Herrn N.'s beste Idee
Herrn N.’s beste Idee
Sommerlicher Open-Air-Gottesdienst für Kleine und Große
Zu 1. Mose 7-9
Christiane Berthold-Scholz
Setting: Auf einem (Altar-)Tisch ist gut sichtbar eine Spielzeug-Arche aufgebaut (aus dem Kindergarten oder Privatbesitz), zunächst ohne Figuren. Gegen Ende wird ein Regenbogenschal benötigt (oder eine Stoffbahn, mit Regenbogen bemalt). Im Laufe der thematischen Entfaltung (s.u. 6.) kommen die Figuren und der Schal ins Spiel. Die biblischen Lesungen sollten aus einer „richtigen“ Bibel erfolgen, nicht aus dem Ringbuch der Pfarrerin. Die Bibel liegt sichtbar bei der Spielzeug-Arche auf dem Tisch. Bei Lesung und Schlussgebet können Mitarbeitende einbezogen werden. Zum Abschluss erhalten die anwesenden Kinder ein Büchlein mit der Sintflutgeschichte (Aus der Reihe „Was uns die Bibel erzählt“) zum Mitnehmen geschenkt .
1. Musik
2. Begrüßung und Votum
Herzlich Willkommen, liebe Gemeinde. Was wir tun in dieser Stunde, geschieht zu Gottes Ehre und in seinem Namen: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Die Wunder von Gottes Schöpfung besingt unser erstes Lied. Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr – lasst uns singen
3. EG 504 Himmel, Erde, Luft und Meer
4. Psalm 36 EG 719 im Wechsel oder von allen gemeinsam gesprochen
5. EG 272 Ich lobe meinen Gott
6. Entfaltung des Themas mit bibl. Lesungen aus Genesis 7-9
Die Natur – ist nicht nur wunderbar. Die Natur kann auch schrecklich sein. Wer einmal ein heftiges Gewitter erlebt hat, Blitz und Donner, Sturzbäche von Regen, der weiß, was ich meine. Da brechen Gewalten los, über die wir Menschen nicht Herr sind. Die kommen und dann gehen sie wieder. Und ein Gewitter gehört noch zu den harmloseren Erscheinungen, (obwohl ein Blitzschlag ins eigene Haus gar nicht witzig ist). Es gibt Wirbelstürme, Erdbeben, Tsunamis (Vor einigen Jahren kannten wir dieses Wort noch gar nicht, seitdem ist mehrfach einer passiert!).
Früher haben die Menschen geglaubt, die Gewalt in der Natur sei Ausdruck von Gottes Zorn. „Wenn’s donnert, schimpft der liebe Gott“. Ein Sprichwort, das auch hier in der Gegend geläufig war – oder sogar noch ist?
Als im März das grauenvolle Erdbeben und Seebeben in Japan passierte, wo eine ganze Region verwüstet wurde und ein Kernkraftwerk aus den Fugen geriet mit unabsehbaren bösen Folgen – da konnte man es sogar hier in der Zeitung lesen, dass Menschen, Politiker sogar spontan sagten: Das ist die Strafe Gottes. Oder so ähnlich. (Der Politiker soll sich später öffentlich für diesen Satz entschuldigt haben.)
Strafe Gottes? Zorn Gottes?
Weil die Kräfte der Natur für uns Menschen letztlich unberechenbar und unbeherrschbar sind, weil unsere Erde ein lebendiger Organismus mit einer Art „Eigenleben“ ist, deshalb kommen Menschen überhaupt auf die Idee, Gott oder göttliche Kräfte für solche großen und gewaltigen Ereignisse verantwortlich zu machen. Und sie verbinden diesen Gedanken mit moralischer Selbstkritik: Weil wir Menschen schlimme Sachen tun, deshalb entfesselt Gott die Elemente: Feuer, Wasser, Luft, Erde – was lebensnotwendig und förderlich ist, wird zur Bedrohung.
In der Bibel wird ziemlich am Anfang eine Geschichte erzählt, die genau diese Gedanken auch entfaltet, aber bei dieser Deutung von Naturkatastrophen nicht bleibt.
Das ist die Geschichte von der Sintflut und der Arche Noah. Kapitel 7-9 im ersten Buch Mose.
Hier vorn steht sie abgebildet, die Arche. (Kinder einbeziehen: Was seht ihr? Was fehlt noch?). Ein riesiges Schiff aus Holz. Die Bibel erzählt, wie Herr Noah eines Tages den Gedanken hat, ein Schiff zu bauen. „Gott sprach zu Noah“, sagt die Geschichte. Aber wie spricht Gott? In Träumen, in Gedanken, in Empfindungen… sicher nicht dröhnend wie ein Lautsprecher sondern eher ganz leise, so dass es nur der hört, der es hören soll.
Also, dem Noah geht die Idee nicht mehr aus dem Kopf: ein Schiff bauen. Und es formt sich auch eine genaue Vorstellung, wie das Schiff konstruiert sein muss. Vermutlich lachen alle ihn aus. Denn dort, wo er lebt, gibt es gar kein Gewässer, auf dem so ein Schiff treiben könnte. Seine eigene Familie muss denken: Papa spinnt. Wieso baut er plötzlich ein Schiff? Was soll das?
Als es fertig ist… (Kinder einbeziehen) …da kommen die Bewohner, Tiere des Landes und der Luft, jeweils ein Pärchen.Und am Ende geht auch Noah mit seiner Familie aufs Schiff. (Kinder bauen die Figuren auf) Und als alle drin sind in dem Kasten, bricht das Unwetter los. Es ist, als ob die Welt untergeht. 40 Tage lang regnet es, gießt es, die Erde wird zur Wasserwüste. Alles Leben versinkt und ertrinkt. Im Originaltext der Bibel hört sich das so an: LESUNG Gen 7, 21-24
150 Tage, das sind 5 Monate. Hilfe! Man mag sich gar nicht ausmalen, wie das Leben aussieht für Mensch und Tier in dem Archekasten. Essen und Trinken, Ausmisten und Saubermachen. Die Engigkeit. Der Geruch. Kinder und Jungtiere kommen zur Welt. Wenn er sie nicht vorher schon hat, Herr Noah, dann ist das die Zeit, wo er graue Haare kriegt und am Sinn des Unternehmens zweifelt. Wird es jemals ein Ende haben? Hat er sich Gottes Stimme nur eingebildet? Werden nicht er und seine Familie letztendlich auch zugrunde gehen und die ganzen Tiere gleich mit?
Im siebten Monat (Glückszahl 7!) bleibt die Arche an einer Bergspitze hängen. Der Regen hört auf. Das Wasser sinkt! Nach 10 Monaten sind die Bergspitzen zu sehen. Dann schickt Herr Noah dreimal einen Vogel los: zuerst einen Raben, dann zweimal eine Taube. Die sollen auskundschaften, was auf der Erde los ist. Beim dritten Ausflug bringt die Taube ein Ölblatt mit, also ein Blatt vom Olivenbaum. Jetzt wissen die Menschen: Es wächst wieder was. Eine Woche später kommt die Taube nicht mehr zurück. Da wissen sie: Es lässt sich draußen wieder leben. Das Ganze hat am Ende 1 Jahr gedauert. Nun verlassen sie das Schiff, Menschen und Tiere. Gerettet!
Was macht man nach so einem Erlebnis? (Kinder einbeziehen) Feiern natürlich. Sie feiern ein Fest, sie feiern Gottesdienst. Einen Dankgottesdienst, klar. Noah und seine Familie – Frau, Söhne, Schwiegertöchter, Enkelkinder – danken Gott, dem Herrn des Lebens, dass sie überlebt haben, dass sie eine zweite Chance kriegen.
Die Bibel erzählt, dass Gott selbst nicht unberührt ist von dem, was er da mit seiner Schöpfung angestellt und erlebt hat. Berichtet wird von einer Art Selbstgespräch, das Gott mit sich führt: „…er sprach in seinem Herzen“, heißt es. Und da sagt Gott zu sich selbst: So was mach ich nicht noch mal. Es war keine gute Idee. Die Menschen sind, wie sie sind. Ihretwegen die ganze Erde vernichten? Hat gar keinen Zweck. Es muss andere Lösungen geben.
Und dann sagt Gott etwas, das ist ein geflügelter Spruch geworden, also ein berühmtes, unvergessliches Wort: LESUNG Gen 8, 22: Solange die Erde steht…
So weit Gottes Selbstgespräch. Erstaunlich, dass Gott solche Gespräche mit sich selber führt! Erstaunlich, dass Gott einer ist, der seine Meinung ändert, der zu sich selber sagt: So was – nicht noch mal! Erstaunlich, dass Gott hier als einer erscheint, der quasi Irrtum zugibt und aus Fehlern lernt. Gott, den wir uns doch sonst immer allmächtig, allwissend, absolut perfekt vorstellen. Der sagt: Nie wieder so was! Sollte unsere gängige Vorstellung von Gott vielleicht ganz verkehrt sein? Stoff zum Weiterdenken aus einer Geschichte, die fast 3000 Jahre alt ist – Wahnsinn!
Nach seinem Selbstgespräch spricht Gott noch einmal zu Herrn Noah und diesmal hören es – sieh an! – auch Noahs erwachsene Kinder: LESUNG Gen 9, 8-17.
(Kinder halten das Regenbogentuch über die Arche)
Der Regenbogen – ein Zeichen des Friedens, ein Zeichen des Lebens, ein Zeichen der Hoffnung. Nicht schlecht, wenn er auch uns immer wieder daran erinnert: Gott steht zu seiner Schöpfung.
Er steckt nicht dahinter, wenn die Erde bebt, der Sturm tobt, die Elemente außer Kontrolle geraten.
Bevor wir Menschen Gott verantwortlich machen, müssen wir uns an die eigene Nase fassen: der Klimawandel zB, der zu Stürmen und Überflutungen führt, den hat nicht Gott sich ausgedacht, sondern der ist größtenteils Menschenwerk.
Natürlich bleibt ein Rest. Nicht jede Naturkatastrophe ist von Menschen verursacht. Nicht jedes Unglück ist selbst verschuldet. Es gibt Rätsel, die bleiben. Vielleicht ist es gut, wenn wir sie Rätsel bleiben lassen. Wir wissen, dass die ganze Schöpfung mit uns seufzt und sich ängstet und auf Erlösung wartet – schreibt Paulus der Apostel im Römerbrief.
So lange wir auf Erlösung warten müssen – was bleibt uns da? Die guten Geschichten, die uns trösten und Mut machen, wie die von Herrn Noah und seiner Arche. Die guten Taten, die wir tun können, an einander tun können und an unseren Mitgeschöpfen – so wie es dieser Tierpark versucht, der ja auch eine Art Arche sein will, für bedrohte Tierarten zB. Die guten Gedanken und guten Begegnungen dieses Sommers bleiben uns, die uns etwas von der Güte des Lebens und von Gottes Barmherzigkeit aufleuchten lassen. Und der Regenbogen in den Wolken auch dieses Jahres: „Damit ihr alle wisst, dass Gott uns nicht vergisst.“ Amen
Lasst es uns singen:
7. Lied: Ein bunter Regenbogen ist übers Land gezogen
(in: Menschenskinderlieder Nr. 67)
8. Gebet und Vaterunser
Guter Gott,
wir danken dir für die guten Dinge dieses Sommer:
Ferien
Sonne
Wärme,
frische Luft.
Klares Wasser
Gutes Essen und Trinken,
Feiern und Freude miteinander.
Lass uns nie vergessen,
dass du es bist,
der uns das Leben gegeben hat,
der es erhält und trägt.
Lass uns nicht vergessen,
dass wir nicht allein auf der Welt sind
sondern ein Teil im großen Zusammenspiel alles Lebendigen sind.
Wir bitten dich
für uns Menschen
und für alle deine Geschöpfe
auf der Erde, im Wasser, in der Luft:
Erhalte sie in ihrer Vielfalt,
in ihrer Schönheit und Lebendigkeit.
Gib Wachstum, Fruchtbarkeit,
Leben, das seinen Namen verdient.
Und beschütze uns
- auch vor uns selbst:
vor Gedankenlosigkeit,
Eigensucht
Gier,
Unersättlichkeit.
Halte uns auf deinen Wegen.
Halte und bei dir.
Vater unser im Himmel…
9. EG 503 Geh aus mein Herz, 1-3. 8+14
10. Mitteilungen: Dank, Kollekte …
Flyer zum Ökumenischen Schöpfungstag am 2. September s.u. www.schoepfungstag-hessen.de ,
Büchlein für die Kinder
11. Segen
12. Nachspiel. Kollekte am Ausgang
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