Über die Reformation Zugang zum Heute finden

Eine Wanderausstellung des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) bündelt bekanntes Wissen zur Epoche, gestattet eine problemorientierte Aufbereitung zeitgenössischer Phänomene für Schülerinnen und Schüler und lässt den Brückenschlag zu unserer heutigen Lebenswelt zu.

Unter dem Titel »Martin Luther und der kulturelle Wandel im konfessionellen Zeitalter« wird in Rotenburg in der Jakobikirche eine multimediale Ausstellung eröffnet, die vom ThILLM und Lehramtsstudierenden unter Leitung von Prof. Dr. Jens Brachmann und Rigobert Möllers entwickelt wurde.

Interaktiv, und z.B. mit Hörstücken und drehenden Büchern bestückt, wendet sich die Exposition an Schulen, will es Lehrkräften im Rahmen der Themenjahre des Reformationsjubiläums ermöglichen, sich mit Schülerinnen und Schülern diesem bedeutsamen europäischen Kapitel der Weltgeschichte zu nähern.

In acht Stelen werden Anregungen gegeben, um aktuelle gesellschaftliche Wandlungsprozesse für die Schule exemplarisch über das Zeitalter der Reformation zu erschließen. Sie stehen für sieben Themenkreise, durch die dieser besondere Bildungsgegenstand stellvertretend für den ständigen gesellschaftlichen Wandlungsprozess in der Gesellschaft bearbeitet wird.

„An Leben und Werk Martin Luthers lassen sich viele Einsichten gewinnen. Dabei soll es nicht allein um eine Erinnerung an die Leistungen Luthers und seiner Mitstreiter gehen. Vielmehr wollen wir mit unserem Engagement die Lutherdekade nutzen und Aspekte beleuchten, die im Kontext der Herausforderungen stehen, denen sich der Unterricht im 21. Jahrhundert stellen muss.“, sagt Dr. Andreas Jantowski, der Direktor des Thillm und verweist darauf, dass z.B. die Frage nach dem Verhältnis von Religion, Kultur und Politik wieder hoch aktuell geworden ist und viel weiter in die Schule hineinreicht als nur in der Diskussion um die Ausgestaltung des Religionsunterrichts.

„An dem neben der französischen Revolution so bedeutsamen europäischen Kapitel der Weltgeschichte exemplarisch über die historischen Gründe von Spaltung mit Schülerinnen und Schülern nachzudenken, religiöse Intoleranz und Diskriminierung in dieser Zeit mit Blick auf unser alltägliches Meinungsbild heute zu reflektieren und Lösungen in der Suche nach Gemeinsamkeiten anstelle von Auseinandersetzung zu finden, das macht die Reformation zu einem Bildungsgegenstand von besonderer Bedeutung“, so Jantowski weiter.

Die Exposition will zunächst Impulse vermitteln.  Dabei können Schulen auf dieser Grundlage ihren eigenen Beitrag zur Unterrichtsentwicklung im Rahmen der Themenjahre entwickeln. Die Exposition bietet auch ein virtuelles Angebot auf einer der Stelen. So kann  in einem multimedialen Buch „geblättert“ werden, dass am  Beispiel des Vaterunsers wichtige Wegstationen der Entwicklung der deutschen Sprache aufzeigt. Dabei beginnt der Spannungsbogen im 4. Jahrhundert n. Chr. mit der Gotenbibel des Bischof Wulfila und endet 2011 mit der Basis-Bibel, einer neuen Bibelübersetzung für Jugendliche. Der Betrachter kann kunstvolle historische Drucken nahezu real „in die Hand nehmen“ und auch als Zuhörer exemplarisch die Wandlungsprozesse der Schriftsprache nacherfahren. Durch eigenen Vergleich mit der Anwendung der Schriftsprache im social network gelingt es so vielleicht besser, die Motivation von Schülerinnen und Schülern für das Lesen und Schreiben weiter zu steigern, die sonst eher Probleme damit haben.

Ergänzt wird die Exposition durch ein virtuelles Angebot auf einer achten Stele sowie weiterführende Materialien zur Ausstellung im Thüringer Schulportal.

Die Ausstellung ist täglich zu besichtigen und zwar von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr.
Angeboten wird diese Ausstellung vom Kirchenkreis Rotenburg.