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Polizeiseelsorge
Aufgaben

Foto: Blåfield
Schutz Leute
Polizistinnen und Polizisten brauchen einen geschützten Raum, in dem sie erzählen können, wie es ihnen wirklich geht. Sie schauen in die Abgründe dessen, was Menschen widerfahren kann und was Menschen anderen Menschen zufügen können. Bei aller professionellen Routine: Das geht an niemandem einfach so vorbei.Beichte heißt das mit dem alten Kirchenworten. Und das meint eben nicht, im Beichtstuhl Sünden zu bekennen. Beichte heißt vor allem, einen Ort vor Gott zu haben, wo ich erzählen kann, wie es wirklich ist. Diesen Ort schützt der Staat selber, weil er weiß, dass Menschen diese Möglichkeit für ihre seelische Gesundheit brauchen. Er schützt das Beichtgeheimnis in Form des Zeugnisverweigerungsrechts eines Pfarrers vor Gericht.
2016-08-02


Seelsorge

Wenn sich ein Polizist/eine Polizistin an die Polizeiseelsorge wendet findet er dort:
• einen Menschen, der Polizei kennt (Feldkompetenz)
• einen Menschen, der gelernt hat, hilfreiche Gespräch zu führen (Seelsorgeausbildung)
• und er kann sicher sein, dass das Erzählte unzerbrüchlich unter dem Beichtgeheimnis
  geschützt ist (Zeugnisverweigerungsrecht)



Berufsethik

Das "Gute" mit "bösen Mitteln" erreichen!

Das ist ein ethischer Grundkonflikt im Polizeidienst.
Das "Gute" ist: für Sicherheit und Ord-
nung sorgen, damit wir friedlich zu-
sammen leben können.
Die "bösen Mittel" sind in dem Begriff
des Gewaltmonopls des Staates zusam-
mengefasst. Polizisten müssen zuweilen
Gewalt anwenden (unmittelbarer Zwang
bis hin zum Schusswaffengebrauch), um
"das Gute" durchzusetzen.

Polizeiseelsorge erkennt die Zumutung, die es für den Menschen in der Polizeiuniform bedeutet, Gewalt anwenden zu müssen, damit wir, die Bürgerinnen und Bürger es nicht tun müssen.

Weitere ethische Herausforderungen entstehen, wenn die Ziele des polizeilichen Ein-
satzes den eigenen inneren Überzeugungen des Menschen in Polizeiuniform wider-
sprechen. Beispiele sind: Schutz von Neonazi Demonstrationen, Sicherung von Atom-
mülltransporten (Gorleben) u.v.m. Aber auch im normalen Schichtdienst kommt es immer wieder zu ethischen Herausforderungen. Einsätze bei häuslicher Gewalt sind da zu nennen, aber auch sexueller Missbrauch, besonders  bei Kindern.

Menschen, die in einem derart sensiblen Bereich arbeiten, brauchen ethische Reflexion ihres beruflichen Handelns. Die Polizeiseelsorge ist im Fach "Berufsethik" an der Aus-
bildung zum Polizeiberuf beteiligt. Dies geschieht mit 40 Unterrichtseinheiten in 3 Mo-
dulen des Bachelorstudienganges an der Hessischen Hochschule für Polizei und Ver-
waltung
(HfPV).

Eine Besonderheit am Standort Kassel sind die "Praxisreflexionstage" während des sog. "großen Praktikums". Die Polizeistudierenden kommen für zwei Tage zusammen, um die erlebte Praxis zu reflektieren. Angeleitet werden sie dabei von Dozenten unterschied-
licher Fachbereiche, eben auch der Berufsethik.



Geistliche Angebote

Neben Seelsorge und Berufsethik sind die geistlichen Angebote fester Bestandteil des Angebots der Polizeiseelsorge. Das sind 

  • Adventsgottesdienst
  • Einkehrtage im Kloster Germerode: "In der Ruhe liegt die Kraft"
  • Pilgern auf den Spuren der Heiligen Elisabeth von Eisenach nach Marburg