Predigerseminar der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck
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Die Kapelle des Predigerseminars

Kapelle im Evangelischen Predigerseminar Hofgeismar eingeweiht - Meinhard von Gerkans kleinstes architektonisches Projekt auf 40 qm - Spender finanzieren neues geistliches Zentrum im Gebäude aus dem Jahr 1770

Die neu gestaltete Kapelle im Evangelischen Predigerseminar ist mit einem festlichen Gottesdienst eingeweiht worden. Geplant und gestaltet wurde die Kapelle von dem Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan. Damit konnte das vierjährige Projekt eines herausragenden zeitgenössischen Sakralbaus erfolgreich abgeschlossen werden.

In seiner Predigt hob Bischof Prof. Dr. Martin Hein die theologische Bedeutung des Kirchenraums hervor: In der Geschichte habe es seit jeher Kirchengebäude gegeben, die in ihrer Opulenz die Gegenwart des Himmels erleben lassen wollten, andere hätten sich durch eine radikale Reduktion ausgezeichnet. Die neue Kapelle des Predigerseminars zeichne sich durch ihre Klarheit und ihren Purismus aus. „Die Konzentration auf das Allernotwendigste lässt uns spüren, was wir wirklich brauchen und erst noch erleben werden“, sagte Hein. Die Kapelle nehme in ihrer Gestaltung nichts von dem vorweg, was einmal von Gott kommen und sein werde. „Reduktion bedeutet Freiheit!“ betonte Hein: Man bleibe nicht am Vorfindlichen hängen und werde frei von allen Äußerlichkeiten.  Hein erinnerte in diesem Zusammenhang an das Votum Luthers: „Zum Gotteshaus gehört nicht mehr, als dass Gott mit seinem Wort da sei.“ Die Kapelle sei in dem Sinne für die Ewigkeit geschaffen worden, dass sie „uns auf das Wesentliche konzentriert und uns gerade darin ausrichtet auf jene Zukunft, die allein aus Gott lebt und von ihm bestimmt wird.“

Architekt Meinhard von Gerkan verwies in seiner Ansprache darauf, dass bei der Kapelle auf schlichteste Materialien zurückgegriffen wurde: Holztafeln, wie sie zur Verschalung von Beton genutzt werden, sowie Recycling-Glas aus zerbrochenen und geschmolzenen Flaschen. Von der Kapelle gehe die Botschaft aus, dass das Schöne und Erhabene im Einfachen zu erleben sei. Dies korrespondiere mit der christlichen Botschaft. Von Gerkan überreichte Bischof Hein einen Stahlleuchter in Kreuzesform als Geschenk für die neue Kapelle.
 
Die Kapelle im Evangelischen Predigerseminar Hofgeismar ist mit 40 Quadratmetern Fläche und Platz für 45 Personen das kleinste architektonische Projekt des Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan. Von Gerkan ist in Deutschland u. a. durch Großprojekte wie die Umgestaltung des Berliner Olympiastadions und den Bau des Berliner Hauptbahnhofs bekannt. Derzeit realisiert von Gerkan unter anderem den Bau von Stadien in Südafrika und Brasilien sowie eines Großbahnhofs in China. Als Schöpfer geistlicher Räume wurde er durch den Christuspavillon auf der EXPO 2000 in Hannover sowie die Gestaltung der Kapelle im Olympiastadion in Berlin bekannt. Die Kosten der Kapelle des Evangelischen Predigerseminars in Höhe von 350.000 Euro wurden ausschließlich durch Spenden und Sponsoren aufgebracht. Bischof Hein würdigte das Engagement der Unterstützer: “Es ist Ihre Kapelle“, sagte Hein an die Spender und Sponsoren gewandt.   

Die Kapelle bildet das geistliche Zentrum des Evangelischen Predigerseminars Hofgeismar. Es ist der Ort der Aus- und Fortbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer, Vikarinnen und Vikare.

Der schlichte kleine Raum auf rechteckigem Grundriss ist Teil des ehemaligen Friedrichsbades aus dem Jahr 1770. Seit 1891 wird das Gebäude als Predigerseminar der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck genutzt. Im Ensemble der historischen Gebäude setzt die Kapelle einen herausfordernden modernen Akzent.

In der Kapelle werden täglich, morgens und abends, Andachten gefeiert. Menschen ziehen  sich zu individueller Andacht  zurück. Pfarrerinnen und Vikare üben sich hier in liturgischer und kirchenmusikalischer Praxis. Gäste des Hauses und aus der nahe gelegenen Evangelischen Akademie nutzen den Raum zur Einkehr.

Der Raum unterschied sich von einem Kollegraum bisher nur durch eine besondere Verglasung und die Bestuhlung mit Kirchenbänken. Die Neugestaltung soll einen Ort der Kontemplation und der Stille schaffen, der durch Reduktion auf wenige Materialien und durch den Verzicht auf alle überflüssigen Details einen zeitgemäßen sakralen Raum schafft, in dem die Andachten ihren Platz finden und individuelle Besinnung und Gebet mehr Gewicht gewinnen.

Die Fensteröffnungen zeichnen sich bei Tag schemenhaft im Inneren ab, wobei gleichzeitig alles Weltliche aus dem Raum ausgeschlossen wird. Bei Nacht scheint das farbige Licht aus dem Inneren der Kapelle durch die Fenster hinaus.

In der Altarrückwand befindet sich ein Kreuz als einziges symbolhaftes Element der Kapelle. Durch Kerbung und Verwindung der hölzernen Tafeln wird es direkt aus der Oberfläche herausgearbeitet und verstärkt die einheitliche räumliche Wirkung.

Zur Person von Meinhard v. Gerkan, Prof. Dr. h. c. mult. Dipl.-Ing. Architekt BDA

geboren am 3. Januar 1935 in Riga/Lettland.

1964   Diplom an der TU Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig.

seit 1965   Freiberuflicher Architekt, zusammen mit Volkwin Marg. Mehr als 230 fertiggestellte Bauten.

Mehr als 400 Preise in nationalen und internationalen Wettbewerben zusammen mit Volkwin Marg, darunter mehr als 200 erste Preise.
Zahlreiche Preise für vorbildliche Bauten.
Zahlreiche Veröffentlichungen im In- und Ausland.
Zahlreiche Preisrichter- und Gutachtertätigkeit.

1972   Berufung in die Freie Akademie der Künste in Hamburg.

1974    Berufung an die TU Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig als ordentlicher Professor/Lehrstuhl A für Entwerfen. Institutsleiter des Instituts für Baugestaltung A.

1982   Berufung in das Kuratorium der Jürgen-Ponto-Stiftung, Frankfurt.

1988    Gastprofessor an der Nihon Universität, Tokio/Japan.

1993    Gastprofessor an der Universität von Pretoria/Südafrika1995    American Institute of Architects, Honorary Fellow, USA.

1995    Ehrenauszeichnung der Mexikanischen Architektenkammer.

2000   Verleihung des Fritz-Schumacher-Preises der Alfred Töpfer Stiftung F.V.S.

2002    Außerordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

2002    Verleihung des Rumänischen Staatspreises.

2002   Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Evangelische Theologie an der Philipps-Universität Marburg.

2003   Konvent-Präsidiumsmitglied der Bundesstiftung Baukultur, Berlin.

2004    Verleihung der Plakette der Freien Akademie der Künste Hamburg.

2005    Großer Preis des Bundes Deutscher Architekten BDA.

2005   Verleihung der Ehrendoktorwürde für Entwerfen durch die Chung Yuan Christian University in Chung Li/Taiwan.

2007   Verleihung der Ehrenprofessur durch das East China Normal University College of Design, Shanghai/China.

2007   Verleihung der Gastprofessur durch die Dalian University of Technology, Architecture and Art College, China.

2009   Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für weltweit maßgebliche Leistungen in der Baukultur