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Notfallseelsorge
Aufgaben

Foto: Grützner

Notfallseelsorge kommt...

an Unfallorte:
Feuerwehrleute versuchen den Verletzten aus seinem Auto zu befreien. Die Männer und Frauen vom Rettungsdienst versorgen die anderen Opfer. Die Polizei sichert die Unfallstelle, damit nicht noch mehr passiert. Sie müssen Zeugen befragen.
Der Notarzt kämpft um das Leben eines Menschen. Ein Toter wird in den Leichen-
sack gesteckt.
Daneben Menschen - selbst weniger verletzt - den Schrecken im Gesicht, am ganzen Körper zitternd. Sie bangen um den Ehemann, beweinen den Toten, laufen orientie-
rungslos umher, starren ins Leere, können den Blick nicht von dem Schrecklichen wenden, schreien - Kinder weinen. 
Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst haben alle Hände voll zu tun.
Wer leistet die "Erste Hilfe für die Seele?"

in Häuser:
Der alte Mann war am Frühstückstisch plötzlich vornüber gekippt. Der Notarzt ist schnell da. Reanimation. Zehn Minuten. Zwanzig Minuten. Ohne Erfolg. Der Notarzt muß gehen. Zurück bleibt eine alte Frau, allein mit ihrem toten Mann. Fast das ganze Leben hatten sie geteilt. Das ist nun vorbei. Von einer Minute auf die andere. 
Wer leistet "Erste Hilfe für die Seele?"

mit einer schlimmen Nachricht
"Wir haben eine schlimme Nachricht für Sie." Polizistin und Notfallseeslsorger müssen den fassungslos erschrockenen Blick des Menschen aushalten, dem wir dann sagen: "Ihr Mann, Ihre Frau, Ihr Kind ist tot!"
Die Polizei bleibt, bis alle sachlichen Fragen beantwortet sind: Was ist passiert? Wie ist es passiert? Kann ich den Toten nochmal sehen?
Der Notfallseelsorger bleibt. Die Fragen sind: Warum? Wie kann Gott das zulassen? Wer ist schuld? Wie soll ich jetzt weiterleben? Das alles ist so sinnlos!

Notfallseelsorge ist Erste Hilfe für die Seele...
... wenn der Seele von einer Sekunde auf die andere eine tiefe Wunde gerissen wird. Dazu braucht es Menschen, die denen beistehen, die verzweifelt versuchen das Unfasbare zu fassen.
Notfallseelsorge gibt keine vorschnellen Antworten, gibt der Verzweiflung aber einen geschützten Raum und versucht die Hoffnung anzubahnen, dass das Leben trotz und mit dem schlimmen Verlust weitergehen wird. Das ist auch Vorbeugung einer "Posttraumatischen Belastungsstörung".

2016-09-20