Kirchenkreis

Kirchenkreis Rotenburg
Kirchenkreis Rotenburg

Der Kirchenkreis Rotenburg befindet sich zentral in Hessen.

Im Norden befindet sich das mittlere Fuldatal mit dem Altkreis Melsungen, im Osten der Naturpark „Hoher Meissner“ mit südlich angrenzendem Richelsdorfer Gebirge.

Südlich, aufwärts der Fulda, liegt die Kreisstadt Bad Hersfeld, nach Westen hin bildet das Knüllgebirge die natürliche Grenze.

Die Geschichte des Kirchenkreises Rotenburg

von Martin Ludwig, Breitenbach

Die Frühzeit

Im Jahre 717 kam Winfried von England, auch Bonifatius genannt, nach Hessen und predigte Dort das Evangelium und versuchte die Heiden zu bekehren, so auch im Raum Rotenburg. Er fällte 723 die Donareiche zu Geismar bei Fritzlar. Nach der Bekehrung wuchs die Anzahl der christlichen Kirchen in Hessen. Die Einwohner am Fuldastrom bekannten sich nun zum Christentum und erbauten nach und nach schöne Gotteshäuser.

Ober- und Niederhessen gehörten vor der Reformation kirchenorganisatorisch zur Erzdiözese Mainz. Erst zu Beginn der Reformation konnte sich der Landgraf von der Oberherrschaft des Mainzer Bischofs befreien. Schon vor der Reformation bildeten sich viele Pfarreien, deren Gebietseinteilung die Reformation überdauert hat.

Von großer Bedeutung waren die Familien von Riedesel, von Cornberg, von Trott und von Verschuer als Patronatsfamilien. Die Patronate bestehen zum Teil noch bis heute. Bedeutend war ferner der Einfluss der Klöster und Stifte (Klöster Hersfeld und Blankenheim, Stift Rotenburg).

Die Reformation

Die Reformation wurde 1526 aufgrund der Homberger Synode von Landgraf Philipp dem Großmütigen eingeführt. Er löste 1527 etwa 50 hessische Klöster auf, darunter auch Hersfeld und Blankenheim. Er erließ 1531 und 1557 Kirchenordnungen, in denen die Einrichtung von Synoden als höchste Instanz festgelegt wurde. Schließlich erließ er 1539 die Kasseler Kirchenordnung, in der die Einrichtung von Presbyterien, den Vorläufern der heutigen Kirchenvorstände, beschlossen wurde. 1538/39 kam es zur Verabschiedung der "Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung", die die Einrichtung der Konfirmation mit vorausgehendem Unterricht festlegte.

Im Jahre 1571 wurde der erste evangelische Dekan namens Justus Winter eingeführt. Diese Stelle hat sich bis heute erhalten. Dem Dekan unterstanden so genannte Metropolitane, die die Aufsicht über einzelne Bezirke hatten. Der Dekan selbst unterstand dem Konsistorium in Kassel, welches 1599 durch Landgraf Moritz gegründet wurde.

Die Reformation und die damit verbundene Säkularisierung bedeuteten eine neue Rechtsentwicklung für das Stift zu Rotenburg. 1575 wurde das Stift neu geordnet. Die Stiftspfründen wurden enteignet und dienten nun als Pensionskasse der Pfarrer.

Die Klasse Rotenburg

Rotenburg gehörte zur Superintendantur Allendorf. Sie bestand aus insgesamt neun Klassen, darunter auch die Klasse Rotenburg. Der Sitz des 1526 eingeführten Superintendenten war anfangs von 1537 an die Stadt Rotenburg. Jedoch bereits 1557 kam sie nach Allendorf. Der heutige Kirchenkreis Rotenburg besteht aus den Klassen Rotenburg und Sontra und ist somit mit dem Altkreis Rotenburg identisch.

Die Klasse Rotenburg bestand 1835 aus 18 Pfarreien, nämlich 14 Konsistorial-Pfarreien mit 15 Pfarrern (1. Neustadt Rotenburg, 2. Altstadt, 3. Bebra, 4. Braach, 5. Breitenbach, 6. Friedewald, 7. Heringen, 8. Iba, 9. Mecklar, 10. Oberellenbach, 11. Obersuhl, 12. Rengshausen, 13. Ronshausen, 14. Seifertshausen), 4 Patronat-Pfarreien (1. Beenhausen, 2. Obergude, 3. Schwarzenhasel, 4. Solz) und 2 Filialen und 1 bei einer ausländischen Kirche eingepfarrte Gemeinde (Bosserode usw. und außerdem die Filialen Hergershausen und Licherode). Sie gehörten alle zum Kreis Rotenburg, ausgenommen die Filiale Landefeld mit den eingepfarrten Orten zum Kreis Melsungen, das Vikariat Friedlos mit Reilos, Friedewald, Heringen und der Filiale Kleinensee zum Kreis Hersfeld. Dabei waren von 1627 bis 1834 sieben rotenburgische Patronatsstellen, nämlich 3 in der Stadt Rotenburg, Obersuhl, Rengshausen, Ronshausen und Seifertshausen.

Die Klasse Sontra bestand aus 11 Pfarreien, nämlich 7 Konsistorial-Pfarreien (Sontra, Berneburg, Mitterode, Rockensüß, Süß, Ulfen, Wichmannshausen), 4 Patronats-Pfarreien ( Breitau, Herleshausen, Nesselröden und das Vikariat Richelsdorf) und einer wechselnden (Nentershausen). Sie gehören zum Kreis Rotenburg, Mitterode, Wichmannshausen, Herleshausen, Nesselröden und die Filiale Heyerode gehören zum Kreis Eschwege.

Mission und Diakonie

Im Jahre 1889 wurde in Rotenburg die Diakoniestation gegründet. Ihre Mutter war das Kasseler Mutterhaus. Es handelte sich hierbei zunächst um ein Hospital für Arme und Kranke. 1890 wurde für die vorschulpflichtigen Kinder eine Kleinkinderschule, der heutige Kindergarten St. Georg, gegründet. Diese entwickelte sich nach und nach zu einem größeren Kindergarten, so dass in den Jahren 1895/96 ein größerer Kindergartensaal gebaut wurde.

Zu erwähnen ist dabei auch die Arbeit der Bahnhofsmission Bebra, die sich um Bedürftige kümmert. Sie bekam 1968 ein neues Gebäude im Bahnhof Bebra. Aus ihr ging 2004 die Bebraer Tafel hervor, in der Lebensmittel kurz vor dem Verfallsdatum gegen einen symbolischen Betrag an Bedürftige abgegeben werden.

Das 20. Jahrhundert

Bis 1934 gehörte der Kirchenkreis Rotenburg zur Evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel, die mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zusammengelegt wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde am 31. August 1945 bei der Notsynode in Treysa die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gegründet. Zugleich kam es zur Gründung des Hilfswerks der EKD. Später entstand hieraus das Diakonische Werk.

Heute gliedert sich der Kirchenkreis Rotenburg mit seinen Gemeinden in den Sprengel Hersfeld ein.