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NEUE Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer, Start: 1.1.2017
Väterfreundliche Unternehmenskultur aufbauen

Projektgeber: Europäischer Sozialfond (ESF), Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Projektidee: Moderne Unternehmen stehen vor der Herausforderung einer lebensphasenorientierten Personalpolitik. Sie hat das Ziel, Fachkräfte zu gewinnen, zu binden und sie zu motivieren, ihre Kreativitäts- und Innovationsfähigkeit für das Unternehmen einzusetzen. Vor dieser Herausforderung stehen nicht nur große Unternehmen, sondern insbesondere auch Klein- und Mittelständische Betriebe.

Eine lebensphasenorientierte Personalpolitik berücksichtigt nicht nur die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten im Lebenszyklus, sondern auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Bezug auf Kindererziehung und Pflege. Dies war bisher meist ein Anliegen der Frauenförderung. Inzwischen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass verstärkt die Männer im Betrieb und die Handlungsfelder Betriebs- und Führungskultur, Arbeitszeit sowie Arbeitsorganisation in den Blick genommen werden müssen. Väterfreundliche Betriebe sind ebenso mütter- also familienfreundlich und fördern die Chancengleichheit von Frauen und Männern.

Daten und Fakten: Die Ansprüche und Lebenspläne von jungen Frauen und Männern haben sich stark verändert: Für 96,1% der Beschäftigten mit Kindern gehört Familienfreundlichkeit zu den wichtigsten Kriterien für einen attraktiven Arbeitgeber (BMFSFJ 6/2016). 69% der Väter zw. 18 und 29 Jahren würden gerne ihr berufliches Engagement zugunsten des familiären zurückschrauben (ebd. 25.11.2016). 75 % der Fachkräfte zw. 25 und 39 Jahren mit und ohne Kindern bewerten Vereinbarkeit als ebenso wichtig wie das Gehalt (A.T.Kearney 2015). In vielen Unternehmen haben sich flexible Arbeitszeitmodelle durchgesetzt, die jedoch nur wenige Männern z.B. zur Arbeitszeitreduzierung in Anspruch nehmen. Lebensphasenorientierte Karrierewegplanungen sind noch selten. Viele Väter fürchten die mangelnde Anerkennung der Kollegen sowie eine Gefährdung ihrer Karrierechancen.

Kampf um Talente: Die Region Nordhessen außer die Stadt Kassel ist stark von demografischen Entwicklungen betroffen mit niedriger Geburtenrate und negativem Wanderungssaldo bei den Jüngeren unter 40 Jahre. Schon heute ist ein deutlicher Fachkräftemangel zu spüren, der sich verstärken wird. Gerade Klein- und Mittelunternehmen brauchen im 'Kampf um die Talente' diesbezüglich konkrete Unterstützung sowie Vorbilder. Die Roland Berger GmbH berechnet in der Studie „Renditepotenziale der NEUEN Vereinbarkeit“ von 9/2016, dass Investitionen in NEUE Vereinbarkeitsangebote eine Rendite bis zu 40% erzielen. Die Effekte beziehen sich auf die Unternehmenskultur wie auch qualitativ u.a. auf Arbeitgeberattraktivität, Bewerberqualität, Mitarbeitermotivation und Kundenimage.

Unser Angebot: Das Projekt bietet Unternehmen ohne finanzielle Beteiligung die Möglichkeit, die Wünsche ihrer Mitarbeiter in den verschiedenen Arbeitsbereichen und Hierarchieebenen zu erheben und zu analysieren. Mitarbeitende werden im Projekt kostenlos darin geschult, mit welchen konkreten Maßnahmen die NEUE Vereinbarkeit wirtschaftlich im Betrieb umgesetzt werden kann. Für jedes Modelunternehmen werden individuell Maßnahmen für eine väterfreundliche Unternehmenskultur erarbeitet und, wenn gewünscht, in enger Zusammenarbeit mit der Unternehmensleitung umgesetzt.

Kontakt: Bettina Ungewickel, Ungewickel@RegionNordhessen.de, T.: 0561 97062-16, Stefan Sigel-Schönig, Stefan.Sigel@ekkw.de, T.: 0561 9378-477.

2017-03-30
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Projekt vom 1.4 bis 21.12.2016
‚Come in – Kultur- und gendersensible Bildungsarbeit mit Flüchtlingsfamilien‘

Logo: HESSENCAMPUS Kassel
Viele Mütter und Väter sind mit ihren Kindern weltweit auf der Flucht. Einige davon sind in Deutschland angekommen. Sie brauchen unsere  Unterstützung, Beratung und Begleitung.  Damit stehen wir als Fachkräfte und Ehrenamtliche in der Familienbildung vor neuen Herausforderungen. 

In dem vom Land Hessen im Rahmen von HESSENCAMPUS 2016 geförderten Projekt ging es vor allem um folgende Fragestellung: Wie sieht eine kultursensible und alltagsrelevante Bildungsarbeit mit Flüchtlingsfamilien aus, die auch die speziellen Bedürfnisse von Frauen und Männern, Vätern und Müttern berücksichtigt?

Im Projektverlauf wurden zum einen Ehren-, Neben- und Hauptamtliche in der Flüchtlingsarbeit geschult sowie unterschiedlichste Methoden und Ansätze der Bildungsarbeit erprobt, die alle ohne oder mit wenig deutschen Sprachkenntnissen funktionieren.

 

2017-08-02
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Entwicklung eines Konzeptes zur Burnoutprävention unter Berücksichtigung unterschiedlicher Anforderungen von Frauen und Männern
Gesundbleiben in der Arbeitswelt

Foto: Giebeler
„Burnout“ - eine Modeerscheinung oder ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem? Eine (neue) Krankheit, körperlich oder seelisch? Ein Thema der Arbeitswelt, der Gesellschaft, der Einzelnen?

‚Burnout‘ bezeichnet einen ganzheitlich wirksamen Zustand intensiver Er-schöpfung. Die Symptomatik reicht von Motivationsverlust, Kraft- und Kreativ-losigkeit über Überforderungsgefühle und schweren Zweifeln am Sinn des beruf-lichen und privaten Handelns bis hin zu weiteren psychosomatischen Symp-tomen. Betroffen sind Menschen in allen Berufen, ebenso Hausfrauen, Studenten und Arbeitslose mit insgesamt deutlichen Steigerungsraten. Schon jetzt werden erhebliche Mittel der Krankenkassen für solche Behandlungsmaßnahmen eingesetzt. Weitere Schäden entstehen auf betrieblicher wie auf gesamtgesellschaftlicher Ebene z. B. durch nachlassende Arbeitsleistung sowie oft wochenlange Arbeitsunfähigkeit.
Die Entwicklung eines Konzeptes zur Burnout-Prävention fand im Rahmen von HESSENCAMPUS Kassel statt, da der individuelle Erschöpfungszustand bzw. das individuelle Krankheitsgeschehen Ausfluss einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung ist, die alle Lebensbereiche aber auch fast alle Phasen der Biographie erfasst. Um der steigenden psychosozialen Belastung langfristig begegnen zu können, ist ein neuer Ansatz der Prävention in allen gesellschaftlichen Bereichen notwendig, der sich auf die grundlegenden Kompetenzen zur Lebensführung, zur Bewältigung von Krisen und zur Entwicklung von tragfähigen und erfüllenden Beziehungen konzentriert und idealtypisch bei der Gesundheitsbildung von Kindern beginnt.                                                                                                                                                                    Gefördert aus Mitteln des Landes Hessen im Rahmen von HESSENCAMPUS 2012

 

2013-04-05

Linktipp:

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:

Abschlussbericht mit den Vorträgen der Hearings

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2. Hearing mit Workshops am 30.8.2012
Leben am Limit - müde erschöpft ausgebrannt

Prof. Dr. Jörg Fengler, Köln; Foto: Spohr
In diesem 2. Hearing mit ca. 120 Teil- nehmenden ging es vor allem darum, wie und durch welche präventive Maßnahmen auf betrieblicher und persönlicher Ebene eine krankmachende Erschöpfung ver- hindert werden kann. Es wurde die Frage nach unterschiedlichen Angeboten für Männer und Frauen aufgeworfen ebenso wie die, was Aufgabe der Führungsebene ist und was jede/r für sich tun kann. 

Prof. Dr. Jörg Fengler aus Köln stellte eine Vielzahl von betrieblichen Maßnahmen vor und ging insbesondere auf die Situation in Teams ein.

Christoph Walser aus Zürich stellte sein Konzept des "Timeout statt Burnout" vor, das er inzwischen mit einer großen Anzahl von Führungskräften aus verschiedensten Bereichen erfolgreich durchgeführt und auch evaluiert hat. Im Workshop am Nachmittag ging es um Erholung als ganzheitlichen Prozess von Körper, Seele und Geist.

Dr. Anette Fintz aus Radolfzell sprach in ihrem Vortrag über Sinn- und Wertefragen sowie das Menschenbild in Unternehmen und vertiefte das Thema praxisnah im anschließenden Workshop.

PD Dr. med. Michael Franz aus Merxhausen beschrieb die verschiedenen Stufen der Erschöpfung bis hin zum Burnout und in die psychische Krankheit aus psychiatrischer Sicht. Im Workshop ging es um verschiedene Ansatzpunkte der Prävention, nämlich Führungskräfte, betriebliches Gesundheitsmanagement, Selbstfürsorge, sowie Wiedereingliederungsmanagement.

2012-10-17

Download:

Hier können Sie folgende Dateien herunterladen:

Vortrag Prof. Dr. Fengler

Vortrag Christoph Walser

Vortrag Dr. Anette Fintz

Programm 2. Hearing

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Hearing am 19. Juni 2012
Leben am Limit- - müde erschöpft ausgebrannt

Prof. Dr. Keupp, Foto: Wagner
Vor ca. 50 interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern sprach Prof. Dr. Heiner Keupp, München, zunächst über "Das erschöpfte Selbst auf dem Fitnessparcours des globalen Kapitalismus". Dabei kam er zu 5 Schlussfolgerungen:

1. Subjekte einer individualisierten und globalisierten Gesellschaft können in ihren Identitätsentwürfen nicht mehr problemlos auf kulturell abgesicherte biographische Schnittmuster zurückgreifen.  In diesem Prozess stecken ungeheuere Potentiale für selbstbestimmte Gestaltungsräume, aber auch das Risiko und die leidvolle Erfahrung des Scheiterns. Die Zunahme der Depression verweist auf dieses Risiko. Sie ist aber nicht ein „Fluch der Freiheit“, sondern verweist auf einen Mangel im „Handwerk der Freiheit“.

2. Die „Klinifizierung“ oder „Medikalisierung“ der Depression und die daraus in der Regel folgende medikamentöse Behandlung verhindert die Chance, den persönlichen und gesellschaftlichen Sinn der Depression zu erkennen. Er besteht in seiner Funktion als Haltesignal und einem Nachdenken über Bedingungen und Möglichkeiten einer reflexiven Identitätsarbeit.

3. Zum Verständnis der Depression brauchen wir eine differenzierte Gesellschaftsdiagnostik und diese muss im öffentlichen Raum kommuniziert werden: Die in den privatisierten und individualisierten Problem- und Leidenszuständen der Subjekte enthaltenen gesellschaftlichen Hintergründe kann man entschlüsseln und sichtbar machen. Dies ist auch die Voraussetzung für sinnvolle Projekte der Prävention und Gesundheitsförderung.

4. Erforderlich ist eine Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Menschenbildannahmen . Die Figur des „unternehmerischen Selbst“ ist auf den kritischen Prüfstand zu stellen. Sie verweist auf ein neoliberales Menschenbild, das eine maximierte Selbstkontrolle als Fortschritt anpreist. Ausbeutung und Entfremdung wird zunehmend weniger als fremd gesetzter Zwang von Menschen erlebt, sondern wird mehr und mehr zu einer Selbsttechnologie, zu einer Selbstdressur, die allerdings in den Ideologien des Neoliberalismus in einem Freiheits- oder Autonomiediskurs daher kommt.

5. Auf das Individuum gerichtete Präventionsprojekte können hilfreiche Angebot sein, sich in diesen gesellschaftlichen Umbruchprozessen Unterstützung bei einer Neuorientierung, Reflexion und Selbstorganisation zu holen. Sie sollten keinesfalls „Trainingslager“ für Fitness im globalen Netzwerkkapitalismus liefern. Sie stellt einen Rahmen der „inneren Modernisierung“ dar, aber die Frage, was in diesem Rahmen Emanzipation oder Affirmation sein kann, bleibt auf der Tagesordnung. Selbstverwirklichungsmöglichkeiten können in Selbstausbeutung umschlagen.

6. Eine Strategie der universellen oder Verhältnisprävention muss letztlich auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zielen und dazu ist nicht nur die professionelle Arbeitsgestaltung gefragt, sondern die aktive Beteiligung der Betroffenen, denen bewusst ist, dass individuelle Selbstsorge nur im Rahmen kollektiver Interessenvertretung (z.B. in Selbsthilfegruppen, Netzwerken, Gewerkschaften, Attac) möglich ist. Das „unternehmerische Selbst“ darf nicht alleine gelassen werden. „Vertrauensarbeit“ kann ein Potential selbstbestimmter Tätigkeit sein, bedarf aber einer Kontrolle der Zielvorgaben.

Der Arbeitsmediziner Prof. Dr. med. Andreas Weber aus Dortmund setzte in seinem Vortrag "Entgrenzte Arbeit - die Zunahme arbeitsbedingter psychischer und psychosomatischer Erkrankungen" einerseits auf ein geändertes Führungsverhalten in den Betrieben, nämlich einem gesundheitsorientierten Führen unter den 4 Aspekten Vorbildfunktion, Arbeitsorganisation, Betriebsklima und Problemlösungskompetenz. Andererseits benötigen die Menschen soziale Unterstützung und Solidarität bei vor allem mit Stress assoziierten Erkrankungen je unauffälliger umso besser. Insbesondere sollte der Blick auf Männer gerichtet werden, bei denen sich Überforderung zunächst stärker in somatischen Beschwerden äußert.

Im Dreiklang von Individuum, Betrieb und System schlägt er für das Individuum „To do“ Listen über Ressourcen und Verhalten (z.B. Stressmanagement, Sport, Schlaf, Regeneration) vor sowie eine zeitgerechte adäquate Diagnostik / Therapie. Eine betriebliche Gesundheitspolitik/-strategie unter Einbezug von betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF), betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM), Eingliederungsmanagement (BEM), einem Helfernetzwerk sowie arbeitsmedizinische Vorsorge („Stress“), Gesundheitszirkeln und einem Arbeitsorganisation- Monitoring- „Frühwarnsystem“ helfen auf betrieblicher Ebene. Im System fordert er eine „Vernetzung“ der Akteure bezüglich Zugang, Wartezeiten und Schnittstellen, ein neues Casemanagement sowie eine "Arbeitsbezogene Integrierte Versorgung" (AIV) mit Berufsbezug, Rehabilitation, Return to work („ MBORReha on the job, Reha futur real“ ) unter Einbindung der Betriebsärzte.

Prof. Dr. Stephan Höyng aus Berlin, Inhaber der einzigen "Männerprofessur" in Deutschland und Vorstandsmitglied im Bundesforum Männer, beschrieb in seinem Vortrag "Getriebene - Männer zwischen Beruf und Familie" die Ursachen und Folgen von Überforderung. Im privaten Bereich ist Männlichkeit inzwischen ohne den Mittelpunkt Berufsarbeit denkbar, Betriebe reagieren jedoch kaum auf diese sozialen Bedürfnisse. Nach wie vor ist eine hohe berufliche Verfügbarkeit, eine hohe tatsächliche Arbeitszeit, ein beschleunigter Arbeitstakt sowie eine zunehmende Erreichbarkeit an der Tagesordnung. Im betrieblichen Kontext werden Erholungsphasen unterbrochen und sind unregelmäßig. Es kommt zu Unzufriedenheit, Niedergeschlagenheit, Erschöpfung, sich ausgebrannt fühlen, zu mehr Herzkrankheiten bis zum Infarkt sowie zu einer geringeren Lebenserwartung bei Männern.

Prof. Höyng fordert eine Kultur der Vereinbarkeit: Betriebliche Veränderungen sind notwendig hin zu Vereinbarkeitskultur - auch für ein besseres Leben am Arbeitsplatz (Marc Gärtner). Er fordert für Menschen mit Privatleben und mit Kindern eine Normalisierung statt Besonderung auf betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene, eine Umverteilung und ein neues Verständnis von Leistung, eine bessere Verteilung von Erwerbsarbeit, Schutz vor überbordendem Arbeitsdruck und ständiger Verfügbarkeit sowie Selbstsorge.

Im Anschluss an die Vorträge befragten Vertreter von HESSENCAMPUS Kassel und anderen gesellschaftlichen Gruppen aus Kassel die Referenten. Dabei kamen u.a. Dr Gabriela Förster, Arbeitsmedizinerin Volkswagen AG, Michael Rudolph, Vorsitzender DGB Nordhessen, Karl-Heinz W. Bartling, Geschäftsführer der Bartling Consulting GbR, Hans Schweinsberg, stellvertr. Bezirksleiter IG Bergbau, Chemie und Energie, Jens Janson, Männerarbeit der Eang. Kirche in Deutschland sowie Dr. Markus Krämer, Supervisor, zu Wort.

2012-09-25

Download:

Hier können Sie folgende Dateien herunterladen:

Vortrag Prof. Dr. Keupp

Vortrag Prof. Dr. med. Weber

Vortrag Prof. Dr. Höyng