In der Regel schließt sich an das Studium das Vikariat an (vergleichbar dem Referendariat in der Juristen- und Lehrerausbildung). Das Vikariat ist die praktisch- theologische Ausbildung für den Beruf der Pfarrerin bzw. des Pfarrers. Der praktische Vorbereitungsdienst dauert in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-
Waldeck 26 Monate. Gottesdienst, Seelsorge, Unterricht und Gemeindeleitung sind die zentralen Inhalte der Ausbildung.

Vikarinnen und Vikare lernen unter der Anleitung erfahrener Mentorinnen und Mentoren

  • die pfarramtliche Praxis kennen,
  • Gottesdienste gemeinsam mit der Gemeinde zu feiern,
  • Religions- und Konfirmandinnen-/Konfirmanden-Unterricht zu erteilen,
  • bei Haus- und Krankenbesuchen sowie bei Gesprächen "über den Gartenzaun"
    Menschen im Alltag ihres Lebens, aber auch in Krisensituationen zu begleiten,
  • Verantwortung in Leitung und Mitarbeiterinnen-/Mitarbeiter-Führung zu übernehmen.

Ziel der Ausbildung ist es,

  • die Freude am Beruf zu wecken,
  • sich selbst in verschiedenen Handlungsfeldern zu erproben,
  • eine persönliche und pastorale Identität zu entwickeln.

Ein Teil der Ausbildung findet im Predigerseminar in Hofgeismar statt. Dort werden Lernprozesse angestoßen und reflektiert. In Gruppenarbeit besprechen die Vikarinnen und Vikare ihre Praxiserfahrungen und werten sie gemeinsam aus. Die praktisch-theologische Ausbildung endet mit der Zweiten Theologischen Prüfung.

Theologinnen und Theologen können auch in Berufen außerhalb von Kirche arbeiten,
zum Beispiel

  • im diakonisch-sozialen Bereich,
  • im Medienbereich,
  • in der Personal- und Organisationsentwicklung von Profit- und Nonprofit-Unternehmen.
  • Manche machen sich selbständig (z. B. als Personal-Beraterin/Berater).
  • Einige schlagen die wissenschaftliche Laufbahn ein.

 

 
 
 
"Sich gemeinsam mit Schülern auf die Suche nach Orientierungszeichen und Wegmarken begeben, die sich als verlässlich erweisen. Und die dabei helfen, das eigene Leben glaubwürdig und authentisch zu gestalten. Gesprächsbereit sein, Fragen stellen, gemeinsam nach Antworten suchen, nicht schon alles vorweg wissen, die eigenen Zweifel und Fragen nicht beiseite schieben, in die Schuhe der Schüler steigen... Lehrer, die das können, sind offen für ihre Schüler. Sie können es sich leisten, Meinungen gelten zu lassen, die ihrer eigenen völlig widersprechen. Sie setzen nicht voraus, dass jeder Schüler vom christlichen Glauben überzeugt ist, sondern wollen ihre Schüler mit auf einen Denkweg nehmen, der ihnen Orientierungen für ihr Leben aufzeigt. Manchmal reicht es, wenn Lehrer lediglich darauf bestehen, dass man die Bibel und die Menschen, die in ihr zu Wort kommen, genau so ernst nimmt, wie man selbst ernst genommen werden möchte. Manchmal ist es schon viel, wenn Schüler merken: In der Bibel steht nicht antiquierter Unsinn, sondern da reden Menschen wie wir, mit ähnlichen Problemen, Hoffnungen, Klagen und Gefühlen. Und sie haben immerhin bemerkenswerte Erfahrungen gemacht. Wenn Schüler das verstanden haben, dann ist eine Religionsstunde keine vergeudete Zeit."

Wenn Sie mehr über den Beruf des Religionslehrers beziehungsweise der Religionslehrerin wissen wollen, empfehlen wir Ihnen eine Broschüre, die (wie dieses Heft) als Studien- und Berufsinformation von einer Arbeitsgruppe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erarbeitet wurde. Das Zitat ist dieser Broschüre entnommen. Sie erhalten Sie bei Ihren Landeskirchenämtern, bei den Theologischen Fakultäten und über die für den Religionsunterricht Verantwortlichen Ihrer Region.



 
 
 
Seit zehn Jahren bin ich Klinikpfarrer. Ich sehe für die Kirche eine große Chance darin, im Krankenhaus Menschen seelsorgerlich zu begleiten, die in der Ungewissheit ihrer Krankheit auf Heilung hoffen oder das unabwendbare Ende ihrer Lebenszeit kommen sehen. Das Vertrauen vieler Patienten und Mitarbeiter in die seelsorgerliche Tätigkeit ist für mich genauso ermutigend wie das Interesse der anderen Berufsgruppen im Krankenhaus an Zusammenarbeit und interdisziplinärem Dialog. Und es ist bewegend, wenn Menschen durch Seelsorge Kräfte des Glaubens in sich entdecken - unabhängig davon, wie nah oder fern sie der Kirche stehen.

Fried Eisenberg


 
 
 
"Hallo, Herr Pfarrer ...!" höre ich oft eine fröhliche Kinderstimme, wenn ich im Dorf unterwegs bin. Ich bin gerne Pfarrer in "meinen" zwei kleinen Dörfern in der Rhön. Hier ist die Kirche noch ein wichtiger Faktor
für das Leben im Dorf. Ganz selbstverständlich beginnen zum Beispiel Feste und Vereinsversammlungen mit einem Grußwort des Pfarrers oder einer Andacht. Auch bei kommunalpolitischen Entscheidungen, etwa bei der Einrichtung eines Raumes für die Jugendlichen, darf die Kirche mitreden. Das bedeutet für mich: Hier kann ich mit den Menschen gemeinsam am Wohl der Gemeinde arbeiten und Feste feiern.
So ist es auch umgekehrt: Auf die Leute hier ist Verlass, wenn ich Hilfe und Mitarbeit brauche. Die meisten meiner Gottesdienstbesucherinnen und -besucher kenne ich persönlich. Wohltuend empfinde ich es,
dass hier auch weniger Traditionelles angenommen wird: So treffen sich viermal im Jahr 200 - 300 Menschen im Alter von 4 bis 84 Jahren aus der ganzen Region, um zusammen "Lichtblickgottesdienst" - ein Gottesdienst mit Band, aktuellen Themen und vielen kreativen Elementen - zu feiern. Ich lebe und arbeite gerne als Pfarrer im Dorf.

Henning Porrmann

 
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