTINSKIRCHE

In der Martinskirche soll das Thema durch Inszenierungen verschiedener Medienkünstler bearbeitet werden. So geht Sigalit Landau (1) dem Klang des Blicks und dem Bild des Klanges nach. Eine Videoarbeit von Patrycja German (2) inszeniert eine zeichenhafte Handlung. Im Zentrum der Martinskirche präsentiert Jay Schwartz (3) eine Installation, die den Klangraum der Kirche bis an die Grenzen auslotet.

Im Chorraum der Kirche zeigt Julia Oschatz (4) eine Konstellation von Medienkunst und Malerei.

Dr. h. c. Andreas Mertin, Kurator der Ausstellung, zur Idee:

Grundriss der Martinskirche"In der Martinskirche soll verteilt über den Gesamtraum der Kirche eine Spannungs- und Erfahrungsgefüge von Bild, Klang und Wort aufgebaut werden. Die Besucher sollen nach dem Betreten der Kirchen verschiedene Zonen durchlaufen, die den Klangraum Kirche, den Wortraum Kirche und den Sehraum Kirche simultan oder je für sich spezifisch erfahren lassen.

Gleichzeitig soll dabei nach der Bedeutung, der Wahrnehmung, aber auch dem Wahrheitswert von Bild, Klang und Wort in der Kultur der Gegenwart gefragt werden.

Im Eingangsbereich der Kirche wird mit einer reduzierten, aber eindringlichen Videoarbeit von Sigalit Landau (1) die Fragestellung exponiert. Im Turmraum wird eine Performancearbeit von Patrycja German (2) zu sehen sein.

Im zentralen Kirchenschiff soll eine größere Klangkunstinstallation mit Tamtams platziert werden, die raumfüllend mit Klang arbeitet. Diese große Installation wird der Komponist Jay Schwartz (3) gestalten.

Im Chorraum der Martinskirche wird es eine raumgreifende Mal- und Videoinstallation von Julia Oschatz (4) geben, die der Frage der Bedeutung des besonderen Bildes in einer von Bildern geprägten Welt, aber auch der Bedeutung des Bildes im Gegenüber zu Wort und Klang nachgehen.

Was können Kunst-Bilder bzw. Medienkunstwerke zeigen, was das Wort, die Musik, der Klang, aber auch die Realität abbildende Bilder nicht zeigen können?"

 

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Ausstellungsorte:

» Karlskirche
» Martinskirche

 

Die Türme der Matinskirche. (Foto: medio.tv/Fischer)
Die Türme der Matinskirche. (Foto: medio.tv/Fischer)
(Foto: medio.tv/Schauderna)
(Foto: medio.tv/Schauderna)
(Foto: medio.tv/Fischer)
(Foto: medio.tv/Fischer)