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Nachgefragt...

Bischof Prof. Dr. Martin Hein stellte sich den Fragen von medio!-Redaktionsleiter Christian Fischer am 26.4.2013 in Hofgeismar.

Fischer: Sehr geehrter Herr Bischof, ein Schwerpunkt dieser Synodaltagung ist das Thema Zukunft. Wohin geht die Reise in Kurhessen-Waldeck?

Bischof Hein: Die erste Aussage muss lauten: Die Reise geht weiter, weil wir eine große Verheißung haben, aus der wir leben, nämlich dass Christus bei uns ist – ganz unabhängig davon, wie sich unsere Kirche in organisatorischer Gestalt darstellt.
Wir stellen jetzt die Weichen, damit der Zug auf eine richtige Spur gebracht werden kann. Wir überlegen weitreichende Schritte. Wir handeln vorausschauend. Und wir hoffen, dass wir auf diese Weise auch in Zukunft unserem Auftrag nachgehen können, das Evangelium von Jesus Christus zu verkündigen.

Fischer: Sie sprechen von Einschnitten, von Maßnahmen. Was sind die größten Herausforderungen?

Bischof Hein: Die Herausforderungen haben damit zu tun, dass unsere Kirche kleiner wird – und zwar, was die Mitglieder angeht. Es sind nicht in erster Linie die Austritte, aber es werden nicht mehr so viele Kinder geboren, es ziehen junge Menschen aus dem Gebiet unserer Landeskirche in andere Regionen Deutschlands. Das alles hat zur Folge, dass wir uns auf eine zurückgehende Mitgliederschaft einstellen müssen.
Das bedeutet auch, dass wir weniger Pfarrstellen vorhalten werden, weil wir sie dann nicht mehr bezahlen können, und das tut weh. Ich würde auch lieber Pfarrstellen einrichten statt streichen, weil ich weiß, wie wichtig sie sind. Ich würde auch gerne andere Arbeitsbereiche wie Kirchenmusik, Jugendarbeit, Diakonie stärken, aber dazu fehlt uns unter den gegenwärtigen Bedingungen das Geld. Und von einer Synode und von allen anderen kirchenleitenden Gremien kann und muss auch erwartet werden, dass sie frühzeitig Entscheidungen treffen, die sich langfristig als tragfähig erweisen. Genau das hoffen wir zu tun.

Fischer: Häufig richtet sich der Blick beim Sparen in Richtung Kirchenleitung. Was können denn die Gemeinden tun?

Bischof Hein: Die Gemeinden sollen gar nicht so viel sparen. Das wäre falsch, und wir wollen auch keine Gemeinden schließen. Was die Gemeinden tun könnten in dieser Situation ist, sich weiterhin ehrenamtlich so verantwortlich engagieren, wie sie es bisher getan haben. Wir haben in diesem Jahr Kirchenvorstandswahl. Es gibt viele Herausforderungen, denen sich die Kirchenvorstände stellen müssen. Insofern bin ich sehr dankbar, dass sich auch diesmal wieder Menschen bereit erklären, für ihre Gemeinde einzustehen und zu schauen, wie es unter erschwerten Bedingungen möglich ist, fröhlich und attraktiv Kirchengemeinde zu sein.

Fischer: Herr Bischof, Sie hatten einen prominenten Gast in Hofgeismar. Bischof Kameeta aus Namibia. Welche Bedeutung hat eine solche Partnerschaft für die Landeskirche?

Bischof Hein: Ich bin selbst seit über zehn Jahren im Weltkirchenrat engagiert. Mir ist deutlich, dass es ganz wichtig ist, den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus zu werfen und zu wissen: Wir sind solidarisch miteinander verbunden, wir können Gemeinden und Kirchen in Übersee unterstützen, aber wir lernen auch von ihren Erfahrungen. Ökumene ist kein schmückendes Beiwerk für unsere Kirche, sondern eine zentrale Aufgabe. Und dieser Aufgabe wollen wir uns weiterhin stellen. Das Leben der eigenen Kirche wird bereichert, wenn wir wissen, es gibt anderswo andere Kirchen, die mit uns verbunden sind.
Das drückt sich unter anderem in unserer Syrienhilfe aus, die von unserer Synode unterstützt worden ist. Wir haben für unsere Partnerkirche, die rum-orthodoxe Kirche in Syrien und im Libanon, kleine Hilfsprogramme entwickelt. Sie können heutzutage in einer globalisierten Welt nicht mehr Kirche für sich sein, sondern wir sind miteinander verbunden.

Fischer: Was hat sie in diesen Kontakten persönlich geprägt?

Bischof Hein: Mein Blick ist ungemein geweitet worden, vielleicht auch meine Toleranz hinsichtlich der verschiedenen Gestaltungsformen, wie man Christsein leben kann. Ich finde, seither denke ich «bunter» und neugieriger.

Fischer: Herr Bischof, vielen Dank für das Gespräch.

(26.04.2013)

2013-05-02

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