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Dienstag, 27. November 2012

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«Chance für Neugestaltung nutzen»
Vizepräsident Dr. Knöppel berichtet über Finanzentwicklung der Landeskirche

Hofgeismar (medio). Der Leitende Jurist der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Vizepräsident Dr. Volker Knöppel, sieht die kirchliche Arbeit zukünftig vor weiteren und zum Teil deutlichen Herausforderungen. Die relativ gute Konjunktur der vergangenen Monate in Deutschland habe, so Knöppel in seinem Finanzbericht vor der Landessynode, zu einer deutlich erkennbaren Stabilisierung der kirchlichen Finanzlage geführt. Gleichzeitig hob er am Dienstag in Hofgeismar die Notwendigkeit der Fortführung der Konsolidierungsarbeit hervor, wie sie sich u.a. in der Arbeit des Zukunftsausschusses zeige.

Bei der Kirchensteuerentwicklung im Zusammenhang mit der Entwicklung des Steueraufkommens insgesamt liege die Landeskirche mit einem Pro-Kopf-Kirchensteueraufkommen von 152,42 Euro pro Jahr im Rahmen der 22 EKD-Kirchen auf dem 12. Platz, so der Vizepräsident. Eine deutlich positive Entwicklung benannte Knöppel für den Bereich der Kirchensteuereinnahmen. Für 2011 ergebe sich insgesamt eine Kirchensteuersteigerung um 3,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2010. Tragende Säule sei mit 80 Prozent die Kirchenlohnsteuer, die im Jahr 2011 bei 4,42 Prozent Steigerung 122,8 Mio. Euro ergab. Zusammen mit der leicht gesunkenen Kircheneinkommensteuer von 23,9 Mio. Euro und den Einnahmen aus der Kirchensteuer aus Kapitalerträgen von 1,5 Mio. Euro ergeben sich laut Knöppel damit Einnahmen von 148,2 Mio. Euro.

Auch im Jahr 2012 sei bis Ende Oktober ein weiterer Anstieg zu verzeichnen. Diese positive Entwicklung führte der Vizepräsident auf die gute Beschäftigungslage und Konjunktur zurück. Der Trend werde aber bei vorübergehender Stabilität nicht anhalten. Neben den allgemeinen wirtschaftlichen Aussichten müssten für den Bereich der Landeskirche zusätzliche Faktoren, wie die sinkende Mitgliederzahl (Ende 2011 unter 900.000), die ländliche Struktur und der demographische Wandel berücksichtigt werden. An der Finanzierung der EKD beteilige sich die Landeskirche über einen Schlüssel (2,46 Prozent) im Umlageverfahren; insgesamt würden rund 9 Mio. Euro bzw. 6 Prozent des Gesamtkirchensteueraufkommens der Landeskirche aufgebracht, erläuterte Knöppel.

2012-11-27

Kirchensteuerdiskussion und Dank an Kirchensteuerzahler

Der Vizepräsident stellte fest, dass Kirchen sich hinsichtlich ihrer Steuereinnahmen und Staatsleistungen unter einem immer deutlicher werden Rechtfertigungsdruck befänden. Die «Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen unseres kirchlichen Wirkens in der Gesellschaft» seien zunehmend angefragt, so Knöppel weiter. Er nannte beispielhaft die Diskussion um den 3. Weg, den Feiertagsschutz und eine teilweise aggressiv-religionskritische Haltung in der öffentlichen Diskussion. «Die allseits akzeptierten gesellschaftlichen Koordinaten, in denen sich Kirche bislang bewegen konnte, sind nicht mehr stabil», sagte Knöppel. Wichtig sei daher, selbstbewusst zu zeigen, welchen Dienst die Kirche für die Gesellschaft einbringe.

In seinem Bericht hob der Vizepräsident besonders die Kirchensteuerzahlerinnen und -zahler hervor: «Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, mich bei allen Gemeindegliedern für die Entrichtung der Kirchensteuer und anderer Zuwendungen herzlich zu bedanken», so Knöppel.

Aktuelle Projekte und Aufgabenfelder

Während des Zeitraums 2011 bis 2012 konnte erneut eine Steigerung beim «Freiwilligen Kirchgeld» verzeichnet werden. Zahlreiche Kirchengemeinden hätten Initiativen zur Einführung entwickelt. Exemplarisch benannte Knöppel u.a. den Kirchenkreis Hofgeismar, in dem seit 2009 eine Steigerung von 69 Prozent  auf 93.000 Euro erreicht werden konnte. In den Gemeinden der Landeskirche würden z.Z. 140 Fundraisingprojekte parallel beraten. Hier stünde vor allem die langfristige Finanzierung von Projekten im Vordergrund. Der erste zweijährige Ausbildungskurs für Fundraising sei auf sehr positive Resonanz gestoßen. Für die Stiftung Kirchenerhaltungsfonds gebe es laut Knöppel Überlegungen, ab dem Rechnungsjahr 2013 Sondermittel in Höhe von jährlich etwa 200.000 bis 300.000 Euro zusätzlich aus landeskirchlichen Mitteln zur Verfügung zu stellen.

Im Weiteren ging Knöppel auf die anstehende Einführung der Doppik in der Landeskirche ein, die gut vorankäme. Er verwies auf den von der EKD herausgegebenen Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlagen hin, an dessen Kriterien sich die Landeskirche orientiere, dabei sei die EKK ein guter und verlässlicher Partner. Die Rechnungsprüfung habe im vergangenen Jahr wieder Kassenprüfungen in den Kirchenkreis- und Stadtkirchenämtern, in kirchlichen Stiftungen, Einrichtungen und Körperschaften, sowie die Kassenprüfung des Landeskirchenamtes umfasst. Dabei übernehme das Rechnungsprüfungsamt nicht nur reine Prüfaufgaben, sondern berate und begleite den Prozess der Umstellung auf die Doppik.

Mit einem Dank an die über 41.000 ehrenamtlichen und die über 25.000 haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiter beschloss der Vizepräsident seinen Bericht und lud mit Blick auf den Zukunftsausschuss ein, «die Chance zu nutzen, aktiv an der Neugestaltung unserer Landeskirche mitzuwirken». (27.11.2012)

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Finanzbericht von Vizepräsident Dr. Volker Knöppel im Wortlaut:

PDF-Dokument

Nachgefragt:

Vizepräsident Dr. Knöppel im medio!-Interview zur Entwicklung der Kirchensteuer, zum Zukunftsausschuss und zur öffentlichen Diskussion über die Kirche:

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Beschlüsse zum Arbeits- und Kirchenrecht
Landessynode macht Weg zur Fusion der Diakonischen Werke in Hessen frei

Hofgeismar (medio). Die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat am Dienstag in Hofgeismar mit Beschlüssen zum Arbeits- und Kirchenrecht den Weg für eine Fusion des Diakonischen Werks in Hessen und Nassau sowie des Diakonischen Werks in Kurhessen-Waldeck zur Diakonie Hessen geebnet.

Auch die Kirchensynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau hatte auf ihrer Herbsttagung am 23. November 2012 der Fusion zugestimmt. Somit kann die Fusion im Jahr 2013 vollzogen werden.

Landeskirchenrat Landespfarrer Horst Rühl, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks in Kurhessen-Waldeck und zugleich Diakoniedezernent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, zeigte sich nach den Beschlüssen erleichtert: «Wir sind einen großen Schritt weitergekommen und befinden uns nunmehr nach sechs Jahren aufwändiger Gespräche und Arbeiten auf der Zielgeraden. Zukünftig wird die hessische Diakonie in der Sozialpolitik mit einer Stimme sprechen.

Das bedeutet, dass wir gegenüber der Landesregierung auch ein höheres Gewicht haben werden. Unser Profil wird stärker und schärfer», heißt es in einer Pressemitteilung der Landeskirche. Rühl ginge zugleich davon aus, dass dieses Profil in Zukunft auch deutlicher in die beiden hessischen Kirchen wirke. «Stark werden auch unsere Mitglieder profitieren, wenn wir unsere Leistungen noch professioneller anbieten können und die Interessen von insgesamt 33.000 Beschäftigten vertreten.»

Aufruf an Gewerkschaften

2012-11-27
Bei seiner Einbringung der Gesetzestexte in die Landessynode ging der Landespfarrer auch auf die Diskussionen um den Dritten Weg ein: «Wir weisen die Vorwürfe der letzten Zeit zurück, die Kirche und Diakonie bezichtigt haben, keine gerechten Löhne zu zahlen. Die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts vom Dienstag letzter Woche hat die nun von der Synode beschlossenen Gesetzesentwürfe so bestätigt, dass an den Vorlagen keine Veränderungen mehr nötig waren. Die klare Zustimmung beider Synoden ist für mich eine Stärkung der Diakonie. Hier und heute fordern wir die Gewerkschaften - insbesondere Ver.di - erneut auf, sich nicht weiter der Mitwirkung am Dritten Weg zu entziehen, sondern diesen aktiv mitzugestalten. Dies gerade nach der von ihnen so positiv beurteilten Entscheidung des Bundesarbeitsgerichtes, die die Beteiligung der Gewerkschaften am Dritten Weg noch einmal betont», so Rühl in seiner Einbringungsrede.

Hintergrund zur Fusion der Diakonischen Werke im Jahr 2013

Das Diakonische Werk in Hessen und Nassau sowie das Diakonische Werk in Kurhessen-Waldeck werden im Jahr 2013 fusionieren. Die Fusion wird mit der für Sommer 2013 geplanten Eintragung in das Vereinsregister vollzogen sein und ab diesem Zeitpunkt rückwirkend zum 1. Januar gültig. Bereits ab Januar sollen beide Verbände in den neuen Organisationsstrukturen arbeiten. Der komplette Name des neuen Dachverbands für diakonische Einrichtungen in Hessen mit dem thüringischen Schmalkalden sowie dem rheinland-pfälzischen Teil des hessen-nassauischen Kirchengebiets soll «Diakonie Hessen - Diakonisches Werk in Hessen und Nassau und Kurhessen-Waldeck e.V.» lauten - im alltäglichen Sprachgebrauch wird es nur «Diakonie Hessen» genannt werden. Das neue Werk wird seinen Hauptstandort in Frankfurt und einen weiteren Standort in Kassel haben.

Wichtige Termine bis zur Fusion waren zunächst die Herbsttagungen der beiden Synoden der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sowie der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Um auf dem Weg dorthin weiter zu kommen, waren einige Gesetzesänderungen notwendig, die die Synode am  27.11.2012 auf ihrer Tagung in Hofgeismar vorgenommen hat. Sie hat den Entwürfen der Kirchengesetze, des Mitarbeitervertretungsgesetzes und des Arbeitsrechtsregelungsgesetzes zugestimmt. Im Frühjahr 2013 schließlich sollen die Frühjahrssynoden beider Landeskirchen ihre Zustimmung zur Satzung des neuen Werkes geben. (27.11.2012)

Nachgefragt:

Pfarrer Dr. Wolfgang Gern und Pfarrer Horst Rühl stellten sich als zukünftige Vorstandsmitglieder der neuen Diakonie in Hessen den Fragen von medio!-Redaktionsleiter Dr. Siegfried Krückeberg am 31. Oktober 2012 in Frankfurt am Main:

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Nachgefragt:

Oberlandeskirchenrat Rüdiger Joedt, Dezernent für Arbeitsrecht, äußert sich im medio!-Interview zu der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (Streikrecht von kirchlichen und diakonischen Mitarbeitern):

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Impressionen des Tages

(Alle Fotos: medio.tv/Küster)

2012-11-27