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Montag, 26. November 2012

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«Tägliches Brot» - Bericht vor der Landessynode
Bischof Hein thematisiert Umgang mit Lebensmitteln

Hofgeismar (medio). Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, stellte seinen Bericht auf der Herbsttagung der Landessynode am heutigen Montag unter das Thema «Tägliches Brot». Hein stellte fest: «Das tägliche Brot ist (...) bei uns vorerst gesichert». Aus der Dankbarkeit gegenüber Gott ergebe sich daher für Christen die «Verantwortung für die materiellen und sozialen Grundlagen unserer Gesellschaft». 15 Millionen Tonnen Lebensmittel würden in Deutschland jährlich weggeworfen. Daher stelle sich die Frage nach der Verteilungsgerechtigkeit. Der Bischof würdigte ausdrücklich die sogenannten «Tafeln». Dies sei ein Weg, mit dem Thema regional umzugehen, so Hein.

Für die gerechte Versorgung mit Lebensmitteln im globalen Maßstab spielten auch die Faktoren Klimawandel und Boden eine Rolle: «Wir müssen den Boden wieder respektieren lernen», forderte der Bischof. Für die Energiewende seien die nachwachsenden Rohstoffe wegen der abnehmenden Erdölvorräte von besonderer Bedeutung. Damit steige das Interesse an Agrokraftstoffen, so Hein. Bei der Förderung von Bioenergie sei deshalb unbedingt darauf zu achten, weder eine Verknappung von Nahrungsmitteln noch eine Preiserhöhung zu bewirken.

Ehrfurcht vor den Lebensmitteln: Die Macht der Konsumenten

Die Organisation «Brot für die Welt» nehme für die evangelischen Kirchen in Deutschland den biblischen Auftrag wahr. «Land zum Leben – Grund zur Hoffnung» - das Motto der diesjährigen Aktion «Brot für die Welt» - sei nahe am Thema dieses Berichtes, so Hein. Aus Albert Schweitzers ethischem Grundsatz «Ehrfurcht vor dem Leben» leitete der Bischof für die Überflussgesellschaft den Grundsatz ab:«Ehrfurcht vor den Lebensmitteln». Darin sieht Hein eine «Bildungsaufgabe auch für unsere Kirche». Der Bischof nannte als besonders gelungenes Beispiel die Aktion «5.000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt», an der im Herbst des Jahres rund 1.170 Jugendliche aus 75 Kirchengemeinden teilnahmen.

Er wies darauf hin, dass kirchliche Pachtverträge Richtlinien für die ordentliche Bewirtschaftung und ökologische Kriterien enthielten. Konkret werde es für jeden Einzelnen, wenn "wir unser eigenes Konsumverhalten überprüfen», sagte Hein. Dazu gehöre es, saisonal und regional einzukaufen und zu kochen. «Es gibt keinen zwingenden Grund, im Winter frische Erdbeeren zu essen», so der Bischof. Das gelte auch für die Lebensmittelbschaffung in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen. Großverbraucher würden von Aktionen wie «Zukunft einkaufen» oder «Fairer Kaffee in den Kirchen» dabei unterstützt. Großen Handlungsbedarf gebe es hier vor allem beim Ausbau des regionalen Handels. Kurhessen-Waldeck beteilige sich daher an einem Projekt, das eine Veränderung der Beschaffungsmodalitäten in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen entwickle, berichtete Hein.

2012-11-26

Abendmahlsbrot weckt Dankbarkeit und Ehrfurcht

«Im Leben der Kirche ist Brot weit mehr als ein Nahrungsmittel», so Bischof Hein. Es sei immer auch das Brot des Abendmahles, um das im Vaterunser gebetet werde. Christus sei das Brot des Lebens: «Wenn wir das Brot des Abendmahls empfangen, lernen wir beides: Dankbarkeit und Ehrfurcht – auch im Blick auf unser täglich Brot», sagte der Bischof.

Frauenordination, Ökumene, Reformationsdekade

In seiner Jahresrückschau nahm Bischof Hein die Jubiläumsfeier «50 Jahre Frauenordination in Kurhessen-Waldeck» in den Blick und fragte danach, «welchen Schatz an geistlichen Erfahrungen und Impulsen sich eine Kirche eigentlich versagt, die keine Frauen ordiniert». Der von zahlreichen Prominenten unterschriebene Aufruf «Ökumene jetzt» fordere, die Ökumene in Richtung einer Einheitskirche voranzutreiben. Hein teile das ökumenische Anliegen, sehe die angestrebte Einheitskirche aber kritisch. Ein erster Schritt wäre, wenn die katholische Kirche die reformatorischen Kirchen anerkennt, so Hein. Auch pflege der Bischof intensiv die weltweiten ökumenischen Kontakte; das Thema «Tägliches Brot» sei dadurch angestoßen worden.

Zwei Veranstaltungsreihen zur Reformationsdekade in der Landeskirche hob Hein besonders hervor: die kirchenmusikalische Konzertreihe 366+1 des Themenjahres «Reformation und Musik» in der Karwoche und eine Festwoche mit wissenschaftlichem Symposion zum 475. Jubiläum der «Schmalkaldischen Artikel». Beide seien sehr erfolgreich gewesen, so Bischof Hein.

Abschließend warf der Bischof noch einen Blick auf die laufenden Reformprozesse, die neben einer Aufbruchsstimmung auch «starke Beharrungskräfte» freilegten. Hein richtete die Bitte an die Synodalen, sich dafür einzusetzen, «nach vorne zu blicken und die notwendigen Veränderungsprozesse (...) voranzubringen und abzuschließen». Wichtige Schritte dabei seien auch der in der vergangenen Woche auf der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit großen Mehrheiten beschlossene Kooperationsvertrag der beiden hessischen Kirchen sowie die Fusion der beiden Diakonischen Werke. Hein  hoffe auf ebenso große Zustimmung in Kurhessen-Waldeck.

Abschließend richtete der Bischof seinen Dank an alle Mitarbeiter und Gremien für ihre Arbeit. (26.11.2012)

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Bischof Martin Hein im Wortlaut:

PDF-Dokument

Nachgefragt:

Bischof Martin Hein im medio!-Interview zum Umgang mit Lebensmitteln und Nahrungsmitteln als Energieträger:

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Internetradio:

Hören Sie hier einen Beitrag zum Thema von medio!-Redaktionsleiter Christian Fischer:

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Eröffnungsgottesdienst in Hofgeismar
Prälatin Natt: Kirche braucht Glauben an die Zeit, in der sich Träume erfüllen

Hofgeismar (medio). Die 12. Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist am 26. November 2012 zu ihrer sechsten Tagung im nordhessischen Hofgeismar zusammengetreten. Auftakt der Herbsttagung war um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Hofgeismarer Brunnenkirche, in dem Prälatin Marita Natt predigte.

In ihrer Predigt über 5. Buch Mose, 34, 1-7 knüpfte die Prälatin an die berühmte Rede von Martin Luther King aus dem Jahre 1963 an: «I have a dream» («Ich habe einen Traum»). Viele Träume gingen erst nach einem sehr langen Weg oder gar nicht in Erfüllung, sagte Natt. So habe auch Mose auf dem Berg Nebo gestanden und in das gelobte Land geschaut, ohne es zu erreichen. Er musste vorher sterben. «Ist er deswegen gescheitert?» - fragte die Prälatin.

Mit Blick auf sein Leben hielt Natt fest, dass Mose mit seinem aufbrausenden Charakter und seiner mangelnden Redefähigkeit «keine Führungskraft für ein Wirtschaftsunternehmen» gewesen wäre - wohl aber eine «Führungskraft für Gott!». Mose habe verstanden, dass Gottesfurcht die Voraussetzung für geeignete Führungskräfte ist. Im Vertrauen, dass seine Vision sich erfüllen werde, hätte Mose getrost sterben und den Stab weitergeben können, so die Prälatin.

Der Glaube, «dass die Zeit kommen wird, in der die Träume sich erfüllen», ist wichtig auch die Arbeit für und an der Kirche, so Natt. Mit der Gewissheit, dass Gott mit ihnen geht, könnten die Menschen das Ziel im Auge behalten. (26.11.2012)

2012-11-26

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier die Predigt von Prälatin Marita Natt im Wortlaut:

PDF-Dokument

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Impressionen des Tages

(Alle Fotos: medio.tv/Schauderna)

2012-11-26