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Montag, 25. November 2013

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Bericht vor der Landessynode
Bischof Hein ermutigt Kirchenvorstände zu «Geistlicher Leitung»

Hofgeismar (medio). In seinem Bericht vor der Landessynode hat sich der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, am Montag mit der Frage der «Geistlichen Leitung» befasst. Wie die Sprecherin der Landeskirche mitteilte, sei Anlass dazu die Kirchenvorstandswahl im September gewesen. «Diese Kirchenvorstandswahl war eine Erfolgsgeschichte!», sagte Bischof Hein in Hofgeismar. 8.747 evangelische Christen hätten ihre Bereitschaft erklärt, Mitverantwortung für die Gestaltung des Gemeindelebens zu übernehmen. 5.071 seien direkt zu Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern gewählt worden. Gemeinsam mit den zu Berufenden würden in den kommenden sechs Jahren ca. 7.000 Kirchenvorstandsmitglieder die evangelischen Gemeinden in Kurhessen-Waldeck leiten, so der Bischof.

«Nur wenige gesellschaftliche Organisationen können einen derart hohen Grad an ehrenamtlichem Engagement im Leitungsbereich verzeichnen», würdigte Hein dieses Ergebnis und wies darauf hin, dass die neuen Kirchenvorstände nun vor der Frage der Gestaltung dieser Leitungsverantwortung stehen: «Gibt es in der Kirche eine besondere Art und Weise der Leitung? Und wenn ja, worin ist das begründet und wie drückt sich das aus?», fragte Hein.

Kirchenvorstand: Bedeutendes Leitungsorgan mit geistlichen Profil

Hein betonte, der Kirchenvorstand sei ein bedeutendes Leitungsorgan mit einem geistlichen Profil. In gemeinsamer Verantwortung mit den Pfarrerinnen und Pfarrern leite er die Gemeinde. Allen Christen sei in der Taufe ein geistliches Amt verliehen, so Hein weiter. Sie sei die einzige «Weihe», die es in der evangelischen Kirche gebe. Auch das Predigtamt sei daher Aufgabe aller Christen und dürfe nicht auf das Pfarramt reduziert werden. Alle anderen Ämter in der Kirche seien rein funktional bestimmt. Aus ihnen sei keine Herrschaft der einen über die anderen abzuleiten, so der Bisachof.

Verkündigung, Unterricht, Seelsorge und Diakonie stehen nach der Grundordnung der Landeskirche unter einem Wächteramt, einer Sorgepflicht und einem Auftrag zur Förderung, betonte Hein. «Das sind starke, geistliche Begriffe, die man zunächst eher mit dem Pfarramt oder sogar mit dem Bischofsamt in Zusammenhang bringen würde. Aber sie gelten für den Kirchenvorstand!», so der Bischof. Auch die administrativen und fiskalischen Aufgaben gehörten zur Leitungsverantwortung des Kirchenvorstandes. Alles Bedenken und Entscheiden stehe dabei stets unter der geistlichen Leitfrage: «Dient es dem Ziel, die Bezeugung, besser gesagt: die Kommunikation des Evangeliums, zu ermöglichen?»

Der Bischof als leitender Geistlicher

In Bezug auf das Bischofsamt verwies Bischof Hein auf die Grundordnung der Landeskirche in der der Bischof als «leitender Geistlicher» benannt werde und daher ein Pfarrer sein müsse. Er habe aber darüber hinaus keinen höheren Weihegrad. Die Beschreibung des leitenden Handelns des Bischofs in der Grundordnung erinnere an die Aufgaben, die im Kern auch dem Kirchenvorstand zugeschrieben würden: «Wachen, Sorgen, Fördern» – und dies mit einer starken Betonung auf der Lehre. Der Bischof sei somit nichts anderes als der oberste Pfarrer, weil er der gesamten Landeskirche verpflichtet sei und sie als Geistlicher leite. Dies tue er vor allem durch regelmäßige Visitationen, Personalgespräche, den Vorsitz in landeskirchlichen Entscheidungsgremien, die Ordination und nicht zuletzt durch die Predigt, führte Hein aus.

Die Landessynode: Ausdruck gemeinsamer Leitungsverantwortung

Das Verhältnis zwischen Bischof und Landessynode beschreibe die Grundordnung als ein «Miteinander und Gegenüber», referierte Hein. Ein weiteres Grundprinzip sei die «unaufgebbare Einheit geistlicher und rechtlicher Leitung». Kirche orientiere sich somit auch in ihren rechtlichen Vollzügen an ihrer ureigenen Sache, nämlich am Wort Gottes. Auch die Landessynode sei nicht nur eine administrative oder legislative Versammlung, die sich aus einem pragmatischen Grund treffe, so der Bischof. Sie solle laut Grundordnung ihre Beratungen «in brüderlicher Aussprache» führen. Dabei beschreibe das Wort «brüderlich» (heute «geschwisterlich») eine Haltung sowie eine besondere Art und Weise des Umgangs miteinander in einer Gemeinschaft, die einzig durch das Wort Gottes gegründet ist, so Hein.

«Nur wo es geistliches Leben gibt, kann es auch geistliche Leitung geben»

2013-11-25
In seinem Bericht gab Hein für die Entfaltung geistlichen Leitens Orientierungshilfen vor: Zum einen sei sicherzustellen, dass die Kirche weiterhin das Evangelium bezeugen könne. Dabei müsse sie sich bewusst sein, dass sie sich in einer «harten Konkurrenz um öffentliche Aufmerksamkeit» befinde und daher im doppelten Sinne eine «ansprechende» Kirche sein müsse. Als solche vermittle sie wesentliche Impulse zur Entfaltung der eigenen Frömmigkeit und ermutige zu einer bewussten Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde. Eine besondere Aufmerksamkeit gelte dabei den Vermittlungsinstanzen wie Gottesdienst, Seelsorge, Unterricht und Diakonie. Hein forderte: «Wir müssen lernen, mehr über unsere Kommunikation zu kommunizieren.»

Es bleibe zu beachten, dass die Erfahrungen mit Gemeinschaft und das Bedürfnis danach bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt seien. Die Gemeinschaft des Glaubens erfahrbar zu machen bedeute somit, sich um eine «Gemeinschaftspflege zwischen Gruppenzwang und unverbindlicher Klientelwirtschaft» zu bemühen. Ebenso sei sicherzustellen, dass die Dimension christlicher Weltverantwortung im Blick bleibe. Die Verkündigung des Evangeliums sei ein «fundamentaler Beitrag zur Gewissensbildung angesichts der ethischen Probleme der Gegenwart», so der Bischof. Aus ihrem Glauben heraus ergebe sich für Christen die Notwendigkeit, sich zu ethischen Fragen zu verhalten. Kirchliche Leitung habe die Aufgabe, sich in gesellschaftliche Debatten einzumischen und in ihnen öffentlich die «bleibende Aktualität und Lebensdienlichkeit» der biblischen Aussagen darzustellen – auch wenn es nicht dem Mainstream entspreche und auf Widerspruch treffe, so Hein. Abschließend verwies Bischof Hein auf das Gebet als Keimzelle des geistlichen Lebens. «Nur wo es geistliches Leben gibt, kann es auch geistliche Leitung geben. Und nur, wo sich die Leitungsorgane auf allen Ebenen zuerst und zuletzt als Geleitete verstehen und dies im Gebet ausdrücken, kann Kirchenleitung gelingen», so der Bischof.

Zur Lage in Syrien und zu den Ereignissen in Limburg

Hein dankte allen Spendern, die sich im Laufe des vergangenen Jahres an den landeskirchlichen Sammlungen für die Syrien-Hilfe beteiligt hatten und machte gleichzeitig deutlich, dass angesichts der dramatischen Lage im Land auch weiterhin dringend Spenden benötigt werden. Ebenso sei es nötig, sich um die Flüchtlinge zu kümmern, die nach Deutschland kommen. Der Bischof ermutigte die Gemeinden, sich mit ihren Möglichkeiten für eine stärkere Willkommenskultur vor Ort einzusetzen.

Zu den Ereignissen im katholischen Bistum Limburg betonte Hein, die evangelische Kirche habe sich hier nicht als Richter aufzuschwingen. Dennoch sei es höchst ärgerlich, dass die evangelische Kirche die Schäden, die durch verloren gegangenes Vertrauen im Bistum Limburg entstanden seien, mittragen müsse. «Jeder einzelne Kirchenaustritt ist schmerzlich. Und wenn er aus Gründen geschieht, die wir als evangelische Kirche mit unserer transparenten Haushaltspolitik nicht zu verantworten haben, dann ist das umso schmerzlicher,» so Bischof Hein. Diese Ereignisse machten deutlich, wie wichtig es sei, ein klar erkennbares Profil im Hinblick auf Führung und Leitung zu entwickeln «und zu kommunizieren, warum wir als evangelische Kirche aus guten Gründen eben kein hierarchisches Kirchenmodell vertreten.» (25.11.2013)

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Bischof Martin Hein im Wortlaut:

PDF-Dokument

Nachgefragt:

Bischof Martin Hein im medio!-Interview zum Verständnis des Leitens in der Kirche und zur kirchlichen Leitungskultur:

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Eröffnung der Herbsttagung
Präses Schulze: Transparenz oberstes Gebot evangelischer Finanzwirtschaft

Hofgeismar (epd/medio). Das erste Gebot einer evangelischen Finanzwirtschaft ist nach Aussage des Präses der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kirchenrat Rudolf Schulze, Transparenz und die Übereinstimmung mit der christlichen Botschaft. Mit diesen Worten eröffnete Schulze am Montag in Hofgeismar die Herbsttagung der Landessynode. Das zweite Gebot bestehe darin, die Finanzen demokratisch zu verwalten. «Wer anvertrautes Geld zweckentfremdet, dem glaubt man auch die fromme Botschaft nicht», sagte er unter Verweis auf die Vorgänge im katholischen Bistum Limburg. Auch die evangelische Kirche werde in Mithaftung dafür genommen, was dort geschehen sei.

Schwerpunkte der Beratungen der Landessynode, die bis einschließlich Mittwoch dauern werden, sind u.a. der Bericht des Bischofs zum Thema «Geistlich leiten», der Finanzbericht von Vizepräsident Dr. Volker Knöppel, die Haushalts- und Finanzplanung mit Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2014 / 2015 sowie Kirchengesetze über die Errichtung der Kirchenkreise Fritzlar-Homberg, Eder, Twiste-Eisenberg und Hanau. (25.11.2013)

2013-11-26

Nachgefragt:

Präses Rudolf Schulze im medio!-Interview zur kirchlichen Finanzkontrolle und zu den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an den Gebäuden der Ev. Akademie Hofgeismar:

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Gottesdienst zur Eröffnung der Herbsttagung
Prälatin Natt: Was braucht es, um glücklich zu sein?

Hofgeismar (medio). Was braucht es, um glücklich zu sein? Dieser Frage stellte sich Prälatin Marita Natt in ihrer Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Herbsttagung der Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am Montagvormittag in Hofgeismar. «Um glücklich zu sein brauchen Menschen Werte, an denen sie sich orientieren können», sagte Natt. Ermutigung, Ansporn und Orientierungshilfe sei die Jahreslosung für das kommende Jahr: «Gott nahe zu sein ist mein Glück.» (Ps. 73,28).

Orte und Gespräche, in denen die Nähe Gottes erfahrbar werde, seien in Zeiten der Hoffnungslosigkeit, der Orientierungssuche und des Zweifels von großer Bedeutung, so die Prälatin. Kirchen seien solche Orte und die Glaubensgemeinschaft eine Stütze und ein Halt. Natt ermutigte die Synodalen, diese Stärken zu erkennen und in die kommenden Überlegungen die Orientierung am 73. Psalm einfließen zu lassen, um dauerhafte Werte und auch den Wert der Kirche neu zu entdecken. (25.11.2013)

2013-11-25

Im Wortlaut:

Lesen Sie hier die Predigt von Prälatin Marita Natt im Wortlaut:

PDF-Dokument

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Impressionen des Tages

(alle Fotos: medio.tv/Schauderna)

2013-11-25